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Da sich nun aber diese Zeichen nicht nur in solchen vom Ringe umschlossenen Königsnamen, sondern auch sonst fanden, so versuchte er sich mit den also erschlossenen Lautwerten auch an anderen Inschriften. Dabei nahm er bildliche Darstellungen, über denen sich eine Inschrift befand, und die foptische Sprache zu Hülfe. Da war z. B. der König dargestellt, der dem Gott aus einem Gefäß spendete, und über diesem stand die Gruppe 1 hinter der bald ein Krug (8) oder zwei Krüge , bald ein Weinstock Hoof standNach seinem Alphabet mußte er das Wort arp lesen, und durfte nach der Darstellung eine Bedeutung wie „Wein" vermuten, eine Vermutung, die fast zur Gewißheit wurde, als er die foptische Sprache befragte, in welcher npn „Wein“ bedeutet. Dieses Wort offenbarte ihm gleichzeitig in dem lekten Zeichen die Existenz der oben besprochenen Deutzeichen, der Determinative, die den Sinn eines lautlich geschriebenen Wortes angaben. So gelangte Champollion zu der Erkenntnis, daß die ägyptische Schrift aus lautlichen und bildlichen Zeichen bestehe, und wenn er auch in Einzelheiten das System der ägyptischen Schrift theoretisch nicht richtig erkannt hat die Bedeutung der Silbenzeichen ist ihm nicht völlig klar geworden so hatte er doch bereits im Jahre 1822 in der Hauptsache das große Rätsel gelöst. Sehr bald lieferte er den Beweis, daß sich mit dem neuen Schlüssel Inschriften wirklich lesen und verstehen ließen. Voll Staunen stehen noch heute die Epigonen des großen Meisters vor seinen Überseßungen, die Wunderwerke divinatorischer und me thodischer Kombination sind. So manches, was erst durch die Arbeit

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Verhältnis zu anderen Schriftsystemen.

AO. VIII, 2

von Jahrzehnten als gesichertes Gut eingebracht worden ist, ist hier bereits vorher richtig erkannt worden. So durfte Champollion, als er, 42 Jahre alt, die Augen schloß, mit dem Bewußtsein sterben, daß sein stolzer Bau auf festem Fundamente stand. Was auch alles die Zukunft, vor allem in den leßten beiden Jahrzehnten, an Neuem gebracht hat, die Grundlagen der von Champollion begründeten Wissenschaft sind unverändert geblieben, und so ist auch das Bild, das hier von der ägyptischen Schrift entwickelt worden ist, in den Hauptzügen dasselbe, das einst ihr genialer Entzifferer in seiner ersten grundlegenden Arbeit entworfen hat.

Ehe wir noch einen Blick auf die Sprache werfen, sei hier kurz die schwierige Streitfrage beantwortet, ob das ägyptische Alphabet über die Grenzen Ägyptens hinaus Verbreitung gefunden hat, vor allem, ob es, wie oft behauptet wird, der Vater des phonizischen und somit in leßter Linie auch des unsrigen sei. Die bisherigen Forschungen haben in keiner Weise den Beweis für die ägyptische Herkunft des phönizischen Alphabets erbracht 1. Über die Nordgrenze scheinen die Hieroglyphen nicht hinausgekommen zu sein. Dagegen haben sie sich im Süden in Nubien Eingang verschafft. Die Tempel dieser südlichen Enklave Ägyptens waren in der pharaoni: schen Zeit ebenso mit Hieroglyphen geschmückt, wie die des Stammlandes, und aus dieser Schrift hat das in der römischen Kaiserzeit entstandene meroitische Reich unter starken Umbildungen eine neue Schrift geschaffen, die ebenso wie die Mutterschrift eine Monumentalund Schreibschrift2 besaß, doch ist diese nicht aus jener entwickelt worden. Beide sind noch nicht entziffert.

Die ägyptische Sprache, die Seele der ägyptischen Schrift, ist eine Mischsprache, die den femitischen Sprachen (arabisch, aramäisch, hebräisch usw.), den fuschitischen Sprachen (Bischari, Agau, Galla, Somali usw.) und den nordafrikanischen Berbersprachen verwandt ist. Die beiden lektgenannten Sprachgruppen einschließlich des Ägyptischen pflegt man hamitische Sprachen zu nennen. Vielleicht – aber mehr als eine Hypothese ist das nicht — wanderten in unvordentlicher Zeit semitische Nomaden in das fruchtbare Niltal ein und verschmolzen hier mit der Urbevölkerung, die aus kuschitischen, nubischen und libyschen Stämmen bestanden haben mag, 40. VIII, 2

1) Vgl. dazu die legte klärende Behandlung der Frage von lidze barski in der Ephemeris für semitische Epigraphik I 109 ff. 268 ff.

2) AO. VI, 2 S. 30.

Die Sprache

Sprachperioden.

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zu dem einheitlichen Volfe, das wir Ägypter nennen. Sollte das der historische Hintergrund des sprachlichen Befundes sein, dann würde die ägyptische Geschichte mit jener großen, man möchte sagen, typischen Bewegung beginnen, die in das Schicksal aller morgenländischen Völker so tief eingegriffen hat, mit jenem ewigen elementaren Gegensaß zwischen Wüste und Kulturland, zwischen Nomaden und Bauern, als dessen Phasen historische Ereignisse, wie der Einfall der Hyksos in das Niltal, die Eroberung Kanaans durch die Hebräer und die Ägyptens durch die Araber zu betrachten sind. So sind, um die semitische Sprachverwandtschaft zu charakterisieren, die ägyptischen Wörter für manche Körperteile und Zahlwörter sowie eine Reihe von Pronominal- und Verbalformen dieselben wie in den semitischen Sprachen.

Nahezu 5000 Jahre hat die Sprache nachweislich gelebt, aus diesem Zeitraum besißen wir monumentale Zeugen, und in dieser ganzen Zeit war sie – was sehr bedeutsam ist – die Sprache eines Kulturvolfes. So ist es sehr begreiflich, daß sie in diesen Jahrtausenden große Wandlungen durchgemacht hat. Wir unterscheiden jeßt folgende Hauptperioden, von denen die 4 ersten sich der ägyptischen Schrift in ihren beiden Formen, der Monumentalund Buchschrift bedienen:

1. Das Altägyptische die Sprache des
Volkes in der älteren Zeit (etwa 3000 bis

Die iepà 2000 v. Chr.), welche die klassische Sprache

γλώσσα bes wurde und als solche sich in der religiösen

Manetho und gelehrten Literatur bis in die späteste

Zeit behauptet hat.
2. Die Volkssprache des mittleren Reiches (etwa

2000—1500 v. Chr.).
3. Die Volkssprache des neuen Reiches, das

„Neuägyptische“ (etwa 1500–800 v. Chr.). Die xocvn
4. Die Volkssprache der Spätzeit, die uns in diážextos des
der demotischen Schrift vorliegt und daher

Manetho „demotisch" genannt wird. Doch wird auch die alte klassische Sprache in dieser Schrift

geschrieben. (Etwa 800 v. Chr.—200 n. Chr.)) 5. Das Koptische – die in griechisch-demotischem Alphabet ge

schriebene Sprache der christlichen Ägypter (Kopten). Etwa 200—1600 n. Chr.

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Die koptische Sprache.

40. VIII, 2

Junerhalb dieser Sprachperioden spielen auch die verschiedenen Mundarten eine Rolle. So ist uns für das 12. vorchristl. Jahrhundert (Papyrus Anastasi I, 28, 6) bezeugt, daß die Dialekte von Ober- und Unterägypten so stark voneinander abweichen, daß ein Bewohner des Deltas einen Oberägypter nur sehr schwer verstehen konnte. Da die Unterschiede aber nur in den Vokalen lagen, welche die ägyptische Schrift gar nicht oder nur unzulänglich bezeichnete, so fönnen wir die verschiedenen Dialekte erst im Koptischen feststellen, dessen Schrift die Vokale wiedergibt. Nicht weniger als 5 Mundarten sind uns zurzeit aus dieser jüngsten Entwidlung der ägyptischen Sprache literarisch bekannt geworden.

Aber nicht nur für die Kenntnis der verschiedenen Dialekte ist die Vokalschreibung des Koptischen für uns wichtig geworden, sondern noch viel mehr dadurch, daß es erst so möglich geworden ist, die in der älteren Schrift rein konsonantisch geschriebenen Wörter zu vokalisieren. Wenn z. B. die alte Schrift das Wort „Blut“ snf schreibt, so lehrt uns das kopt. cnog „Blut“, das man das alte Wort snof zu vokalisieren hat. Mag auch die Nuance des betreffenden Bildungsvokals eine andere gewesen sein, so läßt sich doch mit Sicherheit aus der Tochtersprache die Stellung und die allgemeine Natur dieses Vokals in der Muttersprache erschließen. So ist also für die Ägyptologen die koptische Sprache das, was dem Alttestamentler die Masora, die Vokaltradition bedeutet. Sie hat erst den alten Konsonantengerippen Fleisch und Blut gegeben. Neben dem Koptischen haben sich aber noch keilschriftliche und griechische Transkriptionen für die Rekonstruktion altägyptischer Wörter von großem Wert erwiesen.

Diese theoretischen Ausführungen seien zum Schluß noch an einigen Beispielen praktisch erläutert. Ich beginne mit der ägyptischen Bezeichnung für den König „Pharao“. Das Wort sieht in der ägyptischen Monumentalschrift, den Hieroglyphen, so aus pr-'}

Es wird mit dem Wortzeichen (Bildzeichen) für Haus [] ägyptisch pr und dem Silbenzeichen 3 (vgl. Abb. 1) geschrieben, das „groß“ bedeutet. Also Pharao heißt „großes Haus“ und bezeichnete ursprünglich den Palast des Herrschers und erst später diesen selbst. Es liegt also ein ähnlicher Bedeutungsübergang vor, wie z. B. in dem Ausdruck „hohe Pforte", mit der die türkische Regierung bezeichnet zu werden pflegt. Die Vokalisation des im Altägyptischen konsonantisch geschriebenen pra's ergibt

.פרעה

AO. VIII, 2

Erklärung einiger ägyptischer Wörter.

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sich aus der koptischen Form nepo, welche etwa die Lesung per-'03 an die Hand gibt. Zu uns aber ist das Wort in der griechischen Transkription Papao Pharao gelangt.

Ein anderer Name, der uns ziemlich geläufig ist, gehört dem Nomadenvolk an, das um 1700 v. Chr. Ägypten eroberte und längere Zeit beherrschte, den Hyksos, die hieroglyphisch so aussehen:

( Pay U17

ḥk3(-2) $3św Diese Lesung kommt auf folgende Weise zustande: P ist ein dreifonsonantiges Silbenzeichen uķ3 ( ), dem man einen Konsonanten zur Verdeutlichung des Lautwerts beigefügt1 hat.

Der sißende Mann 'determiniert begrifflich das lautlich geschriebene Wort þķ3 als eine Person, die drei Striche dahinter bezeichnen den Plural, der durch die Endung w gebildet wird. Da diese Endung hier, wie meist, nicht phonetisch geschrieben wird, so wird sie von uns durch ein eingeklammertes (-w) umschrieben. Das nächste Wort ist mit zwei Silbenzeichen und $3 und 1 św geschrieben, denen beiden die lautlichen Ergänzungen 3 und

= w beigegeben sind. Vor dem bereits besprochenen Personendeterminativ, dem die 3 Pluralstriche folgen, steht ein Pfahl ), welcher das Determinativ von Fremden ist

. Die Überseßung des Namens kann eine doppelte sein, je nachdem man die klassische oder die Volkssprache zugrunde legte. Das Wort hk3 bedeutete in der ersteren - nur in dieser kommt es vor ,,Fürst, König“, aber das Wort š3św, bezeichnete in der Literatursprache die „Nomaden“ im Südosten Palästinas, in der späteren Volkssprache und so noch im Koptischen hieß es mit einem leichten Bedeutungswandel „Hirt“. Das betreffende koptische Port ywe gibt auch die Vokalisation $(3)"}(42) an die Hand. Zu uns ist auch dieser Volksname_durch griechische Vermittlung gelangt, und zwar durch den ägyptischen Priester Manetho, der in der ersten

1) Solche alphabetische Komplemente haben zur Lautbestimmung der Silbenzeichen geführt.

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