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AD. VIII, 3

Die Inschriften. Nordphönizien.

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fann) und Baus oder Weihinschriften, welche über Ausführung von Bauten oder Errichtung von Weihgegenständen handeln. Was davon unterschieden ist, steht in seiner Art meist ziemlich vereinzelt. So der Ehrungsbeschluß aus Athen (der vielleicht griechischem Brauch seine Entstehung verdankt!) und die farthagischen Opfertarife.

Für uns sind die einzelnen Inschriften oft durch ganz andere Eigenschaften wertvoll als ihre eigentliche Bestimmung. Die Opfertarife liefern einen wertvollen kulturgeschichtlichen Einblick in die Gesellschaftsordnung, welcher auch dem Bibellejer manche Erinnerung wachrufen und ihm manche Stelle in hellerem Lichte erscheinen lassen wird. Die Grabinschrift eines Eichmun-azar ist für uns eher eine geschichtliche Urkunde und bei dem Mangel an Nachrichten sind wir wohl mehr geneigt, auch die übrigen Inschriften, welche Königsnamen oder Datierungen enthalten, in solchem Zusammenhang als in dem ihrer eigentlichen Meinung zu betrachten, sei es, daß sie wie die Tabnits auch Grabinschrift, sei es wie die Bod-Astarts Bauinschriften sind.

Nordphönizien ist vom Gebiete der eigentlichen Phönizier oder Sidonier“ politisch stets getrennt gewesen und hat, soweit das überhaupt bei den gleichartigen Lebensbedingungen möglich ist

, eine Gruppe für sich gebildet. Wir können aus den geringen Sprachproben, die wir haben, dialektische Abweichungen von der Sprache der südlichen Gruppen feststellen, welche merkwürdigerweise auf engere Verwandtschaft mit dem Hebräischen hindeuten. Die Sprache dieser Völker Kanaans muß in der Zeit, wo die großen Einwanderungen eben jener Völfer stattfanden”, eine Verbreitung gehabt haben, welche weit über das Gebiet des Küstenlandes hinausreichte. Erst durch die Einwanderungen der hettitischen und dann der aramäischen Völker in Syrien sind die fanaanäischen Dialekte auf ihr engeres Gebiet zurückgedrängt worden. Manches wird sich dabei in vereinzelten Landschaften erhalten haben und so haben wir in der Gegend von Sam’al (Sendschirli) im Amt - der Ebene der von Norden kommenden Nebenflüsse des Orontes – eine Sprache, welche in verschiedenen Stufen die Übergänge von einer eher als fanaa näisch oder phönizisch anzusehenden Sprache zur aramäischen zeigt. Dieser Übergangsprozeß gehört dann der Zeit von der Mitte des 9. bis zur Mitte des 8. Jahrh. v. Chr. an. In derselben Gegend, zwei Stunden westlich von Sendschirli, bei

1) Vgl. AD. II, 4. S. 10.

2) AD. I, 1o S. 14; II, 42 S. 5. 1) AD. II, 42 S. 10.

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Hassan-beili. Arvad. Byblos.

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Hasjan-beili, ist eine ganz verstümmelte Inschrift gefunden worden, welche aber in den paar erkennbaren Worten eins der wichtigsten Zeugnisse für diese Bevölkerungsverhältnisse gibt. Sie ist zweifellos „phönizisch“ in diesem Sinne abgefaßt worden, enthielt wahrscheinlich eine Weihung an den (Himmelsbaʻal baal schamim) und sprach vielleicht vom „König von Afsur“.

Das eigentliche phönizische Gebiet beginnt in Norden mit dem Bereiche des Königreiches Arvad 1.

Von dort sind bis jeßt nur zwei Inschriften bekannt, welche aus den gegenüber der Insel Kuad (dem alten Arvad), gelegenen Ansiedlungen (Amrith) stammen. Die eine steht auf einer Stele, welche eine kosmologische Darstellung enthält: auf den beiden Kuppen des Weltberges steht ein Löwe und über diesem der Hauptgott

eine Gestalt ähnlich dem Marduk der Babylonier, oder dem Teschub der Hettiter und über diesem die Embleme der großen Gestirne. Die Inschrift ist so schwer erkennbar, daß sie lange überhaupt nicht bemerkt worden ist. Sie hat nur drei kurze Zeilen umfaßt und was sich mit Sicherheit feststellen läßt, ist nur, daß sie die Weihung an einen Gott enthält dann doch offenbar den dargestellten, dessen Namen Clermont-Ganneau als Schadrapha lesen zu können glaubt. Von der Ruinenstätte gegenüber von Kuad, dem alten Antaradus (Tel Kamge) stammt eine in ihrem Sinne noch nicht ganz sicher gedeutete Inschrift auf einem Steine: „Hermeias, was er errichtet hat (d. h. Weihung), für Dmd, Sohn von T'ich l". Die Eigennamen sehen fremdartig aus.

Die nächste größere Phönizierstadt nach Süden zu ist Byblos, wo zahlreiche Spuren des Altertums vorhanden sind. Freilich find auch von dort erst zwei Inschriften bekannt, die aber beide eine größere Bedeutung in der phönizischen Epigraphit haben. Die jeßt im Berliner Museum befindliche ältere von beiden ist, wie so viele, nur Bruchstück

. Sie steht auf einer Steinplatte mit dem hieroglyphischen Namenschilde des Königs Scheschonk I. (also des Zeitgenossen Kehabeams und Jerobeams), der auf einem Königszuge Palästina vorübergehend unter ägyptische Herrschaft gebracht hat. Die phönizische Inschrift ist abgebrochen und bestand nur aus zwei Zeilen am einen, und einer am andern Ende. So wenig sich vom Inhalt noch feststellen läßt, namentlich im Verhältnis zu dem, was wir von ihr hören möchten, so ist doch die Beziehung zu Ägypten

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Byblos. Sachu-melet.

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und zu Byblos sicher. Aber ob sie in Byblos geseßt worden ist, ob der Stein zu diesem Zwecke von dem Weihenden aus Ägypten gebracht worden ist, ist nicht festzustellen. Unschäßbar wäre sie, wenn sie gleichzeitig mit der ägyptischen, also aus Scheschonks Zeit wäre. Sie wäre dann das älteste Denfinal phönizisch-kannanäischer Schrift. Aber das ist wenig wahrscheinlich. Es muß doch wohl eine spätere Weihung sein. Der Wortlaut der Inschrift ist: „Abi-baal

, m 1 ich von Ägypten, der Baalat von Byblos“. Es ist also eine Weihung an die Hauptgöttin der Stadt. Der Name des Weihenden ist phönizisch, er war also ein Beamter seines Volts in Ägypten oder aber ein in Ägypten zu Würden gelangter. Phönizier – etwas nicht Seltenes.

Die zweite Inschrift berichtet von Bauten eines Königs von Byblos, dessen Zeit man wahrscheinlich unter die persische Herrschaft zu jeßen haben wird. Die Gegenstände, deren Herstellung darin erwähnt wird, sind doch wohl als zum Tempel der Stadtgöttin, der Baalat von Gobal gehörig zu denken 1:

Ich bin Jachu-melek, König von Gobal (Byblos), Sohn Jachu-baals, Enkel Or-melets, Nönigs (2)von Gobal, den gemacht hat die Fürstin, die Baalat von Gobal, zum König über Gobal. Ich rufe an (preise) (3) meine Fürstin, die Baalat von Gobal, [weil sie erhört hat meine Stimme. Und ich errichtete für meine Fürstin, die Baalat (4) von Gobal, diesen Altar aus Erz, welcher steht in diesem [Hofe), und diese Tür aus behauenem Stein, welche sich befindet (5) gegenüber (vor) diesem [Hofe?] und diese " ? t aus behauenem Stein, welche sich befindet in[mi]tten des (Steijnes, welcher steht an (liegt über?) dieser Tür aus behauenem Stein. (6) Und diese Säulenhalle und ihre Säulen und die (Capitäle,] welche darüber sind, und die Deđplatten habe ich gemacht, (7) Fachu-melek, König von Gobal, für meine Fürstin, die Baalat von Gobal. Denn, als ich anrief meine Fürstin, (8) Baalat von Gobal, da erhörte sie meine Stimme und erwies mir Gutes.

Es segne Baalat von Gobal Jachu-melek, (9) den König von Gobal, und gebe ihm Leben und verlängere seine Tage und Jahre (Regierung) über Gobal, [denn) ein gerechter (auch legitimer) König ist er. Und es gebe (10)(ihm die Fürstin Ba]alat von Gobal Gnade in den Augen der Götter und in den Augen des Volkes dieses Landes und Gnade (vor) dem Volke des Landes (11) [. .... bis in Ewigkeit).

1) Die Wiedergabe der Inschriften beabsichtigt ein Bild von deren Inhalte zu geben. Auf sprachliche Einzelheiten, genauere Wiedergabe der Eigennamen, Hervorhebung von Unsicherem, Kennzeichnung der verschiedenen Sicherheitsgrade der Erklärung wie bei einer Bearbeitung zu wissenschaftlichen Zwecken, muß hier verzichtet werden.

2) Hier hat man vorgeschlagen zu ergänzen: andern (anderer Länder). Oder aber es müßte der Name eines Volkes also nicht eines Königs! gestanden haben, welches die Oberherrschaft über Byblos hatte. Das wäre nur in griechischer Zeit denkbar, aber selbst da hat wohl Byblos nicht zum attischen Bunde gehört. In allen andern Fällen - in persischer und in der Diadochenzeit müßte ein König genannt sein. An römische Herrschaft kann man kaum noch denken.

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Sidon: Tabnit.

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Geber Fürst und jeder Kenich, welcher noch etwas tun will an dijem AL (12)(tar und diejer Lüjt aus behauenem Stein und diejer Säulenhale: da lege ich gachu-melet, (13) (König von Gobal, Hiberipruch ein gegen) die Ausführung diejes Bertes: Du sollst nicht jeßen meinen Kamen neben deinen und jollft nicht ... (14). .

an diejen Ort. Und [jeder (15) der den joll dertilgen) die Fürstin Baalat don Gobal, ihn jelbst und jeine Kathlommenschaft,

Aus Beirut, der nächsten der großen Hafenstädte ist noch keine phönizische Urkunde ausgetaucht. Die Stadt hat während der Zeit, wo diejenige phönizische Kultur blühte, welche Inschriften hinterlassen hat, feine selbständige Rolle gespielt.

Die größere Bedeutung von Sidon, dem nächsten und zeitweilig bedeutendsten Punkt phönizischen Volfslebens, fommt in einer Reihe von Inschriften zum Ausdruc, welche zu den inhaltreichsten gehören. Vor allem sind es die der Familie Tabnits, darunter seine eigene und seines Sohnes Grabinjchrift. Die Zeit, in welche diese fallen, ist gegeben durch die Berufung Eichmun - azars auf den ,,Herrn der Könige". Das ist, wie sicher steht, der Titel, welchen die Ptolemäer als Oberherrn geführt haben. Dadurch sind wir auf die Zeit von ungefähr 300 v. Chr. an abwärts verwiesen und zwar wohl nicht viel tiefer; eine Anzahl von Schwierigkeiten, welche sich hier ergeben, berühren nur die eingehende Forschung.

1. Tabnits Sarg. Der Sarg und die Mumie des Königs sind im Museum zu ftonstantinopel (vgl. S. 8).

,,Ich bin Tabnit, der Briefter der Astart, Rönig der Sidonier, Sohn (2) Edmun-azars, Priesters der Astart, Königs der Sidonier, welcher in diesem Sarge ruht. (3) Wer du auch seist, jeder Mensch, der du findest diesen Sarg, nicht sollst du (4) öffnen seinen Deckel und nicht mich stören. Denn nicht ist bei mir Silber, nicht ist bei mir (5) Gold, noch irgend etwas an Wertsachen(?). Nur ich liege in diesem Sarge. Nicht folst du öffnen (6) seinen Dedel und nicht mich stören, denn ein Frevel gegen Astart (7) wäre dieses Tun. Und wenn du doch öffnen (8)solltest seinen Deckel und mich stören solltest, nicht soll dann sein dir Nachkommenschaft? im Leben unter der Sonne (9) noch eine Ruhestätte bei den Schatten.

2. Der Sarg Eschmun - azars; befindet sich im Museum des Louvre (gefunden s. S. 7). Nach der Deutung von Zeile 2/3 ist Eschmun-azar als „Sohn einer Witwe“ geboren, das wäre nach

1) Ähnlich die Fluchformel der Meilinschriften: „soll (der Gott) ausrotten seinen Namen und seine Nachkommenschaft“ 11. ä.

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Eichmun-azar.

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dem Tode seines Vaters, als nachgeborenes Kind; dann wäre er nach 3. 1 nur 14 Jahre alt geworden, da sein Regierungsbeginn von der Geburt an rechnen würde. Die Inschrift ist von seiner Mutter Em - astart geseßt, welche die Regierung auch bei seinen Lebzeiten geführt hat, und sie dann f. die folgenden Inschriften - an den Nachfolger abtreten mußte.

Im Monat Bul, im Jahre vierzehn der Regierung des Königs Eschmun-azar, Königs der Sidonier, (2) Sohnes des Königs Tabnit, Königs der Sidonier: es spricht der König Eschmün-azar, König der Sidonier, folgendermaßen:

Ich bin dahingerafft (3) vor meiner Zeit, ein Kind von wenig Jahren (d. h. wenig Jahre alt), kränklich (?), eine Waise, Sohn einer Witwe. Und ich liege in diesem Sarge und in diesem Grabe (4) in der Stätte, die ich erbaut. Wer du auch seist, König oder Untertan, nicht soll man öffnen diese Grabstätte und (5) nicht suchen in ihr irgend etwas, denn nicht ist irgend etwas darin. Und nicht sollen sie wegnehmen den Sarg meiner Grabstätte und nicht mich fort- (6) tragen aus der Grabstätte nach einer andern Grabstätte. Und wenn die Menschen dich beschwaßen (dich anstiften dazu), so höre nicht auf sie. Denn jeder König oder Untertan, welcher öffnet die Kammer dieser Grabstätte oder der fortnimmt den Sarg meiner Grabstätte, oder der mich fortträgt aus dieser Grab- (8) stätte, nicht soll denen sein eine Grabstätte bei den Schatten und nicht sollen sie begraben werden in einem Grabe, und nicht soll ihnen sein ein Sohn oder Nachkommenschaft (9) nach ihnen. Und es sollen sie zu Schanden bringen (in Ungnade) die heiligen Götter bei dem mächtigen König 3, welcher über sie herrscht, daß er sie aus- (10) rotte, denjenigen Mönig oder Untertan, welche öffnen die Kammer dieser Grabstätte, oder welche forttragen diesen (11) Sarg; und (ausrotte) die Nachkommenschaft dieses Königs oder Untertanen. Nicht soll ihnen sein eine Wurzel unten noch (12) Frucht oben, noch eine Blüte 4 im Leben unter der Sonne. Ich nämlich

bin dahingerafft vor meiner Zeit, ein Kind von wenig (13) Jahren, kränklich(?), eine Waise, der Sohn einer Witwe ist.

Ich bin nämlich Eschmun-azar, König der Sidonier, Sohn (14) des Königs Tabnit, Königs der Sidonier, Enkel des Königs Eschmun-azar, Königs der Sidonier; und meine Mutter® ist Em-astart, (15) Priesterin der Astart,

wir 5

war.

1) Und die Würde der (Ober)priesterin der Astart, die vielleicht wichtiger
Tabnit ist ,,Priester der Astart“, während sein Sohn das nicht ist.
2) In Wort und Zahl.

3) d. i. dem Oberherrn in diesem Falle der König von Ägypten (vgl. S. 14). Die Phönizier stehen seit Jahrhunderten unter der Herrschaft von ,,Großkönigen“ (Assyrer, Perser, dann Alexander und nachher den Diadochen, Seleukiden, dann dauernd Ptolemäer).

4) Der Vergleich ist vom Baume genommen: Der Tote im Grabe ist die Wurzel seines Geschlechtes, welches in seinem Vertreter blüht wie Stamm und Blätter und Früchte trägt die Nachkommenschaft. 5) Bersehen des Steinmeßen.

6) Þier, tritt deutlich die Rolle der Mutter als Regentin hervor, die für den Sohn spricht.

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