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AD. VIII, 3

Spärlichkeit der Inschriften.

Perserherrschaft, meist jogar der hellenistischen, angehören, während wir doch gerade aus derjenigen Zeit Nachrichten und Zeugnisse haben möchten, wo in Phönizien wie im benachbarten Israel sich der Gebrauch einer eigenen Schriftsprache unter dem Einfluß eines verhältnismäßig selbständigen politischen Lebens entwickelt hat, d. h. ungefähr vom 10. bis zum 6. Jahrh. v. Chr.

Die Erklärung für diese ungünstige Sachlage gibt die Geschichte des Landes; durch die persische Eroberung sind die phönizischen Handelsstädte in politische Verhältnisse gekommen, welche ihrer friedlichen Entwicklung und damit der Anhäufung von Reichtum besonders günstig waren. Die Zugehörigkeit zu einem großen Staatsverbande ist an und für sich für ein handeltreibendes Volk von großem Vorteil, da sie ihm die Gewähr eines freieren und ungestörten Verkehrs bietet. Dann aber sind die Phönizier von den Perjern sicher besonders rücksichtsvoll behandelt worden, denn sie stellten ihnen den größten Teil der Mittelmeerflotte und waren n den Kämpfen mit dem Griechentum der festeste Rückhalt für sie?. Die Vereinigung von griechischer und orientalischer Welt durch Alexander und den Hellenismus führte eine Blütezeit des Verkehrs im Mittelmeere herauf, und wenngleich die Phönizier jest nicht mehr die bevorzugte Seemacht waren, so haben sie doch in dem bald wieder erstandenen Gegensaß zwischen Agypten und Syrien (Ptolemäer und Seleukiden) eine gewichtige Rolle gespielt und ihren Vorteil wahrzunehmen verstanden. Das römische Weltreich bot dann noch günstigere Bedingungen und so darf man sich die Jahrhunderte von der Perserherrschaft bis zur Aufsaugung des phönizischen Vollstums als Zeiten reichen Wohlstandes vorstellen.

Das Land hat dabei naturgemäß seine Kultur weiter entwickelt und ist namentlich den Einflüssen der verschiedenen Länder unterworfen gewesen, mit denen es im regsten Verkehr stand. Vor allem hat griechisches Wesen immer mehr um sich gegriffen und ist schließlich hier siegreich geblieben. Denn in den Jahrhunderten nach Christus müssen wir uns ein allmähliches Aufhören des phönizijchen Volkstums denken, das schließlich seinen Ausdruck in dessen Erjak der alten Landessprache durch das Griechische findet. Schon früher aber hat der Hellenismus in den führenden Schichten der Bevölkerung um sich gegriffen und damit auch seinen Einfluß in der Verwaltung und in der Kunst ausgeübt. Soweit namentlich die lektere

1) AO. II, 42 S. 28.

Gründe für die Seltenheit der Ultertümer.

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in Betracht fommt, muß das reiche Land damals sein Ausjehen start geändert haben; die griechischen Einflüsse haben die starren altorientalischen Formen immer inehr zurückgedrängt. Der Reichtum des Landes hat aber eine starke Bautätigkeit veranlaßt und in dem dicht bevölkerten Gebiete. hat man in diesen Jahrhunderten die alten Bauten abgetragen, um sie durch neue, im neuen Geschmack errichtete zu erseßen. Für die archäologische Erforschung ist das kein günstiges Verhältnis. Länder, deren Kultur einen schnellen Untergang gefunden hat und die dann lange wüst gelegen haben, bieten ihr unter dem schüßenden Schutte reichere Ausbeute: dort, wo die aufräumende Hand der späteren Generation tätig gewesen ist, ist von den Resten älterer Zeiten meist nicht viel übrig geblieben. Das ist der Hauptgrund, warum der Boden Phöniziens jo wenig ergiebig an Altertümern aus vorhellenistischer Zeit ist und warum wohl auch für die Zukunft kein bedeutender Zuwachs erwartet werden fann. Selbst das meiste von dem, was den phönizischen Charakter trägt, besonders die Inschriften, die wir haben und erwarten dürfen, reichen nicht über die Zeiten dieser Umwälzung hinauf. Nur zufällig erhaltene Stücke dürfen wir wohl zu besigen hoffen, solche welche ichon das Phönizien des Hellenismus als Altertümer angesehen hätte. Aber auch die Altertümer dieser verhältnisinäßig jüngeren Zeit sind nicht allzu zahlreich. Das Altertuin und das frühe Mittelalter hat damit aufgeräumt. Was Geldeswert besaß, war von Anfang an, wie uns die Grabinjchriften zeigen werden, ein Gegenstand der Schaßgräber und von den zahllojen Feljengräbern, mit welchen der Boden Phöniziens durchseßt ist, blieben fast nur solche verschont, von denen man im voraus wußte, daß sie feine jolche Ausbeute versprachen. Die Denkmäler der Baukunst mußten aber späteren Zeiten als Baumaterial dienen und sind so im Laufe der Jahrhunderte für immer zu Grunde gegangen. . .

.. Der Untergang der phönizischen Sprache und damit das Aufhören nicht nur des Seßens yon Inschriften, sondern auch ihres Verständnisses, hat man wohl mit dem Umsichgreifen des: Christentums in gleichem Verhältnis anzunehmen. · Phönizisch ist im 3. Jahrh. n. Chr. im Mutterlande faum noch gejprochen worden und mit den Tempeln, deren lebte Constantin umstürzen ließ, ist wohl auch die lekte Pflegestätte phönizischer Sprache gefallen, wenn die Priesterschaft nicht vielleicht schon vorher die alten Überlieferungen ausgegeben hatte. Auf nordafrikanischem Boden hat sich das Punische länger behauptet, hier hat das Christentum sich nicht AQ. VIII, 3

Das Studium der phönizischen Inschriften.

feindlich gegen das alte Volfstum zu stellen brauchen. Als der Islam die byzantinische Herrschaft ablöste, war längst jede Überlieferung des phönizischen Altertums verloren gegangen und bei den Kämpfen zwischen abendländischem und islamischem Mittelalter, welche gerade um den Besiß der ehemals phönizischen Häfen geführt worden sind, wurde das Material, welches das spätere Altertum hinterlassen hatte, in den Befestigungen verwertet. :

Phönizische Inschriften sind etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts vereinzelt bekannt geworden, und man hat sich schon bald darauf um das Verständnis bemüht, ohne daß es dabei über ein Raten aufs Geratewohl hinauskommen konnte. Eine wissenschaftliche Bearbeitung, die zugleich als Begründung des neuen Verständnisses der Inschriften und der phönizischen Sprache zu gelten hat, ging erst aus von dem Begründer des wissenschaftlichen Studiums des Hebräischen in Deutschland, Wilhelm Gesenius (geb. 1786, 1809 Professor in Halle a. S., † 1842). Nach mancherlei Vorarbeiten hat dieser zum ersten Male das gesamte zu seiner Zeit zugängliche Inschriftenmaterial sorgfältig und genau herausgegeben und in einer Weise behandelt, welche als der Ausgangspunkt der jeßigen Forichung gelten muß. Die nahe Verwandtschaft des Phönizischen mit dem Hebräischen machte den Begründer der modernen hebräischen Grammatik zum berufensten Bearbeiter des Gegenstandes. Die Bemühungen Frankreichs um die Erringung politischen und wirtschaftlichen Einflusjes in Syrien haben dann eine besondere und erfolgreiche Pflege unseres Zweiges der Altertumswissenschaft herbeigeführt, die bis jept größte und best erhaltene der phönizischen Inschriften, die Sarginschrift Eschmun-azars war im Jahre 1855 gefunden und für das Museum des Louvre erworben worden. Als bei den Unruhen im Libanongebiet im Jahre 1860 Frankreich eine militärische Erpedition zur Herstellung der Ruhe entjandte, wurde von dem für die Altertumswissenschaft begeisterten Kaiser Napoleon III. eine archäologische Untersuchung des Landes damit verbunden, welche die nachhaltigste gewesen ist, die bis jeßt stattgefunden hat. Die wissenschaftliche Leitung lag in den Händen von Ernest Renan und der Bericht über die Ergebnisse ist in einem umfangreichen Werke niedergelegt, das noch jeßt ein Quellenwerk der phönizischen Altertumsfunde bildet?. Es wurden dabei Ausgrabungen in den großen - --

1) Mission de Phénicie dirigée par M. Ernest Renan, Paris 1864. Gr. 4°. 888 S. und ein Atlas mit 70 Tafeln. ,

Corpus inscriptionum; Ausgrabungen.

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Phönizierstädten, bejonders in Byblos und Sidon veranstaltet, die Freilich wenig Ergebnisse aus der eigentlichen phönizischen Zeit hatten. Von phönizischen Inschriften sind nur drei verhältnismäßig kurze in Um-el-awamid südlich von Tyrus gefunden worden. Trokdem die Ausgrabungen mit jeder Arbeitermenge und an jeden beliebigen Orte mit völliger Freiheit ausgeführt werden konnten, zeigten sie zum ersten Male, wie geringe Erfolge man sich wegen der geschilderten Sachlage auf phönizischen Boden leider nur versprechen kann. Das begonnene Werk der wissenschaftlichen Pflege phönizischer Altertumskunde und vor allem der Erklärung und Sammlung der Inschriften hatte aber durch dieses Unternehmen einen kräftigen Anstoß erhalten und hat jeitdem einen Mittelpunkt in Paris gefunden. Die Académie des inscriptions et belles lettres hat unter Renans Leitung die Herausgabe eines Corpus der „semi tijchen“. Inschriften beschlossen und wenn die Ausführung des Planes auch so langsam vonstatten gegangen ist, daß das Unternehmen für die übrigen Teile (aramäische, südarabische, von hebräischen ist überhaupt nichts erschienen) nicht als gelungen gelten kann, so ist wenigstens der phönizische Teil in seiner Art durchgeführt worden. Auch ist Paris der Mittelpunkt der Pflege dieser Gattung der Inschriftenkunde geblieben und man ist dort nach wie vor äußerst rührig in den Bemühungen um Sammlung alles wissenschaftlichen Stoffes. Clermont-Ganneau gilt hier als der erste Kenner.

Eine archäologische Durchforschung Phöniziens hat seit Kenan nicht wieder stattgefunden, es sind aber größere Inschriften durch Zufallsfunde bekannt geworden. Das sind vor allem 1869 die Inschrift Jachumelets, des Königs von Byblos und der Sarkophag Tabnits, des Vaters Eschmun-azars, dessen Sarg 1855 gefunden worden war, und im Jahre 1887 bei einer Ausgrabung des Direktors des Ottomanischen Museums, Hamdi bey.

Von größeren Funden kann danach wohl noch die Feststellung der Reste eines Eichmuntempels, eine Stunde nördlich von Sidon, am Nahr auli genannt werden, welche 1902 Mafridi bey gelang und die 1903 und 1904 im Auftrag des Ottomanischen Museums von ihm untersucht wurden. In den Mauern wurden eine ganze Anzahl von Inschriften mit zweierlei Tert gefunden, welche Bodastart, Sohn Eschmun-azars, allein oder in Gemeinschaft mit seinem Sohn Jatanmelek gesegt hat.

Ist so die Zahl der auf dem Boden des Mutterlandes gefundenen phönizischen Inschriften nicht groß, so sind sie im Bereiche AD. VIII, 3

Phönizische Inschriften aus anderen Ländern.

der weiteren Ausbreitung des Phöniziertums zahlreich gefunden worden, wenngleich der Umfang und die Bedeutung der einzelnen Stücke auch dort nie allzu groß ist. Auf dem Gebiete der Altertumswissenschaft erregen schon ein paar Buchstaben das Blut des hier besonders rührigen — Antiken händlers.

Vor allem ist Cypern zu nennen, das in verschiedenen Ruinenstätten, den ehemaligen Sißen von Stadtfönigen, eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Inschriften geliefert hat.

Die Mehrzahl enthält freilich nicht viel mehr als die kurzen Widmungsformeln. Die meisten stammen aus Kition, Larnaka; andere etwas inhaltsreichere aus Idalion, Tamassos und Narnaka.

Aus dem griechischen Sprachgebiete hat Delos eine Inschrift geliefert, sie enthält eine Weihung eines der sidonischen Könige, übrigens nur von ein paar Worten. Außerdem sind von der sidonischen Kolonie, wie wir sagen würden, der Metoifengemeinde, wie es griechisch heißen würde, in Athen mehrere Inschriften gefunden worden.

Aus Ägypten stammt ebenfalls eine Anzahl von Inschriften, einige Weihungen, die Mehrzahl aber in das Geschlecht der Graffiti gehörig, gelegentliche Namensverewigungen. Sie sind besonders zahlreich in Abydos.

Malta hat unter den ersten einige Inschriften geliefert, die sich freilich der Zahl nach nicht sehr vermehrt haben. Auch vom sizilischen Boden stammen nur wenige (die natürlich der Zeit der farthagischen Herrschaft angehören), Panormus, Motaja, Lilybaeum und das berühmte Aphrodite- (Astart-) Heiligtum auf dem Eryr sind die Herkunftsstätten. Die Inschrift vom Eryr ist aber nur durch eine alte Abschrift bekannt, welche die Herstellung ihres Inhalts nicht ermöglicht. Etwas ergiebiger ist der Boden Sardiniens gewesen, wo immerhin schon etwa 25 Stück bekannt sind, darunter eine (in zwei Exemplaren) aus Nora, welche der Schrift nach zu den ältesten phönizischen zu gehören scheint.

Im Gebiet des westlichen Mittelmeeres hat Frankreich auf jeinem eigenen Boden einen der bedeutendsten Funde zu verzeichnen.

In Marseille ist der größere Teil einer Steinplatte gefunden worden, welche einen Tarif für die beim Opfern zu leistenden Abgaben enthält. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß es sich um ein Stück handelt, das seinen Ursprung im alten Massilia, etwa in gleicher Weije wie die sidonischen Inschriften in Athen, gehabt hat, sondern der Stein wird irgend einmal als Kuriosum oder mit Schiffsballast

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