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Gründe für die Seltenheit der Altertümer.

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in Betracht foinmt, muß das reiche Land damals sein Ausiehen start geändert haben; die griechischen Einflüsse haben die starren alt= orientalischen Formen immer mehr zurückgedrängt. Der Reichtum des Landes hat aber eine starke Bautätigkeit veranlaßt und in dem dicht bevölkerten Gebiete, hat man in diesen Jahrhunderten die alten Bauten abgetragen, um sie durch neue, im neuen Geschmack errichtete zu erseßen. Für die archäologische Erforschung ist das kein günstiges Verhältnis. Länder, deren Kultur einen ichnellen Untergang gefunden hat und die dann lange wüst gelegen haben, bieten ihr unter dem schüßenden Schutte reichere Ausbeute: dort, wo die aufräumende Hand der späteren Generation tätig gewesen ist, ist von den Resten älterer Zeiten meist nicht viel übrig geblieben. Das ist der Hauptgrund, warum der Boden Phöniziens so wenig ergiebig, an Altertümern aus vorhellenistischer Zeit ist und warum wohl auch für die Zukunft fein bedeutender Zuwachs erwartet werden fann. Selbst das meiste von dem, was den phönizischen Charakter trägt, besonders die Inschriften, die wir haben und erwarten dürfen, reichen nicht über die Zeiten dieser Umwälzung hinauf. Nur zufällig erhaltene Stücke dürfen wir wohl zu besiken hoffen, jolche welche ichon das Phönizien des Hellenismus als Altertümer angesehen hätte. Aber auch die Altertümer dieser verhältnisınäßig jüngeren Zeit sind nicht allzu zahlreich. Das Altertuin und das frühe Mittelalter hat damit aufgeräumt. Was Geldeswert besaß, war von Anfang an, wie uns die Grabinschriften zeigen werden, ein Gegenstand der Schapgräber und von den zahllojen Felsengräbern, mit welchen der Boden Phöniziens durchseßt ist, blieben fast nạr solche verschont, von denen man im voraus wußte, daß sie feine solche Ausbeute versprachen. Die Denkmäler der Baukunst mußten aber späteren Zeiten als Baumaterial dienen und sind so im Laufe der Jahrhunderte für immer zu Grunde gegangen.

Der Untergang der phönizischen Sprache und damit das Aufhören nicht nur des Seßens von Inschriften, sondern auch ihres Verständnisses, hat man wohl mit dem Umsichgreifen des Christentums in gleichem Verhältnis anzunehmen. Phönizisch ist. im 3. Jahrh. n. Chr. im Mutterlande faum noch gesprochen worden und mit den Tempeln, deren leßte Constantin umstürzen ließ, ist wohl auch die legte Pflegestätte phönizischer Sprache gefallen, wenn die Priesterschaft nicht vielleicht schon vorher die alten Überlieferungen aufgegeben hatte. Auf nordafrikanischem Boden hat sich das Punische länger behauptet, hier hat das Christentum sich nicht

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Das Studium der phönizischen Inichriften.

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feindlich gegen das alte Volfstum zu stellen brauchen. Als der

Islam die byzantinische Herrschaft ablöste, war längst jede Über lieferung des phönizischen Altertums verloren gegangen und bei den Kämpfen zwischen abendländischem und islamischem Mittelalter, welche gerade um den Besig der ehemals phönizischen Häfen geführt worden sind, wurde das Material, welches das spätere Altertum hinterlassen hatte, in den Befestigungen verwertet.

Phönizische Inschriften sind etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts vereinzelt bekannt geworden, und man hat sich schon bald darauf um das Verständnis bemüht, ohne daß es dabei über ein Raten aufs Geratewohl hinauskommen konnte. Eine wissenschaftliche Bearbeitung, die zugleich als Begründung des neuen Verständniffes der Inschriften und der phönizischen Sprache zu gelten hat, ging erst aus von dem Begründer des wissenschaftlichen Studiums des Hebräischen in Deutschland, Wilhelm Gesenius (geb. 1786, 1809 Professor in Halle a. S., † 1842). Nach mancherlei Vorarbeiten hat dieser zum ersten Male das gesamte zu seiner Zeit zugängliche Injchriftenmaterial sorgfältig und genau herausgegeben und in einer Weise behandelt, welche als der Ausgangspunkt der jeßigen Forichung gelten muß. Die nahe Verwandtschaft des Phönizischen mit dem Hebräischen machte den Begründer der modernen hebräischen Grammatik zum berufensten Bearbeiter des Gegenstandes. Die Bemühungen Frankreichs um die Erringung politischen und wirtschaftlichen Einflusses in Syrien haben dann eine besondere und erfolgreiche Pflege unseres Zweiges der Altertumswissenschaft herbeigeführt, die bis jett größte und best erhaltene der phönizischen Inschriften, die Sarginschrift Eschmun-azars war im Jahre 1855 gefunden und für das Museum des Louvre erworben worden. Als bei den Un= ruhen im Libanongebiet im Jahre 1860 Frankreich eine militärische Erpedition zur Herstellung der Ruhe entsandte, wurde von dem für die Altertumswissenschaft begeisterten Kaiser Napoleon III. eine archäologische Untersuchung des Landes damit verbunden, welche die nachhaltigste gewesen ist

, die bis jept stattgefunden hat. Die wissenichaftliche Leitung lag in den Händen von Ernest Renan und der Bericht über die Ergebnisse ist in einem umfangreichen Werke niedergelegt, das noch jekt ein Quellenwerk der phönizischen Altertumsfunde bildet 1

Es wurden dabei Ausgrabungen in den großen

1) Mission de Phénicie dirigée par M. Ernest Renan, Paris 1864. Gr. 4° 888 S. und ein Atlas mit 70 Tafeln.,

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Corpus inscriptionum; Ausgrabungen.

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Phönizierstädten, besonders in Byblos und Sidon veranstaltet, die freilich wenig Ergebnisse aus der eigentlichen phönizischen Zeit hatten. Von phönizischen Inschriften sind nur drei verhältnismäßig kurze in Um-el-awamid südlich von Tyrus gefunden worden. Trot dem die Ausgrabungen mit jeder Arbeitermenge und an jedem beliebigen Orte mit völliger Freiheit ausgeführt werden konnten, zeigten sie zum ersten Male, wie geringe Erfolge man sich wegen der geschilderten Sachlage auf phönizischen Boden leider nur versprechen kann. Das begonnene Werk der wissenschaftlichen Pflege phönizischer Altertumskunde und vor allem der Erklärung und Sammlung der Inschriften hatte aber durch dieses Unternehmen einen kräftigen Anstoß erhalten und hat seitdem einen Mittelpunkt in Paris gefunden. Die Académie des inscriptions et belles lettres hat unter Renans Leitung die Herausgabe eines Corpus der „semi tischen" Inschriften beschlossen und wenn die Ausführung des Planes auch so langsam vonstatten gegangen ist, daß das Unternehmen für die übrigen Teile (aramäische, südarabische, von hebräischen ist überhaupt nichts erschienen) nicht als gelungen gelten kann, so ist wenigstens der phönizische Teil in seiner Art durchgeführt worden. Auch ist Paris der Mittelpunkt der Pflege dieser Gattung der Inschriftenkunde geblieben und man ist dort nach wie vor äußerst rührig in den Bemühungen um Sammlung alles wissenschaftlichen Stoffes. Clermont-Sanneau gilt hier als der erste Kenner.

Eine archäologische Durchforschung Phöniziens hat seit Renan nicht wieder stattgefunden, es sind aber größere Inschriften durch Zufallsfunde bekannt geworden. Das sind vor allem 1869 die Inschrift Jachumeleks, des Königs von Byblos und der Sarkophag Tabnits, des Vaters Eichmun-azars, dessen Sarg 1855 gefunden worden war, und im Jahre 1887 bei einer Ausgrabung des Direktors des Ottomanischen Museums, Hamdi bey.

Von größeren Funden fann danach wohl noch die Feststellung der Reste eines schmuntempels, eine Stunde nördlich von Sidon, am Nahr auli genannt werden, welche 1902 Mafridi bey gelang und die 1903 und 1904 im Auftrag des Ottomanischen Museums von ihm untersucht wurden. In den Mauern wurden eine ganze Anzahl von Inschriften mit zweierlei Tert gefunden, welche Bodastart

, Sohn Eschmun-azars, allein oder in Gemeinschaft mit seinem Sohn Jatanmelek geseßt hat.

Ist so die Zahl der auf dem Boden des Mutterlandes gefundenen phönizischen Inschriften nicht groß, so sind sie im Bereiche

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Phönizische Inschriften aus anderen Ländern.

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der weiteren Ausbreitung des Phöniziertums zahlreich gefunden worden, wenngleich der Umfang und die Bedeutung der einzelnen Stücke auch dort nie allzu groß ist. Auf dem Gebiete der Altertumswissenschaft erregen schon ein paar Buchstaben das Blut des hier besonders rührigen - Antiken händlers.

Vor allem ist Cypern zu nennen, das in verschiedenen Ruinenstätten, den ehemaligen Sißen von Stadtfönigen, eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Inschriften geliefert hat.

Die Mehrzahl enthält freilich nicht viel mehr als die kurzen Widmungsformeln. Die meisten stammen aus Kition, Larnaka; andere etwas inhaltsreichere aus Idalion, Tamassos und Narnaka.

Aus dem griechischen Sprachgebiete hat Delos eine Inschrift geliefert, sie enthält eine Weihung eines der sidonischen Könige, übrigens nur von ein paar Worten. Außerdem sind von der sidonischen Kolonie, wie wir sagen würden, der Metoifengemeinde, wie es griechisch heißen würde, in Athen mehrere Inschriften gefunden worden.

Aus Ägypten stammt ebenfalls eine Anzahl von Inschriften, einige Weihungen, die Mehrzahl aber in das Geschlecht der Graffiti gehörig, gelegentliche Namensverewigungen. Sie sind besonders zahlreich in Abydos.

Malta hat unter den ersten einige Inschriften geliefert, die sich freilich der Zahl nach nicht sehr vermehrt haben. Auch vom fizilischer Boden stammen nur wenige (die natürlich der Zeit der farthagischen Herrschaft angehören), Panormus, Motaja, Lilybaeum und das berühmte Aphrodite= (Astart-) Heiligtum auf dem Eryr sind die Herkunftsstätten. Die Inschrift vom Eryr ist aber nur durch eine alte Abschrift bekannt, welche die Herstellung ihres Inhalts nicht ermöglicht. Etwas ergiebiger ist der Boden Sardiniens gewesen, wo immerhin schon etwa 25 Stück bekannt sind, darunter eine (in zwei Eremplaren) aus Nora, welche der Schrift nach zu den ältesten phönizischen zu gehören scheint.

Im Gebiet des westlichen Mittelmeeres hat Frankreich auf jeinem eigenen Boden einen der bedeutendsten Funde zu verzeichnen. In Marseille ist der größere Teil einer Steinplatte gefunden worden, welche einen Tarif für die beim Opfern zu leistenden Abgaben enthält. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß es sich um ein Stück handelt, das seinen Ursprung im alten Massilia, etwa in gleicher Weise wie die sidonischen Inschriften in Athen, gehabt hat, sondern der Stein wird irgend einmal als Kuriosum oder mit Schiffsballast

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Phönizische Inschriften aus anderen Ländern.

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von der nordafrikanischen Küste nach der Hafenstadt verschleppt worden sein. Das wird auch bestätigt durch ein in Aarthago selbst gefundenes Stück von einer wohl völlig gleichlautenden Inschrift, sowie durch einige Stücke von ähnlichen. Auch eine in Avignon gefundene Grabinschrift macht eher den Eindruck, daß sie dorthin in einer Zeit, die altheidnische Merkwürdigkeiten bewundern wollte, gebracht worden ist, als daß die darin genannten Personen aus priesterlichem Geschlechte einer im Inlande Galliens sigenden Metoifen-Gemeinde angehört hätten. Ergiebig ist der Boden von Karthago gewesen, während das übrige Gebiet der alten Kunier bisher noch nichts von Sprachresten der älteren, phönizischen Periode hergegeben hat.

Nur aus späterer Zeit, wo die Volkssprache in dem lautlichen Verfall, welcher als punisch zn bezeichnen ist, auch in Schriftdentmälern angewendet wurde, sind einige Stücke befannt geworden. Dieser Art gehören auch viele der Inschrijten von Starthago selbst an. Diese sind in sehr großer Zahl gefunden worden – zu tausenden -, besißen aber freilich für die Altertumskunde keinen ihrer Anzahl entsprechenden Wert, da sie nur die feststehende Formel folcher Inschriften enthalten und nicht viel mehr als die Namen der Verstorbenen geben. Da überdies der Namensschaß der semitischen Völker nicht sehr groß zu sein pflegt, so sind sie nur von verhältnismäßig geringem Interesse. Einige Stücke der Inschriften aus der Zeit, wo man noch phönizisch schrieb, gehören zur Art der schon erwähnten Opfertarife. Auch sonst sind in der legten Zeit mehrere Grab- und Bauinschriften gefunden worden.

Der vorhandene Stoff reicht bei weitem nicht aus, um auch nur eine ungefähre Vorstellung von der Entwicklung des Schreibwesens der Phönizier zu geben. Abgesehen davon, daß eine völlig sichere zeitliche Bestimmung der einzelnen Inschriften nicht möglich ist, rühren die bis jezt aufgefundenen Stücke auch von sehr verschiedenen Orten her, welche bei der Kleinstaaterei der Phönizier besonderen Gemeinwesen angehört haben, und sind auch inhaltlich so vereinzelt, daß man vorderhand nicht viel mehr tun kann, als je die größeren Inschriften für sich oder doch nur mit den zunächst zusammengehörigen zu betrachten. Die einfachste Anordnung ist dabei die rein äußerliche, die geographische.

Sachlich fönnte man leicht namentlich zwei Gruppen unterscheiden: Grabinschriften (neben welche man noch die Graffiti stellen

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