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Wellstedt.

AD. VIII, 4

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ans Land, die nahe gelegene Burg Ba-'l-Hafi zu besuchen. Hier hörte er von Beduinen, „daß sich in einiger Entfernung von der Küste beträchtliche Ruinen fänden, nach ihrer Ausjage von Bauten der Ungläubigen herrührend und von hohem Altertum“. Die überaus mühjelige Reise hatte einen schönen Erfolg. Am 1. Mai traf Wellstedt bei den Ruinen von Nakb-el-Hagr ein. Sie liegen auf einem ansehnlichen Hügel, der sich mitten im Tal erhebt und ein breites Strombett teilt. In einer Höhe, die etwa 43 der ganzen, vom Fuße an gerechneten Höhe ausmacht, ist rings um den Hügel ,, eine Mauer gezogen, welche an Stellen, wo sie vollständig erhalten ist, durchschnittlich 30—40 Fuß Höhe hat und durch viereckige Türme gedeckt wird, die in gleicher Entfernung von einander errichtet sind. Sie hat nur 2 Eingänge, welche nördlich und jüdlich einander gegenüber liegen an der Grenze des oben erwähnten flachen Tales. Jeder dieser Eingänge hat zu beiden Seiten einen hohlen, viereckigen Turm, an dem jede Seite 14 Fuß mißt.“ Der ganze Bau ist aus einem festen ins Graue fallenden Marmor gebaut, der mit äußerster Sorgfalt behauen war. Innerhalb des jüdlichen Eingangs fand sich die seither unter dem Namen „Nafb-el-Hagrinschrift" bekannt gewordene Inschrift. „Sie ist mit äußerster Sorgfalt ausgeführt, in zwei horizontalen Linien auf der glatten

Fläche der Bausteine, mit 8 Zoll langen Buchstaben“. Leider war es Wellstedt unmöglich, das Innere der Anlage hinreichend genau zu erforschen. Seine größte Aufmerksamkeit erregte ein langes, viereckiges Gebäude, dessen Mauern nach den 4 Weltgegenden gerichtet und mit der größten Sorgfalt gebaut sind. Nach Wellstedts Meinung war es ein Tempel. Leider war das ganze Innere durch das eingestürzte Dach verschüttet, sodaß es nicht möglich war, einzudringen. Für die Kenntnis des altarabischen Kultus wäre die Bloßlegung dieser Stätte sicher von nicht geringer Bedeutung. Auch von den Eingeborenen konnte Wellstedt keinerlei ernstzunehmende Überlieferung über die Vergangenheit der Ruinen erkunkunden. Für sie geht eben alles auf die heidnischen Vorfahren zu= rück und ist in mystisches Dunkel gehüllt, mit Zauber und Teufelsspuck verwoben. So erhielt Wellstedt von einem Beduinen, dem er im Blick auf die stolzen Ruinen der alten Feste sagte, daß die Vorfahren doch mehr vermocht hätten als seine Zeitgenossen, die bezeichnende Antwort: „Glaubst Du, daß die Safirs (die Ungläubigen) diese Steine ohne Beihilfe aufgebaut? Nein! nein! Sie hatten Teufel, Legionen von Teufeln – Gott schütze uns vor ihnen –, AO. VIII, 4

Hulton, Cruttenden, Wolff.

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die ihnen haljen.“ Und in allen Stätten der größeren Vergangenheit wittert ihr Aberglaube vergrabene Schäße von ungeheurem Werte, die von Dämonen bewacht sind. Und in jedem Fremden, der sich für diese Stätten interessiert, verdächtigen sie den gierigen Schaßgräber, der nur darauf ausgeht, ihre Reichtümer zu heben.

Auch die nächstfolgenden beiden Reisenden, die Engländer Hulton und Cruttenden, gehörten der mit Süstenmessungen beauftragten Kommission an. Sie hatten schon gemeinsam mit Wellstedt i. I. 1834 Hisn Ghurab besucht und unternahmen vom Juli bis Anfang September 1836 eine gemeinsame Erkursion von Mocha aus auf dem Nordwege nach Beit el Falih und nach San'a und z. T. auf demselben Wege zurück nach Mocha. Ihre Absicht, bis nach Marib vorzudringen, wurde durch die Erkrankung des Dr. Hulton in San'a vereitelt. Sie zogen also in der Hauptsache, aber mit einigen Abweichungen denselben Weg, den schon Niebuhr und Seeßen gegangen waren und konnten deren Beobachtungen in allen wesentlichen Punkten vollauf bestätigen. In San'a, wo sie sich vom 26. Juli bis zum 20. August aufhielten, gelang es Cruttenden, 5 fleine jabäische Inschriftenfragmente zu entdecken. Er stieß auch im Garten des Imam auf einen aus Marmor gehauenen Kopf, von dem ihm gejagt wurde, daß er aus Marib stamme und einer Statue angehörte, die der Imam als einen Rest des alten Görendienstes zertrümmern ließ.

Noch im jelben Jahre zog ein deutscher Judenmissionar, Jojeph Wolff, fast die nämliche Straße wie seine unmittelbaren Vorgänger von Mocha nach San'a. Ihn trieben freilich weder jprachliche noch geographische Interessen und mit vier Kamelen, die er mit Bibeln, Neuen Testamenten, Pjalmen usw. beladen hatte, er jelbst auf einem Efel nebenherreitend, zog er ins Land, um das Evangelium zu predigen. Wolff hat nun in seinen Reiseberichten namentlich zur Aufklärung der religiösen Eigentümlichkeiten des Volkes viel Material beigebracht. Bei den ungemein wechselvollen Schicksalen, die die Bewohner des südlichen Arabiens gerade in religiöser Hinsicht gehabt haben, ist es gar nicht anders möglich, als daß sich ganz eigenartige religiöse Vorstellungen und Überlieferungen hier und da in zähem Leben erhalten haben. Leider aber entbehren nach dem Urteil landeskundiger Forscher Wolijs Angaben viel zu jehr der Zuverlässigkeit, als daß hier näher auf sie eingegangen werden könnte.

Die Reise des Botanifers Paul Emile Botta, im Auftrage

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Botta. v. Wrede.

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des naturhistorischen Museums in Paris i. I. 1837 unternommen, war von vornherein hauptsächlich naturwissenschaftlichen Studien gewidmet. Die Unruhen im Lande verboten zudem auch größere Erkursionen ins Innere. Doch ist es dem Forscher gelungen, den Berg Sabber, unweit Ta'izz, zu besteigen, der nach einem arabischen Spruch noch alle Kräuter der Welt auf seinem Rücken tragen sollte, und dort reiche botanische Ernte, namentlich eine noch unbekannte arabische Gipfelflora, zu sammeln.

Verdienst und öffentliche Anerkennung stehen in der Wissenschaft sehr oft in einem schreienden Mißverhältnis zu einander. Dafür ließe sich auch aus der Geschichte der Forschungsreisen in Arabien gar manches Beispiel anführen, keines aber mit größerem Rechte als das des hochverdienten deutschen Forschers Adolf von Wrede, der im Jahre 1843 Hadramaut bereist und ein großes Gebiet zum ersten Male erschlossen hat, in das auch nach ihm niemand mehr vorgedrungen ist. Wrede widerfuhr die grausamste Enttäuschung, die dem widerfahren fann, der darauf brennt, der Mitwelt Kunde zu geben von allem, was er unter unsäglichen Mühen, Entbehrungen und Gefahren für sie errungen hat: man hat ihn mit dürren Worten als einen „Schwindler“, seine ganze Reise für erdichtet, seine Berichte für das Fabrikat eines Phantasten erklärt. So war es Wrede ganz unmöglich, einen Verleger für seinen Reisebericht zu finden und als er versuchte, ihn in England in englischer Sprache erscheinen zu lassen, widerfuhr ihm das weitere Mißgeichick, daß der Überseker plößlich durch Selbstmord starb und in seinem Nachlaß die starten und sonstigen Zeichnungen Wredes nicht mehr gefunden wurden, weshalb auch die englische Ausgabe nicht mehr zustande kam. Verbittert und aller Existenzmittel entblößt mußte der Forscher sich zur Annahme eines kleinen Försterpostens im Dienst des Freiherrn von Harthausen in Westphalen entschließen, den er aber bald wieder verließ, um (etwa 1856) auszuwandern. Seitdem ist er völlig verschollen. Als der spätere Reisende Frhr. v. Malgan auf den schriftlichen Nachlaß des Forschers aufmerfjam gemacht wurde und Nachforschungen über Heimat und Lebensschicksale v. Wredes anstellte, vermochte er nichts zu erkunden. Die Spur des bedauernswerten Mannes war vollständig verloren gegangen. Wir haben nichts von ihm als die Aufzeichnungen über seine Reisen, und von diejen hat v. Malpan die Berichte über die Reise in Hadramaut im Jahre 1870 veröffentlicht und der Wissenschaft damit einen ungemein fesselnden und anschaulichen, durch reiche Details über Sitten

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V. Wrede.

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und Gebräuche der Beduinen instruktiven Beitrag zur Kenntnis des modernen Arabien geschenkt. Wrede danken wir auch die Kenntnis der Inschrift von Obne, einer der bisher sehr wenig zahlreichen alten Inschriften in hadramautischer Sprache.

Die Route v. Wredes ist in Kürze folgende:

Am 24. Juni 1843 ging er von Borum die Südküste Arabiens entlang nach Makalla, von dort nach dem Berge Tsahura (Malgan: Drora) (26.-30. Juni) und nach Choraibe in dem überaus fruchtbaren und landschaftlich reizvollen Wadi Duan (1.–4. Juli); dort hörte er von den Inschriften im Wadi Obne und Wadi Mefa't und beschloß alsbald, dorthin zu gehen. In Choraibe erzählte man ihm auch, daß vor 10 Jahren ein Mann mit „rotem Bart“ (Seeßen?) die Ruinen besucht habe, aber auf dem Wege nach Marib von Beduinen erschlagen worden sei. Am 8. Juli brach Wrede von Choraibe auf und kam am 13. Juli nach Hisn ben Dighal, wo er Inschriftenreste an Häusern fand, und von dort aus gelangte er am 16. Juli zu den Ruinen von Obne. Diese Kuinen seien nicht die einer Stadt, sondern einer quer durchs Tal gezogenen Mauer, von ca. 7 m Höhe und über 6 m Breite, die, wie er meint, bestimmt war, den Zugang zum Wadi Hagr und damit zum eigentlichen Hadramaut zu versperren. Reste anderer Bauten konnte Wrede dort nicht finden. Interessant sind auch die Legenden, die sich an den Ort knüpfen, wie die von dem Aditenkönige Schaddad und dem Propheten Hud. Von Obne aus zog Wrede jüdwärts und dann in der Küstenebene westlich nach Gul eich-Schaich, wo er am 19. Juli ankam. Den Abstecher nach den nahen Ruinen von Nafb el Hagr mußte er wegen der feindlichen Haltung der Beduinen aufgeben. Er zog nun durch das Wadi Hadena nach dem Wadi Hagar über Çodaire nach Hijn ben Dighal zurück, wo er am 23. Juli wieder ankam. Auf einem westlichen Wege durch die Wadis Mintat und Kaide-Ardin ging er dann nach Choraibe im Wadi Duan zurück (31. Juli). Von dort aus führte ihn sein Weg nordwestlich zum Wadi “Amd, wo er – in einem weltverlorenen Winkel dieses von „Halbwilden“ bewohnten Landes - einen ehrwürdigen Scheich traf, der infolge eines längeren Aufenthalts in Indien die englische Sprache vollkommen beherrschte, englische Bücher besaß und vor allem durch sein tiefgehendes Verständnis für die Zwecke von Wredes Reise in einem überaus auffallenden, für unseren Reisenden höchst erfreulichen und vorteilhaften Gegenjab zu seinen Volksgenossen stand. Von «Amd aus ging Wrede nach Haura, einer ansehnlichen Stadt von ca.

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W.Wadi (Tal)

G. Gebol (Berg) Birali

r. Qublet al hin

Reeseweg Wellstedt's nach Waķb el Hags

Reisewege v.Wrede's
- Ba et Hoff His Ghoral
5. Süd-Arabien mit den Reijewegen von Wellstedt und Wrede. Nach Malpan.

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