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Arnaud.

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einen Zauberer entdeckt habe." Alle jeine Papiere und Schriften sollte er ausliefern, damit sie verbrannt würden. Aber der Treue hielt die wichtigen Dokumente im weiten Armel seines Hemdes verborgen und war durch keine Drohung und Mißhandlung zu bewegen, sie auszuliefern. Nach 1?Tagen endlich war es ihm gelungen sich loszureißen.

i Von San'a aus kehrte Arnaud über Harraz und Zebid nach der Tehama zurück. Unterwegs zog er sich infolge einer Erkältung eine völlige Erblindung zu. 10 Monate dauerte es, bis er seine Sehkraft wieder erlangte. : :

Arnauds Reise ist so ausführlich beschrieben worden, weil sie typisch ist. Alle Gefahren und Widerwärtigkeiten, die er in Marib überstehen mußte, drohen auch jedem anderen Reisenden. Diejelbe Unerschrockenheit und Geistesgegenwart, die Arnaud bewiesen, ist die Vorausjeßung alles Erfolges in diesem Lande, dessen Erforschung ebenso lohnend ist, als sie Selbstverleugnung erfordert. Arnaud hat den späteren Reisenden, die noch größere Erfolge erzielten; wie Halevy und Glaser, den Weg gewiesen, aber auch bereitet. Von seinen Erfahrungen haben die Späteren gelernt; was er selbst gesehen und erkundet hat, wurde für jene die Richtschnur zu ihren Forschungen. Arnaud war der erste Europäer, der die alte Sabäermetropole Marib gesehen und erforscht hat. Das ist sein Ruhmestitel, der seinem Namen für alle Zeiten in der Geschichte der Wissenschaft vom alten Arabien ein ehrenvolles Andenken sichert. 56 Inschriften werden dauernd seinen Namen tragen.

Es sollte freilich geraume Zeit dauern, bis das Werk Arnaud's fortgeseßt wurde. Zwar hat der Bestand an südarabischen Orginaldenkmälern i. I. 1860 eine überaus erfreuliche Bereicherung erfahren durch eine Sammlung von ca. 40 prachtvollen Bronzetafeln, zumeist aus Amran, deren Erwerb dem englischen Oberst Choghlan gelang. Diese Tafeln bilden heute eine Zierde der Sammlungen des Britischen Museums und sind von grundlegender Bedeutung für die wissenschaftliche Erschließung der Sprache der jüdarabischen Denkmäler geworden. Auch von den fünstlerischen Bestrebungen des alten Arabiens haben sie zum ersten Male eine unmittelbare Anschauung vermittelt: denn die Tafeln tragen gelegentlich reichen ornamentalen Schmuck und auch figürliche Darstellungen.

Die nächste Forschungsreise in Südarabien fällt aber erst in den Ausgang des Jahres 1869. War es Arnaud gelungen, über,

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den bis zu seinem Auftreten verhältnismäßig engen Bereich der neu erschlossenen Wege ins Innere des Landes hinaus erfolgreich wenigstens in einer Richtung neue Bahnen zu neuen Zielen zu finden, so bedeuten die Reisen seines Nachfolgers, Halevy's, eine ganz gewaltige Erweiterung unseres geographischen Gesichtsfreises, eine bis dahin unerhörte Bereicherung unserer geschichtlichen Kenntnisse, unserer inschriftlichen Materialien...

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6. Ansicht von Menakha. Im September 1869 erging an Joseph Halevy der Auftrag des französischen Unterrichtsministers, Süd-Arabien zu bereisen, um für das monumentale Werk des von der französischen Akademie herausgegebenen Corpus Inscriptionum Semiticarum Materialien zu beschaffen.

Der Ausgangspunkt Halevys war Aden. Von dort aus unternahm er zunächst kleinere Streifzüge, jo nach Lahedj und die weitere Umgegend, konnte aber nur feststellen, daß da keine alten Denkmäler zu finden jeien. Eine weitere Tour führte ihn von Aden nach Hodeida an der Küste des Roten Meeres und von da in

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westlicher Richtung nach dem Gebirgsland Safan, wo er wohl ein an natürlichen Reizen überreiches Land, eine , arabische Schweiz", zahlloje Ruinen alter zweifellos aus „himyarischer“ Zeit stammender Burgen, aber keine einzige Inschrift fand. Von da aus wandte er sich dann über Menakha direkt nach San'a. Dort brachte ihn das Fieber an der Rand des Grabee. Einen ganzen Monat lang lag er schwer krank darnieder. Nach seiner Genesung kopierte er alles, was er an Inschriften in San'a und seiner Umgebung vorfand; manchmal freilich lockte ihn eine verheißungsvolle Botschaft zu größeren Ausflügen, nur um seine hochgespannten Erwartungen durch Auffindung eingemeiselter Koranverse zu foppen.

Die epigraphische Ausbeute von San'a und seiner Umgebung war nicht groß, manche der dort gefundenen Steine sind überdies zweifellos erst durch Verschleppung von ferner gelegenen Orten dahin gelangt. Das muß wunder nehmen, da allem Anschein nach San'a doch auch im Altertum eine bedeutende Rolle gespielt haben mußte. Freilich läßt sich bis jeßt keine Erwähnung des Ortes in den Denkmälern nachweisen. Noch verwunderlicher aber ist, daß die inächtige Feste Ghoumdan, in nächster Nähe von San'a gelegen, keine inschriftlichen Zeugnisse der Vergangenheit aufwies.

War so der Anfang von Halevys Reise mit epigraphischen Erfolgen nur verhältnismäßig wenig gesegnet, so sollte der weitere Verlauf ihn reichlich entschädigen. Für das Vordringen ins Innere standen dem Forscher zwei Wege offen. Entweder konnte er, den Spuren Arnauds folgend, direkt von San'a nach Marib gehen und von da aus versuchen, weiter nach Norden in den Djof vordringen, oder er fonnte zuerst das Land zwischen Marib und Nedjran durchstreifen und den Rückweg über Marib nehmen. Halevy wählte die zweite Route, obwohl sie weit gefährlicher und unbekannter war als die erste. In San'a galt der Djof bei den Eingeborenen als ein wahres „Beinhaus" (charnier) für die Fremden, aus dem niemand wiederkehrt. Aber gerade die vollkommene Unbekanntheit jener Gegenden reizte Halevy und er hoffte dort auch die Marschroute des Aelius Gallus wieder zu finden, jenes römischen Feldherrn, desjen mißglückter Feldzug (24 n. Chr.) der einzige Versuch geblieben ist, den abendländische Eroberungssucht im Innern Arabiens gewagt hat.

Beim Kabinat zu San'a ließ sich Halevy Empfehlungsbriefe an die Judengemeinden im Djof ausstellen. Er selber wählte die Tracht der im Lande ansässigen Juden und am 20. Februar, 4 Uhr

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Abends, brach er auf. Bald aber zwangen ihn die Belästigungen der Passanten, sein Reittier aufzugeben und bescheiden zu Fuße seines Weges zu ziehen. Er fam durch das Gebiet von Harith nach Schira: im Gebiet der Banu Archab. Auf dem Wege dahin war er jo glücklich, wenigstens einige Inschriftenfragmente zu finden, in Schira' allein etwa 25 Nummern, darunter auch einige von größerem Umfang. Leider sollte er dort nicht unbehelligt bleiben. Da ihn der Scheich für eine andere Persönlichkeit, die sich als Messias ausgegeben und viel Unruhe verursacht hatte, hielt, ließ er ihn gefangen nehmen und gab ihn erst nach 8 Tagen auf Bitten der dortigen Juden hin wieder frei. Die Stadt Schiraó schildert Halevy als eine anscheinend überaus alte Stadt mit vielen Bauwerfen aus sabäijcher Zeit. Leider seien die meisten Inschriftensteine der dort betätigten Kalfindustrie zum Opfer gefallen. 14, Stunden nordöstlich von Schira' im Gebiet des Banu Achkam fand er die Quellen eines ansehnlichen Flusses, der sehr fischreich ist und den dort lebenden Juden dadurch nicht nur Nahrung, sondern auch Verdienst gibt, da sie den Markt von San'a mit Fischen versorgen.

Halevy's Absicht, von Schiraaus die Städte Načith und Sirwach zu besuchen, von deren Reichtum an alten Denkmälern ihm die Juden viel erzählt hatten, scheiterte an der durch die herrichenden Stammesfehden bedingten Unsicherheit. Halevy ging daher weiter nach El Medid im Beled Nehm und nach Awdian oder Milch. Die Strecke von Milch nach dem Djof ist überaus gefährlich wegen der marodierenden Nomadenzüge, die dort ihr einträgliches Gewerbe ausüben. Die Verbindung mit dem Djof wird nur von jüdischen Handwerfern unterhalten, die bei den Beduinen arbeiten. Da das Passahfest nahe war, gelang es Halevy nicht, einen jüdischen Führer aufzutreiben, da feiner von ihnen in der Festzeit von seiner Familie fern sein wollte. Er mußte daher froh sein, einen, wenn auch sehr übel beleumundeten, Araber als Begleiter zu gewinnen. Der weitere oft sehr steil ansteigende und mühsame Weg führte nach den Ruinen von Beran, von wo an das Terrain sehr steil abfiel, von hier weiter über Medizer, eine offenbar alte und vormals bedeutende, jetzt aber sehr heruntergekommene Stadt, nach El Ghayl, der einzigen festen Niederlassung im „Untern Djof", wo Halevy am 1. April eintraf. Hier wurde er überaus freundlich aufgenommen. Ein wahrer Wettstreit entstand unter den guten Leuten, wer Halevy beherbergen dürfe, bis dieser entschied, bei dem einkehren zu wollen, der ihn zuerst erblickt hätte. Von den Juden wurde er eingeladen, das

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