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Halevy.

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Pasjah mit ihnen zu feiern. Aber die Nachricht, daß unweit von dem Ort alte Ruinen in großer Zahl sich fänden, drängten den Forscher unaufhaltsam vorwärts.

Von nun an traf Halevy in der Tat auf Schritt und Tritt die denkwürdigsten Reste der großen Vergangenheit des arabischen Altertums. Es können nur die wichtigsten Punkte hier kurz aufgezählt werden, die er besucht und an denen er Inschriften gefunden hat. Die Richtung, der er folgte, ist zunächst die östliche.

Er fand Inschriften und denkwürdige Reste prachtvoller Tempelbauten in Medinet Haram, El Hazm, dem Hauptort von Beled Hamdan, vor allem aber in Ma'in, der alten Hauptstadt des Minäerreiches. Von dieser entwirft Halevy folgende Schilderung:

Der befestigte Teil der Stadt Maʻin liegt auf einem Hügel von etwa 280 m Länge und 240 m Breite. Von den Umfassungsmauern, die an den Zugängen des Abhanges standen, stehen nur noch einzelne Teile an der Nordseite, dagegen sind die einander gegenüberliegenden Tore an der Ost- und Westfeite sehr gut erhalten, ebenso die benachbarten Türme, die eine beträchtliche Höhe haben und einen grandiosen Anblick gewähren. Diese Bauten bestehen aber aus mächtigen, behauenen Steinen, ohne Bindemittel so genau aufeinander gefügt, daß man glaubt, einen einzigen Block vor sich zu haben. Die meisten von ihnen tragen Inschriften von oft verschwenderischer Ausdehnung. Im Innern sind fast alle alten Baudenkmäler verfallen, infolge des Vandalismus der Araber, die wiederbolt versucht haben, sich inmitten der Ruinen fest= zujeßen. Einige Jahre haben genügt, um die aus gebrannten Backsteinen hergestellten Hütten wieder in Schutt zerfallen zu lassen, und sogar die aus Steinen von alten Bauwerfen errichtete Moschee ist gänzlich zerfallen, während unweit davon ein kleiner Tempel aus der himijarischen Zeit, der mehrere Säulen in sich schließt, beinahe intaft ist, und durch die Symetrie seiner Maße einen eigenartigen Kontrast bildet zu dem jämmerlichen Kultusbau des Jslam.

Wie in Medinat Haram und Marib, so fanden sich auch in der Nähe von Ma'in in El Michyar lange Säulenreihen, die offenbar zu Tempeln gehört hatten.

In der Nähe fand Halevy auch die Spuren alter Bewässerungsanlagen.

Nachdem Halevy die ganze Gegend des mittleren Djof eingehend durchforscht hatte, wandte er sich auf der östlichen Route nach Nedjran, in der Absicht, durch den oberen Djof nach Beled Hamdan zurückzukehren. Er überschritt den Djebel Laoud, den Djebel stadm, und kam in die Daje von Khab, die dicht bevölkert und troß des Mangels an laufendem Wasser sorgfältig bebaut ist. Von hier aus sind es noch vier Tagereisen bis nach Nedjran. Nach einem überaus mühseligen, entbehrungsreichen Marsche kam Halévy

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valevy.

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am 3. Juni in Mafhlaf an, dem Mittelpunft einer überaus fruchtbaren und dicht besiedelten Datteloaje. Er fand in der Gegend die Ruinen der alten Nagara Metropolis, von den Arabern Medinet el Khudud genannt, die Residenz des jüdisch-himjarischen Königs Dhu-Nuwas.

Den Rückweg nahm Halevy auf der westlichen Route nach dem oberen Djof. Hier waren nur noch schwache Spuren der vorislamischen Zeit wahrzunehmen. Die Verwüstung der alten Bauwerke war hier viel gründlicher vor sich gegangen als etwa in Beled Hamdan. Nur in der Gegend des Djebel Silyam fanden sich zahlreichere Inschriften. Wieder in El Ghayl angekommen hörte Halevy von einer alten jüdischen“ Stadt Beraqisch in begeisterten Worten erzählen und fand dort die neben Ma'in bedeutsamste Stadt des alten Minäerreiches, das in den Inschriften unendlich oft ers wähnte Jathil. Die Umfassungsmauern waren, joweit sie noch standen, bedeckt mit künstlerijch eingegrabenen Inschriften. Das Innere war auch hier schlecht erhalten und der Schutt neuer Hüttenbauten bedeckte die Reste der vorislamischen Herrlichkeit. Die zahlreichen Säulenreste erwecken die Vorstellung einer großen religiösen Vergangenheit dieses Plakes.

Von Beled Hamdan aus nahm dann Halevy den Weg nach Marib in südlicher Richtung. Von den Stationen dieses Weges verdient besondere Hervorhebung Kharibet es-Seud, etwa halbwegs zwischen Beled Hamdan und Marib gelegen, mit alten Ruinen und Säulen, die wertvolle Inschriften trugen. Troß der durch die Feindseligkeit der Abidah - Beduinen geschaffenen Unsicherheit der Lage wollte Halevy den Besuch der alten Sabäerstadt Marib nicht aufgeben. Von El Fathia aus, wo er überaus gastliche Aufnahme gefunden, gelangte er unter mancherlei Fährlichkeiten und schließlich von allen Begleitern verlassen, in El Hizma an, wo er einige Inschriften kopierte. Er war nun nur noch 3 Stunden Wegs von Marib entfernt. Da er aber den hinterlistigen Charakter der dortigen Bewohner aus Arnauds Beschreibungen zur Genüge fannte, zog er es vor, zunächst die Stadt noch nicht zu betreten, sondern erst die Umgegend nach Inschriften zu durchforschen, ohne aber besonderen Erfolg zu haben. Dann betrat er durch das Westtor die Stadt, um den Anschein zu erwecken, als ob er von San'a fämne und nicht aus dem Gebiete der Abidah-Beduinen, mit denen die Stadt gerade damals in erbitterter Fehde lag. Leider machte es ihm der Geschäftsneid eines indischen Händlers, der den Engländern in Aden AlterAO. VIII, 4

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tümer verkaufte und ein Interesse daran hatte, Europäer von Marib Fernzuhalten, einen erfolgreichen Aufenthalt unmöglich. Auf Veranlassung des Händlers wurde Halevy auf Schritt und Tritt überwacht und am Abschreiben der Inschriften gehindert.

Auf dem Wege nach San'a besuchte er das von Arnaud jo genannte Kharibe und fand daselbst die Stätte der ältesten Hauptstadt des Sabäerreiches, Sirwach. Die alten Bauwerke fand Halevy meist in sehr ruinösem Zustande, aber auch hier waren Tempelanlagen und Säulenreihen verhältnismäßig gut erhalten. Auf den Säulen fand er die „umfangreichsten Inschriften, die er jemals im Yemen gesehen hatte“. Leider machte es ihm die drohende Haltung der Bewohner unmöglich, viele von ihnen abzuschreiben. Erst Glaser war es vorbehalten, fie in genauen Kopien für die Wissenschaft zu retten. Hier war zugleich die leßte Stätte, wo es Halevy gelang, Injchriften zu kopieren.

686 Injchriftenkopien hat Halevy von dieser denkwürdigen Reise mitgebracht. Wenn darunter auch etwa 200 Nummern sind, die kaum ein einziges, oder nur wenige sichere Worte enthalten, wenn auch die Zuverlässigkeit vieler unter den größeren Texten in Anbetracht der ungemein schwierigen Situationen, in denen Halevy arbeiten mußte, zu wünschen übrig läßt, so ist doch das von Halevy erschlossene Material ein ganz außerordentlich reiches und wertvolles. Er war der erste Europäer, dem es gelungen ist, in den Djof und bis nach Nedjran vorzudringen, er hat zum ersten Mal die an inichriftlichen Überresten reichsten Stätten Medinet Haram, Ma'in, Kamna, El Beyda, Es-Souda, Beragisch besucht und nach ihm hat nie eines Europäers Fuß sie wieder betreten. Halevy hat überhaupt zum ersten Mal Inschriften des minäischen Reiches zugänglich gemacht und dadurch das Fundament zu einer völlig neuen Auffassung der ältesten Geschichte Arabiens gelegt. Wenn auch durch Glasers Erfolge vieles von Halevy gewonnene erst wirklich fruchtbar gemacht worden ist, dadurch, daß Glaser von vielen Inschriften Halevys sich wissenschaftlich so viel zuverlässigere Abflatsche zu verschaffen gewußt hat, so bleibt doch Halevy das Verdienst, der Wissenschaft ein bis dahin völlig dunkles Gebiet erschlossen zu haben. Und wenn auch alle Kopien der minäischen Terte Halevys eininal durch zuverlässigere Abflatsche antiquiert sein sollten, so wird die unmittelbare Kenntnis der Fundstätten, die Aufschlüsse über ihre Lage, über die Beschaffenheit der alten Bauwerke u. a. m., was uns Halevys Reiseberichte vermittelt haben, solange einen schlecht28

v. Maltzan. Millinger. Manzoni.

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hin einzigartigen Ruhmestitel des fühnen Forschers bilden, als nicht andere Reisende als Augenzeugen uns gleiche oder genauere Kunde von diesen Stätten bringen – und darauf dürfen wir bei der Lage der Dinge wohl noch sehr lange warten. Um so tragischer mutet es an, daß dieser Forscher so wenig Veranlassung finden sollte, sid) jeiner großen Erfolge zu freuen, wenn er „in schroffer Weise daran gehindert worden ist, sich mit den Inschriften, die er mit Lebens: gefahr im Jemen gesammelt hat, zu beschäftigen.“ Die Originalfopien Halevys sind heute noch nicht veröffentlicht. Die im Journal Asiatique VI/19 vom Jahre 1872 veröffentlichten Typendrucke erwecken durch die Kritiklosigkeit, mit der sie herausgegeben worden sind, den Verdacht, daß sie das Imprimatur des Entdeckers nicht erhalten haben und können also nur eine sehr ungewisse Vorstellung von dem vermitteln, was Halevy wirklich kopiert hat. Hoffentlich ist aber die Zeit nicht mehr ferne, wo das gesamte in Arabien gewonnene Material Halevys, jeine Originalkopien und aber auch der Rest seiner Tagebücher – von diesen ist bis jeßt nur die Reise von Hodeida nach San'a und von da nach Nedjran veröffentlicht — der Wissenschaft in authentischer Form zugänglich gemacht werden.

Über die Nachfolger Halevys auf den gefahrvollen Wegen ins Innere Südarabiens können wir uns kurz fassen, da diese Skizze nur bis zum Auftreten des erfolgreichsten unter allen, Eduard Glasers, führen soll. Einer der gründlichsten Arabienreijenden war zweifellos Heinrich Freiherr von Maltzan (1870—1871), dessen Hauptverdienst aber namentlich in den von ihm eingezogenen Erfundigungen besteht, durch die er die Küstenländer vom eigentlichen Jemen bis Hadramaut, Dathina, Jafi'a, Baihan usw. der Kenntnis des Abendlandes erschloß.

Im Jahre 1873 reiste Charles Millinger von Hodeida nach San'a. Der Enkel des italienischen Komanziers Manzoni, Renzo Manzoni, unternahm dann 1877—1880 drei Erfursionen in den türkischen Yemen. Sein Reisewerk beschreibt die Gegend die von den Verbindungslinien der Städte Aden-San'a-Hodeida umschlossen ist und ist das erste, das die geschilderten Gegenden dem Leser auch im Bilde vorführt. Weder Millinger noch Manzoni waren so glücklich, Inschriften zu entdecken. Dem lekteren aber danken wir u. a. wichtige Materialien zur Kenntnis des jüdarabischen Dialektes von Mahra.

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Schapira. Langer.

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Im Jahre 1879 hat Schapira, ein jüdischer Antiquar 'von Jerusalem, Südarabien bereist. Sein Weg führte ihn von Aden nach San‘a, Amran, Kaufaban bis Tawila und zurück über San'a und Menalha nach Hodeida.

Der erste Reisende seit Halevy, dem die Entdeckung neuer Inschriften gelang, war der Österreicher Siegfried Langer. Am 21. Februar 1882 brach er von Hodeida über Beit el-Fakih, Dhuran und Dhafi (dem Hoddafa Niebuhrs), nach San'a auf, wo er am 26. März anfam. Auf dieser Reise hat er 9 Inschriften gefunden, die größte (Nr. 1) in der Nähe von Dhuran, 5 in Dhafi, 3 in den in der Nähe von Dhafi liegenden Ortschaften Jekar, El Wasta und Maóber; 6 andere fand er in San'a und Aden, doch ist ihre ursprüngliche Herkunft unbefannt. Seine Absicht, von San'a aus ins Innere vorzudringen – er wollte zunächst nach Raida' und Saída – konnte Langer nicht ausführen, da der Gouverneur von San'a, der für seine Sicherheit fürchtete, ihn daran hinderte und ihn nach Hodeida zurückbringen ließ. Von Hodeida aus fuhr Langer nun nach Aden in der Hoffnung, von dort aus ins Innere, ins Jafiía-Land und von da aus nach Hadramaut, vordringen zu können. Troß eindringlicher Warnungen von Seite des englischen Residenten in Aden reiste er Ende Mai ab. Schon am 19. Juni traf in Aden die Nachricht ein, daß Langer etwa 90 km nördlich von Aden am Wadi Bana von räuberischen Beduinen ermordet worden jei.

Der weitere Verlauf der Erforschung Südarabiens liegt außerhalb der Grenzen unserer heutigen Aufgabe. Das Jahr 1882 bedeutet einen so einschneidenden Wendepunkt in der an Überraschungen und Enttäuschungen gleich reichen Geschichte der Forschungsreisen in Arabien, daß man von hier ab eine völlig neue Epoche datieren kann, ebenso und vielleicht noch mit größerem Rechte wie von dem Auftreten Arnauds. Von nun an tritt die Persönlichkeit Eduard Glasers in den Vordergrund, alle überragend, die vorher und nachher den gleichen Zielen zugestrebt haben. Wie Halevy die überragende Stellung in der ganzen Epoche von Niebuhr bis Langer behauptet hat, so haben die Erfolge Glasers die aller seiner Vorgänger und Nachfolger von Niebuhr bis auf Landberg-Müller in Schatten gestellt. Mit Glaser tritt auch etwas völlig neues hin: sichtlich der Technik der Inschriftengewinnung in Erscheinung, die ausgiebige Verwendung von Papier uud Bürste zur Anfertigung

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