Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub
[blocks in formation]

Europäern gemacht wurde. Der Schwerpunkt der Reiseergebnisse liegt in den topographischen, kartographischen, ethnographischen und naturwissenschaftlichen Beobachtungen und Auszeichnungen. Inschriften hat Niebuhr nicht mitgebracht. Aber er war der erste, der als Augenzeuge und Kunde von ihnen vermittelt hat, freilich hat er nicht einmal ein Original, sondern nur eine Abschrift zu Gesicht bekommen. Er selbst sagt darüber Beschreibung von Arabien S. 94):

Ich habe zwar nicht das Glück gehabt, in Jemen Denkmäler mit Inschriften von der Zeit der Hamjaren zu sehen; man sagte inir aber, daß man noch unter den Ruinen der berühmten Stadt Dhafar, etwa zwei Meilweges nach Südwest von Jerim, ingleichen an einer Mauer in dem Dorfe Hoddafa, am Wege von Damar nach San'a, alte Inschriften antreffe, die weder Juden noch Mohammedaner lesen könnten. Diese sind vielleicht mit den Schriftzügen geschrieben, welche Pocode die hamjarischen nennt. ... Ein Holländer, welcher ein Mos hammedaner geworden war, zeigte mir kurz vor meiner Abreise aus Mocha eine Inschrift von einem ganz unbekannten Alphabet, die er in einem Dorfe (wenn ich nicht irre) in dem Distrift von Belas Anes kopiert hatte. Ich zweifle deswegen gar nicht, daß man in der bergigten Gegend von Jemen, und vornehmlich zwischen Taäz (Taizz), San'a und Tehama noch jeßt Inschriften mit hamjarischen Schriftzügen antreffen könne. Weil ich eben damals, als der erwähnte Folländer mir seine Abschrift zeigte, an einem hißigen Fieber sehr krank lag, jo hatte ich mehr Ursache, mich zum Tode zu bereiten, als alte unbekannte Inschriften zu sammeln, und versäumte deswegen die Gelegenheit, diejenige abzuschreiben, die er mir wies. Erinnere ich mich recht, so bestanden die Buchstaben dieser Schrift aus lauter geraden Strichen. ..."

War es aljo Niebuhr nicht vergönnt gewesen, seine unsterblichen Verdienste um die Erforschung Südarabiens auch noch durch die Entdeckung der ersten Inschriften zu krönen, jo gaben doch seine Andeutungen dem nächstfolgenden Forschungsreisenden, dem russischen Collegienassessor Dr. U. J. Seeßen, Veranlassung, sich eifrig um die Entdeckung solcher „alter unbekannter Inschriften“ zu bemühen.

Seeßen suchte Niebuhr's Spuren zu folgen, machte aber gleichwohl vielfach ganz selbständige Touren. Von Hodeida aus, wo er i. I. 1810 von Mekkaher eintraf, brach er am 28. März nach Zebid auf und wandte sich dann auf dem Nordwege nach Dhuran, wo eine Krankheit ihn einen ganzen Monat lang aufhielt, und von da nach San'a. Auf der Rückreise suchte er zwischen San'a und Dhamar vergeblich nach dem von Niebuhr als Fundstätte von alten Inschriften bezeichneten Hoddafa; von Dhamar aus ging er nach Jerim und in Zafar, 3 Stunden südlich von Jerim, jollte es ihm gelingen, die ersten alten Denkmäler zu entdecken. Drei Inschriften fielen ihin zunächst ins Auge. Die eine kaufte er für ein geringes, die

[merged small][graphic][merged small]
[blocks in formation]

andere schrieb er, allerdings nur jehr flüchtig ab, die Dritte, konnte er, da sie für das Auge zu hoch in einer Mauer eingelassen war, nicht kopieren. Eine Stunde von Zafar entfernt, in Mankat, fand er dazu noch 5 weitere Inschriftensteine in der Außenmauer der Moschee eingelassen, aber nur 2 konnte er abschreiben. So gering diejes Ergebnis erscheint, wenn man es an dem heute zugänglichen Material mißt, jo war es doch der Anfang der Sabäistik. Freilich so lange nicht andere Terte zugänglich waren, konnte man mit den Kopien, von denen zugestandener Maßen nur die des mitgenommenen

[graphic][merged small]

Steines 1 Anspruch auf Korrektheit machen konnte, nichts anfangen. Zudem war Seeken über diese einzige ernstlich in Betracht kommende Inschrift in einem verhängnisvollen Irrtum befangen. Sie war nämlich, wie dies auch bei anderen Inschriften der lezten Jahrhunderte vor Muhammed der Fall ist, als Relief gearbeitet. Anstatt der Erhöhungen hat nun Seeken die Vertiefungen des Steines für die Buchstaben gehalten. Bei den übrigen Inschriften dagegen, die eingegraben waren, hielt er die Erhöhungen des Steines für die

1 Wo dieser selbst geblieben, ob er jemals nach Europa gekommen ist. ist unbekannt.

[blocks in formation]

Schriftzeichen. Selbstverständlich mußte er jo zu den merkwürdigsten Ansichten über diese Schrift gelangen. Er findet darin „viele keilförmige Charaktere“ und hält sie „vorläufig“ für der persepolitanischen Schrift verwandt. Er sieht in ihr „etliche Hieroglyphen, welche menschliche Füße, und zwar bekleidete, darstellen“ u. a. m.

Von Zafar aus wandte sich Seeßen südlich nach Ta'izz und von hier aus auf dem Wege, den ichon Barthema gezogen, weiter direkt südwärts nach Aden. Von dort aus ging es auf dem Küstenwege wieder zurück nach Mocha. Hier hat sich die Spur des fühnen Reisenden völlig verloren. In dem am 10. November 1810 in Mocha geschriebenen Briefe an den Herausgeber von Zachs Monatlicher Korrespondenz, der einzigen Nachricht, die wir von seinen Reisen haben, spricht er voll Zuversicht über weitgehende Pläne, daß er noch einmal nach San'a gehen und von da nach Marib vordringen wolle, von dort aus werde er versuchen, ins Hadramautische überzugehen, die östlichen Küstenstädte besuchen, die Mahrasprache aufnehmen, das Innere von Oman durchstreifen und dann von Maskat aus zu Schiffe nach Mocha zurückkehren. Er soll auch wirklich eine zweite Reise nach San'a unternommen haben, aber bald nach seiner Abreise in der Nähe von Ta'izz am Wege ermordet aufgefunden worden sein. In Marib und in Hadramaut wußten Eingeborene späteren Reisenden wie Arnaud und v. Wrede von einem geheimnisvollen weißen Reisenden zu erzählen, der Inschriften abgeschrieben habe und ein großer Zauberer und Schaßgräber gewesen, aber plößlich spurlos verschwunden jei. Ob dieser „Weiße Seeßen gewesen, wer will das sagen? Eine andere Version der Legende läßt ihn übrigens in San'a von dem Imam vergiftet worden sein, andere lassen ihn, der Mohammedaner geworden war, um in Mekka Zutritt zur Kaaba zu gewinnen, und deren Inneres abzeichnen zu können, von Arabern, die in ihm den heimlichen Christen vermutet hätten, meuchlerisch umgebracht worden sein. Wie dem sei, er ist ein Opfer jeiner Wissenschaft geworden und die südarabische Altertumskunde ehrt sein Andenken als das des ersten Entdeckers südarabischer Inschriften.

Erst 25 Jahre nach Seekens Tod oder wenigstens Verschwinden hat wieder ein Europäer in wissenschaftlichem Interesse den Süden Arabiens bereist. Der englische Schiffsoffizier T. R. Wellstedt hat, mit Nüstenvermessungen an den Gestaden der Arabischen Halbinsel beauftragt, in den Jahren 1834 und 1835 Gelegenheit auch zu Ausflügen ins Innere Südarabiens gefunden. Von seinen Erkur

[blocks in formation]

sionen ist zunächst von besonderer Wichtigkeit die im Mai 1834 unternommene nach dem an der hadramautischen Küste gelegenen berühmten Hisn Ghurab, d. i. dem Kabenschloß, einem mächtigen dunklen Felsen, mit zahlreichen Ruinen von Häusern und Verteidi: gungswerken an seinem Abhang, der nahe der Mündung des Wadi Mefa'at ins Meer hineinragt. Hoch oben fanden sich einige In

[graphic][merged small]

ichriften, darunter eine größere von 10 Zeilen, in den glatten Felsen eingegraben, die denn auch von Wellstedt unter Mithilfe von Cruttenden und Hulton aufs sorgfältigste abgeschrieben worden sind.

Ein weiterer Abstecher führte Wellstedt Ende April und Anfang Mai 1835 durch das Wadi Mefa'at nach Nakb-el-Hagr. Unweit von Hijn Ghurab, an dem Vorgebirge Ra's el-Asida ging er

« ͹˹Թõ
 »