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von Hütten und Zelten, die auf den Plänen – wohl irrtümlich — Abu Ghozailat heißt. Außerhalb des alten Stadtgebietes, aber noch in unmittelbarer Nähe desselben, sind zu nennen: Birnun, am linken Ufer des Euphrat, ein kleines halbes Stündchen westlich von Babil, ferner Anane, fast in der Mitte zwischen Birnun und Kuärisch, aber westlich vom Strome und Bjerawin (?, auch Zuär oder Hosch Ehsien genannt, bei Porter Tajeca), gegenüber von Dichimdichime. Schließlich sei noch das Gehöfte des Armeniers Karabet erwähnt, das etwas oberhalb von Kuärisch am anderen Ufer des Euphrat liegt. Es ist von einer starken Lehmmauer umgeben, die einen großen rechteckigen Hof umschließt, durfte aber nicht bezogen werden, da es auf die türkischen Behörden den Eindruck einer Festung machte. Infolge dessen ist dieser Plaß fast unbewohnt. Alte Ruinen sind außer den schon beschriebenen Resten der Stadtmauer auf dem Westufer nicht sichtbar, sondern ausschließlich östlich vom Euphrat.

Die nördlichste Kuine heißt, wie bereits erwähnt, Babil. Es ist ein Schutthügel, dessen Höhe auf etwa 30 Meter zu schäßen ist. Der rechteckige Grundriß des Gebäudes, das einst diese Stelle zierte, ist noch deutlich erkennbar. Das Gebäude war mit den Seiten genau nach den Himmelsgegenden orientiert, und zwar liegen die längeren Seiten (über 100 Meter) im Norden und Süden. Die Stadtmauer ist derart um Babil herumgeführt, daß sie es auf 2 Seiten, im Osten und Norden umschloß. Im Westen strömte der Euphrat, im Süden lag die Stadt. Folgt man dem Laufe des Stromes abwärts, so führt der Weg anfangs durch eine Zone von Fruchtgärten und Palmenpflanzungen, dann aber erreicht man ein Stück unebenes, wüstes Land, das offenbar alte Bauten unter seiner Oberfläche verbirgt. Doch werden diese kaum sehr beträchtlich gewesen sein, da der Boden sich hier nur wenig über die Umgebung erhebi. Am Euphratufer schließen sich an diese Wüstenei wieder Palmen an, deren Zone sich keilförmig nach Osten zu verjüngt. Dann folgt wieder ein mächtiger Trümmerhügel, der nach Osten und Süden zu ziemlich steil, nach Norden und Westen zu etwas sanfter in die Ebene abfällt. Der Grundriß ist annähernd trapezförmig, Nord- und Südfeite laufen fast parallel. Die längere, südliche Seite mißt ungefähr 300 Meter, die Westseite etwa 450. Die Oberfläche dieses Schuttgebirges ist höchst unregelmäßig; Hügel von 15 Metern Höhe wechseln mit tiefen Einjenkungen, ja ganzen Tälern. Im nordwestlichen Teile ragen noch einige starke Wände aus gelblichen, sehr harten Ziegeln empor, deren außerordentliche Härte der Zerstörung durch die Un= AD. V, 4

Gasr, Jíchan Amran, Jichan aswad, Märfäz.

bilden der Witterung und durch Menschenhand getrokt hat. Die Araber nennen diese Stelle Gajr (,,Schloß, Palast“) und das ganze Schuttgebirge Emdichelibe (Deminutivform von maglûbä ,,umgewendet, umgestürzt“), ein Name, der übrigens auch die vorhin beschriebene Wüstenei, die im Norden hinter der Palmenzone liegt, mit umfaßt. Westlich vom Gasr-Hügel liegt das Dorf Kuärisch. Von der Emdichelibe nach Süden zu erstreckt sich eine Ebene, die nur durch unbedeutende Erhebungen unterbrochen ist, mehr als 1, Kilometer weit. Begrenzt wird sie im Süden durch einen ungeheuren Schutthügel, der in der Richtung von Norden nach Süden etwa 600, von Westen nach Osten etwa 400 Meter mißt, während seine Höhe auf durchschnittlich 25 Meter geschäßt werden kann. Auf seinem Rücken stehen, ungefähr in der Mitte und nahe bei einander die Grabkuppeln zweier muslimischer Heiligen, Ibrahim il-Khalil (?) und westlich davon Amran ibn Ali. Nach lekterem, dessen Grab sich in einem rechteckigen, von einer Mauer aus Backsteinen umgebenen Hof befindet, wird der ganze Hügel Sichan1 Amran ibn Ali genannt.

Südlich und östlich vom Sschan Amran reihen sich, durch mehr oder weniger bedeutende Einsenkungen getrennt, andere Hügel an, von denen die nördlichsten bis nahe an die Südostecke der Emdiche. libe herantreten. Der südliche Teil dieser Gruppe führt bei den Arabern den Namen Ischan il-aswad („der schwarze Hügel“), wäh= rend der nördliche Märfäz („Mittelpunkt, Kreisstadt“) heißt. Westlich von Jichan Amran, zwischen diesem und dem Euphrat, erstreckt sich eine lange, nach Süden zu sich verbreiternde Ebene, in der wir das alte Bett des Stromes, der ursprünglich direkt am Hügel vorbeifloß, zu suchen haben. Jeßt liegt fast am Südende der Ebene das große Dorf. Dichimdichime, an zwei Seiten von ausgedehnten Palmengärten umschlossen, nördlich davon der Friedhof (Mugbare) für die jebigen Bewohner von Babylon und Umgegend, die in der Nähe ihrer Heiligen zu ruhen wünschen, noch weiter nördlich der „Kennplaz“ (Miedan), auf welchem an den beiden großen Festen (Bairam) Pferderennen veranstaltet werden. Nördlich vom Ischan Amran erblickt man jeßt ein mehrere Meter tiefes Loch von fast quadratischem Umriß, dessen Länge und Breite fast 100 Meter beträgt. Die Seiten dieses Loches sind nicht genau nach den Himmelsrichtungen orientiert, sondern verlaufen etwas schief. In seiner Mitte

1) išân, nicht tell, noch weniger aber nišân („Zeichen, Ziel“) ist das von den Arabern der Umgegend gebrauchte Wort für „Hügel“, bez. „Schutthügel“.

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Sahan, Jíchan ahamar, Nil-Kanal.

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erhebt sich noch etwa 4 Meter hoch ein Block aus lufttrocenen Ziegeln von ungefähr 60 Metern Länge und Breite. Die Seiten dieses Blockes gehen genau parallel mit den äußeren Grenzlinien des Loches, das den Block rahmenartig umgibt. Die Araber nennen diese Stelle Sahan („Schüssel"). Die Aushöhlung des Sahan ist zum Teil mit Grundwasser gefüllt. In der Mitte hat die südliche Umrahmung eine gleichartige rechteckige Ausbuchtung von etwa 50 Metern Länge, die bis in die Nähe des Sichan Amran führt.

Östlich vom Gasr-Hügel, nordöstlich vom Märfäz finden sich noch weitere Schutthügel, von denen der bedeutendste der ziemlich steil aus der Ebene ansteigende Ischan il-ahamar ist. Er hat seinen Namen (,der rote Hügel“) von der Farbe der Ziegelbruchstücke, die ihn bedecken, erhalten, und nach ihm heißt die ganze Umgebung ilEhmere („die Rote"). Ostlich vom Roten Hügel“ verläuft fast genau von Norden nach Süden ein Damm von genau demselben Charakter wie die oben beschriebene Stadtmauer. Seine Länge mag annähernd 2 Kilometer betragen; er beginnt und endet anscheinend im freien Felde. Das Südende liegt nicht weit von der Stelle, wo die Straße Bagdad-Hille die Stadtmauer zum zweiten Male durchbricht und aus dem Stadtgebiet austritt.

Damit wäre die Beschreibung der hervorragendsten Ruinenpläße erschöpft. In dem östlichsten Winkel zwischen der eben genannten inneren und der äußeren Stadtmauer, fehlen jedenfalls Trümmerstätten von einiger Bedeutung völlig. Hier befinden sich, wie auch nördlich von der Ehmere, Getreidefelder, die durch künstliche Wasseradern modernen Ursprungs befruchtet werden. Der größte Kanal, der Nahr en-Nil, berührt jeßt das Stadtgebiet überhaupt nicht mehr. Während er früher unterhalb von Babil aus dem Euphrat abzweigte, dann die Stadtmauer an der Stelle durchbrach, wo diese ihre Nordjüdrichtung mit einer solchen gegen Südosten vertauscht, entnimmt er jeßt sein Wasser oberhalb Birnun und fließt außerhalb der Stadt nach Südosten zu. Sicher ist auch das alte Kanalbett noch modernen Ursprungs.

III. Versuch einer Topographie der alten Stadt

Babylon. Die literarischen Hilfsmittel zur Rekonstruktion des alten Stadtbildes sind von dreierlei Art:

1. Die Angaben der Bibel. Von diesen fomit für die Topo

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graphie fast nur die bekannte Erzählung vom Turinbau zu Babel in Betracht, die jedenfalls einen historischen Kern hat, der aber von der Sage umwoben und fast verhüllt ist.

2. Die Angaben der griechischen und römischen Schriftsteller. Obwohl Babylon erst zur Zeit seines Niederganges in den Gesichtskreis der klassischen Völker trat, erregte doch die Größe und Pracht der Stadt ihre lebhafteste Aufmerkjamkeit und Bewunderung. Ihre Angaben sind jedoch so voll von Widersprüchen im einzelnen und leiden derartig an offenbaren Übertreibungen, daß man besser tut, sie für die Topographie überhaupt beiseite zu lassen oder nur dann zu verwenden, wenn sie in Angaben anderer Quellen ihre Bestätigung finden.

3. Diese anderen Quellen, die lautersten, die uns zur Verfügung stehen, sind die Heilinschriften. Namentlich gehören hierzu die Bauterte Affarhaddon's, Asurbanipal's, Nabopolassar's, vor allem aber Nebukadnezar's. Freilich muß sogleich bemerkt werden, daß diese Inschriften, selbst wo sie unversehrt erhalten und klar geschrieben sind, doch nicht so vollständig ausgebeutet werden können, wie sie verdienten, einerseits deshalb, weil uns die assyriologische Wissenichaft noch vielfach im Stich läßt, andererseits weil oft der Wortlaut zwar verständlich ist, aber mehrere und verschiedene Deutungen gestattet. Viele topographische Details enthalten ferner die zahlreichen Privaturfunden, namentlich diejenigen aus neubabylonischer und persischer Zeit. Von großem Werte ist endlich eine, freilich fragmentarische Neilschrifttafel des Berliner Museums, die ganz speziell von der babylonischen Topographie handelt, und eine andere, im Original leider verschollene Tafel, die eine Beschreibung des Haupttempels von Babylon enthielt.

1. Die Stadtmauern. Schon die Beschreibung der Ruinen hat gezeigt, daß es in Babylon verschiedene Stadtmauern gab. Die Bauinschriften Nebukadnezars und seiner unmittelbaren Vorgänger nennen als „die Mauern" von Babylon: Imgur-Bel („Bel war gnädig") und Nimitti-Bel (,,Ruheplaß? Bels"). Ofter aber wird die erste schlechthin als „Mauer“ von Babylon und leßtere als ichalchu der Stadt bezeichnet. Der Ausdruck schalchu gehört zu denjenigen assyrischen Wörtern, über welche die Aften noch nicht geschlossen sind. Daß er eine Art Mauer bezeichnet, ist zweifellos. Die bisher fast allgemein angenommenen Deutungen „Außenmauer“ oder „Wall“ sind jedenfalls aufzugeben. Vielmehr haben

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Imgur-Bel und

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die Ausgrabungen in Babylon es wahrscheinlich gemacht, daß Imgur-Bel und Nimitti-Bel 2 unmittelbar nebeneinander gelegene Festungswerke waren und daß sie sich beide auf dem Gasr-Platz

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befanden, Imgur-Bel im Süden und Nimitti-Bel im Norden. Demgemäß hätten sie nnr die Altstadt umschlossen, wo einst die Paläste Hammurabis und seiner Nachfolger standen, von denen aber

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