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Nineve unter den Sarginiden.

NO. 1,3

ließ, um die Hauptstadt init gutem Wasser zu versorgen. Denn vordem mußten die Bewohner, um Trinkwasser zu erhalten, „ihre Augen zum Regen des Himmels richten“. Die Stadt selbst verschönte er durch den Bau einer Brücke über den Choser und durch Anlegung einer prächtigen Straße girru ša šarri „Königstraße“, über die Sanherib selber berichtet: „Damals vergrößerte ich den Umfang meiner Residenz Nineve. Ihre Straße - den Weg „Königstraße“ – änderte ich und baute sie herrlich. Wall und Mauer baute ich kunstvoll und berghoch, 100 große Ellen machte ich ihren Graben breit. Damit in fünftigen Tagen die Königstraße nicht verfleinert werde, ließ ich Inschriften anfertigen, die je auf der andern Seite einander gegenüberstehen: »62 große Ellen habe ich die Breite der Königstraße bis zum Parktore gemessen. Wenn je einer von den Einwohnern Nineves sein altes Haus umbaut und ein neues baut, nnd damit mit dem Fundament seines Haujes in die Königstraße einrückt, den joll man auf seinem Hause auf einen Pfahl hängen.«" Wie sehr auch Sanherib für die Zukunft sorgte, er fonnte es nicht verhindern, daß seine politischen Gegner, voran die Priesterschaft, deren Überwindung nur in der Selbsttäuschung des Königs existierte, seine Pläne gewaltig durchkreuzten, in dem sie den politischen Zwiespalt in des Königs eigene Familie hineintrugen. Als Opfer eines Komplotts, an dessen Spiße sein eigener Sohn (vielleicht Sar-etir mit Namen) stand, fiel Sanherib von Mörderhand. Einer der Söhne Sanheribs, Asarhaddon, der im fernen Nordwesten1 Krieg führte, rückte in Eilmärschen heran und besiegte die Aufständischen. Die ganze Revolution dauerte nur acht Wochen. Einige Zeit danach bestieg Asarhaddon den Thron, freilich erst, nachdem er mit der feindlichen Priesterschaft und der babylonischen Partei Frieden geschlossen hatte. Er suchte an Babel wieder gut zu machen, was sein Vater zur Unterdrückung der Stadt und ihres weltumfassenden Einflusses getan. So verlor ganz allmählich Nineve und mit ihm Assyrien wieder an politischer Bedeutung, wenn auch äußerlich das Reich zu gewinnen schien. Der Hauptstadt Nineve ließ Ajarhaddon viel Interesse zu teil werden. Die Bauzylinder vom Nebi Junus berichten von dem Bau seines Kalastes, der von ganz hervorragender Pracht und Schönheit gewesen sein muß. Zwölf unterworfene Könige des Westlandes, unter ihnen Manasse von Juda, mußten die kostbarsten Baumaterialien liefern; selbst die unterjochten Stadtfürsten der Insel Alasia (Cypern) mußten dazu beitragen.

1) So Hommel Geschichte p. 689.

AO. V, 3

Nineve unter Sardanapal. Der Verfall.

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Auch das berühmte Arsenal auf demselben Hügel wurde erneuert und erweitert. Nach seinem dritten Feldzug baute Ajarhaddon noch zwei große Paläste, deren einer in Nimrud gefunden ist: es ist der Südwestpalast, zu dessen Wänden er die Reliefplatten des Tiglatpileserpalastes verwendete, deren Bildseiten verkehrt eingemauert wurden. 668 starb Ajarhaddon, und Assurbanipal, den er schon im Jahre zuvor in Nineve zum Thronfolger hatte ausrufen lassen, bestieg in Assyrien den Thron. Er residierte im Nordpalast von Qujundjik, in Bit-riduti, dem Hause des Harems. Dort hatte Sanherib als Prinz gewohnt, war Ajarhaddon geboren und erzogen, dort war er selbst herangewachsen. Später hat er dies Haus seiner Jugend in prachtvoller Weise erneuert. Auch der Südwestpalast Sanheribs wurde von Grund aus umgebaut und erweitert. Ganz besonders betont Assurbanipal aus den Tagen seiner Jugend in Bit-riduti jeine literarische Erziehung, für die wir heute seinen Lehrern nicht genug danken können. Dort ist in ihm die in bestem Sinne noble Passion heranerzogen worden, das Schrifttum Babyloniens abschreiben und zu einer großen Reichsbibliothek sammeln zu lassen, von deren Wiederauffindung wir oben erzählt haben. Seine andern Passionen sind abgesehen von seiner Bauleidenschaft allerdings vielfach jolche gewesen, die wir in malam partem als noble bezeichnen; was uns besonders abstößt, ist seine Grausamkeit. Nineve war „die Stadt der Bluttaten“ (Nahum 3, 1).1 Die politischen Verhältnisse des Reiches waren unter seiner Regierung innerlich immer morschere geworden. Seine Söhne Assur-etil-ili und Sin-sar-iskun sind die legten Könige von Assyrien gewesen. Um 625 brachen die Meder ins Land und zogen gerade auf Nineve los. Wie die Stadt vor der Zerstörung errettet ward, wissen wir nicht. Bald nach den Medern gerieten die Saken, ein Skythenvolk, über Assyrien, das innerlich völlig gebrochen war. Immer noch hielt sich Nineve. Erst als Nabopolassar von Babylon sich mit den Medern verbündet hatte, konnte er mit ihrer Hülfe die Stadt einnehmen. So gründlich war diese wahrscheinlich 606 vollzogene Zerstörung, daß von Stund an Nineve ein Schutthaufen blieb. 2

Als Xenophon 200 Jahre nach dem Falle der stolzen Stadt 32

1) Eine kurze aber treffende Schilderung der Zustände am Königshofe gibt Billerbeck in BA. III. p. 116. Vgl. auch das hübsche Bild, das Bezold in seiner Monographie Nineve und Babylon zeichnet.

2) Anders A. Jeremias, der den Bericht Xenophons für unzuverlässig, den Ausspruch Lucians für poetische Übertreibung erklärt.

Nineves Ende.

AD. V, 3

der als cerch die Garmur ein

an ihrem Trümmerfeld vorbeizog, wußte er nichts von der Jahrtausende alten Kultur, die dort ihr Grab gefunden; „Larissa“ nannte man ihm die Stätte Nineves. Nur ein einziger Name, wie Hommel erkannt, ist durch die Jahrhunderte erhalten geblieben, der des Sargon, der als Sarun in Verbindung mit Chorsabad von arabischen Geographen genannt wird, der Name des Herrschers, dessen Person von all den Gewaltigen Assyriens uns die meiste Sympathie abgewinnt.

Nineves Auffindung und Ausgrabung aber wird ein Markstein bleiben in der Geschichte der Wissenschaften, dem nur wenig andere an Wichtigkeit gleichen: von da aus beginnt die Kenntnis der Quellen für das erst in unseren Tagen sich erschließendė Verständnis dessen, was altorientalisches Leben, Wejen und Denken heißt. –

Literatur: Botta, Briefe an Mohl in Journ. Asiat. ser. IV. vol. II—V. Botta und Flandini, Monument de Nineve, 5 Bände. Place, Brief an Mohl in Journ. Asiat. ser. IV. vol. XX. Layard, Niniveh u. seine Überreste, deutsch v. Nicol. Napol. Wilh. Meißner. 1854.

- Populärer Bericht üb. d. Ausgrabungen z. Niniveh, deutsch v. Meißner. 1852. -- Niniveh und Babylon, deutsch von Zenker 1856.

G. Smith, Assyrian Discoveries. 1875.
Rajsam, Recent Discov. etc. in Transact. of the Soc. of Bibl. Arch. VII. VIII.
Hommel, Geschichte Babyloniens und Assyriens, Berlin 1885—1888.
Rogers, History of Babylonia and Assyria, New York 1890.
Hilprecht, Explorations in Bible Lands, 1903. (Beste mir bekannte Darstellung,

Deutsche Ausgabe in Vorbereitung.)
Saulen (kathol.), Assyrien und Babylonien (veraltet, troß der neuen Auf-

lagen; die Übersetzungsproben nicht zuverlässig. Mü rdter-Delißich, Geschichte von Babylonien und Assyrien 1891. (Zur

Zeit des Erscheinens sehr zuverlässige Zujanımenstellung. Bedürfte einer

neuen Auflage.) Billerbeck - Jeremias, der Untergang Nineve's in Beiträge zur Assyriologie

III. S. 87–188. (Vortreffliche Sarten!)

Für eingehendere Beschäftigung mit Ergebnissen der Ausgrabungen sind die Werke von Ed. Meyer, Tiele, Winckler, auch Ritters Erdkunde XI, zu nennen. Ferner vgl. die einzelnen Einleitungen zu den Inschriften in Schraders Neilschr. Bibliothek und die Ausgaben der Bauinsdriften Sanheribs und Ajarhaddons von Meißner und Rost. Obige aud nicht annähernd vollständige Darstellung verdankt das meiste den Werken von Hommel, Rogers und Hilprecht.

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Der alte Orient.

Gemeinverständliche Darstellungen

herausgegeben von der

Porderasiatischen Gesellschaft.

5. Jahrgang, Heft 4.

Wegen der vielfach erweiterten Neudrucke empfiehlt es sich, fortab nach Jahrgang, Heft und Seitenzahl zu zitieren und eine zweite oder weitere Auflage mit hochstehender Ziffer anzudeuten, also z. B.: AO. IV, 22 S. ...= Alter Orient 4. Jahrg., 2. Heft, 2. Aufl. Seite ....

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