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Baläste.

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Erweiterung nur nach Osten oder Norden ausgeführt werden. Im Osten lag aber die Prozessionsstraße (Aiburschabum), die der König aus religiösen Gründen nicht verlegen wollte. So blieb nur der Plaß im Norden übrig, jenseits von Imgur-Bel, und auch hier hatten religiöse Bedenken zwei Schranken errichtet, die Nebukadnezar nicht anzutasten wagte: Der Marduk-Kanal (1. S. 28), der vom Euphrat aus in östlicher Richtung bis an die Prozessionsstraße führte, und die Schicksalskammer, die nach meiner Auffassung ebendort, wo Straße und Kanal zusammentrafen und endeten, gelegen haben muß (1. S. 24). Indessen blieb so noch immer ein Flächenraum von ungefähr 5 Hektar, also mehr als was der Südpalast bedeckte, übrig. Der König ließ dieses weite Gebiet mit Ziegelbruch und Erdpech hoch auffüllen, sodaß eine künstliche Plattform entstand, und oben darauf aus hellgelben Backsteinen ein Schloß erbauen, von dessen dicken Wänden noch heute einige Reste emporragen, da ihre Härte den Werkzeugen der Ziegelräuber Widerstand leistete. Nur infolge von Unterwühlung, vielleicht auch durch Erdbeben sind in diesen Mauerfolossen Riffe entstanden und größere Massen abgestürzt, deren Ziegel durch einen im Laufe der Jahrtausende steinhart gewordenen Kalkmörtel fest zusammengehalten werden. Nebukadnezar behauptet, diesen Bau binnen 15 Tagen vollendet zu haben, eine Angabe, die sich merkwürdigerweise bei Berossos wiederfindet.

Aber noch war der König nicht zufrieden gestellt. Dort, wo sich die Backsteinmauer dem Herankommen des Nordwindes nähert“, baute er sich einen dritten Palast, ähnlich dem der inmitten der Stadt stand. Die Beschreibung ist noch vielfach unklar, wie schon dieje, wörtlich aus dem Babylonischen überseßte Stelle zeigt. Der Ruinenhügel Babil, am nördlichen Ende der Stadt, birgt die Grundmauern des Palastes, die etwa 30 Meter über die Ebene hervor ragten. Oben in luftiger Höhe, auf der künstlichen Plattform, stand das Schloß, dem der König den Namen Nabu-kudurri-ujur liblut Lulabbir zanin Ejagila („Es lebe Nebukadnezar, ein hohes Alter erreiche der Ausschmücker von Ejagila!") beilegte. Es kann kaum ein Zweifel sein, daß dieje Anlage identisch war mit der, welche die Griechen als die hängenden Gärten der Semiramis" beschrieben haben. Tatsächlich glaubt H. Rasjam hier noch Reste von Brunnenschächten gefunden zu haben, durch welche das Wasser auf die Höhe der Terrasse gehoben worden wäre. An Größe wird der Nordpalast den beiden Palästen der inneren Stadt faum nachgestanden haben, doch ist er viel mehr zerstört als diese, und die Zerstörung wird

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Tempel.

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noch jeßt unter den Augen der türkischen Regierung auf das rücksichtsloseste fortgeseßt. Die hier ausgegrabenen Ziegel dienen zur Ausbesserung des Hindije-Wehres bei Museijib, einer allerdings sehr notwendigen Arbeit. Ohne fortwährende Instandhaltung des Wehres würde der Hauptarm des Euphrat bis nach Semaua hinab einfach versiechen, wie er tatjächlich im Sommer 1888 bereits einmal ausgetrocknet war. Das würde aber den Untergang der Anpflanzungen, welche das Ujer des Stromes begleiten, und damit auch der Dörfer und Städte, die auf sein Wasser angewiesen sind, bedeuten.

Außer den königlichen Schlössern gab es in Babylon auch fronprinzliche Palais. So wird im Jahre 553 v. Chr. ein „Haus des Königssohnes“ erwähnt, und dieser fann füglich niemand anders gewesen sein als Bel-scharru-usur, Sohn des Königs Nabunaid, der Belsazar der Bibel. Im Jahre 497 sollte wieder ein „Haus des Königssohnes" (wohl Xerres) in Babylon erbaut werden. Über die Lage dieser Häuser ist nichts näheres zu ermitteln.

4. Die Tempel. Wie jede größere Stadt Babyloniens und Assyriens besaß auch Babylon eine Reihe von Tempeln. Die topographische Tafel des Berliner Museums zählt „,43 Heiligtümer (Machazi) von großen Göttern in Babylon". Mit Namen kennen wir 12 Tempel, von denen 3 durch die Deutsche Expedition wieder aufgefunden worden sind. Ein vierter, dessen Stelle ebenfalls entdeckt wurde, fann leider aus Mangel an inschriftlichem Material noch nicht identifiziert werden. Manche Gottheiten besaßen keine eigenen Tempel, wohl aber in Tempeln anderer Götter Räume, die ihnen geweiht waren. Außerdem sind noch zu unterscheiden: der ,,Stufenturm“ (Ziggurratu), der in keiner größeren babylonisch-assyrischen Stadt fehlte und immer mit dem Haupttempel eng verbunden war, ferner das „Opferhaus" (Bit nike, auch Bit afiti ,,Neujahrsfest-Haus“ genannt) und die ,,Schicksalskammer“ (Parak schimate).

Der Haupttempel Babylons hieß Esagila („Haus der Erhebung des Hauptes“) und war zunächst dem obersten Gott der Stadt, Marduk, geweiht, dessen Zimmer (Papachu) den Namen Efua führte und im westlichen Teile des Tempels gelegen war. Neben Marduk thronte seine göttliche Gemahlin Zarpanitum oder Zirbanitum in der Tor-Napelle Nachilisir. Im nördlichen Teil der Tempelanlage standen das Gemach des Nusku, des Gottes der Südjonne, und Efarzaginna („Haus der Mauer aus Lasurstein“), das dem Vater Marduf's, Ea, dem König des Ozeans“ und Hauptgott von Eridu, geweiht war. Im Süden stand ein Tempel, der Anu, dem Himmels

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Esagila.

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gott, und Bel, dem „Herrn der Länder“, gemeinschaftlich gehörte. Beide Götter waren ursprünglich Fremdlinge in Babylon. Anu wurde hauptsächlich in Durilu oder Deri am Tigris (unweit des heutigen Bagdad) verehrt. Bel’s Heimat war Nippur Niffer); sein Name wurde vielfach auf Marduk übertragen, weshalb z. B. die klassischen Schriftsteller den Hauptgott von Babylon ausschließlich Bijloc-Belus nennen. Im östlichen Teil von Ejagila befand sich eine Gruppe von 16 Göttergemächern, darunter diejenigen Nabu's und seiner Gemahlin Taschmetu (Nana). Für gewöhnlich wohnten diese beiden Gottheiten in Ezida, dem ,,beständigen Haus“, in der Nachbarstadt Barsip-Borsippa. Aber am Neujahrsfest begab sich Nabu, der ,,treue Sohn" Marduks, mit jeiner Gemahlin nach Babylon, um gleich den übrigen Göttern der Stadt seinem göttlichen Vater und Herrn zu huldigen. Für die Dauer ihres Besuches wohnten sie im Esagila und zwar in einer Abteilung, die gleich ihrem Tempel in Barsip den Namen Ezida führte. Welchen Gottheiten die übrigen Gemächer im Osten Ejagila's geweiht waren, ist nicht ausgemacht. In Betracht kommen vor allen noch die beiden ,,Töchter Esagila’S" Mi-nit-jar und Ka-tu-na, die um die Zeit der Sommersonnenwende von Ejagila, dein „Hause des Tages", hinabzogen nach Ezida, dem Hause der Nacht“, „um die Nächte zu verlängern"). Esagila besaß 2 große Höfe, von denen der eine „Hof der Ischtar und des Zamama" hieß, und 6 Tore, die wahrscheinlich so verteilt waren, daß im Norden und Süden je 1, im Osten und Westen je 2 gelegen waren.

Der Tempel Ejagila ist uralt. Die Schöpfungslegende von Eridu verlegt seine Gründung an den Anfang der Tage. Die älteste Erwähnung aus historischer Zeit datiert vom 8. Jahr Zabum's, des 3. Königs der ersten Dynastie von Babylon, des Urgroßvaters von Hammurabi. Nach der Zerstörung der Stadt durch Sanherib begann Assarhaddon auch Ejagila wieder aufzubauen, und seine beiden Söhne Asurbanipal und Saosduchinos septen das Werk ihres Vaters fort. Die Blütezeit Babylons unter den neubabylonischen Königen ist auch für Ejagila die Zeit des höchsten Glanzes gewesen. Nabopolajjar und seine Nachfolger wetteiferten miteinander in der Ausschmückung des Haupttempels in der Metropole. Der Titel „Ausschmücker von Esagila und Ezida“ wird geradezu stehendes Epitheton dieser Könige. Noch Cyrus rühmt sich an beiden Tempeln gebaut

1) Umgekehrt kamen um die Zeit der Wintersonnenwende die beiden „Töchter Ezida'8" herauf nach Ejagila, „um die Tage zu verlängern".

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Auffindung von Ejagila.

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zu haben, und Antiochus I. Soter (281—261) hatte wenigstens die Absicht, Ejagila zu erneuern. Bis auf den heutigen Tag lebt unter der muslimischen Bevölkerung noch eine Erinnerung an die Heiligkeit der Stätte fort, wenn auch deren wahre Bedeutung aus dem Gedächtnis entschwunden ist. Längst ist die Tatsache beobachtet worden, daß die Stätten der muslimischen Heiligenverehrung vielfach Orte sind, die schon im heidnischen oder christlichen Altertum als heilig galten. „Von Geschlecht zu Geschlecht wechselt derselbe Heilige Ort die Namen seiner Träger; nur die Namen verändern sich, die Heiligkeit und göttliche Weihe, die religiöse Bestimmung des Ortes erbt sich durch die Ebbe und Flut der Volksüberlieferung“ von grauem Altertume bis in die neueste Zeit hinein." 1 In Babylon haben wir dafür eine neue Bestätigung. Unter dem Schutthügel, der die Gebeine eines legendären Sohnes Ali's, namens Amran, und eines anderen Imam bedecken soll, fand die Deutsche Erpedition im Herbste 1900 den Tempel Ejagila. Allerdings ist erst ein verhältnismäßig winziges Stück davon ausgegraben, denn es galt zuvor eine 20 Meter dicke, völlig sterile Schuttschicht zu durchdringen, ehe man auf die 2/2 bis 34. Meter starken Lehmmauern von Ejagila stieß. Die Ziegelplatten des Fußbodens, die mit Inschriften von Nebukadnezar, Aljurbanipal und Afarhaddon ge stempelt sind, ließen keinen Zweifel, daß hier das Hauptheiligtum des alten Babylon gelegen war. Von den Schäßen und Weihgeschenken, mit denen der Tempel einst angefüllt war, fand sich in den ausgegrabenen Zimmern nichts mehr vor. Nur ein hölzerner Thron hatte in dem weichen Asphalt Spuren hinterlassen, aus denen sich eine hinreichend deutliche Vorstellung seiner Gestalt gewinnen ließ. Es scheint, daß schon in alter Zeit Schaßgräber am Werke waren, um dem verfallenden Heiligtum seine Kostbarkeiten, soweit sie nicht schon vorher geborgen waren, zu entreißen. Wenigstens fand sich an der Nordfront, von wo der erste Ausgrabungsstollen der Deutschen Erpedition ausging, ein ganzes Lager von kleinen steinernen Objekten, wie Seulenknäufe, Siegelstangen, Statuenaugen, Snöpfe von Gewändern, z. T. mit wertvollen Inschriften bedeckt, alles Gegenstände, die offenbar aus Esagila stammten. Über den einstigen Umfang der ganzen Anlage fann man einstweilen nur Vermutungen äußern. Wahrscheinlich bildete sie ein Rechteck, dessen Nord- und Südfront ungefähr 200 Meter lang war; Ost- und

1) Goldziher, Muhammedanische Studien 2, 344. Falle 1890.

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Etemenanti,

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Bestfront übertrafen diese beiden an Länge wohl noch. Die Orientierung entsprach nicht genau den Himmelsgegenden; der Längsschnitt von Süden nach Norden weicht um ungefähr 16 Grad nach Westen ab.

Zu Esagila gehörte der Stufenturm Etemenanti („Haus des Grundsteins von Himmel und Erde"). Er stand einst unweit der Nordfront von Ejagila, ist aber jeßt vom Erdboden verschwunden und nur sein Grundriß läßt sich noch an der Gestalt des von den Arabern Sahan genannten Loches erkennen. Mit dieser Stelle hat es eine eigentümliche Bewandtnis. Da die früheren Reisenden und Ausgräber jämtlich hier achtlos vorübergegangen sind, muß man annehmen, daß das Aussehen des Bodens sich in nichts von dem der Umgebung unterschied. Etwa im Jahre 1886 oder 1887 werden arabische Antiquitätensucher auf das unter dem Erdboden noch erhaltene Mauerwerk gestoßen sein. Die türkische Regierung bemächtigte sich der Sache und verdingte die Ausbeutung dieses ,,Steinbruchs" an einen Unternehmer, der seine Aufgabe denn auch so gründlich anfaßte, daß die Badsteine noch tief aus dem Grundwasser herausgeholt wurden. Nur der Kern aus lufttrockenen Ziegeln, für die man keine Verwendung hatte, blieb stehen und ist noch jeßt in der Mitte des Loches sichtbar. Gemäß den Angaben der Araber wurden innerhalb der Backsteinmauern, und zwar in der Mitte jeder Seite einer, 4 Tonzylinder mit Inschriften gefunden, von denen bis jeßt aber erst 2 in öffentlichen Museen aufgetaucht sind.

Von wem der Stufenturm in Babylon zuerst gebaut worden ist, wissen wir nicht. Sanherib fand ihn vor; denn er hat ihn seiner eigenen Angabe zufolge zerstört. Asjarhaddon und Asurbanipal haben zum mindesten die Absicht gehabt, ihn wieder aufzubauen. Nabopolassar hat dann den Neubau wirklich begonnen, starb aber, als er ihn bis zur Höhe von 30 Ellen gefördert hatte, so daß die Vollendung seines Werkes seinem Sohne Nebukadnezar überlassen blieb. Zu Alexanders des Großen Zeit scheint der Bau wieder verfallen oder zerstört gewesen zu sein. Der König faßte den Plan, ihn wieder zu erneuern, wurde aber durch seinen vorzeitigen Tod daran verhindert. Die jahvistische Sage vom Turmbau zu Babel ist wahrscheinlich zu einer Zeit entstanden, als das angefangene Werk infolge irgendwelcher Schwierigkeiten ins Stocken geriet und einstweilen ruhte. Die Worte 1. Moj. 11,4: „Auf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spiße bis an den Himmel reiche!" berühren sich aufs engste mit den Gründungsurkunden Nabo

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