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Der babylonische Turm.

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polassar’s und Nebukadnezar's: „Etemenanki, ... dessen Spiße an den Himmel reichen sollte". Der jüdische Erzähler faßte diese Worte, die natürlich nur bildlich gemeint sind, wörtlich auf und erblickte darin einen Frevel gegen die Gottheit.

Etemenanfi bestand aus 6 kolossalen massiven Stufen, deren quadratische Grundrisse nach oben zu abnahmen. Die unterste Stufe enthielt einen Kern aus lufttrockenen Ziegeln, der von einer mehrere Meter dicken Verschalung aus Backsteinen umgeben war. Ob lufttrockene Ziegel auch weiter oben noch in Anwendung kamen, läßt sich nicht entscheiden. Die Höhe der zwei untersten Stufen war verichieden, die der vier obersten gleich. Die Maße in babylonischen Doppelruten waren folgende: Stufe Länge u. Breite Höhe Stufe Länge u. Breite Höhe I 15 511 IV

81/

1 II 13 3 V 7

1 III

10

1
VI

1
Auf der VI. Stufe erhob sich das eigentliche Heiligtum des
Gottes, ein Gebäude, dessen Länge, Breite und Höhe bezüglich 4,
34/2 und 2/2 Doppel-
ruten maßen, sodaß die
Gesamthöhe des Bau-
werfs, vom Fundament
bis zum Dach gerechnet,
genau 15 Doppelruten
betrug, also seiner Länge
und Breite gleichfam.
Orientiert war der Stufen-
turm genau wie Esagila.
Er hatte 4 Tore, von
denen wir aber nur eines

Babylonische Doppelruten mit Namen kennen: fta

Hot 104 nunkalamma (,,das hehre Tor des Alls“). Der Aufstieg zu dem Heilig- Schemattiche Darstellung des babylonischen Turmes. tum geschah vielleicht mittels einer Rampe, die die einzelnen Stufen

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Meter.

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1) Die babylonische Doppelrute maß in alter Zeit 12, später (sicher unter Nebukadnezar) 14 Ellen. Da der Grundriß des Sahan annähernd ein Quadrat von 100 Metern Länge und Breite bildet, ergibt sich als Länge der babylonischen Doppelrute annähernd 623 Meter, ein Betrag, der auch mit anderen metrologischen Ermittelungen übereinstimmt.

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Die Schicksalskammer.

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rings umgab, oder auf einer Treppe, deren Lage wir uns dann wohl im Süden, wo das Sahan eine rechteckige Ausbuchtung nach Esagila hin aufweist, zu denken haben würden.

Die babylonischen Stufentürme dienten wahrscheinlich nicht nur religiösen, sondern auch wissenschaftlichen und militärischen Zwecken. Wenigstens läßt sich für astronomische Beobachtungen kein geeigneterer Ort vorstellen als die Plattform einer Ziggurratu, die alle sonstigen Höhen der Stadt weit überragend, den ganzen Himmelsraum bis zum Horizont den Blicken des Beobachters freigab. Und näherte sich der Feind, so war der Wächter auf dem Stufenturm wieder der erste, der die Gefahr bemerken mußte.

In enger Beziehung zu der Verehrung Mardut's standen noch zwei Heiligtümer, nämlich die „Schicksalskammer“ (Parak ichimate) und das Opferhaus" (Bit nife, auch Bit afiti ,,Festhaus" genannt). Am Zagmuk-Fest, das 8 Tage nach Neujahr begann, fanden feierliche Götterprozessionen statt. Am 8. Nisan zog der Götterherr Marduk aus Ejagila aus und begab sich nach Du-azagł, der Schicksalskammer, wo ihn die übrigen Götter Babylons erwarteten, um zugegen zu sein, wenn ihr Oberherr die Geschicke für das neue Jahr bestimmte. Wie diese Zeremonie vor sich ging, wissen wir nicht; nur so viel ist noch bekannt, daß am selben Tage ein großes Opfer stattfand, daß ferner Marduk an den beiden folgenden Tagen im Opferhaus weilte, daß er am 4. Festtage (den 11. Nijan) sich noch. mals in der Schicksalskammer aufhielt und dann den Heimweg nach Esagila antrat. Bei der Heimkehr wurde ein Hymnus gesungen, von dessen Tert die Deutsche Grpedition ein fast vollständiges Eremplar gefunden hat.

Die Schicksalskammer, deren Innenwände vor Nebukadnezar nur mit Silber tapeziert gewesen waren, ließ dieser König in lauterem Gold erstrahlen. Ihre Lage ist durch die Ausgrabungen noch nicht festgestellt worden. Meiner Ansicht nach kann allerdings kaum ein anderer Ort in Betracht kommen als das Nordende der Prozessionsstraße, wo diese und der Marduf-sanal zusammentreffen. Und trügt nicht alles, so sind durch die deutschen Ausgrabungen auch bereits die Vorräume von Duazag gefunden. Die Straße,

1) Der volle Name lautet Du=azag-ki-nam-tar-tar-e-ne scha Ub-schu-ugginna „der glänzende Hügel, der Ort der Schicksalsbestimmung, welcher ist (bez. gehört zu) Ubschugginna“. Leşteres ist das Versammlungshaus der Himmlischen, woselbst sie unter Mardut's Vorsip Rat halten, zunächst also ein tosmischer Begriff

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Das Opferhaus und Emach.

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welche an dieser Stelle mehr als 20 Meter breit ist, wird hier durch 2 parallele Mauern aus lufttrockenen Ziegeln unterbrochen, deren Toröffnungen fast 5 Meter breit sind und sich genau in der Mitte der Straße befinden. Von diesen beiden Mauern und der Backsteinmauer, welche die Nordgrenze der Straße bezeichnet, werden zwei Räume eingeschlossen, die ungefähr 50, bez. 100 Quadratmeter Grundfläche enthalten, und die entweder zur Schicksalskammer gehörten oder sie gar bildeten. Das leßte Wort über diesen Gegenstand wird sich freilich nicht eher aussprechen lassen, als bis wenigstens der nördliche Teil des Gasr-Hügels, der jeßt noch völlig unerforscht ist, in den Bereich der Ausgrabungen gezogen worden ist.

Das „Opferhaus" baute Nebukadnezar aus Asphalt und Backsteinen an den Kamate von Babylon. Hier hatte schon zur Zeit des Königs Saddisch von Babylon, der wahrscheinlich mit dem ersten König der III. Dynastie (Gandisch) zu identifizieren ist, ein „Tempel Bels“ gestanden. Da wir die Kamate von Babylon (9. oben S. 14) mit einiger Wahrscheinlichkeit in der Nähe der nordsüdlichen Innenmauer suchen dürfen, so ist es wenigstens nicht unmöglich, daß das „Opferhaus“ unter den Ruinen des „Roten Hügels" verborgen liegt. Auch hier ist natürlich das Ergebnis einer künftigen Ausgrabung abzuwarten.

Der Tempel E-mach', der der Göttin Belit (Nin-mach oder Nin-chur-sag-ga) geweiht war, wurde von der Deutschen Erpedition im Jahre 1899 an der Ostfront des Gasr-Hügels, noch östlich vom Sichtar-Tor, gefunden und fast vollständig ausgegraben. Erbaut war er, wie die meisten übrigen Tempel der Stadt (Ejagila nicht ausgeschlossen!) aus lufttrockenen Ziegeln. Die Wände tragen noch jeßt Spuren eines weißen Verpußes. Die Götterbilder und aller sonstige Schmuck war natürlich längst verschwunden.

Dagegen wurde ein Tonzylinder Asurbanipal's zu Tage gefördert, der berichtet, daß dieser König den Tempel habe neu bauen lassen, desgleichen mehrere Ziegel Nebufadnezars, deren Inschrift mit einigen schon vorher bekannt gewesenen Zylinder-Inschriften dieses Königs wörtlich übereinstimmt.

Ein dritter Tempel wurde durch ein Mitglied der Deutschen Expedition, Herrn Andrä, an einigen geringfügigen Spuren erkannt. Bei der dann folgenden Ausgrabung fanden sich unter den Schwellen

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1) Die Namen der babylonischen Tempel, zum Teil auch die der Gottheiten, find jumerisch. Ihre Lesung steht vielfach noch nicht fest.

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Die übrigen Tempel.

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der Türen, die zu den Götterfammern führten, 3 Tonzylinder mit gleichlautenden Inschriften Napolassars, aus denen hervorging, daß der Tempel dem Ninib geweiht war und E-pa-tu-ti-la hieß. Nebukadnezar hat diesem Tempel zwar gleichfalls seine Fürsorge bewiesen, nennt ihn aber in seinen zahlreichen Inschriften nirgends. Gelegen ist E-pa-tu-ti-la im „Schwarzen Hügel“, ostsüdöstlich von den Kuppelgräbern des Amran. Der 4., noch namenlose Tempel liegt zwischen Ejagila und dem Ninib-Tempel.

Von folgenden Tempeln wissen wir fast nichts als die Namen. Über ihre Lage auch nur Vermutungen zu äußern, wäre verfrüht:

E-gisch-schir-gal (,Alabasterhaus“), Tempel des Mondgottes Sin.

E-chur-sag-el-la („Þaus des strahlenden Berges“), Tempel der Nin-kar-ra-ag-a (Erscheinungsform der Gula oder Ba’u).

E-ki-ku-garza, Tempel der Nin-e-an-na („Herrin des Himmelshauses“) an der ,,Seite der Mauer von Babylon“ (tubga dur Babili), wohl identisch mit E-ki-ku-ka-ni, gleichfalls Tempel der Nine-an-na, gelegen „am Neustädter Kanal in Babylon“.

E-nam-che, Tempel des Wettergottes Adad, im Stadtteil Kumari; er wird schon zum 28. Jahr Hammurabi's erwähnt.

E-ja-bad, Tempel der Gula (oder Ka-tar-an-fi?).

E-ichaga-tur-ra, Tempel der Göttin Ischchara, und da diese mit Sichtar identifiziert wird, ist wohl auch der Tempel identisch mit E-tur-kalam-ma, dem Heiligtum der babylonischen Ischtar. Leşteres wird schon zum 34. Jahre Hammurabi's erwähnt. Ajurbanipal baute es neu auf. Nebukadnezar nennt es nicht.

E-(gisch)-scha-pa-falam-ma-jum-ma (oder -mu), Tempel eines in Babylon einheimischen Nabu mit einem noch unerklärten Bei

namen.

E-fa-tar kalam-ma („Haus des Richters des Ads“), Tempel des Sonnengottes Samas, wird schon in einem Brief des Abeschu, des Enkels Hammurabi's erwähnt.

Alle diese Tempel, mit einer oben namhaft gemachten Aus nahme, rühmt sich Nebukadnezar gebaut oder erneuert zu haben.

5. Die Straßen. Unsere Kenntnis des Straßenneßes von Babylon steckt noch in den Anfängen. Als Pulsader der Stadt kann man die schon wiederholt genannte Prozessionsstraße Marduk's bezeichnen, von der die Deutsche Expedition weite Strecken aufgedeckt hat. Sie führte in der Richtung der Nordfront von Ejagila, zwischen diesem und Etemenanti, nach Osten, wahrscheinlich bis an das Westufer des Kanales Arachtu, bog dann im rechten Winkel

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Straßen.

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um und lief nach Norden. Von der Mitte der Ostfront des Stufenturmes ging gleichfalls eine Straße aus, die mit dem ersten Stück parallel lief und in die Prozessionsstraße, nachdem diese die nördliche Richtung angenommen hatte, mündete. Ehe die Prozessionsstraße den Gasr-Hügel erreichte, traf sie an den Kanal Libilchegalla, den sie mittels einer Brücke überschritt. Dann lief sie an der Ostfront der Gasr-Paläste entlang, unter dem Ijchtar-Tor durch und endete im Norden an der Stelle, wo ich die Schickjalskammer" vermute. Die Breite dieser Straße, von der wenigstens ein großer Teil Libur chabum hieß, schwankte zwischen 10 und 20 Metern. Sie war sorgfältig gebaut und gepflastert. Auf einer Unterlage von Badsteinen lagen regelmäßig behauene und wohlzusammenge fügte Platten aus natürlichem Stein, und zwar von zweierlei Art: Kalkstein und Turminabanda (so der babylonische Name; es ist ein Stein von braunroter Farbe mit weißen Adern). Diese Steine, die in Babylonien nicht heimisch sind, hat, zum Teil wenigstens, noch Sanherib geliefert. Später hat Nabopolajjar ein großes Stück der Straße pflastern lassen und Nebukadnezar sein Werk vollendet. Der auf dem Gasr befindliche Teil der Straße wurde mehrere Male höher gelegt. Die Seitenwände erhielten einen prächtigen Schmuck durch bunte emaillierte Ziegel mit Darstellungen von Löwen, teils flach, teils in Relief gearbeitet und Inschriften, deren weiße Zeichen sich von dem blauen Grunde zierlich abhoben.

Einen Teil von Aiburschabum, und zwar den zwischen dem Ijchtar-Tor und der „Glanzpforte“ gelegenen, scheint Nebukadnezar später umgenannt zu haben: Ischtar-lamasji-ummaneschu („Iịchtar ist der Schußgeist ihrer Mannen“). Die Prozessions-Straße Nabu's, welche Nebukadnezar gleichfalls befestigen ließ, nennt der König Nabu-daian-nischeschu („Nabu ist der Richter seiner Völfer"); sie erstreckte sich von Jkfipschu nafar (Straßenname?) bis an die Stelle, wo Nabu in Esagila einzog. Andere derartige Straßen waren: Marduk re'u-matischu ,,Marduk ist der Hirt seines Landes"), Sinmufin-agu-scharrutischu (,,Sin macht die Krone seines Königtums beständig“), Zamama-muchallif-garischu („Zamama vernichtet seine Feinde"). Die Straße von Imgur-Bel ist wohl auf dem Gasr zu suchen.

Zu Babylon gehörten 2 Königsstraßen. Die eine führte am Ufer des Banitum Kanals entlang in westöstlicher Richtung und verließ die Stadt bei oder nicht weit von dem Zamama-Tor, in dessen Nähe auch die Straße nach Nisch zu suchen sein wird. Die

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