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Kanäle

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andere Königsstraße verlief ungefähr nordjüdlich, unterhalb der Stadt, auf der anderen Seite des Euphrat. Hier, den Stadttoren des Urasch und des Sonnengottes gegenüber, lag der Ort Litamu. Wahrscheinlich führte diese Mönigsstraße weiterhin nach Barsip. Die babylonischen Urkunden nennen noch manche anderen Straßen, zu deren Lokalisierung es aber durchaus an Material fehlt, z. B. die „Breite Straße“, die „Breite Ninib-Straße", die „Breite Straße gegenüber vom Südtor des Tempels Eturkalamma“, die ,,Breite Straße, auf der Nergal (Gott der Unterwelt) ... einherzieht“, auch verschiedene „Sackgassen“ (suku la asu).

6. Die Kanäle und Gräben. Die Stadt Babylon war auch von einem dichten Nez von Kanälen und Gräben durchzogen. Die größte fünstliche Wasserader, die einen beträchtlichen Teil der Stadt in der Richtung von Norden nach Süden durchschnitt, war jedenfalls der Arachtu. Er zweigte irgendwo nördlich von den inneren Palästen aus dem Euphrat ab, floß an der Ostseite des Gasr vorüber, dann wohl zwischen Ejagila und dem Ninib-Tempel hindurch und vereinigte sein Wasser unterhalb des Urasch-Tores wieder mit dem Euphrat. Erwähnt wird er wahrscheinlich ichon in einem fragmentarischen Text aus der Zeit der ersten Dynastie. Sanherib ließ bei der Zerstörung der Stadt die Trümmer der Mauern und Tempel in den Arachtu werfen, so daß das Wasser über die Ufer trat und das Vernichtungswerk vollendete. Nabopolassar und Nebukadnezar stellten ihn wieder her und befestigten seine Ufer mittels Mauern aus Backsteinen. Der Arachtu war schiffbar. Am Zagmukfest fuhr Marduk in seiner heiligen Barke Rua auf dem Arachtu nach dem „Opferhaus“.

Ein zweiter großer Kanal hieß Libilchegalla („Er bringe Überfluß“). Dieser zweigte unterhalb des Südpalastes aus dem Euphrat ab, floß fast genau östlich und vereinigte sich nahe bei der Südostecke des Gasr-Hügels mit dem Arachtu. Ob er sich auch noch jenseits des Kanales fortgeseßt hat, wissen wir nicht. Die Betten dieser beiden Kanäle sind noch nicht oder doch nicht genau untersucht. Dagegen hat die Deutsche Erpedition im Norden des Gasr-Hügels einen breiten, vollständig ausgemauerten Kanal entdeckt und zum Teil freigelegt, der gleichfalls vom Euphrat aus nach Osten führt und an der Prozessionsstraße endet. Dieser war anscheinend dazu bestimmt, die Palaststadt und die „Schickjalskammer" mit Wasser zu versorgen. Wahrscheinlich hieß er „Marduk's Fanal“ (1. oben S. 18).

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und Gräben.

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Westöstlich waren jedenfalls auch die Betten folgender Wasserstraßen gerichtet: „sanal des Atheschullim“ und der „Neue Kanal“, auch ein „Oberer Neuer Nanal“ wird genannt, alle drei in der Nähe des Tores Bel's; ferner der „sanal der Göttin Banitum“ in der Nähe des Zamama-Tores und der Straße nach Kijch, endlich der „Guta-Kanal“ und der „Alte Kuta - Kanal“. Von dem „Neustädter Kanal“ wissen wir weiter nichts, als daß der Tempel E-ti-fu-ka-ni (1. oben S. 26) an seinein Ufer gelegen war. Von dem Kanal Surra, dem Nebukadnezar-Sanal, dem Sichtar-Kanal, dem „Graben-Kanal“, dem Kanal Gubbatum und dem „Kanal des göttlichen Richters“ kennen wir gerade noch die Namen. Zu erwähnen wären schließlich noch die Gräben, die zu den Stadtmauern gehörten und die jämtlich von Nebukadnezar mit Backsteinmauern versteift worden waren, außerdem der Bel-Graben und die Gräben des Chazuzu und des Zabunu.

Lagen schon einige der genannten Kanäle wenigstens zum Teil außerhalb der Stadt – der Name Kuta Nanal z. B. hat doch nur dann einen rechten Sinn, wenn die damit bezeichnete Wasserstraße wirklich nach Kuta führte – jo ist es von folgenden 3 Kanälen direkt bezeugt, daß sie zum „Verwaltungsbezirk von Babylon“ gehörten, also außerhalb der eigentlichen Stadt zu suchen sind: der Kanal von Kisch, wahrscheinlich im Osten oder Nordosten, ferner der Barsip-Sanal und der Pikudu-Kanal. Schon vor Sargon von Assyrien gab es eine Wasserstraße von Babylon nach Barsip, aber sie befand sich im Zustand des Verfalls. Der genannte König, der von 709–705 auch Babylonien beherrschte, ließ deshalb einen neuen Kanal graben. Derselbe diente auch religiöjen Zwecken; auf ihm fuhren am Zagmuf-Fest Nabu und seine Gemahlin in ihrer heiligen Barke (Elippu nar chiti) gen Babylon, wo die Reise zu Lande, auf der Straße Nabu-daian-nischeschu (1. S. 27) fortgesekt wurde, bis die Gottheiten das Ziel ihres Besuches, den Tempel Ejagila, erreichten. Die Einfahrt zum Barsip-Kanal lag gegenüber vom Tor des Samas; seine Richtung muß im allgemeinen südlich oder südwestlich gewesen sein. Eine ähnliche Richtung hatte auch der Pikudu-kanal, der weiter östlich, gegenüber vom Urasch-Tor, aus dem Hauptstrome abzweigte. An seinem Ost-Ufer entlang lief die „Königstraße“ (1. S. 28). Seinen Namen hatte er von einer Stadt Pikudu, die noch südlich von dem Orte Litamu, unterhalb Babylons, zu suchen jein wird. Am Barsip-Kanal lag außer der Stadt Barsip selbst die Stadt Schachrinu — wenn diese nicht etwa mit Barsip identisch ist.

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Stadtteile.

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7. Die Stadtteile. Über die Lage der einzelnen Stadtteile sind wir sehr mangelhaft unterrichtet. Etwas genauer bekannt ist nur der Jrsit Babili („Babel-Erde") genannte Stadtteil, offenbar die Altstadt, die von Nebukadnezar zum großen Teil für seine ersten beiden Paläste in Anspruch genommen wurde. Den Gegensaß dazu bildete die „Neustadt“, die wahrscheinlich wieder in mehrere Quartiere eingeteilt war. Wir erfahren die Namen Jrsit Challab1, Irsit Te, und Irsit Schuschan (?, Name nicht sicher). Challab (oder Kullab?) war eine alte Stadt, die schon zu Hammurabi's Zeit stand, dann aber auch noch zu Sargon's von Assyrien Zeit als selbständiges Gemeinwesen eristierte. Vielleicht ist sie identisch mit einer Stadt Challab oder Chalab, die in Urkunden aus der Zeit Nabuna'id's bis Darius erscheint und in der Nähe von Sippar gelegen haben muß. Was Te anlangt, jo kennen wir aus der ältesten Zeit einen Urlumma, König von Te, Sohn des Enagalli, Königs von Te, der dem Gotte Enligal einen Tempel gebaut hat. Schuschan endlich ist die bekannte Hauptstadt von Elam, das Susa der klassischen Schriftsteller. Nicht ausgeschlossen wäre übrigens, daß es eine gleich namige Stadt in Babylonien gegeben hätte. Nach den erstgenannten zwei Städten und vielleicht auch nach der dritten waren Stadtteile in Babylon benannt, über deren Lage sich jedoch einstweilen nichts genaueres ermitteln läßt. Von dem Stadtteil Kumari endlich wissen wir nichts weiter, als daß der Adad-Tempel Enamche (7. S. 26) dort stand.

Schlus. Wir haben unsere Wanderung durch das alte Babylon vollendet. Vieles, ja fast alles haben wir ganz anders gesehen als wir nach Oppert's Rekonstruktion vermuten konnten. Seine Riesenstadt schrumpfte bei näherer Betrachtung auf ein Fünfzigstel ihres Flächenraumes zusammen; von seinen topographischen Anseßungen haben wir nur seine Deutung des Gasr als Palast und die von ihm angegebene Lage des Barsip-Kanales bestätigen können: alles andere in seinem Stadtbild erwies sich als eitel Phantasie. Oppert ist, um es kurz zu sagen, durch die verworrenen Angaben der klassischen Schriftsteller gründlich irre geführt worden.

Die deutschen Ausgrabungen auf dem Boden Babylons haben bisher nicht den Erfolg gehabt, den man sich in weiten Kreisen von einem mit so reichen Mitteln ins Werk geseşten Unternehmen

1) Vielleicht Kulab, aber sicher nicht Zirlab oder Zarilab zu lesen.

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Schluß.

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versprochen hatte. Namentlich ist die Ausbeute an wertvollen Inschriften im Vergleich zu den Ergebnissen anderer Erpeditionen (z. B. der französischen in Telloh und in Susa und der nordamerikanischen in Nippur) auffällig gering. Verhältnismäßig am meisten ist noch für die babylonische Kunst, namentlich die Architektur, und die Topographie herausgekommen. Es ist nicht zu leugnen, daß durch die Deutsche Erpedition eine Anzahl topographischer Einzelheiten: die beiden ersten Paläste Nebukadnezar's, die Straße Aiburschabum, das Sichtar-Tor, Ejagila und zwei andere Tempel für alle Zeiten festgestellt sind. Die Betrachtung der Ruinen, in Verbindung mit diesen Tatsachen und den Angaben der Inschriften, liefert dann eine Reihe weiterer Positionen: die Stadtmauern, den Nordpalast Nebukadnezar's, die Kanäle Libilchegalla und Arachtu, sowie den Marduk-, Barsip- und PikuduKanal, die Stadttore des Urasch und des Samas, die Königstraße, den Tempelturm Etemenanki und die Schicksalskammer. Freilich darf nicht vergessen werden, daß diese Positionen mit Ausnahme der äußeren Stadtmauern, des Nordpalastes (Babil), des Marduk-Kanales und des Turmes nur als angenähert gelten können. Auch der fernere Verlauf von Imgur-Bel und Nimitti-Bel bedarf noch weiterer Erforichung durch Ausgrabungen. Sicher ist nur soviel, daß diesen beiden Mauern das Sichtar-Tor gemeinschaftlich gehörte, und daß der Südpalast Nebukadnezar's im Norden an Imgur-Bel angrenzte.

Soll die topographische Erforschung Babylons Ergebnisse haben, wie sie im Interesse der Aufhellung des alten Orients liegen, so ist es notwendig, systematisch nach Bauurkunden zu suchen. Die Leitung der Deutschen Erpedition hat sich bisher fast ausschließlich mit dem Abraum an Inschriftfragmenten, den die Ziegelräuber früherer Zeiten weggeworfen hatten, begnügt, an den Resten der Backsteinmauern aber, die bei ihren Ausgrabungen freigelegt wurden, Halt gemacht. Es ist nicht erforderlich, diese Mauern vollständig zu zerstören, wohl aber, sie eingehend zu untersuchen, da aller Wahrscheinlichkeit nach Dubende wohlerhaltener Tonzylinder in ihrem Inneren verborgen sind. Die assyriologische Wissenschaft, ohne deren Hilfe an die topographische Erforschung Babylons überhaupt nicht ernstlich gedacht werden könnte, hat in erster Linie ein Interesse daran, daß ihr die Urkunden, deren sie zur Lösung ihrer Aufgaben bedarf, nicht länger als nötig entzogen bleiben.

Inhalt.

1. Vorgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 II. Beschreibung der Ruinen .... III. Versuch einer Topographie der alten Stadt Babylon ...

1. Die Stadtmauern . . . . . . . . . . . . . . . .
2. Die Stadttore ..................
3. Die Paläste . . . . . . .
4. Die Tempel......
5. Die Straßen . . . . . . . . . . . . . . . . .
6. Die Kanäle und Gräben . . . . . . . . . . . . . 28

7. Die Stadtteile . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Schluß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30

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