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Asjarhaddon, der Wiederaufbau.

AD. VI, 1

Babyloniens zutage fördern. Das Babylon, von dem Ruinen stehen, ist das des siebenten Jahrhunderts und vor allem das Nebukadnezars.

Staatsrechtlich hat dieser Zustand acht Jahre gedauert. „Acht Fahre war kein König in Babylon" meldet die Chronit, in Wirklichkeit muß die Aufhebung des Bannes aber schon früher beschlossen worden sein. Es ist eines der am deutlichsten sprechenden Zeugnisse für das, was Babylon war, wie es mit dem wirtschaftlichen und geistigen Leben des vordern Orients verwachsen war, daß wohl schon bei Lebzeiten Sanheribs die Wiederherstellung der Stadt beschlossene Sache war. Wie Sanheribs innere Politik den Gegensaß zu der des Priester- und Babylonfreundlichen Sargon bildet, so die seines Sohnes Affarhaddon zu der seinigen. Afsarhaddon ist der ausgesprochenste Babylonierfreund und es scheint, als ob Sanherib sich durch innere Strömungen gezwungen gesehen hat, ihn schon bei seinen Lebzeiten mit der Verwaltung Babyloniens zu betrauen und als ob dabei bereits begonnen worden wäre unter der Hand die Stadt wieder aufzubauen. Sanherib ist ermordet worden, und wenn wir eine Stelle in einer Inschrift Assurbanipals recht verstehen, in Babylon selbst. Dort müßte also wieder etwas vor sich gegangen sein, was er vielleicht verhindern wollte, und wobei er den Tod gefunden hätte. Auf jeden Fall steht fest, daß nach seinem Tode eine der ersten Regierungshandlungen seines Sohnes Affarhaddon der Befehl zum Wiederaufbau von Babylon und seinem Marduktempel Sagila war. 1

Der Aufbau der Stadt und des Tempels hat die ganze Regierungszeit Assarhaddons ausgefüllt. Aus der Zwischenzeit haben wir eine Nachricht, welche die dortigen Verhältnisse ganz im Sinne der Urkunde Nabu-schum-imbi's (S. 36) zeigt. Die Chaldaer des benachbarten (S. 34) Gebietes Bit-Dakuri hatten die Gelegenheit benußt, um den herrenlos gewordenen Bezirk zu beseßen. Sie mußten mit Waffengewalt aus den „Äckern von Babylon und Borsippa" vertrieben werden.

Es scheint als ob die bevorstehende Vollendung des Marduktempels in Assyrien mit Besorgnis verfolgt worden ist und als ob sie die Veranlassung gewesen wäre, bei welcher die gegen Afsarhaddons gesamte Politik gerichtete Bewegung zum Ausdruck fam. Offenbar hatte Assarhaddon beabsichtigt, Babylon, wie es ja die Lehre Marduks verlangte, zur ersten Stadt des Reiches zu erheben und ent

1) AO. II, 1o S. 30.

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Assurbanipal und Schamasch-schum-utin.

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weder selbst die Krone von Babylon anzunehmen und dorthin die Regierung zu verlegen, sein Reich also von einem assyrischen zu einem babylonischen zu machen, oder doch die Krone von Babylon seinem ältesten Sohne Schamasch-schum-ulin zu übertragen, damit nach seinem Tode die innere Verschiebung sich um so leichter durchseße. Er muß der überzeugte Anhänger der Priesterschaft von Babylon und ihrer Lehren gewesen sein.

Kurz vor der Zurückführung der Mardukstatue nach Babylon, d. h. ehe der neue König von Babylon gefrönt werden konnte, kam es in Assur zu einem Aufstande der „Großen" d. h. des Adels und der Beamtenschaft Assyriens, die den drohenden Schlag abzuwehren suchten. Ihr Mann war der zweite Sohn Assarhaddons Assurbanipal und die Darstellungen der Ereignisse, welche wir haben, melden, nach babylonischer Anschauung, daß der König ,,viele Große schlug“, nach assyrischer, daß er auf „Fürsprache seines Sohnes Assurbanipal die Großen begnadigte“. Man wird sich vorzustellen haben, daß die assyrische Partei einen nicht ganz unbestrittenen Sieg über die babylonische davontrug. Die Neuregelung der Verhältnisse drückt das deutlich aus: Assurbanipal wurde zum fünftigen König von Assyrien im bisherigen Sinne ausgerufen, Schamaich-schum-ulin ebenso zum König von Babylon, aber auch ebenso im Sinne der früheren Schußherrschaft Assyriens. Assarhaddons Plan war also gescheitert. Der offenbar schon bejahrte König blieb dem Namen nach König, er starb aber bereits im selben Jahre auf dem Zuge, der bestimmt war, Taharka wieder aus Ägypten zu vertreiben.

Die Neuordnung der Verhältnisse war durch einen Putich oder durch eine Revolution herbeigeführt worden, Babylon hatte dabei zwar nicht den großen und ganzen, aber doch immerhin einen Erfolg gehabt. Die gradlinige Entwicklung mußte zur weiteren Verfolgung des noch nicht Erreichten führen. Es war auch rein menschlich, daß der bei Seite geschobene ältere Bruder in der Welthaupt= stadt die tatsächlich erste Stelle zu erringen suchte. Die Feindlichkeiten brachen unter den alten Begleiterscheinungen aus. Elam und der ganze Assyrien unterworfene Orient war aufgerüttelt worden und überall erhoben sich Aufstände. Aber noch einmal siegten die assyrischen Heere. Babylonien, wo namentlich in Sippar, Kuta, Borsippa und Babylon jelbst der Widerstand sich festgeseßt hatte, fiel und Schamasch-schum-ufin suchte oder fand seinen Tod in den Flammen (618), wie Assurbanipal in seinen in gehobener Sprache gehaltenen Berichten sagt. Assurbanipal nahm als Kandalanu (vgl. 44

Die chaldäische Dynastie Nabopolassars,

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S. 39) selbst die Königskrone von Babylon an und für die noch übrigen 21 Jahre seiner Regierung (bis 626) war Babylon ruhig.

Sein Tod bedeutet den Beginn von Assyriens schnellem Verfall. Das zeigt sich auch in Babylon, wo sofort wieder ein chaldäischer Fürst sich zum Mönig ausrufen ließ. Es war Nabopolassar, der Stammvater der neuen Dynastie des neubabylonischen Reiches. In dem Völkergeschiebe, das jeßt die vorderasiatischen Kulturländer von Norden her bedrohte 1, hatte Affyrien gegen die Kimmerier sich mit den Aschkuza, den „Skythen“ verbündet, das wieder emporkommende Babylon hielt deshalb naturgemäß zu deren östlichen Nachbarn, den Medern, deren Reich die Rolle des von Assurbanipal im Anschluß an den Krieg gegen Schamasch-schum-utin völlig vernichteten Elamübernommen hatte. Während der 21jährigen Regierung Nabopolassars hat sich Assyrien noch behauptet, dann fiel Ninive durch die Meder. Die beiden Bundesgenossen haben sich in den Besig geteilt, und es ist eine der seltensten Erscheinungen, daß, wenigstens solange der gerade um diese Zeit zur Regierung kommende Nebukadnezar (605—561) lebte, an den damals getroffenen Verabredungen nicht gerüttelt worden ist. Die Freundschaft zwischen Babylon und Medern scheint dauerhaft gewesen zu sein. Nebukadnezar soll eine medische Königstochter zur Frau gehabt haben, der ein großer Einfluß zugeschrieben wird.

Durch die neue Verteilung des Orients hatte das Babylon der neuen Dynastie noch einmal die Herrschaft über alle Besißungen Assyriens in den Euphratländern und bis ans Mittelmeer, im Süden bis an die Grenze Ägyptens erhalten. Die Regierung Nebukadnezars bedeutet eine legte Blütezeit, eine nochmalige Durchseßung der alten Ansprüche. Das geschieht aber unter einer chaldäischen Dynastie, Babylonien ist deshalb chaldäisch und unter diesem Namen kennt der Drient seitdem die Bevölkerung Babyloniens. Es muß eine reiche und blühende Kultur gewesen sein, die während dieser Zeit in dem nunmehr wieder zur anerkannten Hauptstadt des Drients erhobenen Babylon sich entwickelte, und die sich als Wiedererstehung der Hammurabizeit fühlte (S. 19). Die Abgaben und die Beute, welche bisher Assyrien verschlungen hatte, flossen nun wieder nach Babylon. Nebukadnezars und auch seiner Nachfolger Zeit weist infolgedessen einen großen Wohlstand auf, der in den gewaltigen Bauten an

1) AD. I, 12 S. 32.
2) Ebenda S. 34.

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dag neubabylonische Reich, Nebukadnezar. Die Perser.

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Tempeln und Befestigungswerken zum Ausdruck kommt, die überall ausgeführt wurden. Die Hauptstadt erhielt ein ganz anderes Aussehen, das Babylon der Nebukadnezarzeit wurde vollkommen umgebaut und war eine völlig neue Stadt. Wo die Spuren Nebukadnezars zu finden sind, da ist deshalb für den Spaten des Ausgräbers nicht viel zu hoffen.

Nebukadnezar ist das neue Babylon, sein Reich hat ihn nicht allzulange überlebt. Nach seinem Tode begannen die Reibereien mit Medien. Der leßte König Nabunaid wurde im Anfang seiner Regierung von seinem Gegner Astyages befreit durch – Kyros. Die Freude hat gerade so lange gewährt, bis dieser den ganzen übrigen Orient unterworfen hatte, dann verfiel ihm auch Babylon, wo die Parteien im Innern gegeneinander wirkten und besonders die Priesterpartei den Sieger mit offenen Armen als den verheißenen Retter und Weltenfürsten empfing.

Der Perser Kyros hat sofort mit vollem Bewußtsein die Bahnen betreten, welche deren Lehren ihm vorschrieben. Er wollte ein babylonischer König sein und seine Arone im Sinne altorientalijcher Herrscher tragen. Deshalb hat er die alten Rechte von Babylon anerkannt und die Babylonier konnten, wenngleich nicht als Hauptstaat, sich doch als gleichberechtigt mit dem Herrenvolke der Berser fühlen.

Bei der innern Umwälzung im Perserreiche, welche Darius auf den Thron brachte, und den allgemeinen Versuchen, die nationale Selbständigkeit zu erlangen, welche überall damit verbunden waren, hat auch Babylon versucht sich frei zu machen. Allein auch sein neuer König „Nebukadnezar“ (III.) vermochte den persischen Heeren keinen erfolgreichen Widerstand zu leisten. Troßdem und troß seiner das Persertum in den Vordergrund schiebenden Neuordnung des ganzen Reiches hat Darius aber Babylons alte Rechte noch anerkannt. Das Königreich Babylon genießt noch immer ein Vorrecht, insofern es dem König unmittelbar untersteht, der „König der Könige" führt selbst den Titel eines Königs von Babylon und regiert als solcher in Marduks Stadt.

Dieses Verhältnis hat bis auf Xerres bestanden. Und im Zusammenhange mit dem Mißerfolg gegen Griechenland hat Babylon wieder versucht sich selbständig zu machen. Wir haben aus dieser Zeit die Namen von mehreren „Königen von Babylon“, die alle

1) AO. V, 4.

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Alexander. Die Seleukiden

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nur ein paar Monate regiert haben. Als Folge ihrer Aufstände hat die Stadt ihre alten Vorrechte verloren, sie wurde nicht mehr als die Hauptstadt des Orients anerkannt. Der König führt den Titel „König von Babylon" nicht mehr und Babylon ist damit eine Provinzstadt wie alle andern, es gehört zur Satrapie, welche nunmehr seinen Namen trägt (S. 3). Der Marduktempel Sagila aber wurde geschlossen, nachdem man ihn selbstverständlich vorher sorgfältig ausgeräumt haben wird, 1 Marduk, der Weltenherr, war abgeseßt und wurde nach Susa ins Gefängnis geführt – wie schon früher (S. 24).

Als Alexander das persische Reich in seinem ganzen Umfange erobert hatte, knüpfte er auch an die alten Lehren und Träume von Babylons Weltherrschaft an. Auch er war von der zurückgesegten Welthauptstadt freudig empfangen worden als der verheißene Weltenherr, der Gottkönig des neuen Zeitalters. Alexander hat deutlich die Absicht gehabt, Babylon tatsächlich zur Hauptstadt feines Weltreiches zu erheben und hat deshalb angefangen den Marduktempel auszugraben? – er muß teilweise schon unter gewaltigen Schuttmassen gelegen haben – und neu zu bauen. Sein früher Tod machte alledem ein Ende, solange aber der Anschein seiner Nachfolge von den Diadochen aufrecht erhalten wurde, galt Babylon als Herrschaftssiß. Dort hat noch Alexanders Sohn ,,regiert“, Babylon war also noch einmal tatsächlich als Hauptstadt, als Mittelpunkt der Welt anerkannt.

Seleukos hat den Regierungssiß nach seiner Neugründung, Seleukeia, an den Tigris verlegt. Es scheint, als ob die Wasserverhältnisse dabei mitgesprochen hätten. Der Euphrat war versandet und Alexander hatte vergeblich versucht ihn für die Schiffahrt bis zum persischen Meere frei zu legen. Er hatte dann selbst den Tigris dafür erschließen müssen und so werden starke praktische Interessen die neue Hauptstadt gegenüber der alten begünstigt haben. Innerpolitische Gründe sind wohl ebenfalls dabei maßgebend gewesen, die neue Stadt war den Seleukiden ergeben und hatte nicht ihre alten historischen Ansprüche, die ebenso unbequem werden konnten, wie sie Ansehen verliehen. In Seleukeia verlieh derselbe „Apollo" die Königskrone, die etwas später in Daphne bei Antiochia noch mehr dem Einflusse der Euphratkultur entrückt wurde. Das Reich der Seleukiden wurde ein syrisches statt eines babylonischen.

1) Auch das verspricht nicht viel für Nachgrabungen.. 2) AD. V,4 S. 22.

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