Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

AD. VI, 2

Nubier als Söldner in Ägypten.

9

fanischen Kostbarkeiten, wie Elfenbein?, Ebenholz, Weihrauch, Leopardenfelle (die ebenfalls zu rituellen Zwecken benötigt wurden), allerlei Tiere und Sklaven. Es war auch die Bezugsquelle für die schwarzen Truppen und Polizisten, auf welche die Pharaonen stets stark angewiesen waren (s. 5). Dem eingeborenen Ägypter sagte das Waffenhandwerk niemals viel zu; schon in der ältesten Zeit überließ er es nur zu gerne fremden Völkerschaften”, besonders dem tapferen und zuverlässigen Nubier, den die Armut seines Landes den Kriegerstand begehrenswert machte. So erfahren wir denn, daß im Anfang der 6. Dynastie (ca. 2500 v. Chr.?) zu einem Krieg in Syrien große Mengen von sechs Hauptstämmen Nubiens aufgeboten wurden, und schon früher weist das Hieroglyphenzeichen für „Bogenschüße“ stets die Abzeichen der Barbaren auf. Eine nubische Leib wache erscheint in dem uns zufällig erhaltenen Rechnungsbuch der Ausgaben des königlichen Hofes (ca. 1800 v. Chr.) usw. Der Markgraf von Elephantine hatte also nicht nur die Pflicht, die Grenze zu schüßen und den Handel nach den Barbarenländern zu beaufsichtigen; ihm lag auch die Anwerbung des schwarzen Soldaten materials ob. Er „befriedigte das Herz des Königs durch Truppen von streitbaren Helden“ und schickte „die Gardetruppen, die niederwarfen die Feinde des Königs".

In der Zeit des mittleren Reiches kam die Idee der Annerion des nördlichen Nubiens auf. Es scheint, als ob schon Könige der 11. Dynastie sie versuchten; die zwei ersten der 12. Dynastie (seit 2000 v. Chr.) führten sie dann wirklich durch. Dabei spielte jedenfalls der Besit der Goldminen in den Wüstengebirgen östlich von Nubien (S. 15) eine größere Rolle als der des Flußtales, wenn die Ägypter zu Feld zogen gegen die vier Fremdvölfer“ (sind das die S. 7 beim Schiffsbau aufgezählten vier Hauptstämme?), das Land Sto’ich usw. Ein Beamter des Königs Amen-em-hé't II.

1) Ob die Grenzstadt Elephantine (Febu) ihren Namen als Stapelplaß des Elfenbeinhandels trug, ist nicht sicher. Ihr Wappen, der Elefant, kommt schon auf den Standartenabbildungen prähistorischer Vasen vor, dürfte also aus der uralten Zeit stammen, in der es noch wirklich Elefanten im unteren Niltal gab.

2) Vgl. hierüber AD. V, 1 S. 7–8.

3) Hier tritt zum ersten Mal der semitische Name des Landes (Ausch, S. 4) auf, spät ägyptisch fios ch(i). Ursprünglich scheint sich der Name nur auf das Land südlich der zweiten Katarakte zu beziehen, dessen Unterwerfung mehr Mühe kostete. Eine beim heutigen Wady Halfa aufgestellte Insdrift nennt So'f(!) neben einer Anzahl Stämme mit offenbar hamitischen (S. 6) Namen. 1) Oder: mit Botschaften? Das wären dann Gesandte.

10

Eroberung im Mittleren Reich.

AD. VI, 2

rühmt sich: „ich legte Bergwerke an (ichon) in meiner Jugend, zwang die Häuptlinge, Gold zu waschen, und brachte Grünstein herbei“. Die ägyptische Herrschaft verfuhr also nicht gerade väterlich mit den Nubiern im Streben nach Ausbeutung der goldreichen Wüstenberge, so daß wir es verstehen, warum die armen Teufel sich heftig gegen die Segnung einer zivilisierten Regierung wehrten. Usertesen III. machte sich darum mehrmals „auf, um das elende Ko’sch niederzuwerfen“ und erzählt uns in oft unglaublich phrasenhaften Inschriften viel von seinen Siegen; aber alles, was er schließlich erzielte, war die Gewinnung einer festen Grenze etwas jüdlich vom 2. Kataraft (60 Kilometer von Wady Halfa), wo zwei große Festungen, jeßt Semne und Kumme genannt, auf beiden Seiten des Nils die ,,elenden Äthiopen“ der südlichen Gegenden von Einfällen abhalten sollten. Dort wurde auf jedem Ufer eine Inschrift eingemeißelt, bejagend:

„Die Südgrenze, errichtet im Jahr 8 unter der Majestät des Königs von Ober- und Unterägypten, Usertesen III., des Lebengebers auf immer und ewig. Nicht soll man irgend einem Neger erlauben, sie zu überschreiten in der Ridha tung stromabwärts, in der Wüste (?) und zu Wasser (und) (mit?) allerlei Vieh, das den Negern gehört, mit Ausnahme von Negern, die da kommen, Handet zu treiben in (der Ortschaft) Eten oder in Geschäften. Mit (?) denen soll man gut in jeder Weise sein (?). Aber nicht soll man ein Schiff der Neger abwärtsfahrend passieren lassen nach Heh zu (dies also die Gegend direft südlich vom Kataraft hinter den zwei Grenzfestungen!) für alle Zeit“.

Mit diesem Gebiet, etwa vom 2. katarakt an, haben sich die folgenden Könige begnügt, und das scheinen die Ägypter auch durch die ganze 13. Dynastie hindurch behauptet zu haben. In der Zeit der 12. Dynastie fing die Regierung an, Tempel in Nubien zu errichten, doch noch in bescheidenem Maßstab.

Was aus dieser Provinz unter der Hykusjosherrschaft wurde, wissen wir nicht, finden sie aber gleich unter den ersten Königen der 18. Dynastie wieder im Besiß der Pharaonen", bald auch bedeutend südlichere Strecken. Von Kämpfen der Ägypter in diesem Besiß

2) Aus einer auf der Insel Argo gefundenen Statue eines Königs Sebthotep würde man schließen dürfen, daß er über den dritten Katarakt hinaus geherrscht habe (?).

3) Die Anschauung, als seien die Äthiopen damals selbständig gewesen, hätten den Thebanern geholfen, die fremden Herrscher aus Ägypten zu vertreiben und wären dann undankbarerweise von den Befreiten anneftiert worden, hat man früher irrigerweise nur aus der Tatsache geschlossen, daß die verstorbene Stammutter der 18. Dynastie oft schwarz abgebildet wird. Die idwarze Farbe beruht aber nur auf mythologischen Analogien.

AD. VI, 2

Umfang der Provinz im Neuen Reich.

11

hören wir zwar fortwährend, aber es mag sich dabei oft nur um Schwierigkeiten mit dem Diebsgesindel der wüstenbewohnenden Trogodyten handeln oder um bloße Sklavenjagden im Gebiet der halb oder ganz unabhängigen Stämme (S. 16). Den Grund für einen Teil der Siegesinschriften über das „elende Ro'ich" mögen ja auch kleinere und größere Revolten der anjässigen Nubier geliefert haben. Aber behauptet hat sich die ägyptische Herrschaft doch immer wieder von ca. 1600—1100, und darum hat es nicht viel Zweck, aufzuzählen, welche ägyptischen Könige dieser Zeit „große Siege“ in Nubien erfochten haben wollen. Es sind das namentlich Herrscher aus der 18. Dynastie

, später war die Verwaltung straffer und direkter (1. u. S. 14), so daß man weniger Unruhen hatte.

Wie weit nach Süden die ägyptische Herrschaft unter den einzelnen Königen reichte, ist nicht leicht zu bestimmen. Große Bauten der Pharaonen finden wir nicht südlicher als in der Hauptstadt des äußersten Südens, in Napata, nicht weit unterhalb der vierten Stromschnellen. Einzelne kleinere Denkmäler sind bis nahe an Chartum heran gefunden worden; diese könnten bloß verschleppt worden sein. Das Wahrscheinlichere ist freilich, daß der südlichste ägyptische Statthalter in dem reich mit Bauten ausgestatteten Napata über eine recht bedeutende Provinz gebot, also noch ein gutes Stück nach Süden, mindestens bis dahin, wo das Aderland aus dem engen Flußtal heraustritt. Diese Südstriche waren aber wohl nur tributpflichtig, und wo noch ägyptische Besaßungen lagen, mochten sie sich mit durch Palisaden oder Heckenumwallung befestigten Lagern behelfen, wie es die Zeriben des ägyptischen Militärs im modernen Sudán waren. Diese Lager haben uns natürlich keine Ruinen hinterlassen; Tempel- und Palastbauten dürfen wir in solchen Städten aus Stroh und Schilf nicht annehmen. Sicher ist es, daß die Statthalter von Napata in die dichter bevölkerten Negerländer am Blauen oder Weißen Nil, wo es Vieh und Sklaven in Menge zu holen gab, sehr oft Streifzüge machten. Die äußersten Posten ägyptischer Herrschaft waren wohl in erster Linie als Stüßpunkte für solche Unternehmungen von Wert, vormals wie im 19. Jahrhundert. Die großen Kriege“ im äußersten Süden werden nichts als Sklavenjagden gewesen sein, ganz im Stil der Razzien, welche der Pascha von Chartum noch in unserer Zeit zum Ruhm des

1) Diese Gegend, die mit dem heutigen Begriff des Sudan ziemlich zujammenfällt, scheint den Namen „Anfang des guten Geschäftes" (Chent[i]= hen-nofer) zu führen. Vgl. oben S. 7–8.

12

Einteilung und Verwaltung der Provinz.

AD. VI, 2

Islams, zur Füllung der Staatsfasse wie des eigenen Säckels, zur Rekrutierung schwarzer Soldaten usw. ständig in den Ländern der Schwarzen veranstaltete. Diese Einkommensquelle mag oft wertvoller gewesen sein als die regelmäßigen Abgaben der nubischen Bauern vom Ertrag ihrer dürftigen Felderchen. Recht feste Grenzpfähle gab es deshalb im äußersten Süden wohl nicht; die wären eher von Übel für jene Nebeneinkünfte gewesen.

Nubien zerfiel zuerst in zwei Provinzen: Wawat oder Wawajt im Norden, So'ch(i), Rosch, im Süden. Noch in den Annaleninschriften Thutmosis III. (nach 1500 v. Chr.) werden die Einfünfte von jeder dieser zwei Provinzen getrennt aufgeführt. Beide scheinen aber schon unter einem und demselben Statthalter zu stehen, dem „Prinzen von Ko’sch“; die getrennte Rechnung ist wohl nur eine bedeutungslose, alte Formalität. Die merkwürdig selbständige Stellung des „Königssohnes von Rosch“ beweist, daß man viel mehr, als es z. B. in England bei der Würde des „Prinzen von Wales“ geschah, dem Land eine gewisse Unabhängigkeit zu wahren wünschte; übrigens wurde diese jeit dem Anfang der 18. Dynastie auftretende hohe Würde nicht immer an wirkliche Prinzen vergeben. Unter diesem Vizekönig standen verschiedene ägyptische Beamte und die einheimischen Fürsten und Häuptlinge, deren Stellung die recht unabhängiger Vasallen in manchen Bezirken sein mochte, nur zur Ablieferung des vorgeschriebenen Tributs verpflichtet; andere dieser „Fürsten“ mögen wohl nicht mehr bedeutet haben als ein ägyptischer Dorfschulze, der auch für die Steuern des ganzen Dorfes bürgen mußte und für ein Manso an der garantierten Summe Prügel vor dem Steuereintreiber zu gewärtigen hatte.

Aus jener Zeit erfahren wir durch Abbildungen auch etwas über die Kulturverhältnisse Nubiens. Die noch unabhängigen Stämme erscheinen als jämmerliche, fast ganz nackte Wilde, ebenso schlecht bewaffnet wie bekleidet. Bei den unterworfenen Negern dagegen treten uns Versuche der Ägyptisierung in der Kleidung entgegen, freilich ineist recht ungeschickte, die dem Humor der ägyptischen Künstler reichen Stoff lieferten. Die Barbarenhäuptlinge mochten

1) Seltsam ist, daß wir dem Vizekönig Huj (am Ende der 18. Dynastie) nicht nur Wawajt, sondern sogar die südlichen Grenzgaue Ägyptens bis El-Kab (Eileithyiaspolis) unterstellt finden, also die Teile des Landes, in denen die Landbevölkerung teilweise nubischer Abfunst war (vgl. S. 5 unten). Vielleicht war das nicht immer der Fall und geschah nur unter besonderen Umständen in einer politisch verworrenen Zeit.

AD. VI, 2

Kulturverhältnisse Äthiopiens nach 1500 v. Chr.

13

mit ihren in vielfache Falten geplätteten Leinenkleidern und Sandalen nach der neuesten ägyptischen Mode den nackten Untertanen gewaltig imponieren, bei dem Ägypter erweckten die barbarischen Überbleibsel der Tracht, die großen Ohrringe, die Elfenbeinspangen an den Armen, die Straußfedern in dem dicken, auf wenig appetitliche Weise rot gefärbten1 Wollhaare, das über die ägyptischen Kleider gehängte Tierfell offenbar feine Bewunderung. Manche schwarze Potentaten versuchen den Pharao so zu kopieren, wie um 1700 n. Chr. die deutschen Duodezfürstchen den Koi Soleil in Versailles mit ihren bescheidenen Mitteln nachzuäffen suchten. Man sieht eine nubische Prinzessin, welche auf einem ganz wunderbaren, sogar vergoldeten Wagen dahinrollt, aber sich leider keine Pferde gönnen fann (diese kommen im nubischen Klima schwer fort) und Ochsen vorspannen muß. Das Humoristische an der Dame ist, daß sie versucht, das uralte Abzeichen der ägyptischen Prinzen, ein über die Schläfe herabhängendes Zöpfchen oder eine Haarflechte, nachzuahmen. Die hoffnungslose Kürze ihres Wollhaares zwingt sie, allerlei Einlagen einzuknüpfen, durch die sie freilich dem ägyptischen Auge weder anmutiger noch hoheitsvoller erscheint, kaum besser als die gewöhnlichen Weiber desselben Volkes, in deren Tragsack auf dem Rücken immer ein oder zwei nackte Würmchen umherzappeln.

Mehr Anerkennung fanden offenbar die Geschenke und Tributgaben, welche die Nubier nach Theben mitbrachten, um das Herz Pharaos.damit zu erfreuen: Körbe voll Goldstaub in Beuteln aus den Bergen der nubischen Wüste, Gold in Ringform, Edelsteine verschiedener Farbe (meist rot), seltene Tiere, unter denen die Giraffe, der Jagdleopard (Gepard) und schöne Windhunde zur Gazellenjagd am wertvollsten scheinen, Weihrauch, Straußen-Eier und -Federn,

1) Diese wunderliche Haarfärbung vieler Neger in den alten Wandgemälden ist noch nicht erklärt worden. Die Negerstämme am Weißen Nil (3. B. die Dinka) erzielen sie heutzutage, indem sie das Haar andauernd mit Kuhurin waschen und mit Ruhmist überschmieren. Dort hat sich diese liebliche Mode also seit etwa 4000 Jahren unverändert erhalten, vermutlich seit noch viel längerer Zeit. Einige wenige Nubierfürsten haben daneben gelbes Haar in den thebanijchen Wandbildern, was kaum auf Pudern init Goldstaub deuten wird. Wenn das Haar manchmal dunkelblau gemalt ist, so soll das einmal die Trennung von dem pechschwarzen Körper zeigen, dann beruht es darauf,

der Ägypter wie der Semite (so noch heute der Araber) schwarz und dunkelblau für im Grund identische Farben hielt. Die Zahl der Straußfedern im Haar wird wahrscheinlich die Zahl der vom Träger erschlagenen Feinde andeuten jollen, so wie es heute noch z. B. bei den Somalis Brauch ist.

« ͹˹Թõ
 »