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gamitische Berrscher; die Sembriden.

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wegfallen ließen sie aber die ägyptische Schriftsprache der Urkunden und deren stereotypen Stil niemals. über den wichtigen Einfluß, den das ägyptische Element sich in der Priesterschaft bewahrte, wird unten zu sprechen sein.

Noch etwas anderes müssen wir aus den Königsnamen erraten, nämlich, daß es zunächst nicht das Negerelement war, welches allmählich zum herrschenden wurde. Napata lag noch auf dem Gebiet der Nubasprache, aber nahe an dem von drei Seiten von Wasser umflossenen Landstrich, den die Alten „die Insel Meroe“ nannten. Dieser Landstrich war damals wie heute nicht (oder wenigstens nicht ausschließlich) von Nuba bewohnt (S. 6). Herodot und jedenfalls schon der von diesem abgeschriebene Hefatäus von Milet (um 500 v. Chr.) wissen, daß jene Gegend von einem anderen Volke bewohnt sei, das sich Sembriden, Semberriten und ähnlich nenne. Das heißt (wie noch die späteren Griechen wissen): „Wanderer", weniger richtig überseßt: Zugewanderte“, und ist eine semitische Benennung in nordhamitischer Umprägung, noch heute in der Sprache der in jener Gegend zeltenden Bijcharin erhalten. Heute wie damals nannten sich diese alio ,,Beduinen (vgl. S. 6), Nomaden, Wanderstämme". Was die Spätägypter, und ihnen nachiprechend die Griechen, fälschlich aus dem Namen der halb ansässig gewordenen ,Sembriden" herauslesen wollten, nämlich daß sie „Eingewanderte“ oder „Überläufer“ aus dem ägyptischen Kriegerstamm waren, ist falsch; die Legende verrät aber doch, daß die Sembriden Angehörige der kaukasischen Rasse waren, vom Norden her ins Niltal bei Meroe eingedrungen und kriegerischer als die anderen Nubier. Dazu vergleiche man die Berichte über das ständige Andringen der Wüstenstämme gegen das Ackerland des Flußtales (Diodor 3, 10). Also zwei gänzlich verschiedene Völker bewohnten auch das Flußtal: schwarze Nubier und rotbraune Hamiten (Sembriden). Das im Süden (wenigstens auf dem östlichen Nilufer wohnende) Volk hatte nach Herodot seine eigene Hauptstadt, war aber dem König von Napata untertan (als Hauptstadt des ganzen Reiches kennt er aber im Widerspruch dazu Meroe, das nach seiner eigenen Angabe im Sembridenland liegt!"); Eratosthenes dagegen berichtet, daß zu seiner Zeit (nach 250) der Äthiopenkönig in Meroe residierte und die

1) Daß Herodot Napata und Meroe verwechselt habe, ist oft angenommen worden, doch ist diese Annahme unnötig. Die späteste Zeit scheint allerdings den (gräzisierten!) Namen Meroe auf die Ruinen von Napata übertragen zu haben (Merawi).

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Zwei Äthiopenrassen und zwei Hauptstädte.

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Nubastämme von ihm vorübergehend abgefallen waren.

Die zwei Hauptstädte des Reiches, das alte Napata und das nicht viel jüngere, aber der Heiligkeit entbehrende Meroel repräsentieren also jene zwei Stämme, die gemäß ihrer ethnographischen Verschiedenheit nicht immer harmonisch zusammenhielten, aber doch, solange es ein größeres Äthiopenreich gab, zusammenstehen mußten. Die unternehmenden und friegerischen Trogodyten (S. 7) ergänzten das geistig begabte aber numerisch wie moralisch allzu schwache ägyptische Element; die nubijchen Ackerbauer bildeten die Majorität und Steuerkraft; sie werden wohl auch im fembridischen Süden die Felder für hellfarbigere Herren bestellt haben. Die eine gewisse Sprachmischung verratenden Königsnamen (5. o.) deuten also an, daß die ersten eingeborenen Herrscher vorzugsweise aus dem Süden famen, aber durch Verschwägerung mit den Häuptlingen der nubischen Bevölkerung werden sie bald ihrer Dynastie die ethnologischen Merkmale der Nubier aufgedrückt haben. Spätere Könige mögen rein nubischer Abstammung gewesen sein. Die Ausländer haben auf das Nebeneinanderbestehen der zwei Volfsstämme wenig Rück sicht genommen; was verlohnte es sich für die Griechen, die ,,Brandgesichter“, ihre Hautschattierungen und Sprachen, viel zu unterscheiden! Auch die Ägypter warfen beide Rassen gewöhnlich unter dem Namen „Neger“ zusammen. Von einer früheren „Ägyptisierung“ des Landes, von der moderne Gelehrte so oft geredet haben, ist, wie man sieht, nirgends die Rede; die heutige Nubasprache weist auch tatsächlich kein Dußend ägyptischer Lehnwörter auf.

Zunächst war das neue Reich sehr von Glück begünstigt, insofern als alle ägyptischen Königshäuser seit dem 11. Jahrhundert viel zu viel mit sich selbst zu tun hatten, um eine Wiedereroberung Äthiopiens durchzuführen. Nach 850 ging es sogar mit der Buba stidendynastie (22) so rasch abwärts, und Ägypten zerfiel jo in eine Anzahl sich befehdender kleiner Fürstentümer, daß das Äthiopenreich ihnen gegenüber als Großmacht dastand. So kam denn schon um (oder nicht viel nach) 800 v. Chr. der Augenblick heran, wo der König von Napata wirklich imstande war, seine Hand auf das heilige Theben zu legen und der Gott Amon von Napata seinen Tempel in Karnak wieder hätte einnehmen können.

Allein bis zu dieser Annerion der südlichsten Gaue Ägyptens

1) Älter Beruwa, modern Begera wijeh, aljo ursprünglich Be(h)rou we?

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Die Äthiopen erobern Ägypten.

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hatte sich doch viel verändert. Das ,,hunderttorige Theben“ war zu einer Provinzialstadt herabgesunken, die zwar noch immer eine bedeutende Bevölkerung besaß, aber deren Besiß doch nicht mehr die Herrschaft über das ganze Land garantierte, und der einst übermäßig reiche Amonstempel war auf ein normales Einfommen von ihm wenig wohlgesinnten Königen zurückgeführt worden. Das Königshaus von Napata war dagegen unterdessen so mit seinem Land verwachsen, daß eine Übersiedlung nach Theben nicht mehr gut anging. So änderte denn die Tatsache, daß das Einkommen des äthiopischen Königs sich um die einiger ägyptischer Gaue vermehrte, zunächst nichts an den bisherigen Verhältnissen Äthiopiens. Die Ansprüche der Könige von Napata auf den Pharaonenthron wuchsen freilich dadurch, und so sehen wir sie alle nach dem Besiß ganz Ägyptens streben.

Das nunmehrige Stammland verlieh ihnen freilich nicht recht die Kraft dazu. Die Geschichte des äthiopischen Königs Panchy 1 liefert uns dafür den besten Beweis. Der Fürst Tefnacht von Sais und Memphis hatte um 750 so viel Macht gewonnen, daß er es wagen konnte, an eine Einigung des nichtäthiopischen Ägyptens zu denken. Er unterwarf sich einen der Kleinfürsten nach dem anderen, bis in Hermopolis, an der Grenze der Thebais, seine Eroberungen mit der Interessensphäre der Äthiopen kollidierten und die Thebais bedrohten. So erklärte denn der Äthiopenkönig Krieg und drängte die Soldaten des Fürsten von Sais langsam nach Norden zurück; die Kleinfürsten Mittelägyptens begrüßten die Äthiopen teilweise als Befreier, andere dagegen zogen die Herrschaft des Tefnacht vor und wehrten sich gegen die Befreier. Schließlich standen die Äthiopen doch vor Memphis, das sie erstürmten, Bald darauf kam es zu Unterhandlungen mit dem noch immer mächtigen Tefnacht. Wir besigen nur den Bericht des Äthiopenkönigs, der natürlich seine Erfolge nach Kräften übertreibt. Aber das kann er nicht verhehlen, daß der Fürst von Sais nicht wie die 19 bis 21 anderen Kleinfürsten vor dem Äthiopenherrscher erschien, um niederfallend seine Unterwerfung zu verfündigen. Er soll vor Abgesandten des Äthiopen feine Unterwerfung beschworen haben. Wenn nun aber auch bei diesem beschworenen Vertrag es sich wirklich um die Annahme eines Vasallenverhältnisses handelte und nicht etwa bloß um Abgrenzung des beiderseitigen Machtgebietes, so behielt doch Tefnacht dabei

1) Die seltsame Aussprache „Pianchi“ hat sich leider eingebürgert; richtig wäre wohl Ranchoj oder ähnlich; verderbt zu Bsammus bei Manetho.

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Die äthiopische (25.) Pharaonendynastie; ihre Schwäche.

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Unterägypten ganz oder zu einem großen Teil. Das Nebeneinanderbestehen von zwei rivalisierenden Königen blieb so oder so erhalten. Der Äthiopenkönig Kescheta (et bei Manetho, lies Xet) änderte daran nichts, ja es scheint, daß sich unter dem Nachfolger des Tefnacht, dem in griechischer Überlieferung als bedeutendem Mann gepriesenen Bot-en-renf (griechisch Bokchoris), die Macht des saitischen Hauses wieder etwas hob. Da führte der Äthiopenkönig Schabafo (Sabakon griechisch, nicht identisch mit dem So der Bibel, Sabe der Assyrer!) etwa um 710 oder etwas später eine Entscheidung herbei und eroberte Unterägypten. Bofchoris soll er verbrannt haben, d. h. wohl, dieser fand den Tod unter den Trümmern einer belagerten Burg.

So hatte denn das Recht“ wieder einmal gesiegt, die sich als legitime Ägypter gegenüber den libyschen Militärusurpatoren aufspielenden Äthiopen saßen auf dem goldenen Horusthron, und ein Herrscher gebot wieder vom fernsten Negerland, in das noch ein Echo ägyptischer Zivilisation gedrungen war, bis an die sieben Nilmündungen. Indessen bei dieser glänzenden Wiederherstellung von „des alten Reiches Herrlichkeit“ waren verschiedene Mängel. Daß ein halbzivilisiertes oder barbarisches Volk ein zivilisiertes vermittelst der rohen Kraft unterwirft, kommt ja oft vor, aber hier bestand noch ein zu großes Mißverhältnis der Kräfte, als daß sich eine längere Behauptung Ägyptens hätte durchführen lassen. Nur durch die unerhörte politische Zersplitterung hatte sich, wie gesagt, den Äthiopen eine solche günstige Gelegenheit geboten. Die libyschen Soldatenfürsten konnten nicht ausgerottet werden, sondern mußten als Vafallen in ihren alten Burgen gelassen werden. Damit blieben ihre Sondergelüste bestehen. Hätte dieser kriegerische Adel zusammengewirkt, so hätte er die schwachen Sträfte der Äthiopen gewiß leicht aus dem Lande geworfen; so erlaubte feine Uneinigkeit der neuen (25.) äthiopischen Dynastie einigen Bestand (ca. 710-667 v. Chr.).

Eine weitere Gefahr für die Könige des 25. Herrscherhauses lag in den Beziehungen zu dem assyrischen Reich, das seine Macht bis nahe an die Grenzen Ägyptens ausgedehnt hatte

. Es war wohl keine große Versuchung für die beiden Großmächte, sich um die Herrschaft über die zwischen Ägypten und Palästina zeltenden Araber zu zanken. Allein die assyrischen Vafallen in den mit Ägypten im lebhaftesten Verkehr stehenden Gebieten Phöniziens und Palästinas machten fortwährend Versuche, von der drückenden Herrschaft des Großkönigs von Nineveh loszukommen, und klammerten sich dabei

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Konflitt mit Affyrien.

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an den Strohhalm einer Unterstüßung durch das icheinbar jo mächtige Äthiopenreich. Die ägyptischen Vajallen dieses Reiches konspirierten aber nicht weniger gegen ihren Oberherrn, dessen angebliche Rechte auf Ägypten ihnen wenig Ehrfucht einflößten. So erschienen am Hof von Nineveh wie an dem des nun zeitweilig wohl wirklich in Ägypten residierenden Äthiopen ständig geheime Botschaften von um Befreiung bittenden Opfern der Despotie des Nachbarstaates. Auch wenn man diese Botschaften nur vorsichtig entgegennahm und das begleitende Geschenk einsteckte, lag für den nachbarlichen Oberherrn ein Fall zur Beschwerde vor, wenn nötig, ein casus belli.

Schabako erhielt noch klug den Frieden und blieb im Geschenkaustausch mit Sanherib von Assyrien", so auch sein nur kurze Zeit regierender Nachfolger Schabatafo (Sebichos griechisch). Unter dem 694 v. Chr. zur Regierung gekommenen Usurpator Taharfo (Tirhakah der Bibel, einem Großen, der den minderjährigen Thronfolger auf die Seite schob und durch Heirat mit dessen Mutter sein Königstum legitimisierte) kam es aber zum Bruch. Die Assyrer werfen dem neuen König vor, den rebellierenden Vajallen von Tyrus unterstüßt zu haben; vermutlich hatte der Äthiope ähnliche Beichwerden, aber er war zu schwach, um den Angreifer zu spielen. So septen denn die Assyrer ihre gefürchteten Heere zur „Befreiung Ägyptens“ in Bewegung, wohl noch nicht 701, wie man früher aus einer (unrichtigen!) Angabe 2. Stön. 19,9; Jes. 37, 9, schloß, aber 676. Das erste Heer wurde zwar nach seinem Eindringen ins Nilland vernichtet, aber 671 zog ein anderes heran, schlug die Äthiopen in drei Schlachten und zwang fie, sich in ihr Stammland hinter die Katarafte zurückzuziehen. Bald bekamen auch die Assyrer mit den wohl nicht so, wie sie es wünschten, befreiten 20 Teilfürsten Schwierigkeiten, und kaum, daß die Hauptmacht der Assyrer abgezogen war, fielen die Äthiopen wieder ein (669). Nochmals mußten die Assyrer ein starkes Heer aufbieten und die Äthiopen aus Unterägypten verdrängen. Während Taharko Theben, dessen Fürst zu den Assyrern aus Furcht oder Partikularismus gehalten zu haben scheint, belagerte, ereilte ihn der Tod.

Man kann diesem Herrscher Energie nicht abjprechen; die Schwäche feiner Hausmacht erlaubte ihm nun einmal nicht, den Konflikt mit einem militärisch jo kräftigen Staat wie Assyrien zu

1) Vgl. Windler, MVAG. 1898, 29, über diesen Schluß aus dem im Palast Sanheribs gefundenen Tonsiegel.

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