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Vage griechische Vorstellungen.

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welche der Begriff Äthiopen im weiteren Sinn umfaßte. Um jo seltsamer nahmen sich daneben einige ältere, aus ägyptischer Priesterüberlieferung (. u.) stammende Erzählungen über die Athiopén aus, wonach das die schönsten, besten, tapfersten, gebildetsten usw. Menschen sein sollten. Durch Nebeneinanderstellung solcher Phantasien mit den oben erwähnten Schauergemälden wurde freilich Äthiopien den antiken Lesern erst recht interessant.

In den ältesten griechischen Überlieferungen sind die Äthiopen (d. h. Dunkelgesichter, eigentlich „Brandgesichter“) besonders fromm und reich, ja sogar Göttergenossen (Ilias 1, 423): Zeus und alle Götter begeben sich zum Mahl am Ozean bei den trefflichen Äthiopen, wo (23, 206) hundertfache Opfer der Götter warten; vgl. Odyssee 1, 23; 5, 282. 287. Die wahrscheinlichste Erklärung wird wohl eine astral-mythologische Spekulation sein, etwa daß der äußerste Süden der Welt, wo mancherlei Himmelsbilder bald aufgehen, bald verschwinden, einen Ruheplaß der Götter bildet, ein Gegenstück zu dem Weltberg im Norden der Erde oder am Nordpol des Himmels. Nach den auf die Sklavenmärkte gelangenden Negern aus dem oberen Niltal hätte der Grieche sich von den „Brandgesichtern" schwerlich eine so wundersam günstige Vorstellung machen können. Oonssee 1, 23 erfahren wir allerdings, daß die ,,fernen Äthiopen, die äußersten der Menschen“, in zwei Abteilungen wohnen, die einen nach Westen, die andern nach Osten zu, leştere also wohl in Asien. Ob dabei an dunfelhäutige Stämme in Elam und östlich davon (vgl. Herodot 7, 70) zu denken ist, oder an solche in Südarabien”, mag dahingestellt bleiben. Auch bei den Semiten war der Begriff der Äthiopen teilweise so vag. Aber in der Zeit des israelitischen Prophetentums hatte man wenigstens in Palästina nach den biblischen Angaben von dem politischen und geographischen Ilmfang des „Landes Kusch“ eine sehr gute Vorstellung, und bei diesem Begriff (etwa modern „Nubien“ im engeren Sinn, s. oben) wollen wir bleiben.

Das von allen Semiten Kusch genannte Gebiet begann also bei Syene am ersten Nilkatarakt, der natürlichen Grenze Ägyptens, und erstreckte sich (wenigstens als unabhängiges Reich) bis über den 6. Satarakt. Auf der Karte sieht dieses Land ungeheuer groß aus, wenn man sich aber vergegenwärtigt, daß, genau wie in Ägypten,

1) Die ägyptischen Verherrlichungen der frommen Äthiopen (vgl. untent S. 26) datieren aus zu junger Zeit, um die Quelle Homers zu sein.

2) Vgl. Winckler, Keilinschriften u. d. Alte Test.3 S. 144 über die ,,Suichiten“ in Arabien und die „schwarzen Araber“ bei den Assyrern.

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nur das enge Flußtal in Betracht kommt, nicht die es umgebende Wüste, so schmilzt das durch ganze neun Breitengrade reichende Gebiet zu einem kleinen Ländchen zujammen, viel kleiner als Ägypten, das ja ohne die Wüste auch nur so groß wie Belgien ist. Das Flußtal in Nubien ist nämlich ungleich enger selbst als in Oberägypten. Die Felsen treten häufig direkt an den Fluß heran und unterbrechen das Tal. Während in Oberägypten man gewöhnlich von einem Ende des anbaufähigen Landes am Wüstenrand leicht das andere Ende auf dem gegenüberliegenden Flußufer sehen kann, handelt es sich in Nubien meist nur um kümmerliche Stückchen und Streifchen Ackerland, die wie an das Ufer geklebt aussehen. Dieser armselige Landstrich hat stets nur eine sehr geringe Einwohnerzahl ernähren können. Heutzutage muß ein großer Teil der männlichen Bevölkerung nach Ägypten hinunterziehen, um dort als Diener sein Leben zu fristen und mit etwas gespartem Geld nach Jahren heimzukehren. Im Altertum erlaubten die verschiedenen Arbeitsverhältnisse das weniger, aber wir treffen doch zahlreiche Nubier als Soldaten und Polizisten in Ägypten zu fast allen Zeiten; andere Teile der Bevölkerung mußten auf Handel nach und von dem innern Afrika angewiesen sein. Die allzu dürftigen ökonomischen Verhältnisse ließen nie eine rechte Zivilijation erblühen, und für die Entwickelung der Menschheit hat Äthiopien niemals etwas beigetragen; es hat sich niemals über eine fümmerliche Nachahmung der ägyptischen Kultur aufgeschwungen, und deshalb würde das Volk nicht viel Interesse bieten, wäre nicht das äthiopische Reich einmal für kurze Zeit zu einer ansehnlichen politischen Rolle gelangt.

Die heutigen Nuba (wie sie sich selbst nennen) sind ein Mischvolt, das inan ziemlich zur kaukasischen Rasse rechnen kann, aber die dunkle Farbe und manche körperliche Anzeichen verraten, daß der Grundstock einmal der Negerrasse angehörte. Als reine Neger bilden auch die alten Ägypter das Nubiervolk ab. Die Nubasprache hat heutzutage ihre nächste Verwandte in der Sprache der Bergnuba von Kordofan, entferntere Verwandte in den kleinen Völkchen der Barea und Kunama in den Bergen an der Nordgrenze Abessyniens. Dieje Völkerschaften sind aber alle Vollblutneger. Demnach begann der „Sudan“, das Land der Schwarzen (S. 1), im Altertum direkt am ersten Nilfatarakt 1, und von Ägypten bis ins südliche Die Bewohner: Neger und gamiten.

1) Eigentlich reichte er noch etwas über die Nilschnellen, wie noch heute die Bevölkerung der südlichsten Gaue nicht rein ägyptisch ist. In alter Zeit begann die nubische Landbevölkerung, scheint es, mindestens schon an der Sand

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Kordofan und Sena'ar wohnte derselbe Zweig der nilotischen Sprachfamilie und Rasse. Die Kulturfähigkeit dieser ganzen großen Völkergruppe, die sich heute bis nahe an die großen innerafrikanischen Seen erstreckt und einst auch Abessynien besessen haben muß, ist nun recht gering, obwohl alle ihr angehörigen Stämme (wie die Neger im allgemeinen) ansässig sind und primitiven Ackerbau betreiben (ein Beweis, daß die Gewinnung des Lebensunterhaltes durch Viehzucht nicht die niedrigere Kulturstufe bezeichnet, wie man gewöhnlich annimmt). Der moderne Nubier ist ehrlich und genügjam, aber beschränkt und langsam im Denken.

Neben jenen Negern war allerdings schon seit urältester Zeit das Hamitenelement vertreten, durch braunrote Verwandte der alten Ägypter, die Hirtenstämme, welche den Griechen unter den Namen Troglodyten (richtiger Trogodyten), Ichthyophagen, Addaei (ägypt. Antej), Blemmyer usw. bekannt waren, später den Arabern als Bedia (Bischarin im Norden, Hadendowa im Süden, im äußersten Norden als Ababde jeßt arabisiert). Im Altertum bewohnten sie wie heute die „arabische Wüste bis an die Grenze von Abessynien. Ihre frugalen Lebensgewohnheiten, ihre (nur in der wunderlichen Haarfrisur sorgfältige) Tracht und ihr körperlicher Typus haben sich in merkwürdiger Weise bis auf unsere Zeit erhalten; von einer Kulturentwickelung seit 5000 Jahren ist noch viel weniger als bei den Ackerbau treibenden Nubiern die Rede. Christentum und Islam haben sie nie viel beeinflußt. Die Unfruchtbarkeit ihres Gebietes hat sie stets zur Räuberei geneigt gemacht und gegen das Land der Ackerbauer getrieben (ganz wie die Beduinen Arabiens; sie nennen sich übrigens selbst Beduinen in einer Aussprache, welche die Araber als Bedja, Bedscha verhört haben, s. o.) So haben sie die Neger des Niltales nördlich von Sena'ar sehr früh wenigstens auf dem Dstufer von ihren Stammesgenossen abgeschnitten. Dieses Nomadenelement ist wohl bisher für das Verständnis der Geschichte Äthiopiens etwas zu wenig berücksichtigt worden. Es wäre falsch, es als Kepräsentanten der Kultur anzusehen; die nomadischen Hamiten überhaupt haben fast nirgends in Afrika sich über eine recht geringe Kulturstufe aufgeschwungen; wo dies dennoch geschah, ist es dem starken Zufluß semitischer Elemente zuzuschreiben. Allein die Nomaden,

steinbarre von Gebel Silsileh. Aber in historischer Zeit waren jene reßten Gaue politisch immer ein Teil Ägyptens, und die Frage, wie weit in Oberägypten erst durch allmähliche Aufsaugung schwarzer Stämme das ägyptische Volt sich abrundete, ist hier ohne Belang.

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Älteste Unterwerfungen durch Ägypten.

welche in wirklichen Kulturländern ein schädliches, kulturfeindliches Element sind, wirken unter so stumpfsinniger Bevölkerung, wie es die meisten echt afrikanischen Stämme sind, durch ihren größeren Unternehmungsgeist als ein treibender Sauerteig. Das läßt sich in Afrika an mehr als einer Stelle beobachten, wo sich hamitische Zuwanderer zu Beherrschern der schwarzen Völker aufgeworfen haben (vgl. S. 19).

Die ältesten Nachrichten über Nubien stammen aus der 4. ägyptischen Dynastie, von deren großem Kriegshelden Snefru(i) erzählt wird, daß er „verheerte das Negerland und herbeiführte als Gefangene 7000 Männer und Weiber, dazu 200 000 Stück Rinder und Kleinvieh". Wenn wir sonst von Kriegen gegen die Schwarzen nichts erfahren, mag das Zufall sein. Es ist darum wahrscheinlich, daß häufig das Land bis ziemlich weit nach Süden regelmäßig Tribut nach Ägypten zahlen mußte, im übrigen aber sich selbst gänzlich überlassen war. Man war zufrieden, wie ein Schaßmeister des Pharao stolz an den Kataraktenfelsen anschrieb, daß anläßlich seines offiziellen Besuches „die Häuptlinge von M(a)zat, (I?)artet und Wawat den Boden füßten und große Ehrenbezeigung erwiesen“, offenbar, als sie den jährlichen Tribut ablieferten. Um 2500 berichtet ein hoher Beamter, daß ihn sein Gebieter entsandt habe nach dem Süden, um drei Breitschiffe und vier Schleppschiffe aus Akazienholz von Wawat zu machen. Dabei zogen die Häuptlinge von (I?)artet, Wawat, Ja'am und M(a)za(t) Holz dazu, und ich tat, wie es mir vorgeschrieben war, in einem einzigen Jahre.“ Schiffsbauholz nannte man „von Wawat" wohl nur nach der Ägypten nächstgelegenen nördlichen Gegend, aus der man es im Zwischenhandel sonst erhielt ; Wälder konnte man in dem fümmerlichen Fruchtland des Flußtales (vgl. S. 5) schon damals schwerlich finden. Neros Rundschafter heben bei Plinius (6, 185) hervor, daß erst um Meroe „endlich das Gras grüner wird und etwas Waldwuchs sich zeigt“. Heutzutage beginnen die ausgedehnten Afazienwälder, aus denen man alle größeren Schiffe im Sudan baut, am Weißen Nil, ein paar Tagreisen nördlich von el-ES (14° nördl.). Dorthin oder nicht viel nördlicher wurde offenbar auch unsere ägyptische Expedition von einem Aufgebot der nubischen Stämme begleitet, und dort wurden die Schiffe am Plaß gebaut. Ob nun so entfernte Gegenden durch Furcht vor den ägyptischen Waffen zugänglich wurden oder durch gute Bezahlung, ist schwer zu entscheiden; vermutlich wirkte beides zusammen, wenn die Negerhäuptlinge solche Erpeditionen ge

Handelsbeziehungen mit Ägypten.

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währen ließen und durch Stellung von Arbeitern unterstüßten. In etwa dieselbe Gegend drangen auch unter dem Leßten König der 6. Dynastie die Expeditionen des Markgrafen Heri-chuf von Elephantine vor, den der König einmal aussandte, ihm einen Vertreter der vielfach von den Klassikern erwähnten und erst neuerdings wieder entdeckten Zwergvölker zu bringen „für die heiligen Tänze".1 Schon vorher war derselbe Edelmann dreimal Anführer von großen Unternehmungen gewesen; einmal kehrte er mit 300 Eseln heim, die mit allen Schäßen der Negerländer reich beladen waren. Bedenkt man, wie mühsam noch in unserer Zeit Handelskarawanen sich in Afrika von Dorf zu Dorf bewegen mußten, von jedem kleinen Häuptling eifersüchtig zu zeitraubendem „Schauri und Palaver“ gezwungen, durch Wegzoll usw. gebrandschaßt, dazwischen feindlich aufgehalten, um den gewinnbringenden Zwischenhandel zu behaupten, so muß man über die Möglichkeit so großartiger und weitreichender Unternehmungen im dritten Jahrtausend v. Chr. staunen.2 Freilich hören wir, daß die Bearbeitung der noch innerhalb der ägyptischen Grenze gelegenen Steinbrüche von Syene-Elephantine damals nur unter starkem militärischen Schuß möglich war, aber diese Unsicherheit war wohl auf Rechnung der stets unfontrollierbaren Wüstenstämme zu sezen.

Übrigens lieferte Nubien den Ägyptern nicht nur die afri

1) Die Zwerge spielten also in der Mythologie eine Rolle, die sich vielleicht mit der der Satyrn (als Wärter junger Götter?) deckte. Von dem Zwerg bei den heiligen Tänzen reden schon viel ältere Texte.

2) Gegenüber phantastischen Theorien von ägyptischen Einflüssen im Innern und im äußersten Süden Afrikas ist aber zu betonen, daß der ägyptische Privathandel nach dem Süden stets fümmerlich blieb; dem Ägypter fehlte nun einmal aller Unternehmungsgeist. Nur die offiziellen Handelderpeditionen hatten, wie eben gezeigt, einen großartigeren Zug, waren aber weder regelmäßig, noch reichten sie in entlegene Gegenden. Das beweist z. B. ein in dem oben erwähnten Grab des Heri-chuf in stopie eingemeißeltes Aktenstück, wonach ein ähnlicher Zwerg nur unter dem legten König der 5. Dynastie an den Hof des Pharao gelangt war und zwar auf dem Seeiveg vom Roten Meere her. Selbst wenn diese Angabe übertreibt (wie die oben erwähnten Anspielungen auf den Zwerg bei den „heiligen Tänzen" in den Pyramidenterten wahrscheinlich machen), - die direkten Vorgänger des Königs Nefer-ke-re besaßen offenbar feinen Zwerg aus den zentralafrikanischen Wäldern, obwohl sie den Besiß eines jolchen maßlos schäßten. Da wir nun aus mancherlei Angaben der Alten wisjen, daß die als Jäger in den Wäldern ihr Leben fristenden Zwergstämme früher bedentend weiter nördlich streiften als heute, so warnt uns diese Tatsache vor Überschäßung der ägyptischen Handelsunternehmungen.

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