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Neuer Feldzug gegen Merodachbaladan.

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Kontribution. Seine Abgesandten, die die Unterwerfung anboten, trafen den König noch in Lafisch, die Sendung des Tributes selbst erfolgte nach Ninive.

Die plößliche Heimkehr Senacheribs war durch die in Babylonien unterdessen ausgebrochenen Unruhen dringend erfordert. Der von Senacherib über Babylonien gesepte Bel-ibni war der Lage nicht gewachsen und hatte von vornherein eine schwierige Stellung. Als Kreatur des Assyrers follte er die Politif seines Schußherrn fördern, als Babylonier war er den entgegengeseßten Einflüssen der Hierarchie leicht zugänglich, ein großer Held und eine starke Bersönlichkeit scheint der auch nicht gewesen zu sein, von dem Senacherib erzählt, daß er wie ein Hündlein in seinem Palaste aufgewachsen jei, und zudem: der Assyrer war seit langem in weiter Ferne vollauf beschäftigt und die Chaldäer und Elamiter waren immer bei der Hand, wenn die Babylonier Hilfe brauchten, einen ihnen mißliebigen König rich vom Halse zu schaffen. So schlug sich denn Bel-ibni, um seinen wankenden Thron zu stüßen, auf die Seite der hierarchischen Partei und er hat wohl durch reiche Geschenke die wohlwollende Neutralität der Chaldäer und Elamiter sich erkauft. Das bedeutete aber den Abfall von seinem Oberherrn. Alsbald, gegen Ende des Jahres 700, 30g Senacherib gegen Babel heran, vor der Stadt kam es zur Schlacht, Bel-ibni wurde gefangen genommen, nach Assyrien fortgeführt, und Senacherib seşte nunmehr seinen eigenen ältesten Sohn, Assur-nadin-schum als König über ,Sumer und Affad". Damit war aber die eigentliche Ursache der babylonischen Unruhen nicht beseitigt. Bel-ibnis Verhalten war ja durch die Drohungen der Chaldäerfürsten bestimmt, die als der Rückhalt der intriganten Hierarchie die faktischen Urheber aller Unruhen in Babylonien waren. Ohne ihre Hilfe waren auch die Wühlereien der babylonischen Partei ohne praktische Bedeutung. So wendet sich denn Senacherib, der für eine schwere Bestrafung der Babylonier selbst die Zeit noch nicht gekommen glauben mochte, mit aller Energie und unter großem Aufgebot gegen die Chaldäer mit dem Endziel Bit-Jakin, dem Stammland des Merodachbaladan. Unterwegs hatte er erst mit Schuzub, dem Chaldäer, abzurechnen, sicher einem der bösen Geister des Bel-ibni, der ja später auch an das Ziel seines Ehrgeizes gelangen und unter dem Namen Muschezib-Marduk König in Babylonien werden

1) Die teilweise Verschiedenheit der Summe im assyrischen und im bibliichen Bericht beruht wohl auf einer Verschiedenheit der Gewichtseinheiten.

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Feldzug ins Gebirge Nipur.

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jollte. Des Chaldäers jelbst habhaft zu werden, gelang ihm freilich nicht, wie er auch in Bit-Jakin das Nest leer und den Vogel ausgeflogen fand und sich damit begnügen mußte, seines Feindes Land zu verwüsten, seine Familie und zahlreiche Untertanen als Gefangene mit fortzuführen. Einen entscheidenden Erfolg hat er also auch in diesem Unternehmen nicht erringen können, solange er nicht die Häupter der Chaldäer in seiner Hand hatte, war er der erneuten Störung im Besitz Babyloniens nie sicher. Vielleicht fühlt er auch das Bedürfnis, den mangels positiver Erfolge etwas mageren Bericht zu ergänzen, wenn er am Schlusse noch versichert, daß er auch über Elam „Schrecken ausgegossen habe“, er meint damit wohl die Wirkung charakterisieren zu sollen, die sein Sengen und Brennen in Bit-Jafin auf die benachbarten Elamiter ausgeübt hat. Zu einem wirklichen Zusammenstoß mit elamitischen Truppen ist es auf jeden Fall damals nicht gekommen.

Das nächste, fünfte,1 Unternehmen, führt Senacherib in die unzugänglichen Gegenden des jüdarmenischen Gebirges Nipur. Politisch war der Zug ohne hervorragende Bedeutung, aus den meist in Zelten hausenden Bewohnern, die nur einige wenige feste Pläße, Felsennester besaßen, die ,, wie das Nest des Adlers, des Königs der Vögel, auf dem Gipfel des Nipur, des steilen Berges gelegen waren", war auch nicht sonderlich viel herauszupressen. Und doch werden gerade derartige Erpeditionen, die an die körperliche Leistungsfähigkeit der Mannschaften und Führer ohne Ansehen der Person die gewaltigften Anforderungen stellten, mit besonderer Genugtuung von Senacherib geschildert. „Wie ein Wildochse“ stellte er sich selbst an die Spiße seiner unbezwingbaren Armee. „Schluchten, Gießbäche, steile Abhänge nahm ich im Tragsessel, wo es für den Sessel zu steil war, kletterte ich zu Fuß, wie eine Gazelle auf hochragende Gipfel, so stieg ich hinauf. Wo meine Kniee einen Ruhepunkt fanden, ließ ich mich auf einen Felsblock nieder, faltes Wasser aus dem Schlauch trant ich für meinen Durst." Es macht den Eindruck, als ob das sportliche Interesse dem König im Vordergrund stünde bei diesem Zuge. „In die unbegangenen Wege, die beschwerlichen Pfade an den steilen Höhenzügen war vor mir noch keiner vorgedrungen von den Königen, meinen Vorfahren.“ Das war sein Ehrgeiz, unerhörte Schwierigkeiten auf gewaltigen Märschen zu überwinden, in Gegenden vorzubringen, die vor ihm noch niemand betreten hatte. Die nam

1) Zeitlich nicht genau bestimmbar, zwischen 699 und 693.

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Expedition nach Nagitu.

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haft gemachten Gegenden und Ortschaften entbehren allgemeineren Interesses, sind übrigens auch noch garnicht mit genügender Bestimmtheit lokalisiert. Größere Bedeutung für die Geschichte gewinnt der Feldzug durch eine Notiz in anderen Inschriften des Königs, wonach er auch weit nach Westen, bis nach Kilifien vorgedrungen sei und durch die damit im Zusammenhang zu bringende Nachricht des Berosus, daß Senacherib in Nilifien mit Griechen, wohl jonischen Seeräubern, zu tun gehabt hätte, die dort eingefallen wären, um Krieg zu erregen. Nach Berojus gewinnt es den Anschein, als jei der Einfall der Griechen für Senacherib direkte Veranlassung gewesen zum Zug nach Kilifien, er habe eine gewaltige Schlacht geschlagen, und habe erst nach Verlust der meisten seiner Soldaten schließlich den Sieg gewonnen. Zur Erinnerung an diesen Sieg habe er auf dem Schlachtfeld ein Denkmal errichten lassen, daß das Gedächtnis seiner Tapferkeit und Tugend fünftigen Zeiten überliefern follte. Auch habe er die Stadt Tarsis daselbst nach dem Vorbild Babels gegründet. Abydenus will sogar wissen, daß Senacherib in einer Seeschlacht an der filifischen Küste die griechische Flotte zersprengt habe. Inwieweit diese Nachrichten des sonst so vorzüglich orientierten Berosus den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen, läßt sich bei dem Mangel an irgendwelchen anderweitigen Nachrichten nicht ausmachen. Der Einwand, daß Senacheribs Berichte dieser Ereignisse hätten Erwähnung tun müssen, wenn sie als historisch anerkannt werden dürften, ist nicht stichhaltig, dieser Einwand könnte auch sonst erhoben werden, wo die Überlieferung über jeden Zweifel erhaben ist.

Im Jahre 694/693 sehen wir Senacherib abermals auf dem Marsch gegen Merodachbaladan, die Chronik berichtet, er sei „nach Elam hinabgezogen". Schon beim Heranzug Senacheribs i. I. 699 war Merodachbaladan nach Nagitu, eine der jüdlichsten Städte Elams, an der Küste des persischen Golfes gelegen, entflohen. In den folgenden Jahren hatte sich eine vollständige Verschiebung der von Senacherib im Lande gelassenen Einwohner von Bit-Jafin in jene Gegenden vollzogen. Was die Veranlassung zu diesem Zuge war, ob Merodachbaladan wieder einmal versucht hatte, sich Babyloniens zu bemächtigen, ob der neue Staat ihm für die Sicherheit Babyloniens gefährlich erschien, oder ob Senacherib sich nur von dem Wunsche nach einer endlichen vollständigen Rache an dem alten Störenfried, der ihm bis dahin immer zu entfommen verstanden hatte, sich seiten ließ, das zu entscheiden fehlen alle Anhaltspunkte.

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Erpedition nach Nagitu.

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Merodachbaladan war durch seine Übersiedelung nach Nagitu elamitischer Vasall geworden. Deshalb mußte Senacherib damit rechnen, daß er auch mit Elan werde zu tun haben. Die Veranstaltungen, die zu diesem Feldzug getroffen wurden, übersteigen alles, was bis damals in assyrischen Landen erhört war. Nicht nur ein ungeheures Heer wurde aufgeboten, auch eine große Flotte mußte ausgerüstet werden, da Senacherib, wenn er nicht durch elamitisches Gebiet ziehen und dadurch von vornherein in Konflikte mit den Elamitern geraten wollte, nur zur See an Nagitu herankommen konnte. Von gefangenen Chattileuten ließ er in Ninive und TilBarsip am Euphrat gewaltige Schiffe nach dem Muster ihres Landes bauen, tyrische, sidonische und jonische Seeleute, ebenfalls Kriegsgefangene, nahm er zu ihrer Bemannung. Auf zwei Wegen wurden die Schiffe ans Meer gebracht. Die eine Hälfte nahm den Weg von Til-Barsip den Euphrat hinab, die andere von Ninive auf dem Tigris nach Opis, von wo aus sie zunächst eine Strecke lang auf Walzen, dann auf dem Arartufanal in den Euphrat geleitet wurde, auf dem beide Flotten dann vereinigt dem persischen Golf zu fuhren bis nach Babjalimeti, das nur zwei Doppelstunden von der Küste entfernt war. Hier hatte Senacherib unterdessen mit seinem Heere sein Lager aufgeschlagen.

Senacherib war nun wohl ein großer Kriegsheld und ein Bergsteiger, dem kein Gipfel zu hoch, fein Abhang zu steil war für seinen Wagemut, ein großer Seeheld aber scheint er nicht gewesen zu sein und alle seine schlachterprobten Krieger ebensowenig. Mit den Gewohnheiten des Herrn der Wassertiefe oder gar mit seinen gelegentlichen Launen und Tücken scheint er auch nur wenig oder gar nicht vertraut gewesen zu sein. Vier Wegstunden vom Meere lag das Zeltlager des Königs am Gestade des Euphrat in der Ebene. Senacherib dachte nicht daran, daß ihn hier die Bewegung des Meeres erreichen könnte, aber eine gewaltige Springflut ließ auch den Unterlauf des Euphrat aus seinen Ufern treten und seşte das ganze Zeltlager unter Wasser, auch das Zelt des Königs wurde nicht verschont. Alles rettete sich auf die Schiffe, wo das ganze Heer fünf Tage und fünf Nächte lang „wie in Käfigen“ zu kampieren gezwungen war.

Senacherib empfand keinerlei Bedürfnis sich weiterhin den Fluten des Meeres anzuvertrauen, er blieb ruhig in Babjalmeti im Lager. Da, wo der Euphrat sich ins Meer ergießt, hielt er ein feierliches Opfer ab, um Eas, des Königs der Meerestiefe, Wohl

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Expedition nach Nagitu.

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wollen für seine Armada zu erflehen, ein goldenes Schiff und einen goldenen Fisch warf er in die Fluten und alsbald zog die Flotte aus zur Eroberung des Landes Nagitu. War schon der Anfang der Seefahrt schwierig, die Landung war auch fein leichtes Stück; die Flotte fam an ein Ufer, ,,welches zum Anlegen, zum Ausschiffen der Pferde und zum Fußanseßen eines Menschen nicht geeignet war“, aber schließlich gelang die Landung an der Mündung des Euläus und dort warteten auch schon die Feinde, die die hilflojen Manöver am Ufer längst beobachtet hatten. Troß dieser Schwierigkeiten gewannen die Affyrer den Sieg; „wie ein Heuschreckenschwarm“ stürzten sie aus ihren Schiffen sich auf die Gegner, die eine starke Macht zusammengebracht hatten, Chaldäer, Leute von Nagitu, Nagitu-Di’bina, Dilmun, Billate, Chupapanu, „eine zahllose Heeresmacht“. Dieser Sieg macht den Assyrern alle Ehre, wenn nicht angenommen werden muß, daß die feindlichen Haufen aus ungeschulten, hergelaufenen Elementen zusammengewürfelt waren. Dem enticheidenden Sieg folgte das übliche Sengen und Brennen, Plündern und Morden. Ünermeßliche Beute an Menschen und Vieh, Waffen und Kriegsgerät, auch die Götter von Bit-Jafin werden von dem König nach Babsalimeti verbracht, „nicht einen Übeltäter“ ließ er im Land zurück. Von Merodachbaladan ist in dem ganzen Bericht init keinem Worte die Rede, vielleicht ist er schon zu Anfang entflohen und hat sein Heer schon am Ufer des Euläus führerlos preisgegeben. Jedenfalls ist er auch diesmal wieder den Assyrern nicht in die Hände gefallen und damit auch der verinutliche eigentliche Zweck des Feldzugs nur unvollfommen erreicht. Aber sein Land war verwüstet und das junge Staatswesen vernichtet. War auch Merodachbaladan selbst entkommen, so war er doch für unabsehbare Zeit zu völliger Ohnmacht verurteilt, wir hören auch fernerhin nicht mehr, daß er irgend etwas gegen Assyrien oder Babylonien unternommen hätte.

Wir sahen oben, daß Merodachbaladan elamitischer Vasall geworden war, daß also der Zug Senacheribs sich gleichzeitig auch gegen elamitische Gebietsteile wandte. Während der König von Elam, Challuschu, nun Merodachbaladan von Süden sich selbst seiner Haut gegen die Assyrer wehren ließ, nahm er, von den Babyloniern ins Land gerufen, die Gelegenheit wahr, in Babylonien einzufallen. Dort regierte noch der von Senacherib eingeseßte Assurnadinjchum. Challuschu zog in Sippar ein und ließ die Einwohner der Stadt töten, aber ,,Schamasch zog aus E-barra nicht aus“, berichtet die Chronik, d. h. der Elamit schonte das Heiligtum des Sonnengottes.

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