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Sargon II. und die kyprische Seeherrschaft.

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wie jelbstverständlich auch alle aus der alten Hethiterherrschaft abgeleiteten Ansprüche auf Syrien und Palästina damit aufgegeben waren. Etwa gleichzeitig mit dieser phrygischen Gesandtschaft empfing Sargon noch eine andere von sieben Königen von Cypern, welche ihm die Unterwerfung dieser Insel meldeten. Cypern stellte sich also damals freiwillig unter den Schuß des anerkannten Herrn von Vorderasien, der alle Rechtstitel besaß, welche von Babylon, der Hauptstadt der altorientalischen Welt, abhingen, und der schon durch die Wahl seines Namens angedeutet hatte, daß er sich als der zweite Sargon fühlte. Er sagt nicht, daß die Beziehungen, welche einst sein altbabylonisches Ideal zum „Westen“ gehabt hatte, damals, betont und hervorgesucht wurden, aber sein Enkel Afsarhaddon hat das mit vollem Bewußtsein und in deutlich ausgesprochener Weise mit Bezug auf die arabischen Ansprüche NaramSins getan und der Mann, der sich als Zweiter Sargon“ fühlte, hätte kein Sohn seiner Zeit sein können, wenn er nicht ein gleiches getan hätte.

Es war also fein Zufall, daß die Gesandtschaft von Cypern gerade nach der Eroberung von Babylon eintraf: es ist darum auch kein Zufall, wenn die Thalassokratieliste auf die Führerschaft der Phryger die der Kyprier folgen läßt. Midas hatte Sargon als Großkönig anerkannt, sich von ihm in seinem eigenen Besißstand bestätigen lassen, damit hatte dieser das Souveränitätsrecht über die Seestaaten und konnte die Hegemonie über diese geben, wem er wollte. Das waren aber seine neuen Untertanen, die Kyprier. Es waren sieben Könige, die sich damals unterwarfen, unter ihnen war der von Rition oder Kart-chadast, in dessen Stadt Sargon seine Stele errichten ließ, die sich jeßt im Berliner Museum befindet.

So wurde die Thalassokratie im Namen des Herrn von Babylon, der zugleich König von Assyrien war, im Dstbecken des Mittelmeeres ausgeübt, alles was seinen Mittelpunkt in dem Heiligtume der Seestaaten sah, stand unter dem Schuße des Gottes von Babylon, wie einst 2000 Jahre früher. Die Könige der kyprischen Städte, welche die Führung erhalten hatten, wurden von Kalchi aus bestätigt und regierten mit Billigung des Königs von Assur und Schußherrn von Babylon. Wir haben aus der Zeit Assurbanipals Beispiele, wie beim Thronwechsel in solchen Staaten die in Betracht kommenden Prinzen an den Hof des Großtönigs gingen, um dort ihre Ansprüche zu verfechten und den Thronfolger bestimmen zu lassen.

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Die Thalassofratie von Tyrus.

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Die Zeitdauer, welche für die fyprische Führung angegeben wird, ist in den beiden Überlieferungen der Liste 33 und 23 Jahre: Wenn sie ungefähr um 708 begann, wo Sargon etwa die Gesandtschaften in Babylon empfing, so endete sie also um 680 oder 670. Das aber ist die Zeit, wo Tyrus von Afsarhaddon und Assurbanipal belagert wird und nach fünfjährigem Widerstande schließlich den Frieden schloß, in dem es seine Selbstverwaltung behielt, aber alles Gebiet auf dem Festlande verlor. Damit wäre es zur völligen Bedeutungslosigkeit herabgesunken gewesen, wenn es nicht eine anderweitige Bedeutung gehabt hätte: die Nachfolger in der Thalassokratie der Kyprier sind aber die „ Phönizier“, d. h. natürlich Tyrus, gewesen. Dessen ganzer Kampf gegen Assyrien, der eben während der Zeit gedauert hat, wo die Seeherrschaft den Kypriern zuerteilt worden war, gewinnt dadurch ein anderes Aussehen und wird vor allem erst erklärlich. Nachdem um 730 Tiglat-Pileser III. den Westen unterworfen hatte, war für Tyrus die Zeit gekommen, wo es seinen Vorteil suchen mußte. Ebensowenig wie Juda, das damals zum Lohn für seine Treue gegen Assyrien auf die „Zurückgabe des Besißes des Nordreiches, also auf eine Wiederherstellung des Davidreiches hoffte, wird jedoch Tyrus troß seiner ,, Treue" eine Begünstigung seiner Vergrößerungsbestrebungen bei Assyrien gefunden haben, und deshalb kam es 729 zum erstmaligen Ausbruch von Feindlichkeiten, die aber beim Erscheinen eines assyrischen Heeres schnell beendet wurden. Bei einem Thronwechiel, durch den bald darauf Luli König wurde, fam es zum erneuten Abfall und Krieg gegen Salmanassar IV., der durch Vertrag beigelegt wurde. Dieser Krieg fällt zusammen mit dem Übergang der Thalassokratie an Phrygien, also an – einen Dritten (um 725). Als dann nach Sargons Tode es in Babylon wieder zu den Unruhen kam, welche den größten Teil von Sinacheribs Regierung gedauert haben, hat auch Tyrus und Sidon, beide in Lulis Hand vereint, sofort den Abfall erklärt. Es fämpfte eben gegen die Begünstigung der Nyprier, wo Hition ihm einst jelbst gehört hatte. Im Jahre 701 unterlag Luli und Sanherib besefte alle phönizischen Städte mit Ausnahme von Tyrus, das uneinnehmbar war. Luli aber entfloh „auf eine Insel“, d. h. er juchte eine Zuflucht und Unterstüßung zu weiterem Kampfe dort, wo er auch vor dem Aufstand darum geworben hatte, bei den „Seemächten“. Denn selbstverständlich waren innerhalb eines solchen Bundes stets Parteien, die gegen den führenden Staat – damals Cypern – gingen. Es war höchst wahrscheinlich sogar Cypern

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Assyrer und Griechen in Cilicien.

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selbst, wohin sich Luli begab. Von diesen „Königen“ konnte doch nur einer der Erkorene der Assyrer gewesen sein. Wahrscheinlich war es der von Kition, in dessen Stadt darum Sargons Standbild errichtet wurde. Ob er oder ein Gegner derjenige war, wo Luli Zuflucht suchte, das hängt von den näheren Verhältnissen ab, die wir nicht kennen. Auf jeden Fall gab es auf Cypern auch noch andere „Könige“, die nicht zu Assyrien hielten, denn Sargon hatten sich nur sieben unterworfen, während später ihrer zehn genannt wurden.

Es war Lulis Nachfolger in Tyrus, Baal, der dann den Aufstand gegen Afsarhaddon unternahm. Unter ihm muß dann tatsächlich Tyrus als leitender Staat im Seebund anerkannt gewesen sein. Diese Rolle hat es behauptet, denn um 668 schloß es seinen Frieden mit Assurbanipal, in dem es dessen Oberhoheit anerkannte, aber seinen Besikstand behielt, der wie erwähnt (S. 19) freilich in Phönizien selbst nur in der Stadt Tyrus bestand. Aber eben die Führerrolle unter den Seestaaten gehört dazu.

In denselben Zeiten erfahren wir noch einige Einzelheiten über Ereignisse im Ostbecken des Mittelmeeres, welche gerade im Zusammenhang mit diesen Zuständen und wenn man sie mit denen der späteren Zeit vergleicht, ihr richtiges Licht erhalten. Sargon erwähnt um dieselbe Zeit, wo seine Provinz, die in Cilicien mit der Hauptstadt Tarsus errichtet worden war, von Midas angegriffen wurde (um 709), daß er „Ionier“ (Jauna) im Meere besiegt und , Tyrus und Kue (d. i. Cilicien) Ruhe verschafft“ habe. Daß es gerade Tyrus und Cilicien sind, welche scheinbar gleichartige Angriffe zu bestehen hatten, läßt schließen, daß man Midas dabei als treibende Araft vermuten muß, und wenn andererseits damals Griechen sich bemerkbar machten – kurz bevor Midas seinen Widerstand gegen Sargon aufgab – so wird man eben an den Seebund zu denken haben, desjen Liste man nur durchzusehen braucht, um wenigstens einige weitere Ausmalung der kurzen Angabe Sargons zu gewinnen. Denn Midas als Führer des Seebundes wird zweifellos auch seine Hand im Spiele gehabt haben, wenn es galt, die unternehmungslustigen Bestandteile der Seevölker – mochten sie nun zum Bunde gehören oder nicht – dorthin zu lenken, wo sie seinem Gegner unbequem waren.

Auch aus Sinacheribs Regierungszeit werden Angriffe von „Griechen“ auf Cilicien berichtet. Hier wird Tyrus die Hand im Spiele gehabt haben. Ebenso war es auch ein cilicischer Fürst (Sanduarri), der um 678 im Bunde mit Sidon stand, als dieses, AO. VII, 2

Cypern.

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das seit 701 durch Sinacherib wieder von Tyrus abgetrennt worden war und unter eigenem Rönig stand, von Afsarhaddon abfiel.

Wie die kyprischen Aönige sich zu dem Abfall vom Jahre 701 stellten, wird nicht berichtet. Von vornherein kann man aber annehmen, daß sie gerade wie Tyrus und Sidon, solange diese Damaskus zu fürchten hatten, zu Assyrien hielten, das ja sie gegenüber Tyrus bevorzugt hatte. Als Assurbanipal um 668 zum zweiten Male gegen Ägypten, oder besser gegen den Kuschiten Taharka zog, der Ägypten beseßt hatte, leisteten alle Könige von Phönizien und Palästina,. sowie zehn Könige von Cypern Heeresfolge. Bereits Assarhaddon nennt die gleichen als seine Vasalen, welche, wie es die Sitte forderte, ihren Beitrag zum Bau feines Palastes leisteten. Zwischen beide Erscheinungen fällt der Abfall und die Belagerung von Tyrus. Die zehn werden mit Namen aufgeführt: Efistura von Idalion, Velagura (d. i. Meleagros) von Chytros, Kisu von Sillua, Stuandar von Paphos, Eresu von Sillu, Damasu von Auri, Admesu von Tamasos, Damusi von Aart-chadast (d. i. Nition), Unasagusu von Lidir, Bususu von Nure.

Außerdem wird unter Assarhaddon noch einmal auf Cypern' ein König mit einem deutlich phönizischen Namen genannt, der sich im Aufstand befand; jonst zeigt die Liste der Königsnamen, daß damals eine andere Bevölkerung als die phönizische das Übergewicht gehabt haben muß. In persischer Zeit scheint umgekehrt dann wieder der phönizische Einfluß gestiegen zu sein, zahlreiche phönizische Inschriften und die Namen mancher der darin genannten Könige und Personen sprechen dafür. Auch das stimmt zu dem Bilde, das wir uns von dem Grundgedanken der assyrischen Politik auf Cypern machen mußten: diese mußte hier gegen die Phönizier sein. Darum ist unter den zehn Namen der gehorsamen Könige nicht ein phönizischer, während doch in früherer Zeit ein starker Einfluß des Phöniziertums auf der Insel bezeugt ist, und ein Phönizier (auf der schon durch 10 Könige regierten Insel!) ist im Aufstand gegen Afsarhaddon-.

Die Perser haben den Phöniziern wieder größere Freiheiten gewährt, der Kampf gegen das Griechentum zwang sie dazu. Auch Sidon ist wohl erst unter persischer Herrschaft wieder frei geworden, nachdem Assarhaddon seine Selbständigkeit aufgehoben hatte.

i Der betreffende wird obendrein als Entel aber nicht als Sohn eines N. N. eingeführt, er hat also wohl alte Ansprüche verfochten, die unter assyriicher Herrschaft (708 etwa die Huldigung an Sargon, um 675 der betreffende Aufstand) nicht anerkannt worden waren.

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Die Thalassokratie Nechos und Milets.

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Auf die Seeherrschaft der Phönizier folgt die der Ägypter, die ungefähr in den leßten Teil des 7. Jahrhunderts fallen würde. Wieder weiß die Überlieferung bei Herodot von einem Vordringen Ägyptens, das lange keine Rolle gespielt hatte, gerade in dieser Zeit zu berichten, und bezeichnender Weise sind damit Bestrebungen zur See verbunden gewesen, die sonst in Ägypten etwas Unerhörtes waren. Sie sind mit dem Namen Nechos verknüpft. Dieser versuchte den Kanal zu bauen, welcher vom Nil nach dem Roten Meere führte .und den dann Darius ausbauen ließ. Der Wasserweg vom Mittelmeere zum Roten hätte den mühsamen Landweg überflüssig gemacht und namentlich den damals unruhigen arabischen Staaten und Völkern die Quelle ihres Reichtums entzogen. Man kann in dieser für Ägypten unerhörten weitausschauenden Handelspolitik nur die Einwirkung der engen Berührung mit den neuen Bevölkerungselementen des Mittelmeeres erblicken und diese kommen zum deutlichen Ausdruck in der Tatsache, daß das Volk der nächsten Thalassokratie, die Milesier, in Ägypten „Naukratis gründet“, den Plaß, wo das Griechentum freie Hand für seinen Handel hatte. Zunächst war Ágypten, das unter Necho kräftig emporstrebte, selbst die Führerrolle übertragen worden. Man muß, um das nicht falsch zu verstehen, sich klar darüber sein, daß eine ägyptische Herrschaft sich damals und schon seit langen Zeiten wie auch später nicht auf ägyptische Volkskraft, sondern nur auf ägyptisches Geld stüßen konnte. Die Heere Ägyptens sind im Altertum wie bis auf die Zeiten der Mamelufen herab Söldner gewesen. Damals wird ausdrücklich überliefert und ist mehrfach sonst bezeugt, daß es Griechen, Karer und Lyder waren, d. h. die Völker, welche damals im Ostbecken des Mittelmeeres sich kraftvoll ausbreiteten. Wie überall im Orient, wie die Türken in Baghdad, die Waräger in Byzanz, so haben die gegen die Kulturländer andringenden Völker diesen im Anfang in der Regel auch die Söldner geliefert, mit denen diese selbst herrschten (S. 5). Griechische Söldner haben auth in persischen Diensten gestanden, und für das neubabylonische Reich wird uns noch ein Beispiel zu beschäftigen haben.

Nechos große Welthandelspläne begreifen sich ohne weiteres, wenn man sie im Zusammenhange mit der „Thalasjokratie" und dem dadurch bedingten weiten Gesichtskreise auffaßt. Man muß sich nur klar machen, was eine Seepolitik überhaupt für die Erweiterung und Ausdehnung der Bestrebungen eines Volkes bedeutet. Eine Grenze gibt es da kaum noch, und wenn wir auch

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