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Sonntagsruhe beschlossene Segensfülle den alten Kulturvölkern am Euphrat und Tigris" verdanken; denn was sie selbst nicht hatten konnten sie auch andern nicht geben.

Daneben aber steht es fest, daß der assyrische König, der „Hirte der großen Völker“, am 7., 14., 21. und 28. Tag des Monats fein gebratenes Fleisch und kein gesalzenes Brot effen durfte; denn als Oberpriester mußte er den hemerologien oder Kulturgeleken der Priester gehorsam sein. Auch durfte er an diesen Tagen seinen Leibrod nicht wechseln noch weiße Gewänder anlegen, keinen Wagen besteigen, kein Opfer bringen, keine Entscheidung fällen. Beachtet man dieses Verbot, so kann in Ulips rien sicher der Sabbat nicht als ein Tag zur Beschwichtigung der großen Götter aufgefaßt worden sein; denn auch der Magier durfte an ders borgenen Orten nicht wahrsagen, der Arzt die Kranken nicht besuchen noch Arzneien verordnen. Eine Verfluchung am Sabbat vorzunehmen, wurde nicht passend gefunden; denn es war ja ein böser Tag. Nur Zahlung zu leisten war nicht verboten ?). Mit allen diesen Bestima mungen gelangen wir nicht zu einem Tag religiöser freude und geist= lichen Segens, wie der Sabbat in Israel. tatsächlich auftritt, vielmehr entsprechen namentlich die assyrischen Bestimmungen der Auffassung des Sabbats als eines bösen Tages, wo jeder sich hüten muß, den Zorn der Götter nod mehr zu reizen statt ihn zu beschwichtigen. Solchen Bestimmungen sieht der Talmud viel ähnlicher als die Bibel; sie machen aus dem Sabbat einen fastens, Buß- und Trauertag, während das Volk

Israel an diesem Tage der großen Taten seines Gottes fröhlich gedachte, sodaß dieser Tag ein ewiges Bundeszeichen zwischen Gott und seinem Volk sein sollte und geworden ist ?). So wird es dabei bleiben, daß die ursprüngliche Bedeutung des Sabbats nur bei den Hebräern erhalten blieb und, soweit nötig, später wieder hergestellt wurde, während die Sumero-Akkadier und die bei ihnen wohnenden Semiten den Segen und die Freude des Sabbats durch Einwirkung ihres Gößendienstes vollständig verloren hatten.

Doch die Schwärmer für Babylon gehen weiter und meinen, nicht nur der Sabbat, sondern das ganze Gesetz Israels sei von den Babyloniern entlehnt, denn kaum waren die Geseke Hammurabis bekannt geworden, so wurde das sog. Bundesbuch 3) mit diesen neu entdeckten Bes feßen verglichen. Unmittelbar vor dem Bundesbuch stehen aber die heiligen zehn Gebote, die fr. Delişích 4) als „des heiligen Gottes ureigenste Offenbarung“ anerkennt. Sie sind gewißß die Grundlage aller menschlichen Geseke, der Richter aller Sittlichkeit und Religion. So hebt denn das Bundesbuch im Anschluß an das erste Gebot mit dem

1) K. B. IV, S. 271. 2) Er. 31, 17. 3) Er. 20, 22–23, 33. 4) II. Vortrag, S. 18..

Verbot jedes Gõßendienstes an und fährt fort mit Bestimiriungen über den Bau der Altäre des unsichtbaren Gottes. Dann wird das Recht der Stladen und Sklavinnen verkündet, während die folgenden Bestimmungen als Uusführung des sechsten Gebotes 1) Leib und Leben des Menschen schüßen. Sodann wird das achte Gebot bestätigt und das Eigentum gegen Diebstahl, Raub und Veruntreuung gesichert. Betr. des siebenien Gebotes wird die Ehre der Jungfrau geschüßt und die widernatürliche Unzucht mit Strafe bedroht. Dann wird die Strafe für die Zauberinnen und für alle Gößendiener festgeseht. Es folgen Gesebe zu gunsten der fremdlinge, der Witwen, Waisen und Armen, Verordnungen über Behandlung falscher Anklagen, über Verhütung von Sachbeschädigung, Sorge für gerechtes Urteil, Schuh der fremdlinge, Jahresfabbath, Pasjahfeier und doppeltes Erntefest. Endlich wird dem Volk Israel Sieg über die Kanaaniter verheißen und wiederholt vor dem Hößendienst gewarnt.

. Wenn diese Geseke, die das Volk Israel durch Moseh erhielt, sidy in einzelnen Stücken mit den Geseken Hammurabis nicht nur berühren, sondern hier und da fast wörtlich übereinstimmen; und wenn man daraufhin eilfertig die Behauptung aufstellt, die Hebräer hätten ihre Gefeße aus Babel erhalten, so ist mit solcher Behauptung die wirkliche Sachlage nicht erhellt, die Frage nach dem beiderseitigen Verhältnis nicht gelöst und abgetan. Davon abgesehn, daß dem Gesekeskoder Hammurabis sumero-akkadische Geseke) vorausgehen und zugrunde liegen, müssen wir daran festhalten, daß viele Geseke Israels, vor allen die heiligen zehn Gebote, viel älter sind als Moreh und Hammurabi, jo alt wie die Mienschheit selbst "). Aber wie der König Hammurabi die Geseke, die in seinem Volke galten, zu ihrer Sicherung auf eine Felsensäule schreiben lief, so wurden dem Volke Israel Gottes Gebote, auf steinerne Tafeln geschrieben, neu und unverfälscht übergeben. Ob nun Moseh sich, wie H. Windler und A. Jeremias 4) annahmen, dabei der babylonischen Keilschrift bedient hat, oder ob, wie mir wahrscheinlicher dünkt, die GeTebe Israels in der hieratischen Schrift der Aegypter, in deren Weisheit Moseh unterrichtet war 5), geschrieben wurden; darauf kommt hier nichts an. Die Zeit, in der die Gesetze hammurabis aufgezeichnet wurden, wird damals ihren Anfang genommen haben, als der Nordfemite Tharah mit seinem Hirtenstamme Babylonien bereits wieder verlassen hatte; denn diese Geseke sind fast ohne Ausnahme aus einem sešhaften und aderbautreibenden Volke hervorgegangen und für ein seßhaftes Volk bestimmt. Jene Uuswanderer aber verschlossen sich wie

1) Nach biblischer Zählung. 2) Veröffentlicht von H. Winckler, 6. H. 4. Uufl. 3) Vergl. das zum 4. Gebot Gesagte. 4) 2. T. O, S. 263. 5) Er. 2. 10. 24, 4. 34, 28. Deut. 31, 9. Upostelg. 7, 22.

in einem Volke galten. Aber wie der König und Hammurab

segen den Akerbau und gegen die Schreibekunst der alten Sumero-Attadier; 10 auch gegen die Sitten oder Unsitten dieses Volkes, teilweise audy gegen seinen Gößendienst. Demnach muß die Uebereinstimmung einjelner Gefeße bei Hammurabi und Moseh auf eine Zeit zurüdgeführt werden, wo die Semiten noch nicht in Babylonien eingedrungen waren. So auch Grimme und ähnlich J. Jeremias am Schluß seines trefflichen Büchleins ?), wo er Arabien als Vermittler zwischen hebräischem und

Büchleins. Henn Recht annimmt; Bundesbuch Jivan auf den innersis se

der Einleitunas.ht. wo bleibte opo

m ins a), durch die Hamulich daf

Vergleicht man aber das Bundesbuch Israels mit den Gesekene Hammurabis nicht nur auf den Wortlaut, sondern auf den inneren Gehalt, so läßt sich mit A. Jeremias behaupten, das in Hammurabis Geseben nicht ein einziger religiöser Gedanke zu finden ist, daß sie alle rein weltlicher Art nach Ursprung und Absicht sind, während sich das Geset

Israels vor allem auf den Dienst des Einen unsichtbaren Gottes bezieht, der in den Gefeßen Hammurabis nur wie ein Märchen aus alten Zeiteit auftritt. Von Gott ist mehrere Male darin die Rede, aber niemals von seiner Verehrung. Gott ist ein Wort ohne Inhalt geworden. Aber auch von dem Dienst der Gößen ist dort selten die Rede. Abgesehn voit der Einleitung und dem Schluß wird nur im Sak 182 eines Gößen namentlich gedacht. Wo bleibt da der von Hommel erfundene Monotheismus der Hammurabidynastie 2)?.

Un andere Mängel erinnert A. Jeremias ), durch die Hammurabis Geseke weit hinter die Geseke Israels zu stehn kommen, nämlich daß nirgends die böse Begierde bekämpft, nirgends die Selbstsucht durch Altruismus – lautet auf deutsch tausendmal schöner: Liebe deinen Rächsten als dich selbst — eingeschränkt wird; daß nirgends das religiöse Motiv fich findet, wodurch die Sünde als der Leute Verderben erkannt wird, weil sie der furcht Gottes widerspricht. Dazu kommt noch manches andre Gebrechen. Beide Gesellsammlungen enthalten Strafs bestimmungen für allerlei Vergehen, aber Israels Gesetz ist in Abmessung der Strafen viel gelinder, viel menschenfreundlicher als die Ges feke Hammurabis. ferner ist das siebente Gebot in Babel so gut wie vergessen. Nur die allerschwersten Uebertretungen desselben werden noch mit Strafen bedroht. Während in Israels Gefeß die Ehre der Jungs frau beschüßt wird, beschäftigt sich bereits 800 Jahre vorher Hammys: rabi mit den Rechtsverhältnissen der Tempeldirnen!

Daß die Sitten der semitischen Babylonier und der Hebräer vielfach übereinstimmen, ist nach den oben angeführten Gründen ganz selbstverständlidy; denn beide sind ursprünglich ein Volk. Hier wie dort nahnı ein Mann, dem seine frau keinen Erben geboren, eine Nebenfrau, meist die Dienerin der Hauptfrau, wie die hl. Schrift von Abraham und Jakob

1) M. u. H. S. 35 u. 62. 2) Die altisr. Ueberlieferung S. 117, 3) A. C. Ö. S. 266.

u. a. berichtet. Wenn bei diesen hebräischen Patriarchen die unge. brochene Naturweise des Orients zutage tritt, só haben wir an den bes treffenden Berichten nicht nur das Gepräge der Wirklichkeit zu beachten, sondern empfangen auch ein Zeugnis von der Geduld Gottes, der sein Heilswerk nicht auf Heilige, sondern auf Sünder richtet und sein Haus auf Erden nicht mit Heiligen, sondern mit Sündern baut und doch alles herrlich hinausführt, was er sich vorgenommen hat.

Die sittlichen Zustände aber, die der Koder Hammurabis bei dem babylonischen Volk vorausseßt, sind bereits weit unter die bei den gleich. zeitigen Patriarchen der Hebräer gesunken. Ueberall haben es diese Ges feße der Babylonier mit grausamen, selbstsüchtigen, wollüstigen Men schen zu tun, was durch den König selbst bestätigt wird, da er als seinc Absicht kundgibt, er wolle den wirtschaftlich Schwachen vor Ausbeutung durch den wirtschaftlich Starken schüßen. Ob nun die harten Strafen dieses Koder das babylonische Volk auf eine höhere Stufe der Sittlichkeit gehoben haben, ist hier nicht zu untersuchen. Jedenfalls werden sie nicht umsonst gebraucht sein, wenn sie das babylonische Volk nur auf der Stufe erhalten haben, auf der es zu Hammurabis Zeiten stand, um noch den leßten Rest sittlicher Kraft aus besseren alten Tagen auf die nachfolgenden Geschlechter zu vererben. Bei andern Völkern werden die Strafgeseße bald gemildert, bald verschärft; aber weder in Babel noch in Affur gibt es einen zweiten Strafkoder, der dem Hammurabis an dic Seite getreten wäre.

Auffallend ist auf den ersten Blid, daß in Hammurabis Geseken der Blutrache nicht einmal Erwähnung geschieht, während sie in Israel noch tausend Jahre später nach dem Gesek Mosehs und des Volkes Gewohnheit ausgeübt wurde. Die Antwort oder den Schlüssel zu dieseni Rätsel gibt uns die Lebensweise beider Völker. Die Babylonier hatten als Nderbau treibendes Volk feste Wohnsiße in Städten und Dörfern. Da gibt es ordentliche Obrigkeit, Richter und Gerichte und ihre Diener.

Jsrael aber war zu der Zeit der Patriarchen in Kanaan, dann in Gosen und in der Wüste Sinai und wieder in Kanaan zum Teil ohne Aderbau und lebte mit seinen Herden nomadisierend. Der Hirte aber ist häufig einsam, fern von größeren Wohnstätten der Menschen. Wird er beleidigt, beschädigt, an Leib und Leben angegriffen, so ist er zunächst auf die Selbsthilfe angewiesen. Darum aber sind die Hebräer noch lange kein roher Nomadenhaufen gewesen, wozu ihn theologische Antisemiten stempeln wollen, als wären seine religiösen Anschauungen und seine Sitten nicht über die der wilden Naturvölker erhaben gewesen. Dieses Märchen ist für die Zeit der Erzväter durch Hammurabis Geseke, für die Zeit Mosehs durch die Tafeln aus dem Tell el Amarna selbst bei den Leuten widerlegt, die die hl. Schrift erst an zweiter Stelle vernehmen.

Wie weit sich die Vorliebe für Babylonien erstreckt, selbst hinüber auf das Sprachgebiet, ersieht man aus der Behauptung H. Windlers ?), das Wort „erkennen“, das in der hl. Schrift einen besondern Sinn hat, sei aus der babylonischen Sprache entlehnt. Doch kommt dasselbe Wort mit derselben Bedeutung auch in der Sprache der Araber, der Griechen und Römer vor, ehe diese Völker noch mit Babylonien in Verbindung getreten waren ?). Dies Wort soll nicht nur eine Handlung verdeden, die auch bei heidnischen Völkern nicht leicht mit ihrem einfachen Namen genannt wird, sondern es besteht nach Vilmar auch eine innere geheime Verwandtschaft zwischen dem Geistigen Erkennen und dem leiblichen Ers zeugen.

Geht es aber nicht an, einen unmittelbaren Einfluß Babyloniens auf Israel zu beweisen, so wird ein mittelbarer behauptet. Syrien und Palästina standen zwar zu Mosehs und Josuas Zeiten unter ägyptischer Herrschaft, aber die Statthalter des Pharao sprachen babylonisch und schrieben weder mit Hieroglyphen noch mit hieratischen oder demotischen Schriftzeichen, sondern mit babylonischer Keilschrift, die weder der Ueberbringer noch der Empfänger der Steinbriefe lesen konnte. Der fürst von Mitanni, einem Land der Hethiter, westlich von Assyrien jelegen, gab seinem Briefträger einen targumaanu oder Dolmetsch mit, der dem Aegypterkönig den Inhalt des Briefes übertragen mußte. Nach H. Winckler ist Mitanni gleich Yaharina, d. i. Yaharaim Aram oder Mesopotamien 3). Ob mit diesen Briefen der überwiegende Einfluß grade von Babylonien bewiesen wird, kann dem recht zweifelhaft werden, der mit andern erwägt, daß der Dolmetsch aramäisch und nicht bel lisani genannt wird.

Wieder ein andrer Gelehrter 4) hält zwar daran fest, daß der Vorzug Jsraels vor andern Völkern nicht zu leugnen sei; er weiß auch, daß derselbe nicht auf dem Gebiet menschlicher Kraft und Bildung, sondern auf dem Gebiet der Religion liegt. Aber er gibt zu, daß viele babylonische Elemente in die israelitische Religion eingedrungen seien, und meint, diese Vermischung habe in der Zeit der Besißnahme des Landes Kanaan stattgefunden, das damals mit babylonischer Kultur und Religion durchseßt gewesen sei. Israel habe mitten in der Entwickelung der Völker des westlichen Asiens gestanden und von den um Jahrtausende älteren Kulturvölkern, den Uegyptern, Phönikiern und Babyloniern kulturelle, literarische und religiöse Elemente in sich aufgenommen, aber sie im Glauben an den Einen heiligen und gnädigen Gott Himmels und der Erde „umgeprägt“ und durch das Feuer des göttlichen Geistes „geläutert“; aber dieser Glaube habe sich auch in Israel erst in allmählicher Entwidelung unter viel Kampf. mit animistischen, polytheistischen und

1) H. G. S. 26, Anm. 1. 2) Dergl. Vilmar, Erkl. der Gen. S. 61 u. 62. 3) Vergl. E. Schrader, U. d. W. 1888, S. 588. 4) Sellin in d. evang. Kzeitung für Oesterreich 1903.

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