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„Mit dem Messer, womit ich Fleisch zu schneiden pflegte, machte ich ein Lodi in seinen Baden; ich zog einen Strick durch seine Oberlippe und befestigte daran eine Kette, mit der man die Hunde koppelt, und ließ ihn im Osttor von Ninive den Käfig hüten.“

Ein bekanntes Relief zeigt einen assyrischen König, der mit der linken Hand den Stri& hält, der durch die Lippe des Gefangenen gezogen ift, mit der rechten hand aber die Spiße feines Speeres auf das Auge des Gefangenen richtet, um es zu durchbohren – eine dem Usurbanipal ganz angemessene, vermutlich oft geübte Grausamkeit. Dabei rühmt sich dieser grausamste aller assyrischen Könige, eine Zeit des Segens über fein Cand gebracht zu haben. Entweder war er ein schwaches Werkzeug seiner Schreiber und Schristgelehrten, oder diese Mienschen schmeicheln dem König mit ihren Lügen aus furcht, er könne sie wie den Köniz von Arabien an die Kette legen. Sie schreiben:

„Tage des Rechts, Jahre der Gerechtigkeit, reichliche Regengüffe, gewaltige hochwasser, guter Kaufpreis. Die Götter sind wohlgeneigt,' Gottesfürcht ist reichlich vorhanden, die Tempel sind gut versorgt. Die Greise hüpfen, die Kinder singen, die Frauen und Mädden heiraten, geben Knaben und Mädchen das Leben. Das Werfen verläuft richtig. Wen seine Sünden dem Tod überantwortet hatten, den hat mein Herr König am Leben gelassen). Die viele Jahre gefangen faßen, haft du freigelassen. Die viele Tage krank waren, sind genesen. Die Hungrigen find gefättigt, die Uusgemergelten sind fett geworden, die nackten sind mit Kleidern bedeckt worden."

In Wirklichkeit war Usiyrien gänzlich erschöpft, wie sich bald zeigen wird. Die großen Tonprismen berichten auch von den Werken des Königs im Innern, wo er ein Pfleger des Gößendienstes, der Künste und Wissenschaften war; diese Berichte reichen bis 647 v. Chr., da Samasdanninanni Statthalter von Babylonien war. Dem Gott Ufur und seiner Gattin erbaute er je einen Tempel zu Ninive, andern Göttern in Babel und Borsippa. Der Tempel des Asur hieß auf assyrisch Sadirabumati, auf sumerisch ekurgalkurra, das Haus „der Herrin der Welt“ war masmasu genannt. In haran ließ er die Tempel des Sin und Rusku, melammesami und hiduti genannt, wieder herstellen und ausschmücken. Aber den Stufenturm von Ejagila hat "weder Usarhaddon noch Samassumukin noch Usurbanipal aufgerichtet. Diesen ges waltigen Bau vollendete erst der Chaldäer Nabopolassar und sein noch größerer Sohn.

Eine große königliche Bibliothek und ein Archiv errichtete Usurbanipal in Kujundfchik, einem Trümmerort des weiten Minive, daneben noch mehrere kleine Bibliotheken. Alte Tafeln aus den Büchersammlungen zu Akkad, Aisur, Babel, Kutha, Mippur und Ur ließ er fleißig abschreiben, Uebersekungen aus dem sumero-akkadischen in das assyrische anfertigen, auch Grammatiken und Wörterbücher der ausgestorbenen

1) Solcher Gnade, wie sie Manaffe von Juda erfuhr, hatten sich nur wenige zu erfreuen.

Sprache und Silbenbücher der keilförmigen Schriftzeichen für die frem. den aus Lydien, Kypern, Hegypten und andern Zändern wurden angelegt; und über alle die vielen tausende von Tontafeln gab ein Katalog Anleitung zum Auffinden des Gewünschten. Auch Schildchen in der Größe eines kleinen Fingers waren den Tafeln angehängt, die einen gemeinsamen Serientitel trugen.

Es kamen damals viele fremde an den Hof dieses Königs, „dem Nebo, der weisjagende Gott, und seine Gemahlin, die hörende Tasmit, die Ohren geöffnet und den Augen das Gesicht gegeben, daß er die Schriften, um die sich keiner der vorigen Könige gekümmert, die Geheimnisse des Nebo auf Tafeln habe eingraben, erklären und aufstellen lassen, mitten in seinem Palast zum Durchsehn für seine Untertanen".

Uuch viele Tafeln mit medizinischen Unweisungen oder Rezepten wurden unter diesem König geschrieben, wie folgende Inschrift bezeugt:

„Palast Usurbanipals, des Königs von Assur, dem Nebo und Tasmitu weite Ohren verlieheri, der helle Augen zū eigen bekam, das Uuserlesene der Tafelchreibekunst, einer Verrichtung, wie dergleichen keiner unter den Königen, meinen Vorgängern, gelernt hatte, Heilungen und Verrichtungen des Meisters des Ritzmeffers, Anweisung der Beschwörer, kunstvolle Lehre, Urzneikunde von Ninib und Gula, soviel davon im Gebrauch ist, schrieb ich auf Tafeln, prüfte ich und stellte ich zu leisem und lauten Lesen in meinem Palast auf ").“

In Ninive hatte sich Usurbanipal einen großen Palast erbauen lassen mit Flügeln, Höfen und Hallen. In diesem Gebäude fand Rassam ein Löwenzimmer, ein babylonisches, ein fusianisches und ein arabisches Zimmer, mit vielen Reliefs geschmückt, auf denen Jagden oder Feldzüge mit ihren Kämpfen dargestellt waren, Selbst die Wände der Gänge waren mit Alabastertafeln belegt, auf denen man Basreliefs von großer Feinheit fah.

Des Königs bitriduti oder Frauenhaus mußten die gefangenen Könige von Arabien eigenhändig bauen. In diesem wohlgefüllten Haus brachte der König die meiste Zeit zu und ließ, wie auch Ktesias be: richtet hat, seine Heere allein in den Krieg ziehen; aber die Siege schrieb er sich zu, wie auch die Berichte meist so abgefaßt sind, als ob er selbst in höchsteigener Person alles geleitet und ausgeführt hätte. Einer dieser Heerführer war Nabusarussur, dem ein ansehnlicher Candbesit für feine Dienste zum Cohn überwiesen wurde 2). Es wird aber die Tatsache, daß der König nicht bei dem Heere war, doch einige Male inschriftlich bestätigt:

„Hauteh, Sohn des Hajael, Königs von Kedar %), fündigte gegen meinen Vertrag, er hörte auf, Gaben zu bringen. Er veranlaßte das Dolf von Urabien, sich mit ihm zu empören und führte die Beute Syriens hinweg. Mein Heer, das an der Grenze lag, fandte ich gegen ihn. Sie brachten ihm eine Niederlage bei. Alles Volt von Arabien ... töteten sie mit dem Schwert. Ochsen, Schafe, Efel, Kamele und Menschen ohne Zahl führten sie hinweg.“

1) Nach Küchler a. a. O. S. 41. 2) K. B. II, b, S. 145. 3) Das nördliche Arabien.

So taten die Fürsten des Heeres oder die Oberbefehlshaber 1). Eine andre Inschrift bestätigt dies:

„Alle Könige ) sündigten wider mich, sie machten eine gottlose Verschwörung. Meine Heeresführer hörten von dieser Verschwörung, ergriffen ihre Boten und Botschafter und sahen ihr aufrührerisches Werk. Sie nahmen diese Könige gefangen.“

Das Ende dieses Königs ist uns ebenso wenig bekannt wie das feiner Vorgänger. Noch bei seinen Lebzeiten erhoben sich die Mieder, die Phraortes zu einem Reiche vereinigt hatte. Cyarares, dessen Nachfolger, fühlte sich schon 633 v. Chr. stark genug, einen Zug gegen Ninive zu unternehnen, wo feit 648 v. Chr. ein Statthalter residierte, und schlug die Söldnerheere des Großkönigs, der sich in Babel ficherer fühlte als in der den Miedern zu nahen nördlichen Hauptstadt. Da brach von neuem das wilde Reitervolk der Skythen über Medien und Afiyrien herein; aber im Kampf mit den Skythen erstarkten die Meder mehr und mehr, bis sie diese Feinde über den Kaukasus zurüdtrieben, woher sie gekommen waren. Hätte Usurbanipal sich dieses Kampfes angenommen und den Medern Hilfe geleistet, anstatt Assyrien sich selbst zu überlassen, fo konnte die Auflösung dieses Reiches noch aufgehalten werden; aber der wollüstige Großkönig vertrieb seine Zeit im Harem oder ging auf Jagdabenteuer aus, die er als ein Münchhausen der Vorzeit einer ftaunenden Nachwelt überliefert hat, wie dieses Stückchen:

„Ich Usurbanipal, König der Völker, König von Affyrien, habe in meiner Tapferkeit zu fuß einen mächtigen Wüstenlöwen bei den Ohren gepackt; unter dem Beistand Ujurs und Istars, der Herrin der Schlacht, habe ich mit dem Speer meiner Hand seinen Leib durchbohrt.“

Er will auch einen Cöwen bei dem Schwanze ergriffen und getötet haben; aber man braucht dem üppigen haremskönig, der sich um seines Reiches Not mit dem zunehmenden Alter immer weniger kümmerte, solche Prahlereien nicht zu glauben, zumal wenn man sich dieser Art der Tapferkeit erinnert, die einem toten Feind das Haupt abschlagen konnte. Oder wir dürfen daran denken, daß in Ninive, Kalah und Dursarrukin neben den Wildparken auch Löwenzwinger angelegt waren, aus denen auf Befehl etliche Tiere freigelasjen wurden, um von dem Großkönig getötet zu werden.

Wir hörten oben bereits, wie die Schriftgelehrten von dem Segen der Regierung dieses Königs hoch zu rühmen wissen, ohne eine Ahnung davon zu haben, daß nur 20 Jahre nach seinem Ende kein Assyrien mehr sein werde. So verkündet auch der Rassamcylinder:

„Seit Ufur, Sin, Samas, Ramman, Bel (Marduk), Nebo, Jstar von Ninive, die Königin von Kidnuru, Jstar von Arbela, Ninib, Nerg und Nusku mich in

1) 2. Chron. 33, 11.
2) Die assyrischen Statthalter in Uegypten.

Güte auf den Thron meines Vaters, meines Erzeugers, gesetzt haben, ließ Ramman seinen Regen los, öffnete Ea) seine Wasserhöhlen; und das Getreide ward 5 Ellen hoch in seinen Zehren, die Üehre aber . Elle

' lang. Es gelang die Ernte, es wucherte das Korn, es schoß das Rohr beständig empor. Die Baumpflanzungen ließen üppige früchte reifen, das Vieh hatte bei dem Werfen Gelingen. Während meiner Regierungszeit kam der Ueberfluß in Massen daher, während meiner Jahre trömte reicher Segen hernieder)."

Dieser Schilderung mag man in mehreren Stüfen Glauben beimessen und wird um so besser verstehen, wie das Volk seinem üppigen Gebieter bei der Fülle der Lebensmittel in Ueppigkeit des Genusses nachfolgte und verweichlidyte. Man pflegte zu dieser Zeit auch der Musik. 3war finden wir auf Denkmälern der ältesten Zeit bereits die siebensaitige harfe abgebildet, die von dem Griechen Terpander erfunden sein foll; aber jetzt kamen noch verschiedene andre Instrumente hinzu, und bei religiösen festen und andern öffentlichen Feierlichkeiten konnte eine Urt Orchester wirken, wie wir es aus der Versammlung im Tale Dura fennen lernen *).

Auch Usurbanipal starb nach langer Regierung; und auf seinen Tod folgte eine Zeit der Wirren, die von innen und außen das große Reid, bis in seine Wurzeln erschütterten und eine neue Zeit einleiteten. Aus diesen zwei Jahrzehnten 626--606 v. Chr. wissen wir recht wenig, weil uns nur wenige Inschrijten erhalten sind, die Berichte der griechischen Schriftsteller aber keinen Glauben verdienen. Dem Namen nach folgte auf Ujurbanipal sein Sohn

Afuritililaninkini. 626--622 v. Chr. König von Usjyrien und Babylonien, noch üppiger und noch weichlicher wie sein Vater. Sein langer Name wird in Asuritililani oder Äsuritilukini oder jurukini, bei Ptolemäus in Sarakos abgekürzt.

Wie morgenländische fürften noch heute nicht in des Vorgängers Haus wohnen mögen, so baute auch er sich einen neuen, aber geringeren Palast und seinen Göttern Tempel, wobei wir nicht anzunehmen brauchen, daß Tempel und Paläste von den Skythen zerstört worden seien. Eine Insdrift sagt:

„Ich Asuritililani, König der Völker, König von Assyrien, Sohn des Usurbanipal... habe lufttrockene Ziegel aus Ton anfertigen lassen und sie zur Erbauung des Tempels Ezida gestiftet, aufdaß ich leben möge.“

Im Jahre 625 schickte der kampfunfähige König von Babel aus jeinen Feldherrn, den Chaldäer Nabopolassar, mit einem Heere aus, um die hereinbrechenden Skythen wenigstens von Babylonien abzuwehren. Dieser verständigte sich mit dem Mederkönig Cyarares, Sohn des Phra

1) Ea aber ist am Anfang der Götteraufzählung vergessen worden.
2) K. B. II, b, 153. Ein ähnlicher Bericht wurde schon früher mitgeteilt.
3) Dan. 3.

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ortes, der auch, wie schon früher erwähnt, mit den Skythen zu kämpfen hatte, so weit, daß er für seinen Sohn Nebukadnezar die Tochter des Cyarares zur frau erhielt.

Uus der Zeit dieses schwachen Königs sind einige Verträge aus Stadt Nippur erhalten. Einer ist datiert vom 20. Sebatu des 2. Jahres des Asuritililani, Königs von Assyrien, ein anderer vom 1. Urachsamna des 4. Jahres dieses Königs.

Auf Usuritililani folgte Belzikiriskun oder Sinjariskun, ein Sohn Aiis, der auch der Sarakos des Ptolemäus sein kann, wie denn H. Winckler 1) ihn dem Asuritililani vorhergehn läßt. Während die Wie der, nun nicht mehr willig, dem vorher gefürchteten Großkönig Tribut zu zahlen, die assyrische Hälfte des Reiches mehr und mehr den Skythen abgewannen, versuchte der König Babylonien zu halten und hatte noch im 7. Jahr seiner Regierung 615 v. Chr. Erech in seiner Gewalt. Die Not des Reiches war groß, aber aus den Inschriften erklingt noch der alte hochfahrende Ton, den man dem mächtigen Vorfahren verzeihen kann; er rühmt, „daß die Götter seine Feinde niedergeworfen, ihn aber zur Herrschaft über die Menschen berufen und mit der Krone bedeckt haben". Hier ist der Cylinder leider abgebrochen; aber einige Kaufurkunden sind noch aus dieser Zeit vorhanden.

Das von seinen Königen, unter denen noch ein Usurachiiddin II genannt wird, verlassene Assyrien konnte sich der kriegstüchtigen Meder immer weniger erwehren, obwohl es jetzt die Aschkuzas zu Verbündeten hatte, die nach Herodot 28 Jahre hier herrschten. Daher sind mehrere forscher 2) der Änsicht, die Skythen hätten den Mieder" Cyarares nicht nur zurückgedrängt, sondern feiner Herrschaft beraubt; und Üstyages oder Jstuwigu sei kein Mieder, sondern ein Skythe oder Gothe gewesen. Dagegen wurde Nabopolassar von Erech aus so in die Enge getrieben, daß er nur durch Eingreifen des Skythenfürsten Jriba gerettet werdent konnte. Es erscheinen die Skythen demnach bald als freunde der Assyrer, bald auf feiten der Babylonier. Jekt ftrafte sich die trügerische Maßregel, nach der weite Gebiete mit fremden gezwungenen Ansiedlerit besetzt worden waren. Diese Leute konnten, ja mußten in den Medern ihre Befreier erblicken und ihnen die hand reichen. Dazu kam das feige Verhalten des assyrischen Großkönigs, sowie das bald zweifelhafte, bald offen verräterische Handeln des Chaldäers Rabopolassar, der wahrscheinlich in ftillem Vertrag ganz Afiyrien seinem Freund Cyarares überlassen hatte, indem er selbst gegen Uegypten zog, um das ganze Westland für Babylonien zurückzugewinnen. Derselbe Pharao Recho, Sohn Pfammetichs, den Asurbanipal begnadigt hatte, 30g mit einem gros fen Heere heran ), den drohenden Feind von Uegyptens Grenzen fern

1) B. u. U., S. 743. 2) Vergl. E. Müller, 3. f. U. 1898, S. 326. 3) 2. Kön. 23, 29.

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