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Sicher sind zwei Istargottheiten von einander zu unterscheiden. Die Istar von Ninive oder Iftar assuritu wurde nicht allein in Äffyrien, sondern auch in Babylonien z. B. in Erech oder Uruk mit unzüchtigem Dienst verehrt; während die Istar von Arbela für die Königin des Krieges und des Sieges gehalten wird, die Herrin der Länder, die hehre Braut Aja und Herrin der Schlacht, wie es auf einer Broncestatuette heißt:

„Der Istar, der großen Herrin von Urbela für das Leben Asurdans, des Königs von Affyrien, hat Samsibil, Sohn

Sohnes des Mirgalnadinachi ... diese Bildsäule geweiht.“

Dann ist sie in Flammen gekleidet und steht gewappnet auf einem Leoparden. In der Schlacht aber fliegt sie wie eine Schwalbe dahin. Dann heißt sie auch kissati ilani ,,Bogenschüße der Götter“, trägt Bogen und Pfeilköcher wie die griechische Ürtemis und die lateinische Diana. Wenn die Taube der Jftar heilig ist, so will diese Wahl weder zu der einen noch zu der andern Iftar passen.

Als Anunit ist sie die Göttin des Morgensterns, als Belit Göttin des Abendsterns, was wieder die Semiten nach Babylonien gebracht haben müssen. Aber die Sumero-Akkadier verstanden sich auf Himmelss kunde und Sterndienst viel besser als die Semiten, hatten also nicht nötig, von diesen zu lernen. Daß aber die Babylonier die Phasen der Venus follen gekannt haben, ist mir bis jetzt noch nicht glaublich, da dieselben meines Wissens nicht einmal durch ein gewöhnliches fernrohr, sondern nur durch ein Teleskop sichtbar werden.

Die Jstar von Ninive und Erech ist stets die Göttin der sinnlichen Cust, treibt mit allen Göttern und mit Menschen Buhlerei und heißt das rum das freudenmädchen der Götter 1). Sie wird beschrieben als ein Weib mit offner Brust, der sie den Säugling mit der linken Hand zu= führt. Von der Mitte des Leibes an ist sie eine Schlange. Das Pochen ihres Herzens bewegt die Meeresflut. Auf ihrem Kopf trägt sie ein Horn). Die Pflegerin der Unzucht wird in den verschleierten Ascheren oder Marmorsäulen dargestellt, wie eine solche in Ras-el-ain unweit der Quellen des Habur gefunden worden ist. Daß ein so schmutiges und häßliches Weib wie die Istar von Ninive und Erech als die Mutter aller babylonischen und assyrischen Könige betrachtet wurde, ist schwer zu glauben; eher doch die Istar von Arbela. Aber Dusratta, der König der Mitanni, wünscht in einem Brief an Nimmuria, den König von Aegypten, feinen Schwiegervater, es ist der 20. Brief aus dem Čell el Imarna:

„Istar, die Herrin des Himmels, möge meinen Bruder und mich beschützen hunderttausend Jahre und große freude uns geben.“

1) K. B. VI, S. 203. 2) 3. f. 2. 1894, S. 116.

Hier ist es zweifelhaft, welche Iftar der König der Mitanni im Sinn hat, und er meint noch, daß sie gern nach Aegypten ginge. Diese ist die Königin des Himmels, die von einigen Juden zur Zeit des Propheten Jeremia abgöttisch verehrt wurde; und sie wollten von ihremi Dienst nicht lassen und meinten gar, es habe ihnen dabei immer wohlergangen). Ihr buken sie kawan oder gewürzte Kuchen, wie sie das von den Babyloniern gelernt hatten.

Nabopolassar, König von Babylonien, betet zu Iftar:

„O Belit von Sippara, große Herrin, mache mich Nabopolaffar, den König, der dich ausstattete, wie die Badsteine von Sippara, fest für die Ewigkeit. Mein Königtum laß alt werden bis in ferne Cage )."

Ein Hymnus auf Iftar wird von H. Zimmern mitgeteilt *):

„Q Iftar, barmherzige Herrin. Ich blickte auf dein Angesicht, ich rüstete dir eine reine Zurüstung zu aus Milch, Kuchen und gesalzenem Röstbrot, ich stellte dir ein Spendegefäß auf: Erhöre mich und sei mir gnädig! Ich schlachtete dir ein reines makelloses Lamm von dem Vieh des feldes, ich brachte dar ein Mus für die Hirten des Gottes Tammuz."

Ein Gebet an Istar lautet bei demselben *):

„Ich möge zu eigen bekommen den guten Dämon, der vor dir (steht), den Schußgeist

, der hinter dir wandelt, möge ich zu eigen bekommen. Den Wohlstand, der zu deiner Rechten ist, möge ich ergreifen. Das Gute, das zu deiner Linken ist, möge ich erlangen.“

Wie Marduk heißt auch Jstar muballitat miti die die Toten lebendig macht, weshalb wissen wir nicht; auch hat dieser Ehrentitel nichts mit der Fabel von der sog. Auferstehung oder Höllenfahrt der 3star von Ninive und Erech zu tun, der 4. Jeremias die Bedeutung einer Totenbeschwörungsformel beilegt.

Das Gedicht erzählt uns auf mehreren Contafeln, daß Istar einstmals ihre Schritte zu der Stätte des Todes lenkte, zu dem düstern Haus, der Wohnung Jrkallas, deffen Bewohner sich von Cehm und Erdstaub sättigen, das Licht nicht sehen, in finsternis sißen. Gebieterisch verlangt sie den Eintritt, er wird ihr gewährt. Aber an jedem der sieben Tore der Unterwelt Eresu oder Urallu, die an die sieben Zonen der oberen Welt erinnern"), muß sie gemäß den Geseken ihrer löwenköpfigen Schwester Ullatu ) oder Ereskigal (Pinkigal d. i. „Herrin der Grundfläche" ?) oder Belili „wo man nicht mehr herauskommt“, nach der auch der ganze Mythus genannt wird) ein Stüd ihrer Bekleidung und ihres Schmudes nach dem andern ablegen, bis sie gänzlich entblößt am Sik der Herrscherin erscheint ?). Die Schwester aber läßt die Entblöste durch ihren Diener Namtaru einsperren und befiehlt, sechzig Krankheiten auf ihre Augen, Seiten, füße, Herz und Kopf loszulassen.

1) E. Schrader, U. d. W. 1886, S. 477.
2) K. B. III, 3, 9.
3) K. A. T., S. 442.
4 Ebenda S. 455.
5) Jensen, Kosmol., S. 175.
6) Tiele a. a. 0. S. 535.

7) fr. Hommel, Grundriß, S. 340. Dorher übersetzte er „Herrin der Unterwelt“, Sem. V. u. Spr. I, S. 323.

Unterdessen hat auf Erden alles Leben in der Natur und alle Zeug: ung sowohl bei den Mienschen wie bei den Tieren aufgehört, wie im Original eingehend beschrieben wird. Das aber können die oberen Götter auf die Dauer nicht zulassen. Samas berät sich also mit Ea, dem weisen Meergott, und beide kommen überein, einen Spielmann in die Unterwelt zu senden, der Istar zur Rüdkehr veranlassen soll. Es ist Papsukal, der Bote der großen Götter, der zur Unterwelt gesandt wird, aber Eresfigal hört nicht auf seine Botschaft, und Iftar bleibt gefangen. Da bildet Ea den Kinäden Asusunamir oder Uddusunamir, d. i. „fein Licht leuchtet“ 2), und auf dessen Erfordern genehmigt die Herrin der Unterwelt, daß Jstar wieder zur oberen Welt zurückehre. Nun wird fie mit dem Wasser des Lebens besprengt, obwohl sie an der Stätte des Todes gar nicht tot gewesen ist, empfängt an jedem der sieben Tore einen Teil ihrer Kleidung und ihres Schmuckes und kehrt auf dem Weg zurüt, für den es sonst „keine Umkehr gibt“. Das ist Kurnugi.

Ein Kinäde oder Päderast tut also der Welt nach babylonischer Vorstellung die Wohltat an, daß der Cauf der Natur nicht mehr gehemmt werden darf ; und in dieser Zusammenstellung kann der verborgene Sinn der fabel liegen, die auch bei den spätern Juden bekannt gewesen fein mag; denn auch der Talmud weiß von sieben Abteilungen der Hölle. Uus dem Schluß des Originales sei hier noch eine Probe gegeben, der Auftrag, den der Götterbote empfängt:

„Wenn sie dir ihre Loslassung nicht gewährt, fo bringe sie ihr wieder zurüd und Tammuz, den Buhlen ihrer Jugend, wasche mit reinem Wasser, salbe ihn mit gutem Vel, zieh ihm ein festkleid an, daß die Flöte von Lasurstein ihre . .. zerschmeiße, daß die freudenmädchen ihren Bauch erschüttern ).“.

Ein andrer Schluß enthält eine Anrede an die Versammelten, die der Erzählung von Istars Gang in die Unterwelt, wie die Ueberschrift lauten sollte, zugehört haben:

„In den Tagen des Tammuz spielt mir auf der Flöte von Lasurstein, auf dem Kinnor von Porphyr (?) spielet mir seine Totenklage, ihr Klagemänner und Klage. frauen.“

Es ist leicht zu erkennen, woher die Griechen ihre Sage von Orpheus und von seinem Gang in die Unterwelt mitgebracht haben. Um Zagmuk oder dem babylonischen Reujahr wurde diese Reise der Jstar in die Unterwelt bez. ihre Rückkehr zur oberen Welt und Hochzeit mit Marduk gefeiert, und war dies das frühlingsfest; denn am 24. März hatten die Babylonier ihr Neujahr.

1) Hiob 1, 21. 2) Tiele a. a. Q. S. 536. 3) K. B. VI, S. 91.

Der Tempel der 3star in Ninive hieß Emischmisch, der in Sippara Eulmas 1) oder Eulbar oder Eiddina, der in Uruk Eanna. Der Tempel Eturkalama, den Usurbanipal wieder herstellen ließ, war vermutlich nur ein Teil von Esagila. fünfzehn war ihre hetlige Zahl, ihr Monat Elul.

Die zehnte Syzyg i e.

Nergal und Laz. Nergal, der auch Dibbara, Gallum, Girra, Jra, Schit, Sitlimtauddu, Sukamunu, Urra, Jalbadan heißt, wird von einigen gleich Ninib gehalten. Er gilt als Herr und Center der Schlachten, ein herr der Speere und der Bogen, ein Zerstörer gleich der alles verzehrenden Glut der Sommersonne. Aber er ist auch der Gott der Wintersonne ?), des zu- und des abnehmenden Mondes ), auf den man das fieber mit seiner Hitze und Schüttelfrost zurückzuführen pflegt, d. i. in der Sprache des Westlandes oder Amurru das Sarrabdu und Birdu. Was aber H. Zimmern weiter vom Höllengott und Höllenfeuer fabelt, die das Christentum aus dem Judentum herübergenommen haben soll, so sollte er doch, Mißverständnissen vorzubeugen, seinen Lesern anzeigen, was für ein Christentum er meint ?

Nergal heißt auch der Kämpfer unter den Göttern, der Schußpatron der Jäger, der ilu mamman oder Gott des Mammon. Eine Erscheinungsform von Nergal und feinen sieben Söhnen ist ein Sternbild am Himmel, der Walfisch südlich vom Widder lulimu, vorher ein Gott der Unterwelt und des pflanzlichen Wachstums, Jminsarra oder Ilanisibit d. i. Siebengott 4) genannt; denn Nergal steigt am 18. Tammuz zur Erde hinab, und am 28. Kislev steigt er wieder herauf. So bleibt er einhundert sechzig Tage verborgen, während die Plejaden, die aus sieben Sternen bestehni, nur vierzig Tage unsichtbar sind. Die Babylonier verbinden mit ihrem Verschwinden ein vierzigtägiges Wüten der bösen Geister; und unsre Gelehrten sind unentschieden, ob die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern oder die vierzig Tage zwischen Ostern und Himmelfahrt von den Plejaden herkommt? Uber sie konnten auch an die vierzig Tage erinnern, in denen die zwölf Kundschafter Israels das Land durch zogen, das ihren Vätern verheißen war, oder an die vierzig Tage, die Elia zur Reise nach dem Horeb brauchte.

1) So fr. hommel. 2) u. Jeremias, A. C. O., S. 46. 3) fr. Hommel, Grundriß, S. 121, sodann h. Zimmern in K. 2. T., S. 413.

fr. Hommel, u. u. U., S. 240 und 448.

Denkt aber der Babylonier an den Winter, der vom Winterholstitium bis zur Frühlingstagundnachtgleiche dauert, so singt er: „Wer bist du, Here, deren Treiben drei Monate zehn einen halben Tag währt" ?

Nergals Bild ist der Löwe mit Menschenantliş; dazu trägt er das Horn eines Stiers und Flügel, ein Haarbüschel fällt auf seinen Schädel herab.

Er ist aber auch ein Gott der Gräber und der Unterwelt, der Totengott und Pestgott. Unter seinen vierzehn dienstbaren Geistern befindet sich außer dem Blit, fieber, Gluthiße und Pest auch der Dämon, der bereits genannt wurde, Sarrabdu, der auch Verleumder oder Teufel heißt.

Nergal wurde besonders in Kutha nordöstl. von Babel verehrt. Sein dortiger Tempel hieß Esidlam, ebenso der in Maschkanschabri

. Ihm gehört in der Musik der siebte Ton und am Himmel der siebte Planet; aber später wurde ihm der Planet Mars zugeeignet. Gehört aber der siebte Ton zur Harmonie der Sphären, so wird mit solcher Zugehörigkeit dem Herrn der bösen Geister doch zu viel Ehre angetan. Ein Mißton wäre seinem Wesen entsprechender. Ganz verschieden ist die Grundlage der hebräischen Frömmigkeit, die wirkliche Harmonie der Menschenseele mit Gott und seinen Werken, wo sie loben kann: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ 2c. 1)

Ein alter Hymnus auf Nergal lautet:
„Der tapfre, der gewaltige Sturmwind, der das feindliche Land überwältigt

; der große Stier, der Herr der Macht, der das feindliche Land überwältigt; der Herr von Kutha, der das feindliche Land überwältigt; der Herr von Esidlam, der das feindliche Land überwältigt; der gallu, der Gott Jsum, der das feindliche Land überwältigt; der gewaltige Sturmwind, der seines gleichen nicht hat *).“

Ein Gebet zu Nergal zeigt uns die frommen Wünsche seiner Anbeter:

„Die Gesamtheit ihrer Wohnungen wirf darnieder, daß sie wie Schutthügel werden. Capferer Held, laß deine Stimme erschallen in's Land einzubrechen, und niemand wird es mehr aufsuchen. Dein gewaltiger Glanz überdeckt das Land der feinde, vor deiner hoheit mögen sich die Völker beugen)."

Als Pergals Gattin gilt bald seine Schwester Laz 4 d. h. „ohne Ausgang“ oder Ereskigal d. i. Herrin der Unterwelt, bald Gula, die fonst Minib zugesellt wird. Sie wird als ein Wesen gemischter Art bechrieben: Ein Horn steht vorn, eins hinten auf dem Kopf. Man sieht an ihr das Ohr eines Cammes, aber die Hände eines Menschen. Mit beiden Händen ergreift sie die Nahrung und führt sie zum Munde, wie Uffen und einige andre Tiere tun. Ihren Leib' schlägt sie munter mit

1) Pf. 19. 2) Fr. Hommel, Sem. V. u. Spr. I, S. 237. 3) Nach fr. Hommel, Sem. V. u. Spr. I, S. 320.

K. B. II, b, 7.

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