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duch hier herrschte der Stadtgott oder der Bezirksgott als der fummus deus, als oberster Gott; doch jeigt sib nirgends jener wirkliche Monotheismus, der durchweg der Grundzug der alttejamentliken Religion ist, sondern immer wird zur Seite des hõbiten Gottes auch die höchste Göttin gedacht und angerufen, selbit in den erhabenen – vermutlich ein unbeabsichtigtes Lob — babylonisten Buffsalmen. Der höchste heidnische Gottesbegriff fommt nicht über die Zweigötterei hinaus.“ Wo bleibt da der oben gerühmte Mionotheismus? Writer jagt A. Jeremias: „Und noch ein anderes muß sebr beachtet werden. Mit jener monotheistischen Richtung in Babylon ist nur etwas über die Quantität Gottes --- nicht einmal dieses — ausgesagt, nichts jedoch über die Qualität Gottes. Die Erkenntnis der Qualität Gottes, der Blid in das Herz Gottes beruht auf einer großartigen geschichtlihen Führung, die in Israel sich angebahnt hat und im Christentum zur Vollendung gekommen ist.” Hier sollte sich A. Jeremias anstatt zu „geschichtlicher führung“ einfach und ehrlich zu der Offenbarung des lebendigen Gottes bekannt haben, wie sie nach der Schrift bereits dem ersten Menschen, dem Ebenbild und Sohn Gottes, zu teil wurde. Das ist der Anfang seiner „geschichtlichen Führung“; oder diejenigen Naturwissenschaftler behalten Recht, die die ersten Menschen in einem tierähnlichen Zustand der Unwissenheit und Roheit ihren Anfang nehmen lassen. Wenn A. Jeremias also weniger Redekunst geübt und auch als Gelehrter das Kreuz Christi auf sich genommen hätte, so wäre er nicht auf die Dichtung gefallen, den ,,erleuchteten Geistern einen latenten Monotheismus" zuzuschreiben, während grade dieje Geister wenigstens in Babylonien die Erfinder der Götter und Götterjagen gewesen sind.

Geschichte und Cogik stemmen sich gegen die Entwickelungstheorie auf allen Lebensgebieten, vor allem aber auf dem Gebiete der Religion. Nie und nirgends ist, wie schon oben betont, aus der Vielgötterei die Unbetung des Einen lebendigen Gottes hervorgewachsen; aber der um gekehrte Weg wird in der Geschichte Ijraels und anderwärts bis in die Gegenwart beobachtet. Trok der fortlaufenden Offenbarung des wahren unsichtbaren Gottes wandte sich Jsrael immer wieder den sichtbaren Göttern zu, und heute geht es nicht anders. War Abraham por der Nachfolge in dem Ubfall seines Vaters Tharah 1) bewahrt worden, so fielen doch hernach nicht nur einzelne feiner Nachkommen von dem Glauben des Stammvaters ab, fondern fast das ganze Volk diente in der Wüste dem goldnen Kalb ?) oder betete den Moloch und Remphan ) an und fuhr fort in seinem Abfall, bis die Drohung Gottes, die durch die Propheten ergangen war, sich erfüllte und das Volk lange Jahre unter den Heiden zu Babylon leben mußte. Dieses bittere Widerfahrnis beugte

1) Jos. 24, 2 2) Exod. 32. 3)Amos 5, 25—27. Upostelgesch. 2, 43.

endlich den Nacen des halsstarrigen und verkehrten Volkes. Es bekehrte sich endlich von aller Abgötterei und folgte seinem Vater Abraham im Dienst des wahren Gottes nach, der ihm keine Macht, Ehre und zeitliches Wohlergehn einbringen sollte, vielmehr mit viel zeitlicher Rot, Spott, Verfolgung und Verachtung verknüpft war.

Aber konnten denn die Priester in Theben und die Wiffenden in Babel ihre Volksgenossen nicht zu der Höhe ihres eigenen Erkennens erheben? Wir wissen weder von Zeit noch Ort, wo ein Versuch dazu gemacht wäre. Im Gegenteil werden die Wissenden bald in Erfahrung gebracht haben, daß ein im Aberglauben befangenes Volk viel leichter zu lenken und auszubeuten ist als ein durch die Erkenntnis der Wahrheit befreites Volk; und zum Regieren fühlten sich die Priester der alten Zeit an erster Stelle berufen.

Äuch die Geschichte des Reiches Gottes im neuen Bunde liefert uns leider genug Beispiele, daß der Übfall vom Monotheismus zum Polytheismus vielfach stattgefunden hat und in der Weise des Ubfalls vom Glauben zum krassen Uberglauben noch heute stattfindet. Aber nicht ein einziges Volk der Heiden, auch nicht die gebildeten Inder und Chinesen oder Japaner, hat bis heute den Weg aus der Vielgötterei zu dem Einen Gott aus sich selbst gefunden und beschritten.

Daher führt ein andrer Gelehrter ") mit Recht aus, daß es psychologisch undenkbar ist, wie die niederen Religionsformen, die man gern für die ursprünglichen hält, fetischismus, Coțismus, Animismus u. a. hätten entstehen können, ohne daß die Vorstellung von einer jenseitigen höheren Macht, d. i. die Gottesvorstellung, schon vorhanden war. Er sagt: Die Vorstellung, ein Stein oder Holz sei Gott oder ein Tier sei Gott, kann nicht die erste fein, sondern ist eine sekundäre. Sicher ist dem Urmenschen Stein gleich Stein, Holz gleich Holz, Tier gleich Tier; und daß sie von sich aus nicht lebendig machen, töten, Wachstum schaffen, sieht der Mensch vor Augen. Wohl kann er, wenn die Vorstellung von Gott da ist, sie dahin entarten lassen, daß jene Macht, weil sie unsichtbar ist, an sichtbare Dinge wie Baum, Stein, Tier gebunden gedacht wird. Jene Vorstellung aber wird, auch wenn sie an mehreren Erscheinungsformen des Naturlebens fich bildet, zulekt eine einheitliche sein, die der jenseitigen Macht. Auf diese Weise erklären sich die niedern Religions formen als Produkt eines Entartungsprozesses, während sie als originelle Erscheinungen nur gedrungene Erklärungen zulassen" oder gar nicht erklärt werden können, weil sie aus der Finsternis geboren, aber nie und nirgends aus der vernünftigen Erwägung des Menschengeistes ent(prungen sind. Vielmehr verdanken sie ihre Entstehung dem törichten Aberglauben oder den verkehrten furchtvorstellungen auf feiten der Unwissenden oder dem absichtlichen Betrug auf feiten der Wissenden.

V Kittel a. a. 0. 5. 30,

Hat sich aber nie und nirgends aus niedern Religionsformen die „höhere Religionsform des Monotheismus" entwidelt, so muß die immer wieder aufgefrischte Behauptung schwere Bedenken erregen, als habe sich das Volk Gottes aus dem bankrotten Babel seine reine monotheistische Gottesidee geholt. Waren doch schon zu Hammurabis Zeit nur noch schwache Spuren von der ursprünglichen Erkenntnis des Einen Gottes vorhanden! Aber länger als diese Erkenntnis erhielt sich in Babel die Erinnerung an die dienenden Geister"), die in allen Gebieten der Schöpfung walten und Gottes Befehle ausführen, wie bei dem alten, viel mißdeuteten Wort: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei." Es trägt dieses Wort nichts aus für den sehr willkommenen Beweis eines bei den Hebräern ursprünglichen oder von den Babyloniern abgelernten Polytheismus. Diese Ueberlieferung von den dienenden Geistern reicht vielmehr wie andre auch weit über den Unterschied von Hebräern und Babyloniern hinaus, wurde aber in Babylon bald verdorben, indem aus den Geistern Götter gemacht wurden. Daß aber diese Götter in ihrem Verkehr unter einander Streit und Neid, Hag und Mißgunst beweisen, wird sich auch erklären, wenn wir auf die dienenden Geister achten, die in ihren mannigfaltigen Wirkungen dem Menschen nahe treten, ja täglich sinnlich vernehmbar werden; indem diese Wirkun. gen dem Menschen bald unmittelbar, bald mittelbar schädlich oder nüßlich sind, wie Wind und Wetter, Regen und Sonnenschein, Tag und Yacht und der Wechsel der Jahreszeiten. Grade hier, sagt uns die Erfahrung, war der Abfall vom Glauben zum Aberglauben oder Unglauben besonders schnell und leicht zu vollziehen, indem über die Wirkungen der dienenden Geister der allein und allen gebietende Gott und Herr, weil sinnlich nicht wahrnehmbar, vergessen und allmählich aus der Anbetung der Menschen hinaus gedrängt wurde, während der Mensch an seiner Stelle die erschaffenen Geistwesen als gute oder böse Götter verehrte.

Hier liegt jedenfalls eine sehr ergiebige Quelle der babylonischen Götterbildung; doch die alten Kirchenväter zielten auf etwas andres ab, wenn sie die Götter der Heiden für Dämonen erklärten; denn sie dachten dabei nicht an den Ursprung dieser Götter, sondern sie schrieben ihnen persönliche Wirklichkeit im dämonischen Wesen zu, während die Götter ohne Unterschied doch nur Gedankengebilde des menschlichen Aberglaubens find, wie bereits oben dargelegt worden ist.

Eine andre Quelle für polytheistische Bildungen war in Babylonien sowohl bei den Sumero-Aktadiern wie bei den eingewanderten Semiten die Verehrung der Ihnen "), die Erinnerung an bedeutende Männer, Heroen, Wohltäter des Menschengeschlechts, wie wir später des näheren darlegen werden; hierher gehört auch die göttliche Verehrung der Könige. Hingegen fällt die Verehrung der Naturkräfte und der Gestirne mit der Vergötterung der dienstbaren Geister, die in jenen walten und wirken, zusammen. Ein ander Ding ist es mit der Vergötterung der Tiere oder lebloser Gefchöpfe ?).

1) Lénormant, la magie chez les Chaldéens et les origines accadiennes. 2) Brodelmann, 3. f. U. 1902, S. 394.

Wenn aber einigen Gelehrten die Götter der Heiden und die Männer der biblischen Geschichte ein Spielzeug ihrer Erfindungsgabe oder ein Uebungsplaß für ihren Witz und Verstand sind, dann muß es bald zu Torheiten und Abgeschmacktheiten kommen; so, wenn H. Windler ?) der Geschichte von Saul und Jonathan, David und Salomo ein Götterschema zugrunde legt, wobei der Mond den Vater, die Sonne den Sohn, der Morgenstern die Tochter darstellen soll. Jede der drei Gottheiten erhält ihr geschlechtliches Gegenstück, fodaß neben den männlichen auch weibliche Mond- und Sonnengottheiten und neben den weiblichen auch männlichen Istargottheiten stehen; und sollen sich die siderischen Erscheinungen der drei Gottheiten in den Naturerscheinungen wie Sommer und Winter wiederspiegeln. In unserm Falle, heißt es dort weiter, erscheinen die beiden ersten als Einzelgottheiten, die besondere Bedeutung der dritten als eine, wie es scheint, der kananäischen Volksgruppe (eigene), läßt die zweiteilung des Naturlebens bei der dritten erscheinen, deren Berührung mit der Natur der Sonnengottheit sich dabei besonders geltend macht. Das Schema stellt sich also dar als Mond, Sonne und zwei Hälften der Natur, Sommer und Winter, wobei der Beginn der Sommerhälfte im frühlingspunkt, der der Winterhälfte im Herbstpunkt liegt." So fabuliert ein gelehrter Mann und merkt nicht, wie er aus biblischen Geschichten und babylonischer Weisheit ein unverdauliches Gericht kochte. Mit Recht erklärt ein anderer Forscher ) folche Behandlung der älteren biblischen Geschichte für ein Spiel der Phantasie. Das trifft auch den andern Gelehrten, der die biblischen Erzählungen von Jesus von Pazareth als die Geschichte eines israelitischen Gilgamis erkennt und als ein System der Dropheten und Erlöserlegende in der evangelischen Geschichte nachwirken läßt; dem sogar der Name Jesus verdächtig ist, als käme er aus der Cegende 4).

Was das alte Testament an Schimpf und Schande getragen hat, foll auch dem neuen Testament nicht erspart bleiben, indem ein moderner Celsus nach dem andern auftritt, aber jeßt mitten aus der christlichen Gemeinde. Und das alles nennt man heute „wissenschaftliche Forschung" und staunt es an, wenn es gegen Gottes heiliges Wort angeht, daß es als ein Märchenbuch zur Seite gelegt werde. Doch zurüd zu Babel. Sehr gut sagt A. Jeremias 1): „Jedenfalls liegt auch hier das religiös Wertvolle nicht in dem, was Bibel und Babel gemeinsam haben, sondern in dem, worin sich beide unterscheiden. An Stelle der mythologischen Götterwelt, die sich gegenseitig belügt und überlistet, . . . finden wir in der Bibel den zürnenden Gott, der die Welt richtet und der sich des Gerechten erbarmt."

1) Röm. 1, 23. 2) K. 3. T. S. 223. 3) K. Bezold, d. bab.-aff. K. S., S. 40. 4) Jensen, 3. f. A. 1902, S. 11. 411.

Aber was ist das Ergebnis seiner gelehrten Untersuchungen? Er meint, das alte Testament gebrauche viele babylonische formen, aber fülle sie mit einem ganz neuen Inhalt. Damit aber hat der gläubige Gelehrte schon zu viel nachgegeben. Wir halten daran fest, daß Hebräer und semitische Babylonier eines Stammes sind; und was man bei beiden Völkern gleich oder ähnlich findet, hat darum nicht Israel von Babel oder Babel von Israel entlehnt, sondern es ist in den meisten Fällen ein von alters her beiden Völkern gemeinsames Eigentum, was Religion und Sitte und Sprache betrifft, ich meine die Ausdrucksweise der hl. Schrift alten Teftaments. Sie ist orientalisch gefärbt und konnte gar nicht anders sein. Was würden die Herren Kritiker für einen Lärm ichlagen, wenn die Propheten etwa in der Sprache eines Homer, im Stil eines Cicero geredet hätten? Nun aber die Männer Gottes im alten Bund, auch unser Herr und seine Apostel im neuen Bunde nach ihres Volkes Weise reden, so ist es den Kritikern wieder nicht recht; und derfelbe gläubige Gelehrte schreibt von ,,Babylonischem im N. T.", als ob damit etwas fremdes ausgemerzt werden müßte. Man lasse doch den Juden jüdisch reden!

Schon früher haben wir darauf geachtet, daß auch in Israel fast zu allen Zeiten heidnischer Aberglaube und Götterdienst sich einnistete, ja so verbreitete, daß der Glaube an den lebendigen Gott nur bei einer Minderheit zu finden war, wie zu Elias Zeit. Auch Abraham, Moseh, David und andre Gottesmänner ftehen einsam da, aber doch gleichen sie den schüßenden und Segen spendenden Riesenbäumen, die ihre weitragenden Zweige über das mitlebende und nachfolgende Geschlecht ausbreiten, um aus ihm zu retten, was fich retten läßt. Wo aber ein Schriftsteller des alten Teftaments mit heidnischen Begriffen oder Redeweisen umgeht, tut er nichts anderes, als wenn heute ein christlicher Prediger etwa von Ufen, Miren und Kobolden redete, um seinen Zuhörern, denen diese Sachen vielleicht nahe liegen, etwas ferner Liegendes verständlich zu machen.

Doch für dieses Mal sei es mit „für“ und „wider“ genug. Zur weiteren Beurteilung und Entscheidung der noch nicht gelöften Zeitfrage wird die folgende Geschichte, insbesondere die Darstellung der babylonisch-affyrischen Götterwelt und Göttersagen, sowie der bis heute bekannten Kultur beider Völker weitere Mittel an die hand geben; und bin

1) A. T. 9. S. 144 2.

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