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Der Tempel der Istar in Ninive hieß Emischmisch, der in Sippara Eulmas 1) oder Eulbar oder Eiddina, der in Uruk Eanna. Der Tempel Eturkalama, den Usurbanipal wieder herstellen ließ, war vermutlich nur ein Teil von Esagila. fünfzehn war ihre hellige Zahl, ihr Monat Elul.

Die zehnte Syzygie.

Nergal und Laz. Nergal, der auch Dibbara, Gallum, Girra, Jra, Schit, Sitlimtauddu, Sukamunu, Urra, Jalbadan heißt, wird von einigen gleich Ninib gehalten. Er gilt als Herr und Lenker der Schlachten, ein Herr der Speere und der Bogen, ein Zerstörer gleich der alles verzehrenden Glut der Sommersonne. Åber er ist auch der Gott der Wintersonne ?), des zu- und des abnehmenden Mondes 3), auf den man das fieber mit seiner Hiße und Schüttelfrost zurückzuführen pflegt, d. i. in der Sprache des Westlandes oder Umurru das Sarrabdu und Birdu. Was aber H. Zimmern weiter vom Höllengott und Höllenfeuer fabelt, die das Christentum aus dem Judentum herübergenommen haben soll, so sollte er doch, Mißverständnissen vorzubeugen, seinen Lesern anzeigen, was für ein Christentum er meint ?

Pergal heißt auch der Kämpfer unter den Göttern, der Schußpatron der Jäger, der ilu mamman oder Gott des Mammon. Eine Erscheinungsform von Nergal und seinen sieben Söhnen ist ein Sternbild am Himmel, der Walfisch füdlich vom Widder lulimu, vorher ein Gott der Unterwelt und des pflanzlichen Wachstums, Iminsarra oder Jlanisibit d. i. Siebengott 4) genannt; denn Yergal steigt am 18. Tammuz zur Erde hinab, und am 28. Kislev steigt er wieder herauf. So bleibt er einhundert sechzig Tage verborgen, während die Plejaden, die aus sieben Sternen bestehn, nur vierzig Tage unsichtbar sind. Die Babylonier verbinden mit ihrem Verschwinden ein vierzigtägiges Wüten der bösen Geister; und unsre Gelehrten sind unentschieden, ob die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern oder die vierzig Tage zwischen Ostern und Himmelfahrt von den Plejaden herkommt? Aber sie konnten auch an die vierzig Tage erinnern, in denen die zwölf Kundschafter Israels das Land durchzogen, das ihren Vätern verheißen war, oder an die vierzig Tage, die Elia zur Reise nach dem Horeb brauchte.

1) So fr. hommel.
2) u. Zeremias, U. T. O., S. 46. .
3) fr. Hommel, Grundriß, S. 121, sodann h. Zimmern in K. 2. T., S. 413.
4) fr. Hommel, 4. u. U., S. 240 und 448.

Denkt aber der Babylonier an den Winter, der vom Winterholstitium bis zur Frühlingstagundnachtgleiche dauert, so singt er: „Wer bist du, Here, deren Treiben drei Monate zehn einen halben Tag währt“ ?

Nergals Bild ist der Löwe mit Menschenantlik; dazu trägt er das Horn eines Stiers und flügel, ein Haarbüschel fällt auf seinen Schädel herab.

Er ist aber auch ein Gott der Gräber und der Unterwelt, der Totengott und Pestgott. Unter seinen vierzehn dienstbaren Geistern befindet sich außer dem Blib, fieber, Gluthiße und Dest auch der Dämon, der bereits genannt wurde, Sarrabdu, der auch Verleumder oder Teufel heißt.

Nergal wurde besonders in Kutha nordöstl. von Babel verehrt. Sein dortiger Tempel hieß Esidlam, ebenso der in Maschkanschabri. Ihm gehört in der Musik der siebte Ton und am Himmel der siebte Planet; aber später wurde ihm der Planet Mars zugeeignet. Gehört aber der siebte Ton zur harmonie der Sphären, so wird mit solcher Zugehörigkeit dem Herrn der bösen Geister doch zu viel Ehre angetan. Ein Mißton wäre seinem Wesen entsprechender. Ganz verschieden ist die Grundlage der hebräischen Frömmigkeit, die wirkliche Harmonie der Menschenseele mit Gott und seinen Werken, wo sie loben kann: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" 20. )

Ein alter Hymnus auf Nergal lautet:

Der tapfre, der gewaltige Sturmwind, der das feindliche Land überwältigt; der große Stier, der Herr der Macht, der das feindliche Land überwältigt; der Herr von Kutha, der das feindliche Land überwältigt; der Herr von Esidlam, der das feindliche Land überwältigt; der gallu, der Gott Jsum, der das feindliche Land überwältigt; der gewaltige Sturmwind, der seines gleichen nicht hat ?)."

Ein Gebet zu Mergal zeigt uns die frommen Wünsche seiner Anbeter:

„Die Gesamtheit ihrer Wohnungen wirf darnieder, daß sie wie Schutthügel werden. Tapferer Held, laß deine Stimme erschallen in's Land einzubrechen, und niemand wird es mehr aufsuchen. Dein gewaltiger Glanz überdeckt das Land der feinde, vor deiner Hoheit mögen sich die Völker beugen?).“

Als Mergals Gattin gilt bald seine Schwester Laz 4) d. h. „ohne Uusgang“ oder Ereskigal 8. i. Herrin der Unterwelt, bald Gula, die sonst Minib zugesellt wird. Sie wird als ein Wesen gemischter Urt beschrieben: Ein Horn steht vorn, eins hinten auf dem Kopf. Man sieht an ihr das Ohr eines Cammes, aber die Hände eines Menschen. Mit beiden Händen ergreift sie die Wahrung und führt sie zum srunde, wie Uffen und einige andre Tiere tun. Ihren Leib schlägt sie munter mit ihrem Schweife. Sonst trägt sie den Kopf eines Löwen 1), zwischen ihren Hörnern steht ein haarbüschel, der nach der Stirn überfällt.

1) Pf. 19. 2) Fr. Hommel, Sem. V. u. Spr. I, S. 237. 3) Nach fr. Hommel, Sem. V. u. Spr. I, S. 320. 4) K. B. II, b, 7.

Die Göttersage erzählt von Ereskigal: Als die Götter einst ein Gastmahl bereiteten, sandten sie zu ihrer Schwester Ereskigal einen Boten mit dem Auftrag, sie solle sich durch einen Boten ihr Badwerk holen lassen. Ihr Bote Ramtaru, den sie zum gewaltigen Himmel sendet, hört, daß derjenige Gott, der nicht vor ihm aufsteht, sterben soll. Mergal steht nicht auf und geht darauf zu seiner Schwester Ereskigal und klagt ihr, weil er nicht vor Yamtaru aufgestanden sei, müsse er sterben. Zugleich faßt er seine Schwester bei den Haaren und zieht sie von ihrem Throne herab, ihr das Haupt abzuschlagen. Aber sie bittet: „Erschlag mich nicht, mein Bruder! Ich will dir eine Rede sagen.“ Da lösen sich seine Hände von ihrem Haare, sie aber weint und heult: „Du sollst mein Gatte sein, ich will dein Weib sein. Ich will dich die Königsherrschaft auf der weiten Erde ergreifen lassen, ich will die Tafel der Weisheit in deine Hände legen. Du sollst der Herr, ich will die Herrin sein.“ Als Nergal diese Rede gehört hatte, füßte er sie, wischte ihre Tränen ab und sprach: „Was immer du von mir wünschest, soll geschehen von nun ani (und immerdar)“ 2).

Man sollte es nicht für möglich halten, daß christliche Gelehrte in diesen mythologischen Fabeln, wo die Schwester sich dem Bruder als Gattin in die Ärme wirft, wo überhaupt mehr Dunkelheit als Licht waltet, noch christologische Beziehungen finden. Aber es ist doch so und gewinnt den Anschein, als wollten sie dem Evangelium, an dem sie sich geärgert haben, nur einen Schandlappen nach dem andern anhängen.

Als Kinder des Mergal und der Gula gelten die sieben großen Götter, die mit ihm acht ausmachen und an die ägyptische Uchtgottheit er: innern sollen 3). In Nisin wurde die Minnisin, die Herrin des abnehmenden Mondes und Gattin Nergals verehrt. Es ist aber nicht die freie Liebe unter den Göttern Babels herrschend gewesen, sondern die Willkür der dichtenden Priester, die Götter und Göttinnen beliebig vereinigt oder löst, treibt ihr grausames Spiel mit den Gelehrten, die in diesem Wirrnis Ordnung und System und dazu noch die Quelle der religiösen Anschavungen von Juden und Christen entdecken wollen.

1) Bezold, N. u. B., S. 112.
2) K. B. VI, S. 75 2.
31 fr. Hommel, Grundriß, S. 161. 343.

Elfte Syzygie.

Ramman und Sala. Ramman wird auch Adad oder Hadad, Barku, Im (fein Ideogramm), Belbiri Orakelherr, Bur, Martu, Miru genannt. Es ist unter den Gelehrten noch nicht ausgemacht, ob er aus dem Westland nach Babylonien oder aus Babylonien nach dem Westland gebracht worden ist. Hilprecht hält Martu gleich dem aramäischen Amurru; und die Ramen Hadadefar, Hadadrimmon, Benhadad find in Syrien sehr gebräuchlich. Ist aber Ådad eins mit dem phönikischen Adonis, so hat er doch dessen Eigentümlichkeit an den babylonischen Duzi oder Tammuz abgetreten. Ob Bir überhaupt ein Göttername sei, darüber sind die Gelehrten auch nicht einig, wie Zimmern gegen Windler in ein und demselben Buch auftritt.

Ramman ist der Großfürst des Himmels und der Erde, der Herr der Sturmflut, der Quellen und des Regens, der Gott des Blites und des Donners, der Schußgott der Grenzen, der die flüsse mit Schlamm, die fluren mit Dornen erfüllen soll, nämlich bei dem Grundbesiker, der einen Grenzstein verseßt oder verletzt ?). Äls Adad ift er Herr des Sturmes. Er bringt der Erde fruchtbarkeit, aber auch Miißwachs und Hungersnot. Daher sind ihm auch die Kanäle geheiligt. Der Name bedeutet nach den einen den Glänzenden, nach den andern einen Brüller oder Donnerer. Seine Zahl ist fechs. Sein Bild ist der Donnerkeil, den wir auch bei seinem Vater Anu als dessen Zeichen kennen gelernt haben. Er wird auch mit einem Blißbündel oder mit einer Urt abgebildet. Sein Tier ist der Stier, aber er übertrifft diesen durch seine vier Hörner ?). Auf ihn mag fich die Kälberverehrung beziehen, die Jerobeam I. von Jirgel in Dan und Bethel aufrichtete. Zu seiner Seite schreiten die fieben bösen Geister seines Vaters Anu, wie sie wohl zu Sturm und Mifwachs, weniger aber zum Segen der Erde passend erscheinen.

Die Verehrung Rammans findet sich besonders in Halab und Karkar, wo sein Tempel Eudgolgol stand; dann in der assyrischen Stadt Ekallate. Sein Tempel in Babel hieß Enamhi, d. i. Haus des Ueberflusses. Ein Hymnus auf ihn lautet:

„Bei seinem Zürnen, seinem Wüten, bei seinem Brüllen, feinem Donnern steigen die Götter des Himmels zum Himmel hinauf, gehen die Götter der Unter. welt zur Unterwelt hinein.“

Also tun die babylonischen Götter wie alle ängstlichen Menschen, die bei dem Zuden der Bliße und Dröhnen des Donners Sicherheit in ihren Häusern suchen.

1) K. B. IV, S. 73.
2) h. Zimmern, K. 2. T., S. 448.

Der weibliche Teil dieser Syzygie ist Sala oder Gubarra, Herrin von Gueddina, auch Anunit oder Sumalia genannt. Sie ist die Herrin der glänzenden Berge, der hellen Schneeberge, woher im Frühjahr das reichliche Wasser der Ströme kommt.

In den Bildern, die häufig die Inschriften begleiten, waltet eine große Willkür der Schreiber oder Zeichner. Bald ist es die aufgehende Sonne des Samas, die mit flammenflügeln aus einem Felsenspalt heraufklimmt, bald ist es Ea, der mit flammenflügeln sißend dargestellt wird und in der Rechten eine Art Säge hält. Bald schwimmen zwei fische auf seinen Kabel zu, bald entspringen diesem Mittelpunkt seines Zeibes zwei Ströme, Euphrat und Tigris. Oder die Ströme entfließen einem Kruge, und der Genius des Euphrat und Tigris steht in Mienschengestalt davor und trägt auf dem Januskopf eine Stiechornmüße. Oder Euphrat und Tigris kommen von den Schultern eines knieenden Gottes herab und fließen, indem se sich kreuzen, zu dem fischgeschwänzten Dagon. Oder es wachsen 1) zwei Schlangen aus dem Schultern des Gottes.

Wieder auf andern Bildern sieht man Gilgamis und Eabani je einen Krug darreichen, aus jedem Krug aber sprießen drei Keime. Daneben schwimmen im flufse göttliche Stiere, Stiere mit Menschenantlik tragen einen Gott, der auf dem Throne sitt... Wer kann es alles erzählen?

Oder: Auf der Grabwand von Bavian hält der assyrische Gott, der auf einem männlichen Hund steht, zwei Keilschriftzeichen in seiner hand. Aus dem Schrein, auf dem ein Keil liegt, friecht ein doppelzüngiges gehörntes Ungeheuer hervor. Uber auf dem Urkundenstein des Merodachbaladan ist über dem Schrein ein aufrechter rechteckiger Stab angebracht, ebenso auf der Urkunde des Mardukiddinabal auf dem Tier an der Berggrotte. Aber Kegel und Keilschaft erscheinen in zwei Randleisten zerlegt auf der Sargonstele. Bald hat der Schaft in der Mitte eine Querlinie, bald ist er am oberen Ende keilartig verbreitert, bald ein Halbmond darüber, davor ein Stern. Dann trägt eine Göttin ein langes Szepter wie von ineinander gesteckten Keilen, ähnlich dem Schachtelhalm, oder der Schaft bleibt halbiert rechtedig brettartig. Das zweizüngige Ungetüm sieht mit seiner Mähne und aufgeworfener Rase einer Hyäne ähnlich; aber die Beine sind mit federschuppen bedeckt und geierartig, während der Schweif lang ist wie eine Schlange. Geht neben diesem Tier ein Stier, so haben wir das Zweigespann des Gottes Usur. So geht es weiter in endloser Mannigfaltigkeit nach der Gabe der Zeichner. Das in ein System bringen zu wollen, heißt unsern Archäologen eine Danaidenarbeit auflegen.

1) Hofmann, 3. f. 4. 1896, S. 273.

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