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Heroen, Wohltäter des Menschengeschlechts, wie wir später des näheren darlegen werden; hierher gehört auch die göttliche Verehrung der Könige. Hingegen fällt die Verehrung der Naturkräfte und der Gestirne mit der Vergötterung der dienstbaren Geister, die in jenen walten und wirken, zusammen. Ein ander Ding ist es mit der Vergötterung der Tiere oder lebloser Geschöpfe ?).

Wenn aber einigen Gelehrten die Götter der Heiden und die Männer der biblischen Geschichte ein Spielzeug ihrer Erfindungsgabe oder ein Uebungsplatz für ihren Witz und Verstand sind, dann muß es bald zu Torheiten und Abgeschmadtheiten kommen; so, wenn H. Windler ) der Gesdrichte von Saul und Jonathan, David und Salomo ein Götter(chema zugrunde legt, wobei der Mond den Vater, die Sonne den Sohn, der Morgenstern die Tochter darstellen soll. Jede der drei Gottheiten erhält ihr geschlechtliches Gegenstüd, sodaß neben den männlichen auch weibliche Mond- und Sonnengottheiten und neben den weiblichen auch männlichen Istargottheiten stehen; und sollen sich die fiderischen Erscheinungen der drei Gottheiten in den Naturerscheinungen wie Sommer und Winter wiederspiegeln. „In unserm falle, heißt es dort weiter, erscheinen die beiden ersten als Einzelgottheiten, die besondere Bedeutung der dritten als eine, wie es scheint, der kananäischen Volksgruppe (eigene), läßt die zweiteilung des Viaturlebens bei der dritten erscheinen, deren Berührung mit der Natur der Sonnengottheit sich dabei besonders geltend macht. Das Schema stellt sich also dar als Mond, Sonne und zwei Hälften der Natur, Sommer und Winter, wobei der Beginn der Sommerhälfte im Frühlingspunkt, der der Winterhälfte im Herbstpunkt liegt." So fabuliert ein gelehrter Mann und merkt nicht, wie er aus biblischen Geschichten und babylonischer Weisheit ein unverdauliches Gericht kochte. Mit Recht erklärt ein anderer forscher 3) solche Behandlung der älteren biblischen Geschichte für ein Spiel der Phantasie. Das trifft auch den andern Gelehrten, der die biblischen Erzählungen von Jesus von Nazareth als die Geschichte eines israelitischen Gilgamis erkennt und als ein System der Propheten und Erlöserlegende in der evangelischen Geschichte nachwirken läßt; dem sogar der Name Jesus verdächtig ist, als käme er aus der Legende 4).

Was das alte Testament an Schimpf und Schande getragen hat, foll auch dem neuen Testament nicht erspart bleiben, indem ein moderner Celsus nach dem andern auftritt, aber jeßt mitten aus der christlichen Bemeinde. Und das alles nennt man heute „wissenschaftliche Forschung" und staunt es an, wenn es gegen Gottes heiliges Wort angeht, daß es als ein Märchenbuch zur Seite gelegt werde. Doch zurück zu Babel. Sehr gut sagt A. Jeremias 1): „Jedenfalls liegt auch hier das religiös Wertvolle nicht in dem, was Bibel und Babel gemeinsam haben, sondern in dem, worin sich beide unterscheiden. An Stelle der mythologischen Götterwelt, die sich gegenseitig belügt und überlistet, ... finden wir in der Bibel den zürnenden Gott, der die Welt richtet und der sich des Gerechten erbarmt."

1) Röm. 1, 23. 2) K. A. T. S. 223. 3) K. Bezold, d. bab.-ass. K. S., S. 40. 4) Jensen, 3. f. 2. 1902, S. 11, 411.

Aber was ist das Ergebnis seiner gelehrten Untersuchungen? Er meint, das alte Testament gebrauche viele babylonische Formen, aber fülle sie mit einem ganz neuen Inhalt. Damit aber hat der gläubige Gelehrte schon zu viel nachgegeben. Wir halten daran fest, daß Hebräer und semitische Babylonier eines Stammes sind; und was man bei beiden Völkern gleich oder ähnlich findet, hat darum nicht Israel von Babel oder Babel von Israel entlehnt, sondern es ist in den meisten fällen ein von alters her beiden Völkern gemeinsames Eigentum, was Religion und Sitte und Sprache betrifft, ich meine die Uusdrucksweise der hi. Schrift alten Testaments. Sie ist orientalisch gefärbt und konnte gar nicht anders sein. Was würden die Herren Kritiker für einen Lärm 1chlagen, wenn die Propheten etwa in der Sprache eines Homer, im Stil eines Cicero geredet hätten? Nun aber die Männer Gottes im alten Bund, auch unser Herr und seine Apostel im neuen Bunde nach ihres Volkes Weise reden, so ist es den Kritikern wieder nicht recht; und derselbe gläubige Gelehrte schreibt von „Babylonischem im N. T.", als ob damit etwas fremdes ausgemerzt werden müßte. Man lasse doch den Juden jüdisch reden!

Schon früher haben wir darauf geachtet, daß auch in Israel fast zu allen Zeiten heidnischer Aberglaube und Götterdienst sich einnistete, ja so verbreitete, daß der Glaube an den lebendigen Gott nur bei einer Minderheit zu finden war, wie zu Elias Zeit. Auch Abraham, Moseh, David und andre Gottesmänner stehen einsam da, aber doch gleichen sie den schüßenden und Segen spendenden Riefenbäumen, die ihre weitragenden Zweige über das mitlebende und nachfolgende Geschlecht ausbreiten, um aus ihm zu retten, was sich retten läßt. Wo aber ein Schriftsteller des alten Testaments mit heidnischen Begriffen oder Redeweisen umgeht, tut er nichts anderes, als wenn heute ein christlicher Prediger etwa von Asen, Miren und Kobolden redete, um seinen Zuhörern, denen diese Sachen vielleicht nahe liegen, etwas ferner Liegendes verständlich zu machen.

Doch für dieses Mal sei es mit „für“ und „wider" genug. Zur weiteren Beurteilung und Entscheidung der noch nicht gelösten Zeitfrage wird die folgende Geschichte, insbesondere die Darstellung der babylonisch-affyrischen Götterwelt und Göttersagen, sowie der bis heute bekannten Kultur beider Völker weitere Mittel an die Hand geben; und bin

Sen Kritikern, onischem imjalte doch de

1) U. T. 0. S. 144 2c.

ich mit Bezold 1) der festen Ueberzeugung, daß die immer weiter gehende Enträtselung der Keilinschriften der heiligen Schrift alten und neuen Testaments nur zu gute kommen wird, und daß sich diese beiden Quellen der Altertumskunde gegenseitig stüßen, aber nicht stürzen, aufbauen und erleuchten, aber nicht niederreißen und verdunkeln werden.

1) Bab.-aff. K. S., S. 43.

3 weiter Abschnitt.
Die Länder und ihre Bewohner.

Die beiden Länder, die man gewöhnlich unter den Namen Babylonien und Assyrien begreift, empfingen diese Namen schon in alten Zeiten nach den beiden Hauptstädten, die dort früh gebaut waren, Babylon und Assur. Noch E. Schrader 1) meinte, der Umstand, daß der riame mat Äsjur d. i. Land Ussur in den Briefen aus dem Cell el Amarna nicht erwähnt werde, stimme ganz mit unserm bisherigen Wiffen von dem Aufkommen und der Entwidelung des assyrischen Staates; aber das „bisherige Wissen" ist in den beiden lekten Jahrs zehnten grade betreff Ussurs sehr erweitert worden, wie wir bald fehn werden.

Das Gebiet von Babylonien umfaßte hauptsächlich die ebenen Gefilde am mittleren und unteren Purattu oder Euphrat und am Jdignu oder Dignat, dem Tigris. Die Griechen nannten einen Teil des Gebietes Mesopotamien oder Mittelstromland. Das assyrische Reich breitete sich im Gegensaß zu Babylonien über die im Nordwesten gelegenen Ges birge aus ?).

Die ältesten Ramen von Babylonien sind Kadingira oder Dingirraki 8. i. Gottesland, Amnanu, Kingi oder Kiengi, Kiurra, Urdu 3). Diese Yamen erinnern schon durch ihre Sprachform an die ersten Bewohner des Landes, die uns bekannt sind. Es waren Nachkommen Hams, die man nach den beiden im alten Testament 4) gebrauchten Namen Sumeros Akkadier genannt hat. Nach fr. Deliksch, der als Sprachforscher große Verdienste sich erworben hat, aber auch viel Widerspruch erfährt, ist Sumer gleich Sinear, hebr. Singar, weil im akkadischen für das semitische ng ein m geseßt wird. Andere vergleichen für Sinear das akkadische Tintir. Sumer oder Kingi, Imgida bezeichnet das babylonische „Žieerland" oder das alte Weideland Chaldäa, ein Name, der bisweilen auch ganz Babylonien zugeteilt wurde. Akkad, Burbur, Urtu find Pamen für Nordbabylonien nde: Babvlonien schlechthin. Die Grenze zwischen Nord- und Südbabylonien bildete meist der Eiiphrat. Ein späterer Name für Babylonien ist Kardunias, der der kassitischen Sprache entstammt und bei den Kassiten gebräuchlich war. Berosus erzählt:

1) A. . W. 1888. 2) Deral. Dunder, Gefch. d. Altert. I, S. 227 2c. 3) Hommel, Grundriß I, S. 241. 4) Gen. 10, 10.

„Es war eine große Menge von Menschen verschiedenen Stammes, die Chaldäa bewohnten; aber sie lebten ohne Ordnung wie die Tiere. Da erschien ihnen, aus dem Meer aufsteigend, am Ufer Babyloniens ein weises Wesen mit Namen O an. Sein Körper war der eines fisches, und unter dem Kopf des fisches war ein andrer Kopf angehängt, und an dem Schweife waren füße wie die eines Menschen, und es hatte die Stimme eines Menschen. Sein Bild wird noch jetzt aufbewahrt. Um Morgen kam dieses Wesen an das Land und verkehrte am Tag mit den Menschen; aber es nahm keine Nahrung zu sich und tauchte mit dem Untergang der Sonne wieder in das Meer und brachte die Nacht im Meere zu. Dieses Wesen lehrte die Menschen die Sprache und das Wissen, das Einsammeln der Samen und früchte, die Regeln der Grenzen, die Erbauung von Städten und Tempeln, die Künste und die Sdrift und alles, was zur Sittigung oes menschlichen Lebens gehört.“

So weit Berosus und seine rätselhafte Erzählung, die verschiedene Deutungen erfahren hat. M. Dunder erkennt in Oan den Gott Anu; und wenn sieben solcher Fischmenschen erwähnt werden, die den Namen Odakon oder Dagon tragen, so will er in ihnen die sieben heiligen Bücher der Priester erkennen, von denen die sechs lekten die im ersten Buch enthaltenen Lehren ausgelegt hätten; aber die heiligen Bücher der Babylonier wurden nach ihrer eignen Sage vor der großen Flut in Sippara vergraben, und niemand weiß, wo sie geblieben sind.

Andere erkennen in Oan die Sonne, die für Küstenbewohner an jedem Morgen aus dem Mieer emporsteigt und jeden Abend wieder im Meer untertaucht. Wieder andere meinen, in Berosus werde mit poetischer freiheit die Tatsache vorgestellt, daß feefahrende Leute, die an der babylonischen Küste mit ihren Schiffen lagen, am Tage die Einwohner des Landes mit ihrem Wissen bekannt machten, am Übend aber wieder auf ihre Schiffe gingen, um da zu übernachten. Dieser Auslegung dürfte wohl mancher Beifall spenden, und vielleicht auch der Vermutung, daß diese Seefahrer aus Hegypten gekommen seien; nur fr. Hommel ") urteilt anders. Aber es ist und bleibt eine Sage. Verbürgt ist dagegen, daß um das Jahr 3000 v. Chr. Nordsemiten aus Arabien in das blühende und hoch kultivierte Babylonien einwanderten. Von den Semiten rühmt Zöldeke im „neuen Reiche“ die religiöse Begeisterung und Reigung zum Monotheismus, daneben angeborne Ritterlichkeit, aristokratische Gesinnung, hohe Begabung für die Erzählung, edlen formensinn in der Sprache, wonach diesen Einwanderern eine der höchsten Stellen unter den Völkern gesichert scheint. Daneben erklärt derselbe Gelehrte die Semiten für fanatisch, grausam und wenig leistungsfähig in Kunst und Wissenschaft. Wie weit dieses Urteilt zutrifft, wird sich später zeigen.

1) Grundriß I, S. 109, Unm.

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