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Tage in jedem Jahre hinter dem scheinbaren Lauf der Sonne zurüd. Diese Ungleichheit mit dem Sonnenjahr zu verbessern, fügten sie alle vier

Jahre einen Schaltmonat ein, magru sa addari genannt; dann aber alle acht Jahre z w ei Schaltmonate, magru sa addari und magru sa ululi. für diese Einfügung des Schaltmonats hatte man die folgenden Regeln, die uns in den Keilschriften aufbewahrt find:

„Wenn am ersten Tag des Monats Nisan der Stern der Sterne und der Mond parallel stehn, so ist das Jahr „richtig“.“

Es hat dann 355 Tage. Die zweite Regel lautet:

„Wenn am dritten Tag des Monats Nisan der Stern der Sterne und der Mond parallel stehn, so ift das Jahr „voll“.“

Es hat dann, wie noch heute bei den Chinesen, durch Einführung eines Schaltmonats von neunundzwanzig Tagen dreihundertvierundachtzig Tage, alle acht Jahre aber vierhundertvierzehn Tage. Unders urteilt E. ŽMahler. Er behauptet, daß die Babylonier nach den Zeugnissen aus der Zeit der Ursaciden einen neunzehnjährigen Schaltcyklus hatten, indem jedes 3., 6., 8., 14., 16., 19. Jahr ein Schaltjahr war. So war das Jahr 147/6 v. Chr. das 101. der babylonischen, das 165. der seleukidischen Vera. Wird 101 durch 19 geteilt, so ergibt sich der Reft sechs, und dieses Jahr muß ein Schaltjahr sein. Diesen neunzehnjährigen Cyklus führte Mieton schon 432 v. Chr. bei den Athenern ein, ange'ehnt an den neunzehnjährigen Cyklus des Mondes.

Alle diese und die später folgenden Aufzeichnungen astronomischen Inhalts, die Beobachtungen des Himmels und seiner Gesetze find in sumero-akkadischer Sprache geschrieben. Schon aus dieser Tatsache kann jeder ersehen, wer in dieser Wissenschaft Meister, und wer Schüler war. Nur haben die eingewanderten Semiten, die vielleicht niemals bis in die Tiefe dieser Wissenschaft eingedrungen sind, es versäumt, die fumeroaffadischen Kunstausdrücke durch Ueberseßung in ihre Sprache verständlich zu machen.

Daher kommt es auch, daß die aus Babylonien wieder auswandernden Tharachiten recht wenig von dem astronomischen Wissen der Altbabylonier in die neue Heimat mitnahmen; und auch die späteren Hes bräer hatten wenig Sinn für eine andere als die religiöse Betrachtung des Himmels und seiner Gestirne. Hierauf beruht die Tatsache, daß wir Abendländer die Zeichen des Tierkreises, die Einteilung der Ekliptik, die Wochen und Monate, die Sonnenuhr und anderes nicht etwa durch die Hebräer, sondern durch die Vermittlung der Phönikier, Griechen und Römer aus Babylon empfangen haben.

Wie aber die alten Sumero-Altadier aus der Astronomie zur Ustrologie oder Sterndeutung gekommen sind, erklärt M. Dunder 1): „Wenn mit dem höheren oder niederen Stand der Sonne, dem höheren oder nie

1) u. a. 0. I, S. 274 2c.

deren Stand dieses oder jenes Sternes eine andere Jahreszeit, Uebers schwemmung der Flüsse, Veränderung des Maturlebens, Erwachen oder Absterben der Vegetation eintraten; wenn von dem Kommen und Gehen der Sonne, des Mondes und der Gestirne auch das Leben der Menschen, ihr Wachen und Schlafen, ihre frische und Mattigkeit abhing; wenn die Zeiten der keimenden und reifenden frucht, günstiger oder ungünstiger Schiffahrt mit dem Erscheinen gewisser Sternbilder eintraten, mit ihrem Verschwinden vorübergingen, so lag es solcher Anschauung nahe, das gesamte Leben der Natur und der Menschen von den Lichtern des Himniels abhängig zu glauben, zu glauben, daß Erde und Menschen das Gesek von oben, von den leuchtenden Bahnen der Gestirne empfingen. Die guten oder übeln Wirkungen, die man den Sternen für das Naturieben beilegte, galten auch für ihren Einfluß auf das Leben der Menschen.“

Dieser Glaube oder Überglaube war nur zu der Zeit möglich, als die Menschen des Einen unsichtbaren Gottes vergessen hatten; doch ist er bekanntlich auch auf dem Gebiet der Christenheit bis in die Neuzeit verbreitet gewesen. Immerhin steht er weit über dem Unglauben dieser Jeit, die alles, was geschieht, dem blinden Zufall unterordnet. In diesem Sinn heißen die planeten, deren Lauf heute noch ebenso auffällig wie in der alten Zeit ist, obwohl wir seine Gefeße viel besser kennen als die Babylonier, „Do'metscher des göttlichen Willens“, und auf ihren Lauf und Stand zu den von ihnen gestirnten firsternen wurde vornehmlich die Astrologie begründet. Daher finden sich zahlreiche Aufzeichnungen oder Planetentafeln, auf denen auch die Kehrpunkte bezeichnet sind, wenn der beobachtete Planet „rüdläufig" wurde. So auf einer Tafel aus dem Jahre 94 v. Chr. :

„Um 30. Nisan. Um Übendhimmel Venus über den Zwillingen des Hirten. As g. Airu wie am 30. Nisan, desgleichen am 13. Uiru. Um 25. Uiru. Uin Ubend Venus über dem Doppelgestirn. 4. Siwan: Venus über dem Kopf des Löwen. 11. Siwan: Venus über dem Regulus. 18. Siwan: Venus über dem vierjährigen Sohn hinter dem Löwen. 19. Siwan: Venus unter dem Kopf des Löwen. 6. Duzu: Sohn über dem hintern fuß des Löwen. 18. Ubu: Venus unter Zibanitu gegen Süden. 4. Ululu: Venus unter dem Kopf des Skorpion. Darauf wurde Venus un. sichtbar. 27. Urachjamna: Venus am Morgenhimmel im Schützen im heliakischen Aufgang, aber wegen Bewöltung nicht gesehn.“

Hier soll nach Epping ein Fehler sein, Venus konnte an diesem Tage und auch noch mehrere Tage später wegen zu geringer Entfernung von der Sonne nicht gesehn werden.

Man hat auch Auszüge aus einem Lehrbuch über Ustronomie und Ustrologie gefunden, das Belachiiddin 138 v. Chr. in Borsippa eigenhändig geschrieben hatte. Hier behandelt er die Bedeutung des Sommerund des Wintersolstitiums, der Tag- und Nachtgleiche im frühling und im Herbst, den Zusammenhang der Orakel mit dem Mond, den Einfluß des Mondes und der Sonnenhiße auf den Gesundheitszustand der Men.

schen, die Beschwörungen zur Heilung der Krankheiten, die verschiedenen Opfer im frühling und im Herbst, die Bedeutung des heliakischen Aufund Untergangs des Sirius und des Sugi. Ungeschlossen sind die Vorhersagungen aus den heiligen Vögeln, die in den Tempeln gehalten wurden. Sirius aber ist der Bogenstern, der der Istar zugeeignet wird.

Im allgemeinen galt als Regel, Jupiter und Venus brächten Glük, Saturn viel, Mars wenig Unheil. Merkur, Mond und Sonne deutete man nach Belieben. Die Sonne hatte in der Ekliptik ihre zwölf Häuser oder tubukati, daraus bei den spätern Juden die Vorstellung der sieben Himmel erwachsen sein soll. Jedenfalls sprechen alle Semiten nicht von dem Himmel, sondern von den Himmeln. Auch der Upostel Paulus redet von einem dritten Himmel 1).

Den scheinbaren Durchmesser der Sonne haben die babylonischen Sternkundigen auf zwei Minuten Zeit, das ist einhalb Grad, ziemlich genau berechnet, indem sie bei Sonnenaufgang zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche die Zeit vom Erscheinen des Sonnenrandes bis zur völligen Sichtbarkeit der Sonne bestimmten.

Der Merkur, der der Sonne am nächsten kreisende Planet, hat mehrere Beinamen, wie mustabarru mutanu, nibat anu, das wie gudud oder guddu noch nicht übersekt ist, oder balum und numia „Lichtda“, sanumme „ein Ändrer“, dilbat der Verkünder“, weil er gleich der Venus als Morgenstern oder als Abendstern erscheint, kakkab la mineti „der unberechenbare Stern“. Unter guddu verstehen einige den Mars, den karradu oder Krieger, der auch bibbu und ningirbanda heißt. Bibbu wird aber auch der Jupiter genannt. Hieraus geht hervor, daß die Planeten, wie das bei unbewaffnetem Auge sehr leicht geschieht, nicht immer richtig erkannt, sondern auch verwechselt worden sind.

Die babylonisch-assyrischen Sternseher konnten bei Planeten-Konjunktionen nicht unterscheiden, welcher Planet der nähere, welcher der fernere war, ob etwa Jupiter vor Saturn oder Saturn vor Jupiter stand 2). Aber durch großen Fleiß in der Beobachtung der Gestirne und Aufzeichnungen dieser Beobachtungen war es ihnen doch gelungen,, die Perioden der Planeten im engern Sinn, nach deren Ablauf sie denselben Stand am Himmel einnahmen, richtig zu bestimmen, bei Venus auf acht Jahre, bei Merkur auf sechsundvierzig Jahre, bei Saturn auf neunundfünfzig, bei Mars auf neunundsiebzig, bei Jupiter auf dreiundachtzig Jahre. Bei solcher Erkenntnis ist es zu verwundern, daß sie Sonne und Mond auch zu den Planeten rechnen konnten; und diese beiden wurden am allermeisten beobachtet. Den Vollmond nannten sie lal adar fitkula, Sonne und Mond wägen sich, na adar asamis namuru Sonne und Mond werden zu gleicher Zeit gesehn; mat oder kasadu aber zeigt an, daß der

1) 2. Kor. 12, 2. Upgesch. 9,4.
2) Vergl. Epping, 3. f. N. 1890, S. 287.

Mond bald die Sonne erreicht hat, wenn er kurz vor der Sonne als kleine Sichel aufgeht, also bald Neumond ist.

Den Morgen- oder Osthimmel bezeichnet numa oder fitan, der Westhimmel hieß su oder silan. Wie Jensen damit das hebräische Scheol vergleichen kann, ist mir unverständlich.

Von den firsternen galten dreißig als Ratgeber, vierundzwanzig als Richter, nämlich zwölf Sterne von Akkad und zwölf Sterne des Westens 4).

Der Gott Anu hatte seinen Ort oder Haus im Nordpolarstern oder Aldebaran, nämlich im ersten Drittel der Ekliptik, Ea in einem Stern des Schüßen, wo sich die Milchstraße in den ,,Euphrat“ und „Tigris" teilt, und in dem Kopf der Fischziege, wo das dritte Drittel der Ekliptif anfängt, während das zweite Drittel die Bahn des Bel ist, die vielleicht im großen oder kleinen Bär gesucht werden muß ?).

Wer nun den Lauf der Gestirne verstand, der verstand auch als in einem Spiegel das Schidsal der Menschen und Völker zu schauen. Er hörte das Rauschen ihrer Fluten lange, ehe etwas davon sichtbar wurde. Dahin ging die Meinung der Gelehrten, darin lag das Steuerruder der staatslenkenden Einsicht der Staatsmänner, das gefiel dem Aberglauben des Volkes in beiden Reichen. Aber hier lag auch der tiefe Schaden der astronomischen Wissenschaft, daß sie fast nur in astrologischem Interesse betrieben wurde, und diese Kunst dem Gelderwerb und der Herrschsudit dienen mußte. Wieviel Wirren dadurch in der Wissenschaft entstanden sind, hat Jensen treffend gezeichnet *).

Die babylonischen Sternkundigen müssen es sich gefallen lassen, daß ihnen die Traumdeuter zur Seite gestellt werden; denn auch die Traumbilder stammen nach ebenso gutem Glauben aus der oberen Welt und tun den Willen der Götter kund. Uuch für das Auslegen der Träume hatte man viele Tafeln gesammelt, die uns erhalten sind — also wieder eine Art Wissenschaft. Zu den merkwürdigsten Träumen, die hier behandelt werden, gehört, daß ein Mensch sich erinnert, er habe im Traum mit einem nahen Verwandten Streit gehabt, wobei es für die Deutung des Traumes darauf ankommt, ob dieser Verwandte noch lebt ode r schon gestorben ist. Wichtig erscheint auch der Traum von dem Elien eines gewiffen Krautes oder dem Trinken eines Saftes; oder es träumt einer, er efse Tier- oder Menschenfleisch; oder er weiß von einem Gesicht von fußspuren, die er im Traume gesehn, oder von einem Geist oder von Verstorbenen, die sich wie Lebende bewegten. Besonders auf:

1) 2. Kön. 23 5—7. ?) fr. Hommel, U. u. U., S. 411. 8) Kosmologie, S. 101 2.

fällig ist, wenn jemand träumt, er trage etwas auf dem Kopf ) wie Datteln oder einen Berg ?).

Dieses treffliche Brüderpaar der Stern- und Traumdeuter hatte das Tun und Lassen wie der Untertanen so der Herrscher in seiner hand. Will der König in den Krieg ziehen, so fragt er zuvor über den Ausgang desselben bei dem Hofastrologen an. In deren Macht steht es, ob Krieg oder friede fein wird. · Wollen sie friede haben, so erklären sie, ungünstige Zeichen seien erschienen, und warnen den König vor einem Kriegszug. Der König aber kann und darf nicht gegen seine Magier auftreten. Seine Truppen würden nicht fechten und standhalten, wenn allerlei Mißgeschick für diesen Krieg vorausgesagt war. Wollen aber die Sternkundigen, daß Krieg werde, so ermuntern sie den König und rufen ihm und seinen Kriegern im Namen der Götter zu: „Zieh hinaus, wir helfen dir, wir werfen deine Feinde vor dir nieder." Die Magier hatten auf diese Weise auch den Krieg zu leiten, wohin sie wollten, ganz in ihrer Hand; denn sie brauchten nur bei dem einen Nachbar ein günstiges, bei dem andern ein ungünstiges Zeichen gesehn zu haben. Wie bei den Kriegen verfuhren sie auch bei Jagden und andern Unternehmungen.

Ustrologische Aussprüche der Magier, fog. Omina, haben Rawlinfon und Sayce gesammelt und herausgegeben. Uus sehr alter Zeit, der des Königs Sargon I., stammt das folgende:

„Wenn ohne Berechnung Sonne und Mond zusammen sichtbar werden, dann rüden wieder feindliche Krieger heran und beherrschen das Land. Die heiligent Schreine der großen Götter werden wieder entführt, der Gott Bel muß wieder nad dem Land Elam auswandern. Nach dreißig Jahren kehren die großen Götter mit ihm zurück."

Uus derselben Zeit stammt auch das folgende Orakel :

„Ein Omen für Sargon, der in diesem Zustand (bei diesem Stand der Sterne?) nach Elam 30g und die Elamiter vernichtete. Eine große Strafe legte er ihnen auf ilire Glieder schnitt er ab.“

Hier muß das eigentliche Omen verloren sein, oder es ist unleserlich geworden; denn das vorliegende erzählt, aber redet nicht von der Zulunft.

Uuch ohne besondere Anfrage des Königs hatten die Hofastrologen nach Dienst und Pflicht dem König über alle himmlischen Erscheinungen täglichen Bericht zu erstatten. Ein solcher Bericht lautet:

„Der Mond sammelte einen tarbaz, und Mars trat in ihn: Dernichtung des Viehstandes. Im ganzen Land wird die Dattelernte mißraten, und das Westland wird verringert.“ (?)

Was tarbaz bedeutet, ist noch ungewiß, vielleicht bezeichnet es die Strahlenbrechung des Mondlichtes, die wir hof nennen. Ein andrer Bericht trägt auch den Namen des Magiers, der ihn verfaßt hat:

1) Gen. 40, 16.
2) Dergl. Bezold, N. u. B., S. 86.

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