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Will mir's doch zu lange dauern;
Friui gam tritt herfür,
Thu' mir auf die Thür!

Seh' zu neuem lauf,
lebenssonn', mir auf!
O wie leicht legt man sid) nieder,
Weiß man, daß doch morgen wieder
Sonne hold und traut
Durd, das Fenster schaut.

Innen warm und weich,
Uußen starr und bleich,
Inuen neuer Welt gewärtig,
Draußen mit dem Leben fertig,
Hier die Freunde fort
und den besten dort!

Wohl schaut für und für
Man da nach der Thür!
Wolltft, Herr, Du mir vor dem Scheiden
Erst all' andre licb' verleiden?
Wohl, tritt denn herein:
Ich lieb Dich allein!

88.

Der Tod des Christen.

Wie ist's im Grab so ftill,
Mie meht's daraus so fühi!
Solaft soon die Hülli so friedlidh ein,
Wie wohl muß erst dem Geiste seyn!

Offenb. 14,13; Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja der Geist spricht, daß fie ruhn von ihrer Arbeit; denn ihre Werte folgen ihnen nach.

Da

Da liegt das Kleid, welches der irdische Pilgrim trug in der ganzen Zeit seiner Wallfahrt, bei Sonnenschein und bei Regen. D was für Gedanken einem durch den Sinn gehen, wenn man bei einer Leidye steht – Gedanken, die einem sonst niemals kommen! Nun hätte man noch so viel zu sagen, nun hätte man nod) so viel zu hören - nun hätte man so viel abzubitten. Aber sein Ohr hört nicht, sein Mund spricht nid)t. Wie viel anders würde man mit allen Menschen umgehen, wenn man es sid, vorstellte, was man fühlen wird, wenn sie im Leichensdymud auf der Bahre vor einem liegen werden!

Im Sdymelzofen der Trübsal geläuterte Seele, du bist nun bei Gott. D wenn jekt die Binde von deinem Auge abfällt, wenn der Glaube sich in Schauen verwandelt, wie wird dir seyn! Wenn aus des Herrn Munde, an dessen Hand du ge: wandelt bist, als du sein Angesidit noch nicht sehen fonntest -wenn du aus seinem Munde vernehmen wirst das: «Gehe ein du getreuer Knedyt, zu deines Herrn Freude! » wenn deines Herrn Freude in deiner eigenen Brust wiederleudytet - wie wird dir reyn! Die Frucht ist gefaden, da sie reif war. Seliger, bir ist beschieden gewesen, auf der Erde aufzureifen, du hast die Köstlichkeit des mensdylichen Lebens, seine Mühe und Arbeit reichlich gekostet, aber auch nicht vergebens gefoftet: was du

nad, 2ußen gearbeitet hast, das ist auch eine Arbeit nach Innen gewesen. Au sein Arbeiten in der Welt, das war zu gleicher Zeit der Ausbau deiner eigenen Seele zum Tempel Gottes. Wenn am Abende nad, cinem heißen Tage der mit Frudyt be: ladene Wagen in's Haus einzieht, da freuen sid, alle Bewohner. So sehe id) didy einziehen, du heitrer, seliger Geist, in deines himmlisdyen Baters Haus und die Bewohner des Himmels freuen sich. Wo so viele Freude im Himmel ist, muß ja die Klage auf Erden verstummen. Wenn sie herunter kommen könnte deine Stimme von da, wo du jetzt bist, gewiß sie würde uns nichts anderes zurufen, als: Weinet nidyt! So müssen wir ja unsere Thränen trocknen.

Du hast uns nicht angehört, da du nod) auf Erden mans deltest, du warst deines Herrn. So können wir ja nichts, als nur danfen, das du so lange uns geliehen gewesen bist und festhalten das, was mir durd, dich empfangen haben. Seliger Geist, du soust unter uns bleiben; von dem Besten, was du selbst gehabt hast, hast du so viel uns gegeben, daß wir didy nodhaben, nachdem du gegangen bist. Klar fast bis zur pers fönlichen Erscheinung stehst du noch unter uns, daß wir noch mit dir Rath pflegen können und dein Mund uns noch lehret, audy nadidem der Tod ihn schon geschlossen hat. Du haft auf Erden für uns gebetet und gewadyt, o mit einer Treue und mit einer Inbrunst, daß der Segen deiner Fürbitten audy jetzt noch nicht erschöpft ist, sondern auf uns herniederfallen wird, fo lange wir leben, wie ein Thau Gottes. Auch im Anschauen des ewis gen Lichtes wirst du unserer nicht vergessen, ist dody das ewige Lidyt selbst das Licht der Liebe, und deine Gedanken an uns werden Gebete seyn.

Ausgerungen ist dein Glaubenskampf. Wir haben es an dir gelernt, daß der Mensch an den Unsichtbaren sid, halten Fann, als fäbe er ihn, und weil wir es gelernt haben, so dürfen wir nun auch nicht trauern, wie die, welche feine Hoffnung haben. Dwas sie begraben werden, das bist ja Du nicht, das ist dein Kleid und zu dem Kleide haben sie gelegt die Mühen, die du darin ertragen hast, und deine Thränen, und wenn du es wieder empfangen wirst, von der Hand der Allmacht erneut, da

es feine Thränenspuren mehr au fidy tragen. Der aber

der gesagt hat: «Wo id) bin, da sot mein Diener auch seyn», der hat didy dahin genommen, wo er ist und da ist gut seyn. Was sollen wir trauern? Wohl fehleft ou uns, atein der, der einen solchen Bater, einen solchen Gatten, einen soldeu Freund geben fonnte, der muß dod) nod, ein größerer Vater, ein größe. rer Gatte, ein größerer Freund sein! wo ein Mendy aus unserer Mitte hinweggenommen wird, der selbst in seiner gans zen Erscheinung nur immer auf den Unfidytbaren hinwies, wie Idyließen sich da die Herzen über dem Grabe desto mehr an eins ander und desto mehr an den UInsidytbaren an. Eine solche Seele ist ja wie ein Strahl, der von der ewigen Sonne ausgeht und nadidem er wieder zu ihr zurückgegangen, da blickt das Auge desto unverwandter zu ihr hin. Da wir an deinem Herzen nicht mehr liegen können, wollen wir uns desto mehr an das Herz unseres Gottes legen. Uud, das ist ein so großer Segen, daß, wenn einem Solche sterben, die dem Herrn angehören, ihre Liebe uns erzieht, nachdem sie schon dahingegangen sind. Wiedersehn! ruft die Sehnsucht des Herzens, aber wir wissen es aud), daß dahin, wo du jekt bist, wir nur kommen können auf dem Wege, darauf du gewandelt bist. Ach, man denkt sich das Wiedersehen so oft nur als eine nothwendige Folge des Sterbens und doch öffnen fid, hinter dem Grabe noch so vielerlei Wege! Heilige, verflärte Seele, ja wir werden dich wiederschauen - wir werden didy wie: derfinden, wenn wir auf den Wegen, darauf du gegangen bist, bir nadystreben. D von der letzten Anhöhe aus, die man im Les ben zu übersteigen hat, wie sehen sich die Kämpfe, die hinter einem liegen, so geringe an, und wie wohl muß dem seyn, der sich sagen kann, daß er sie nicht gescheut hat! Wenn ich so vor der Leidye eines der Sieger Gottes stehe, der ausgekämpft hat, da rage ich mir: Ach, nun ist ja Ades vorüber und schien doch, da man darin stand, so schwer und unübersteiglich zu seyn! Ueber den Leidyen ist es stil. Sa, der sanfte Friede der Ster. bestunde ist es werth, daß man um seinet willen den Krieg eines langen Lebens nicht ich eut.

«Das Gedächtniß der Gerechten bleibet im Segen » 1). Ja, das Andenken an die Kämpfe deines Lebens, wie an die Rube deines Sterbens, du seliger Streiter Gottes, You als ein

1) Errüd)t. 10, 7.

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Im Verlage von Friedrich Perthes ist so eben er: (dienen: Die heiligen Geschichten des Alten Testaments,

nach ihrem Geiste dargestellt, in welchem sie inners lich wollen erlebt seyn, zur Lehre und Erbauung für Lehrer, Eltern und für Alle, denen es ein Ernst ist, das lautere Reich Gottes immer mehr in ihr Leben hineinzubauien. Von Fr. Georgi, Conrector in Langensalza. Geh. 18 Gr.

Wer die Bibel nicht so eifrig lieset, wie sie es verdient, der bes weiset damit, daß fie an ihm die ihr inwohnende ganze Kraftfülle nedy nicht bewährt hat. Wer sie erkennt (Joh. 17, 3.) als das, was sie ist; dem darf fleißiges Lesen der Bibel nicht erst empfohlen werden. Ihm verklart sie sich, aus der Reihe der Bücher heraustretend, als cinen Schat, der durch Nichts auf der Welt ersegt werden kann. Dieß vermag sie freilich nicht als ein Buch, das da erzählt, was vor 200 Jahren und früher einmal geschehen ist; dieß vermag nur der Geist, von dem sie zeugi (Ioh. 5, 39.). Das mit dem vorstehend angekündigten Buche beginnende Werk nun will, ohne Worterklärung zu seyn, diesen Geist erwecken und entwideln, so daß er seine allgewaltige Kraft in dem willigen Lehrer mehr und mehr geltend madhe. Das hat es mit den Andachtsbüchern gemein, unterscheidet sich aber von ihnen dadurch, daß es zur Bibel in noch directerer Bezie: hung steht, das Verständniß auch über die Stellen der heil. Schrift ver: breitend, welche in demselben nicht ausdrücklich abgehandelt sind. Das hiermit erscheinende erste Båndchen bebandelt so die heilige Geschichte des Ulten Testaments bis zum Tode des Moses. Die 2. Abtheilung wird die übrigen Geschichten des Alten Testaments, das II. Buch die des Neuen Testaments enthalten.

(Dieß Buch ist von dem Verfasser der Schrift: „Wie Maria beten lernte 2c. Ein Buch für alle Mutter, denen am Herzen liegt was ihren Kindern vor allen Noth thut.")

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