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Das Gedicht XIV spricht von einer gastlichen Aufnahme des Dichters bei Qais dem Jemeniten (vv. 7. 9), der in der Handschrift des British Museum genauer als Qais b. Ma'dikarib bezeichnet wird. Leider fehlt uns jede weitere Nachricht über den hier zu Grunde liegenden Vorgang. Da aber in den ausführlichen Berichten über die 5 Beziehungen des Dichters zu Hîra dies Ereignis mit keinem Worte erwähnt wird, thut man am besten, diese Reise als eine Folge des Zerwürfnisses mit seinen Verwandten zu fassen.

Wie schon erwähnt wurde, hat die Überlieferung sich fast ausschliesslich dem gemeinsamen Aufenthalt des Mutalammis und des 10 Țarafa am Hofe von Hîra und den sich hieraus entwickelnden Folgen zugewendet. Bei dieser Gelegenheit mag ein Umstand erwähnt werden, den die Überlieferung zwar berichtet, aber nicht weiter beachtet hat. Der Name des Vaters unseres Dichters ist halb heidnisch, halb christlich. Will man diese Nachricht anerkennen, so deutet sie darauf, dass der 15 Vater von M. unter christlichen Einflüssen gestanden hat; die Beibehaltung des heidnischen Namens lässt sich so erklären, dass seine Landsleute den Übertritt zum Christentum nicht anerkannten, oder dass er rückfällig wurde. . Da jede weitere Aufklärung fehlt, müssen wir die Frage offen lassen, ob der ernste, im Alter stark zum Parä- 20 netischen und stets zum Hinweise auf grosse Vorbilder geneigte Sinn des Dichters auf diese Einflüsse zurückzuführen ist. Jedenfalls kann uns das Auftreten christlicher Propaganda in Ost-Arabien um die Mitte des sechsten Jahrhunderts n. Chr. nicht befremden. Denn OstArabien stand politisch und kulturell in Abhängigkeit von Hîra, und 25 um dieselbe Zeit, von der wir hier sprechen, gründete Hind, die Mutter des 'Amr, mit dem Mutalammis zu thun hatte, ein Kloster, dessen Weihinschrift uns von den Arabern mitgeteilt ist.**

Aus den ältesten Beziehungen des Mutalammis zu Țarafa** wird eine Episode erzählt, die allerdings berechnet ist, die geistige Reife 30 des jungen Țarafa ins Licht zu stellen, aber hier nicht unerwähnt bleiben darf. Ich meine jenen von dichterischen Vorträgen begleiteten Meglis, der bald ins Lager der Dubei'a, zu denen Țarafa gehörte, bald an den Hof von Hîra verlegt wird. *** Unser Dichter oder nach anderen Nachrichten der ihm genealogisch nicht fernstehende al Mu- 35 saijab b. ‘Alas trug einige Verse zum Lobe eines trefflichen Reit

* Bekri 364; Jacut II 709.

** M. war Oheim des ?. von mütterlicher Seite (Aġ. XXI 187, 14) vgl. SELIGSOHN, Parafa, S. 3.

*** Aġ. XXI 203 (LA. XII 241, 7 ff.); Meidani II 246 (II 34); A. P. CAUSSIN DE 40 PERCEVAL, Essai II 345; SELIGSOHN, Ţarafa 4f. Ibn 'Abd Rabbuh, väell III (1293) 156, 29; Ibn Quteiba ed. DE GOEJE 88. Zum Ausdruck ävevo vg!. noch Socin, Diwan III 2836.

kamels vor, deren Text unten (als Fragment XXXVIII) mitgeteilt ist. Țarafa, dessen knabenhaftes Alter hier stets hervorgehoben wird, fühlte sich veranlasst, den aus Jemen stammenden Ausdruck äveno,

der hier auf das männliche Tier angewendet war, zu rügen und rief 5 keck aus: al giul de das Kamel ist hier zur Kamelstute geworden! Die Redensart soll aus diesem Anlass sprichwörtlich geworden sein. Nach Einigen hat unser Dichter schon damals dem Tarafa sein Verhängnis angedeutet.

Über den Aufenthalt der beiden Dichter am Hofe von Hîra, ihre 10 Beziehungen zu 'Amr und dessen Bruder, die Vorbereitung und den

Ausbruch der Katastrophe liegen verschiedene mehr oder weniger ausführliche Berichte vor, in denen im günstigsten Falle der Kern als geschichtlich anerkannt werden kann.

Die Erzählung, die im Diwân die Einleitung zu Gedicht III 15 bildet, fügt den bisher bekannten Berichten manche neue Züge

hinzu.* Da diese Vorgänge die einzigen sind, aus denen heraus die Chronologie unseres Dichters sich konstruieren lässt, dürfen wir nicht unterlassen, die Angabe des Diwâns hierüber zu prüfen und mit den

übrigen Berichten zu vergleichen. In Übereinstimmung mit den zu20 verlässigsten Berichten nennt der Diwan (IV 12) ‘Amr und Qābûs

nebeneinander. Und II 2 wird der König, der den Dichter aus seinem Lande verbannt hat, neben Hind genannt. Diese Angaben genügen, um erkennen zu lassen, dass wir es mit Hind, der Frau des 554 n. Chr.

im Kampfe bei Hijâr gefallenen Mundir (III) von Hîra, und ihren 23 Söhnen und Nachfolgern ‘Amr (c. 554-569) und Qābûs (c. 569–573) zu thun haben.

Anderer Lahmiden wird im Diwân nur noch einmal gedacht, nämlich VI 11, wo zwei Söhne der Umâma und al-Aswad erwähnt

werden. Über eine dem Hause von Hîra angehörige Umâma haben 30 wir nur eine kleine Notiz bei Jāqût (IV 130, 5), wo gesagt wird, dass

Mundir (III) nach der Hind ihre Schwester Umâma heiratete, die ihm einen Sohn gebar, der ebenfalls den Namen 'Amr erhielt. Von zwei Söhnen der Umâma ist nirgends die Rede. Der Name al-Aswad

tritt in der Geschichte der Lahmiden zweimal auf. Der erste dieses 35 Namens, Sohn des Mundir (I) und der Hirr, muss der zweiten

Hälfte des fünften Jahrhunderts n. Chr., der zweite, Sohn des Mundir (IV) und der Mârija, dem Ausgange des sechsten Jahrhunderts n. Chr. angehören.** Zu den chronologischen Schwierigkeiten, die also der

* Vgl. die unten im Diwân zwischen II und III am Kopf des Şahîfa-Berichtes an40 geführte Litteratur und BROCKELMANN, Arab, Litteratur I 23. Die feste Prägung des Ausdrucks und übläinsuo scheint auf al-Ferazdag zurückzugehn (Aġ. XXI 197, 24).

** NÖLDEKE, Perser u. Araber 132 u. 313; G. ROTHSTEIN, Lahmiden 109.

Vers VI 11 bereitet, tritt noch hinzu, dass er den Zusammenhang unterbricht und Ag. XXI 201,20 auch fehlt. Wir können demnach kein Bedenken tragen, ihn für einen Zusatz zu halten, in dem die chronologische Konfusion, die so oft hier zu beobachten ist, zum Ausdruck kommt. Dass hier der jüngere Aswad gemeint ist, geht 5 aus dem Scholion zu VI 11 hervor, wo er als Bruder des Noʻmân bezeichnet wird, der als N. III circa 580–602 regierte.

Aber wir haben auch andere zerstreute Spuren davon, dass eine jüngere Überlieferung den Aufenthalt der beiden Dichter am Hofe von Hîra nicht in die Zeit des 'Amr b. Hind, sondern später verlegte. 10 In Fragment XVIII wird Mundir, d. h. nach dem Obigen vielleicht M. IV, der Vater des Noʻmân und des Aswad, als Urheber der verhängnisvollen äéiso verwünscht. Andere fassten diesen Noʻmân (III), den Gönner des Nâbiga, der mehr als irgend ein anderer Lahmide in der Erinnerung der Araber haftete, auch als den Fürsten, bei dem 15 Mutalammis verkehrte, und mit dem es zum Bruche kam. Darauf deutet die in der Hamâsa 323, v. 4 (unten Diwan V 8) enthaltene Bemerkung: breitl uols! – das Fragment XXIX, in dem Abu Qābûs, das ist eben dieser Noʻmân, als Gönner des Dichters genannt wird und der Ag. XXI 198,4 ff. gegebene Bericht des Abū 'Obeida 20 über den Anlass von Gedicht VI, der schon durch v. 12 entkräftet wird, wo 'Amr und Qābûs genannt werden.

Der Zeit vor dem Bruche kann keines der im Diwân enthaltenen Gedichte zugewiesen werden. Das unten als Fragment XXXIV aufgeführte Stück könnte mit Ibn as-Sikkît hierher gezogen werden, 25 weil 'Amr b. Hind darin angeredet wird. Aber man muss sich doch fragen, wie eine solche Sprache denkbar ist, solange der Bruch zwischen dem Fürsten und den beiden Dichtern noch nicht eingetreten war. Es empfiehlt sich daher wohl mehr, dies Stück, wenn man es überhaupt dem Dichter lassen will, aus der späteren Zeit zu 30 erklären, die Anklagen sind dieselben, die auch in VI 14. 16 ihren Widerhall finden.*

Ungefähr die Hälfte des Diwâns beschäftigt sich mit der den Aufenthalt der Dichter am Hofe von Hîra abschliessenden Katastrophe: der Entdeckung des Treubruchs, dem Untergang des jungen Țarafa, 35 der Flucht des Mutalammis und seinen Bemühungen, der Rachsucht des Fürsten zu entgehen und die Stammesfreunde gegen ihn in Bewegung zu setzen, um Țarafa zu rächen. Hierher gehören die Stücke: III, IX, X; II, IV, vv. 1-12. 16. 17, VA (d. h. vy. 1-9) VI, VII, XII u. XV.

Das Gedicht III, das in knappster Form die Entdeckung des

40

* Vgl. SELIGSOHN, Țarafa, S. 100, XIX.

Schriftgeheimnisses ausspricht, kann in seiner Echtheit kaum angefochten werden. Dagegen scheint es mir erwägenswert zu sein, ob es nicht ein Stück, wahrscheinlich der Schluss eines grösseren Ganzen ist. Die Wirkung und Verbreitung des Gedichtes lässt sich zum 5 Teil aus den unzähligen verschiedenen Fassungen, in denen es uns überliefert ist, ermessen. Der Schauplatz des Ereignisses wird meist nach Babylonien, in die Nähe von Hîra, verlegt;* hingegen nennt die im Diwân als Einleitung zu Gedicht III gegebene Erzählung die

ostarabische Küste.** Der Weg war im ganzen ja vorgezeichnet, 10 da der Statthalter oder Kommissar des Lahmiden in Bahrein seinen Sitz hatte; alles einzelne wird auf Vermutung beruhen.

Bleiben wir einstweilen bei dem Schicksal des Țarafa, so schliesst sich hier X an, das ebenso kurz und eindrucksvoll wie in seiner Art

III den Leichtsinn und das traurige Ende des jungen Mannes beklagt. 15 Über die Art seiner Tötung weiss die Legende schon der ältesten

Zeit manches zu erzählen. Fassen wir VI 10 und X 2 zusammen, so ergiebt sich, dass Țarafa enthauptet wurde; dann stiess man ihm eine Lanze durch den Leib und trug die so geschändete Leiche auf

einem Speer liegend davon oder zur Schau umher. 20 Trotz der vielen Gedichte, die sich mit den Folgen dieses Ereignisses

beschäftigen, wird es doch schwer, ein geordnetes Bild der Entwickelung der Dinge zu entwerfen. Die Stücke II und IX müssen bald nach der Katastrophe entstanden sein. Überaus eindrucksvoll

ist II. Das auch IV 16 erwähnte Ausweisungsgebot gegen den Dichter 25 wird vorausgesetzt. Der Fürst wird mit fortgesetztem Higā bedroht,

sein Charakter wird verunglimpft, seine Vorfahren werden verdächtigt. Dass IX auch sehr früh angesetzt werden muss, scheint mir aus vv. 2. 3. 6. 8—10 zur Genüge zu erhellen; 7b ist wohl auf den Statt

halter des Fürsten zu deuten.*** 30 Während hier aber v. 9 ausgesprochen wird, dass er seinen

eigenen Stamm verlassen habe, um ihn nicht der Rache des Lahmiden auszusetzen, deuten andere Stücke mehr darauf, dass der Dichter erst noch eine Zeit lang unter den ihm nahe stehenden Stämmen

gegen 'Amr agitiert hat und dass die Şahîfa-Katastrophe den schon 35 vorhandenen Unruhen und Parteiungen jener Gegenden neue hinzu

* Bei en-Negef: Aġ. XXI 194, 26; 195, 18.

** Am Gewässer Muḥallim, bei den Burgen al-Mušaqqar und aş-Şasā, nahe der Stadt Hagar. Der Wasserreichtum dieser Gegend erinnert an die im Diwan V 8b vor

ausgesetzten und von PALGRAVE bei e-Riad beobachteten Verhältnisse. 40 *** Die Daufan stehen genealogisch dem Dichter nahe (Ibn Doreid 192, 9). Über

den mit ihm genannten Buhta vgl. Diwân I 4. 17. Ibn Coteiba (Handbuch 44, 18) nennt diese beiden Sippen geradezu: gulabl boy. Sonst werden die Qilâba (Diwân VI 16) oder die Pubeiʻa (Kâmil 276, 8) so genannt.

gefügt hat, die schliesslich den Dichter veranlassten, seine Verwandten und seine Heimat aufzugeben, um bei den alten Gegnern der Lahmiden, den Gassâniden, Zuflucht und Schutz zu suchen. Ob die in XIV erwähnte Flucht nach Jemen auch in diesen Zusammenhang gehört, bleibt unklar.

5 Dagegen sind mit Bestimmtheit von IV hierher zwei Stücke zu ziehen, einerseits vv. 1-5, andererseits vv. 6–12. 16. 17. Dort werden die Bekriten wegen ihrer Saumseligkeit in Sachen der Rächung des Țarafa gerügt und auf das Beispiel des ‘llâf und des Sâma b. Lu'aïï verwiesen, die die Auswanderung der Unterwerfung und Demütigung 10 vorzogen. In dem zweiten Fragment wird der Bruch mit dem Lahmiden und die Hoffnung, im Haurân oder in der Damascene bei den Gassâniden eine neue Heimat zu finden, ausgesprochen. Das Reittier möchte gern seinen alten gewohnten Weg zwischen Hîra und der Jemâma gehen (v. 10), aber damit ist es vorbei, es muss westwärts 15 ziehen. Zugleich erhalten wir hier einen wertvollen Wink, wo die Herrschaft der Gassâniden um 560 n. Chr. ihren Mittelpunkt hatte.* Leider ist die Lage des VI 15 in ähnlichem Zusammenhange genannten

nannten Stücken von IV liegen. Es wird Rache gepredigt (v. 4) und 20 auf das Beispiel von Qaşîr und Beihas Na'âma verwiesen. Und sollte es dem Lahmiden einfallen, die Verwandten der beiden Dichter in ihrem eigenen Lande aufzusuchen, so wird ihm trotzig und höhnisch ein würdiger Empfang in Aussicht gestellt (vv. 8-9).** Nicht mit Unrecht gehört dieser letzte Vers zu den meist citierten unseres 25 Dichters. Dieselbe stolze Herausforderung kommt in XV zum Ausdrucke, obwohl hier nicht alles klar ist. Das Gedicht VI steht abgesehen von dem jüngeren Nesîb (vv. 1--2) diesem Gedankenkreise nahe. Die Situation ist in der Heimat des Dichters, mit dem ‘Iraq ist es aus (v. 3), das Reittier soll nordwärts seinen Lauf wählen (v. 4), 30 wo gastfreie Leute den Dichter erwarten (v. 9) im Gegensatz zu dem schmählichen Empfang, den der arme Țarafa (v. 10) bei seinen eigenen Leuten erhalten hat. Mit wilder Wut werden die durch die Ermordung des Țarafa betroffenen Stämme gegen 'Amr wie Hunde gegen ein Jagdtier gehetzt (v. 18). Als die engere Sippe der beiden Dichter 35 treten hier die Banū Qilâba auf (v. 16).

In VII kommen verschiedene Stimmungen zum Ausdruck, einerseits Eifersüchteleien, Trennung und neue Gruppierung, der alte Gegensatz zwischen den Jaškur und Dubeiʻa (v. 8), andererseits der Bruch mit Hîra (v. 9) und der Entschluss nach dem Westen' aus- 40

* Vgl. NÖLDEKE, Die Ghassanischen Fürsten (1887) S. 50–52.

** Das v. 6 erwähnte al-Gaun ist vielleicht identisch mit H. KIEPERTs (Arabien 1867 u. sonst) Djûn. Prof. J. J. Hess bezweifelt die Richtigkeit dieses Namens.

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