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Marduk, der grosse Herr, mein Königtum aufrichtete* und die Herrschaft über das ganze Volk mir anvertraute, Nebo, der Leiter des gesamten Himmels und der Erde zur Regierung des Volkes ein

reines Szepter in meine Hand gegeben hatte, bete ich sie an, habe 5 acht auf ihre Gottheit. Wegen ihres ehrwürdigen Namens fürchte

ich Götter und Göttinnen. Zu Marduk, meinem Herrn, flehte ich, begann zu ihm zu beten und er beachtete die Worte meines Herzens. Zu ihm sprach ich: Ewiger, hehrer, Herr dessen, was da ist, den

Namen des Königs, den du liebst, dessen Namen du berufst, der dir 10 wohlgefällig ist,** leitest du recht, den rechten Weg befiehlst du

ihm. *** - Ich bin der Fürst, der dir gehorcht, das Geschöpf deiner Hände; du hast mich geschaffen, die Herrschaft über alle Völker mir anvertraut. Gemäss deiner Gnade, o Herr, welche du überströmen

lässt auf sie alle, † lasse barmherzig stimmenti deine erhabene Herr15 schaft, die Furcht vor deiner Gottheit lass sein in meinem Herzen! Verleihe, was dir wohlgefällig ist, der du mein Leben geschaffen hast!“ITT

Nebukadnezars ganzes Bestreben war darauf gerichtet, die Tempel Marduks möglichst glänzend herzurichten. Esagila wurde ausge

schmückt,** Ekuas*** Wände liess er sonnengleich strahlen.**** 20 Das Tor Hilisir, das Tor der üppigen Kraftf* und das Tor von

Ezida und Esagila liess er herstellen wie den Glanz der Sonne. „Dů-azag, den Ort der Schicksalsbestimmer, welches ist das Upšukkinâķu ii* der Geschicke, in welchem am Zagmuku, dem Neu

jahr, am 8. und 11. Tage der Gott als König der Götter des Him25 mels und der Erde, 111* der Herr des Himmels, sich niederlässt, die

* Ungenau: mein königliches Haupt erhöhte (KB); als er das Haupt meiner Königsherrschaft erhöhte als er aufrichtete meine Königsherrschaft; lediglich l'mschreibung sür: Als er mich zur Königswürde berief.

** Die Beziehung dieses Rel.-Satzes auf „Namen“ HW S. 441 ist gewiss möglich, 30 jedoch scheint es mir besser, in demselben einen neuen Gedanken zu sehen: Der König, den du selbst liebst und der auch den entsprechenden Wandel führt. *** Allgem. Obersatz des Gebetes, auf den nun die spezielle Anwendung solgt.

* gimiršun Acc. des inn. Obj.

1 Nach HW III II 1: barmherzig stimmen lassen. 35 111 a. a. 0. I, 40—72; II, 1.

** aštakkan zinnâti a. a. O. II, 42.

*** vgl. die Amerkung zu DT 109, I Vorders. 7 (No. XXIV), wo ł. KU.A in Parallele gesetzt wird mit der han der Mischna (KU. A ašâbu) Einwohnung **** a. a. 0. 43 ff.

** bâb kuzbu; da dieses nach Neb. Grot. 1, 31 VR 34, I, 49; KB III 2 S. 40 f. 46f. der Sitz der Sarpanit ist, (nach der späteren Deutung die samenspendende Göttin), so trifft die Übersetzung „Tor der Zeugungskraft“ (WINCKLER, KB III 2 S. 15. 33. 40) wohl das Richtige.

*** HW S. 119b.

**** vgl. V R 34, I, 50 (KB III 2 S. 40 f.), wo Ezida, das Heiligtum Nebos in Esagila, 45 ebenso šubat il Lugal dimmer an kia genannt wird.

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Götter des Himmels und der Erde ehrfurchtsvoll auf ihn achten, gebeugt vor ihm stehend das Geschick für ewige Zeiten, das Geschick meines Lebens, darin bestimmen*: selbiges ** Gemach, das Gemach seines Königtums, das Gemach der Herrschaft des Helläugigen der Götter, des hehren Marduk, dessen Bau ein früherer 5 König mit Silber gebaut hatte, bekleidete ich mit glänzendem Golde, einem strahlenden Schmucke. Die Geräte des Tempels Esagila und das Schiff KU.A*** schmückte ich mit şarîru und Edelstein gleich den Sternen des Himmels.“ Die Spitze des Tempelturmes Etemenankit machte er hoch mit einem glänzenden Überzug von hellem 10 Lasurff-Stein, für die Bedachung liess er „von dem hellen Waldgebirge“ des Libanon die besten Cedernstämme kommen und sie zur Bedachung von Ekua mit strahlendem Golde bekleiden. Mit Ebenso baute er in Borsippa** Ezida, das echte, wahre Haus, *** den Tempel Nebos, neu und liess ihn von Gold und Edelstein glänzen wie das 15 Sternenzelt. **** Emachtila wurde mit mächtigen, goldüberkleideten Cedernstämmen bedeckt. * Das Prozessionschiff11* für den Neujahrstag wurde herrlich hergerichtet. Das Opferhaus (Esakkur) baute er berggleich an der Umfassungsmauer von Babel. Die Reihe der übrigen Tempel,+11* die Nebukadnezar in Babel baute, bezweckten 20 alle die Verherrlichung Marduks. Imgur-Bêl und Nimitti-Bèl, *11 die beiden grossen Mauern Babels, waren Marduk zu Ehren so genannt worden. Nabopolassar hatte dieselben begonnen, Nebukadnezar vollendete sie. Bei deren Vollendung betete er**TT: „Marduk, grosser Herr, das Werk meiner Hände zu Gnaden sieh' freudig an, meine frommen 25 Werke mögen sein auf deiner Lippe! Mit deinem reinen Worte, das nicht geändert wird, verkünde das Langwerden meiner Tage, befiehl Nachkommenschaft! Auf deinen erhabenen Befehl, der nicht unwirksam gemacht wird, möge ich nicht haben einen Feind, einen Widersacher nicht bekommen!"

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* vgl. auch die Übersetzung ZIMMERNS KAT3 S. 402 Anm. 1. ** I R III, i šú-ú gegen KB III 2. *** Das Prozessionsschiff Marduks. * a. a. (). III, 15 ff.

aban ugnû Lasurstein AL4 S. 40. iii a. a. 0. 21 ff.; V R 34, 1, 46 ff. (KB III 2 S. 40f. 46f).

** a. a. 0. 36 ff. *** bit kênu vgl. HW S. 323 und dazu aplu kênu. **** V R 34, I, 55 ff., II, 1-3; KB III 2 S. 40 f. 48f.

** VR 34, II, 3f.; KB III 2 S. 40 ff. 48 f. *** a. a. 0. IV, iff, 177* a. a. 0. IV, 14 ff.

*** a. a. 0. IV, 66 ff. **I* IR 52, 3, II, 23 ff.

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Die Prozessionsstrasse Marduks, die bereits Nabopolassar von Dů-azag bis zur Strasse Aiburšabû als Prachtweg hergerichtet hatte,* wurde verlängert, indem Aiburšabû mit einer hohen Aufschüttung

ausgefüllt und mit einer Wand aus grossen, schönen Backsteinen ge5 schmückt wurde. ** An Aiburšabû, die Strasse Babels für die Pro

zession des grossen Herrn Marduk, fügte er eine Kanalbrücke und machte den Weg breit. Dabei betete er***: „Marduk, grosser Herr, sei immerdar gnädig, langes Leben, Sättigung mit Nachkommenschaft,

Festigkeit des Thrones und Altwerden meiner Regierungszeit schenke jo als Geschenk!".

Nebukadnezar führt es auf seinen Eifer für die Ehre Marduks zurück, dass er Babylon allein als Hauptstadt ausgezeichnet und geschmückt habe, während viele unter seinen Vorgängern andere Städte

bevorzugten und nur am Zagmuk-Feste, „dem Feste der Erhebungi 15 des Herrn der Götter Marduk" nach Suanna hineinkamen.i* „Seitdem

mich Marduk fiir die Herrschaft schuf, Nebo, sein rechtmässiger Sohn, mir sein Reich übertrug, liebte ich wie mein teures Leben ihr freundliches Bild. Ausser Babylon und Borsippa machte ich keine Stadt

glänzend." It In Babel, seinem Augapfel, baut sich daher Nebukad20 nezar auch einen neuen glänzenden Herrschaftsitz an Stelle des von

Nabopolassar erbauten inzwischen baufällig gewordenen Palastes, während er keine andere Stadt mit einer Residenz schmückte.*

Diese einzigartige Bevorzugung Marduks durch Nebukadnezar zeigt deutlich, dass hier die günstigsten Prämissen gegeben waren, 25 um dem Monotheismus zum siegreichen Durchbruch zu verhelfen,

zumal der babylonische Polytheismus immer einen ins Monotheistische schillernden Zug aufweist. ** Das Gebet, das Nebukadnezar nach der Vollendung seines Palastes an Marduk richtete, könnte, abgesehen

von der Anrede, ganz wohl von einem Manne gesprochen sein, der 30 nur an einen Gott glaubte. „Zu Marduk, meinem Herrn, flehte ich,

erhob meine Hand ****: Marduk, weiser unter den Göttern, mächtigster, du hast mich geschaffen, die Herrschaft über die Gesamtheit des

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a. 2. O. V, 12 ff.

a. a. 0. 38 ff.
*** IR 52, 4, II, 5 ff.

† vgl. JENSEN KB VI 1 S. 306; ZIMMERN KAT3 S. 371.
ti a. a. 0. VII, 9ff.

a. 2. 0. 26 ff.
** a, a. 0. VII, 34 ff.

*** vgl. WINCKLER, Die babylonische Kultur S. 181.: „Es gibt wohl viele, ja zahllose Götter, diese sind aber Offenbarungsformen der einen grossen göttlichen Gewalt“; vgl. S. 5 Anm, 2.

**** a. a. 0. IX, 45 ff. vgl. Grotef. III, 29 ff.; IR 52, No. 6, 7 ff., wo das Gebet in etwas verkürzter Form sich findet.

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Volkes mir anvertraut. Wie mein teures Leben liebe ich dein erhabenes Bild. Ausser deiner Stadt Babel habe ich aller Orten keine Stadt glänzend hergerichtet. Wie ich liebe die Ehrfurcht vor deiner Gottheit, bedacht bin auf deine Herrschaft, (so) sei gnädig der Erhebung meiner Hand, erhöre mein Flehen. Ich bin ja der 5 fürsorgende König, der dein Herz erfreut, der weise Statthalter, der ausstattet alle deine Städte. Auf dein erhabenes Geheiss, barmherziger Marduk, möge das Haus, das ich gebaut habe, in Ewigkeit festen Bestand haben, und möge ich seine Pracht geniessen, in ihm das Greisenalter erreichen und gesättigt werden mit Nachkommen- 10 schaft, von den Königen der Weltenden, der gesamten Menschheit, schweren Tribut darin empfangen. Von der Tiefe des Himmels bis zur Höhe des Himmels, ** wo die Sonne aufgeht, möge ich keinen Feind haben, keinen Widersacher bekommen! Meine Nachkommen mögen darin für ewige Zeiten über die Menschen herrschen!"" 15

Wie Nebukadnezar war auch Neriglissar ein treuer Verehrer Marduks. Auch er führt seine Regierung auf „Marduk, den Fürsten der Götter, den Schicksalsbestimmer*** zurück, nennt sich ,,Erneuerer von Esagila und Ezida“, † „der für Esagila unablässig tätig, der auf die Ausschmückung aller Städte der Götter ständig bedacht ist“; TT 20 er betete ähnlich wie Nebukadnezar Tii: „Marduk, grosser Herr, Herr der Götter, glänzender, Licht der Götter, (sprach ich), auf dein erhabenes Geheiss, das nicht geändert wird, möge ich die Pracht des Hauses, das ich gebaut, geniessen, in ihm das Greisenalter erreichen, gesättigt werden mit Nachkommenschaft. Vom Fundament des Him- 25 mels bis zur Höhe des Himmels, wo die Sonne aufgeht, möge ich darin von den Königen der Weltenden, der gesamten Menschheit schweren Tribut empfangen, meine Nachkommen mögen darin für ewige Zeiten über die Menschheit herrschen!“ Nach der Restauration von Esagil betete er**: „Marduk, grosser Herr, erhabener Herrscher, 30 ehrwürdiger, gewaltiger, Licht der Götter, (sprach ich), das kostbare

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* Das ist in den beiden vorausgehenden Sätzen ausgesprochen.

** Über išid šamê und elat šamê vgl. HW S. 64b und 1426. Vom Horizont bis zum Zenith (WINCKLER, KB III 2 S. 29) ist eine schwer begreifliche C'mgrenzung. JENSEN, KB VI i S. 347 meint, es könne wohl (st (Fundament) und West (Höhe) sein, allein 35 er ist seiner Erklärung nicht sicher. Da die Höhe des Himmels erklärt wird als der „Ort, wo die Sonne aufgeht“ (@ma šamšu asil), so ist das zweifellos Osten, išid šamê ist dann der Westen; also: Vom Ausgang der Sonne bis zum Viedergang resp. umgekehrt. *** I R 67, 1, 6. 15.

1 a. a. 0. Z. 2. 11 a. a. 0. II, 12 f. iti vgl. Neb. IX, 45 ff. ** Ripl. Cyl. II, 28 ff.

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Werk meiner Hände sieh' freudig an! Leben ferner Tage, Sättigung mit Nachkommenschaft, Festigkeit des Thrones und Altwerden der Regierung schenke als Geschenk! Auf dein treues Geheiss, das nicht

geändert wird, bin ich Nergalšarușur, der König, der ausstattet, der 5 bedacht ist auf deine Heiligtümer immerdar.“

Nabuna'id unternimmt seine Tempelbauten auf Geheiss Marduks. Vor seinem Entschluss, Ebara, den Sonnentempel zu Larsa, wieder aufzubauen, betet er zu Marduk*: „Herr, Haupt der Götter, hehrer

Marduk, ohne dich wird keine Wohnung gegründet, besteht nicht 10 ihre Umschliessung. ** Ohne dich, wer kann etwas tun? Herr, auf

deinen erhabenen Befehl möge ich tun, was dir wohlgefällig ist.“ Ebenso führt er die Wiedererbauung des Sin-Tempels Ehulhul auf Marduks Befehl zurück. ***

Alle diese Herrlichkeit Marduks ist mit seiner Stadt Babel in 15 Trümmer zerfallen und begraben worden. Ob Marduk selbst mit

dem Untergange seiner Stadt gänzlich unterging?

f) Marduk und die biblische Gottesidee.

Wir haben Marduks Genealogief als in erster Linie bedeutungsvoll bezeichnet. Ea, Marduk und Nebo bilden zusammen nicht 20 bloss eine äusserlich verbundene Trias wie Anu, Bel und Ea, sondern

eine Trinitas, eine Dreieinigkeit, die in vieler Hinsicht an die biblische Trinitas: Vater, Sohn und Geist erinnert. Ea tritt immer auf als der Vater ret' {sox-it In der häufigen Bezeichnung Eas als

i NU.DIM. MUD, nach II R 58, 5, 4 = Ea šá nabniti, Ea als Urform 25 vgl. S. 280f. daz. JENSEN, KB VI 1 S. 303, ist, da DIM= banî, MUD =

banů ša alâdi Sc 51, der Gedanke enthalten, dass Ea der Urvater ist, der alles nach seinem Bilde erzeugt und gestaltet; ähnlichen Sinn hat sicher auch i? NA.DI. MUD nach II R 58, 5, 5 = i ła šá kalầma.

.

. Marduk ist immer der Sohn (das gewöhnliche Ideogramm für 30 Marduk enthält diese Bezeichnung: (a)mar, ebenso die erste Silbe

seines Namens mar). Die Einheit des Wesens bei Ea und Marduk ergibt sich vor allem aus den Beschwörungstexten. Ea ist

* Grosse Inschrift aus (PSBA 1889, Bd. 2) Col. II, 35 ff. (KB III 2 S. 90 f.).

** kisuršu von ka sâru dämmen, sperren; es scheint von den Wänden und Mauern 35 im Gegensatz zum Fundamente gebraucht zu sein.

*** V R 64, I, 18 ff. vgl. dazu II, 52 (KB III 2 S. 98 ff.).

* Die weiblichen Gottheiten spielen in der babylonischen Mythologie mit Ausnahme von Ištar (KAT3 S. 420) keine selbständige Rolle, sondern sind bloss Ergänzungen

der männlichen Gottheit. 40 it vgl. ZIMMERN, Vater, Sohn und Fürsprecher in der babylonischen Gottesvorstellung, Lpzg. 1896, S. 1.

Beiträge zur semit, Sprachwissenschaft. V.

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