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Zur Erklärung der elamischen Briefe.

Von

F. Bork.

WEISSBACH hat in den Vorbemerkungen zu seiner sorgfältigen 5 Ausgabe der „Susischen Tontäfelchen" (Beiträge sur Assyriologie IV,

S. 171) diese Täfelchen, die in Kujjundschik gefunden wurden oder gefunden sein sollen, als Briefe in Anspruch genommen. Dagegen sprach, trotz versuchter anderer Erklärungen, von vornherein nichts;

„Kontrakte“ konnten es dem Inhalte nach, soweit er bekannt war, 10 auch nicht sein, höchstens hätte man auf Zeugenaussagen raten

können.

bestimmter Stelle begegnenden Zeichens heute zu entscheiden sein.

Man hatte bisher z. B. K. 1325 gelesen: Akkiriri nantum: U 15 Išpariri, šak Naččinenau. s. w. Dabei brachte man nantum mit

nanri zusammen und übersetzte es mit „(er) sprach“. Hiess nun der Sprecher nach seiner eigenen Angabe Išpariri, so musste Akkiriri etwas anderes sein als sein Name. Es lag nahe genug, es mit akkari

(= „irgend einer“) zu vergleichen. Da aber nantum nicht recht wie 20 eine Verbalform aussah, eher wie ein Substantiv (vgl. taššutum), so

konnte das zweite ri des ersten Wortes als eine Art Genitivpartikel oder Possessivpartikel (vgl. napir-u-ri) erklärt werden, wobei seine Anwesenheit zugleich die Voranstellung des Genitivs zu erklären

hatte. So schien alles zu stimmen, und die Verbesserung Išpahuri, 25 die nicht einmal gesichert war, hätte damals auch keine Bresche in diese Auffassung legen können.

Seit dem Erscheinen der lange und vortrefflich vorbereiteten

wir uns nun freilich auch der durch Bu. 91-5-9, 188 (Nr. 25 bei WEISS30 BACH) geforderten weiteren Berichtigung Pahuri bedienen, denn es

macht schon einige Schwierigkeit, diesen Namen für eine Abkürzung von Išpahuri zu erklären – unter Voraussetzung der Gleichheit der Person –, aber für sich allein beweiskräftig wäre das nicht.

Beiträge zur semit. Sprachwissenschaft. V.

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Nun hat jedoch die neue Durchprüfung der Texte ergeben, dass vor dem fraglichen iš nicht u sondern ru steht (vgl. WEISSB. Nr. 5, Z. 1; Nr. 22, Z. 1; Nr. 25, Z. 13), und mit dieser Ermittelung fällt die bisherige Auffassung. Das iš gehört zu ru und dem Vorigen, der Name lautet Pahuri. Wir erhalten vor demselben die Verbal- 5 form tu(m)ru-š, vom gleichen Stamme wie tu(m)rukume. Die Form würde achamanidisch als tiri-š zu erwarten sein, * was wirklich vorkommt, und es ist wohl zu beachten, dass sich in Nakš-i-Rustem Z. 15 auch turrika (statt tirikka) geschrieben findet.

Der Stamm bedeutet ein verstärktes „sagen“, etwa „feierlich aus- 10 sprechen“.

Da ein nan auch in nan-ke (= *nahha-n-ke-h) vorkommt, so könnte man hier eine Verbalkomposition nan-turu vermuten wollen. Das scheint mir durch den Sinn völlig ausgeschlossen zu werden, da bei dem Reichtum des Elamischen an Partikeln das Fehlen einer 15 solchen hinter Pahuri ganz unbegreiflich erschiene. Vielmehr scheint mir das Pahuri in einem genitivisch possessiven Verhältnisse zu stehen, und zwar eben zu diesem nan, das dann Objekt zu turuš ist.

Nun gibt es auch ein Substantiv nan (= „Tag“), das allerdings den vierundzwanzigstündigen Tag bezeichnet, während das betreffende 20 Wort Bg. I Z. 16, wo „Tag“ im Gegensatze zur Nacht steht, weggebrochen ist. Aber auch das iranische rauča (rõča?) bedeutet ja

Tages, den hellen Tag. Und nun tagt es wohl auch über unseren Texten. Gilt doch auch bei den Iraniern der Tag für heilbringend, 25 trotz der verderblichen Sonnenglut, die Nacht aber für des Menschen Feind. Ich vermute daher, dass in nan die Entsprechung des vorauszusetzenden šulmu steckt; zu übersetzen wäre also:

Akkiriri spricht Heil aus für Pahuri, den Sohn des Maččine".

Akkiri-ri (reduplizierter Kurzname (vgl. HÜSING, Or. Lit. Ztg. III, 30 S. 83 ff.)] ist also der Absender, Pahuri der Empfänger, aus dessen Besitze die Briefe stammen. Dazu stimmt vollkommen, dass auch in Nr. 5 Pahuri an gleicher Stelle erscheint, der Absender aber ist Upičča. Weitere Namen von Absendern sind bei WEISSBACH S. 171

meisten Briefen ist der Anfang, der die Namen des Absenders und Empfängers enthielt, überhaupt weggebrochen, doch ergibt sich vielleicht noch manches aus Schrift, Stil und Inhalt. Der Empfänger aller Briefe aber ist wohl Pahuri, obwohl dessen Name in Nr. 25 noch weiter im Briefe vorkommt, während der Anfang fehlt: soweit 40

* Das tirippi im gleichen Briefe ist wohl dahin zu deuten, dass im Briefstile in der gewiss alten Formel sich die alte Schreibung erhielt, wie im Deutschen Ew. statt Euer.

dieser erhalten, ist stets Pahuri der Empfänger, so in Nr. 1, 5, 10, 14, 17, 23. Der Inhalt scheinen Berichte elamischer Heerführer oder Stadtkommandanten an ihren Vorgesetzten zu sein, die Ereignisse in einem der assyrischen Kriege zu spielen. 5 Die Schrift ist sehr flüchtig, und offenbar haben viele Keile, die wir heute ergänzen müssen, nie dagestanden, daher denn die schwankenden Formen der Zeichen noch kaum einen Schluss auf die Zeit gestatten. Ist also WEISSBACHS Mahnung (S. 170, Z. 31 ff.) durchaus

berechtigt, so bleibt es doch auch durchaus möglich, dass die Briefe 10 älter sind als die Texte von Mal-Amir. Ausser dem verschiedenen

Materiale dürfte nämlich auch die Landschaft, aus der Schreiber und Briefe stammten, in Anschlag zu bringen sein. So ist im Briefe Nr. I (des Akkiriri) sa-ki-ik (= *sankik) geschrieben gegenüber dem su-ku

uk von Mal-Amir. Die erwähnten Städte wie Tallak (So vermute ich 15 für Ritikkutur, vgl. JENSEN, Zeitschr. d. D. Morgenl. Ges. LV, S. 237

Anm. 1), Pimak (vgl. Albinak, E-Punaku) u. s. w. werden also im Nordwesten in der Richtung oder Nähe von E-Hamban zu suchen sein (vgl. HÜSING, Or. Lit. Ztg. IV, Sp. 140). Die Erwähnung von Assyrien oder

vielleicht der Assyrer (Nr. 15, as -šu-ra(-ip)] und die vermutliche Er20 beutung des „Briefbündels“ durch die Assyrer stehen damit im besten

Einklange. WEISSBACH macht noch auf eine zweite Stelle aufmerksam, wo der Name Assyriens genannt wird: Nr. 3, Z. 3. Nach meiner Abschrift dürfte das erste Zeichen der Zeile das Determinativ aš sein.

Die Richtigkeit der Lesung U-lam--šu-ra ... dürfte durch Nr. II, 25 Z. 3 sicher gestellt werden, wo ein deutliches aš U/-la[m] .... steht.

An beiden Stellen haben wir vielleicht den aus dem Assyrischen übersetzten Namen einer Stadt, die jedenfalls an der assyrischen Grenze zu suchen sein wird.

Noch bedeutsamer werden aber die Briefe durch die Tatsache. 30 dass eine der bekanntesten elamischen Festungen, Mutaktum (assyr.

Madaktu), darin erwähnt wird. Die von WEISSBACH empfohlene Lesung Mu-uk-tum ist zunächst unwahrscheinlich, weil niemals in diesem häufigen Namen das sonst oft verwendete muk-Zeichen geschrieben

wird. Das fragliche tak-Zeichen erscheint entsprechend dem nach35 lässigen Charakter der Schrift in den absonderlichsten Formen, bald

mit vier Keilen (Nr. 10 stets! Z. 10 Mu-tak-tum, Z. 15 tak-ke-ri Z. 17 (hļu-[u]t-tak-ne und Nr. 1, Z. 11 hu-ut-tak-ne) bald mit fünf; bald gleicht es einem achamanidischen uk, bald rücken die Keile so auseinander,

dass es mehr dem neuelamischen und neususischen tak gleicht. 40 Erinnert sei auch daran, dass in der malamirischen Schrift das uk

und tak-Zeichen leicht mit einander verwechselt werden können, Selbstverständlich haben wir nunmehr auch wohl Halikutak und Tak-hu ... (Nr. 3) statt Halikuk und Uk-hu ... zu lesen.

Endlich möchte ich noch zur Ergänzung der WEISSBACHschen Arbeit auf einige unbekannte Zeichen hinweisen, die in den Briefen vorkommen.

1. Das noch nicht bestimmte erste Zeichen der vierten Zeile von Nr. 11 habe ich noch an folgenden Stellen gefunden: Nr. 4, Z. 2 (Es 5 folgt ni + x), Nr. 25, Z. 8 (Die Wiedergabe bei WEISSBACH dürfte nicht ganz gelungen sein. Es folgt si-ip hu(?)-ut ...), vielleicht auch in Nr. 10, Z. 12 hinter ti-ir-ta-ir(?). In der Bagistaninschrift 1,67 könnte die bisher asen gelesene Gruppe ein einheitliches Zeichen sein, das vielleicht hierzu gehören dürfte.

10 2. OPPERTs geistreiche Vermutung zur letzten Zeile der persepolitanischen Dariusinschrift H (vgl. WEISSBACH, Die Achämenideninschriften zweiter Art, S.95) ist jetzt als abgetan zu betrachten, da das fragliche Zeichen in den Briefen mehrfach belegt ist: Nr. 15, Z. 9, 12, 14 und vielleicht auch Nr. 12, Z. 3.

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fange Nr. 2, Z. 11. Nach meiner Abschrift beginnt es mit einem Winkelhaken. Dasselbe findet sich in Nr. 22 Obv. Z. 2. Der Winkelhaken muss bei WEISSBACH mehr nach rechts gerückt werden. Im Originale sind die Keile ganz auseinandergezogen, so dass die 20 Zeichenabteilung naturgemäss schwierig ist. Sollte auch das achte Zeichen von Nr. 15, Z. 13 dazu zu stellen sein?

4. Auch das in den Achamanidentexten viermal belegte Zeichen 108 (nach WEISSBACH), das Hüsing als hip bestimmt hat (Zeitschr. f. vergl. Sprachforsch. XXXVIII, S. 255 ff.), kehrt ebenfalls in den Brie- 25 fen mehrfach wieder und zwar sicher in den Formen li-hip-ne (Nr. I, Z. 3; 10, Z. 3 und in dem Bruchstück Nr. 17, Z. 2) und pilt)-hip-mi (Nr. 13, Z. 13). Ob in Nr. 6, Z. 2 ein ma vor hip gestanden hat, ist zweifelhaft. Ich habe nur zwei senkrechte Keile erkannt.

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