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Neuarabische Beschichten aus dem Jraq.

Von

Bruno Meissner.

Binleitung.

į Die von mir hier bearbeiteten Erzählungen lassen sich fast sämt

lich auch sonst in der Literatur nachweisen. Bei diesen Nachweisen hatte ich mich der freundlichen Unterstützung des Herrn Professor CHAUVIN zu erfreuen, der mir aus dem reichen Schatze seiner folkloristischen Sammlungen äusserst wichtige Mitteilungen zukommen liess. 10 Seine Beiträge sind durch Anführungsstriche („“) gekennzeichnet. Mehrfach verweist er auch auf noch ungedruckte Bände seiner Bibliographie. Für die Mitarbeit dieses ausgezeichneten Gelehrten kann ich ihm nicht dankbar genug sein.

Spezifisch iraqisches Gepräge hat m. E. die Erzählung von der 15 Verlobung des Mannes aus Mohammara mit der Frau aus Hît (Nr. 21)

zur Erklärung der Anlage des alten Kanales. NIEBUHR, Reisen II, 223 kennt sie ebenfalls. Auch die Verspottung des Meidanarabers (Nr. 25),

Mee'eidis galten immer als besonders thöricht (s. Mitt. des Sem. f. 20 orient. Spr. IV, 151). Die Form 3yrfêt (Z. 29, 30) soll übrigens Meidan

arabisch sein. Mein Gewährsmann sprach und betonte bei der Erzählung der Antworten der Frau immer ganz besonders, sodass man merkte, dass er ihren Dialekt kopieren wollte. Ebenfalls lässt die

genaue Lokalisierung auf Babil bei Nr. 20 darauf schliessen, dass 25 wir hier eine iraqische Erzählung vor uns haben. Grosse Kostbarkeiten glaubt man in jedem Ruinenhügel verborgen, meist ein goldenes Schiff oder drgl. Aber die Beschreibung der Vorbereitungen zur Schatzhebung hat so grosse Ähnlichkeit mit dem Anfang der Ge

schichte Aladins mit der Wunderlampe („CHAUVIN, MN. Nr. 19“), 30 dass man auch literarische Überlieferung annehmen kann. Vielleicht

ist auch Nr. 19, wozu man „CHAUVIN, MN. Nr. 430 und 431 (noch nicht erschienen)" vergleiche, eine wirkliche Bagdader Geschichte.

Beiträge zur semit. Sprachwissenschaft. V.

zo dass man ir 19, wozu maha eine wirkli

Nr. 27 ist der Typus der langweiligen Beduinenerzählung, wie wir sie aus den von WETZSTEIN im 22. Bande der ZDMG gegebenen Beispielen kennen. Merkwürdig ist auch hier die Häufigkeit der Wortspiele. Aus dem seiner Bedeutung nach unsicheren, und vielleicht des Wortspieles halber gebildeten Adjektiv hâtimă erkennt 5 das Mädchen sofort, dass der Jüngling Durst hat (hâti = bring Wasser). Sie nennt als ihren Namen „Griff deines Schwertes“ und meint „Fitne“ (d. i. Aufstand, Kampf), er „Backenknochen deiner Wange“ und meint „Hassan“ (d. i. schön). Dieses Verstehen von leicht hingeworfenen Andeutungen bildet auch den Inhalt der viel. 10 leicht ebenfalls beduinischen Geschichte Nr. 26. Auf dem Gleichlaut von (e)hiar „Gurken“ und „gute“ und hass „Salat“ und „Geiz“ beruht Nr. 23. Zuerst will der Gast seinen Wirt nicht heleidigen, als er aber nach den Gurken nur noch Salat zu essen bekommt, giebt er die zweite, grobe Antwort. Ähnlich geistreich sind die Sprach- 15 verdrehungen in Nr. 12.

Die Nrn. 1—4 sind Erzählungen zu meist bekannten Sprichwörtern. Zu Nr. I vgl. JEWETT, JAOS 15, 50, Nr. 54; SPITTA Nr. 40; TANTAVY S. 116. Nr. 2 findet sich bei „LA FONTAINE, Contes, 2, Nr. 10 (Ed. REGNIER, IV, 366—372). Bei LA FONTAINE ist ausdrücklich gesagt, 20 dass der Mann alle Listen der Frauen aufgeschrieben hat und nur diejenige nicht kennt, womit er betrogen wird. Der Mann, der die Listen der Frau aufschreibt auch CHAUVIN, Bibl. Syntipas Nr. 34 (noch nicht erschienen)". Nr. 3 habe ich noch nicht anderweitig nachweisen können. Nr. 4 ist „die bekannte Geschichte Fridolins (Schiller, 25 Der Gang nach dem Eisenhammer); vgl. „CHAUVIN, Syntipas Nr. 145 (noch nicht erschienen)".*

Die nächsten Geschichten behandeln zum grössten Teil Verfehlungen gegen das sechste Gebot. Zu Nr. 5 vgl. „CHAUVIN, La Recension égyptienne des Mille et une Nuits Nr. 63. Auch in 30 QALYUBI (The book of anecdotes .... ed. by W. NASSAU-LEES 1856) pp. 75–76; Contes arabes par E. DE LORRAL, pp. 45 ssq.; CLOUSTON, Popular Tales and Fictions I, 177—180; G. PARIS, Poèmes et Légendes du Moyen-âge 136; vgl. WÜNSCHE, Midrasch Bemidbar 148—149 u. 634“. Dass bei Streitigkeiten beide Parteien sich zum Heiligtum 35 eines Heiligen aufmachen und dort einen Schwur thun, ist auch heute noch eine im Iraq beliebte Sitte. Der Heilige bestraft dann den Frevler. So züchtigt auch Ali in Nr. 50 den Dieb, der einen falschen Schwur gethan, und zwingt ihn, den gestohlenen Gegenstand dem rechtmässigen Besitzer zurückzugeben. Zu den Nrn. 6—7 vgl. „CHAUVIN, 40

* Die von mir Mitt. des or. Sem. IV, 151 erwähnte Geschichte zu Sprichwort Nr. 16 wird in dieser Form auch erzählt Qata'if ellațâ'if 128.

Bibl. arabe Mille et une Nuits Nr. 338“; zu Nr. 10 „LA FONTAINE, Contes II, Nr. II (ed. REGNIER IV, 373–375)". Nr. 11 ist die bekannte Erzählung BOCCACCIOS (6, 9). Die weiteren Nachweise s. bei „CHAUVIN, MN. Nr. 332 und Syntipas Nr. 69“. 5 Zum Kapitel der Weiberstreiche gehört Nr. 13; „s. CHAUVIN, MN.

Nr. 185; vgl. Nr. 329". Die Antwort der Frau: „Der Fisch ist nicht tot, aber du bist tot“, soll natürlich eine Aufforderung an die Grosswürdenträger sein, sich ihr zu nähern. Als ihr Mann vom Markte

zurückkommt, fängt er absichtlich einen Streit mit ihr an, um einen 10 Grund zu haben, auf den Kasten schlagen zu können. Das ist der

Sinn der Zeilen 30 ff. auf S. 19. In eine ähnliche Kategorie fällt Nr. 15, „die bekannte Geschichte von Dalila; CHAUVIN, MN. Nr. 147". In Nr. 16 ist „nur der Anfang wie oft; s. CHAUVIN, Pierre Alphonse

Nr. 13 (noch nicht erschienen)". Der stark obscöne Schluss ist ver15 schieden. Die Erbschaft (Nr. 18) ist aus 1001 Nacht XI, 4 bekannt;

vgl. ZDMG 1894, 669 und näheres „MN. Nr. 438 (wird bald erscheinen)". Die Unterhaltung des klugen Knaben mit dem Greise, der seine klugen Fragen nicht versteht (Nr. 22), findet sich in ähnlicher Form auch

TALLQVIST, Arabische Sprichwörter 116; IBRAHIM SERKIS, Kitâb 20 eddurre eljatime 43; „QALYUBI, 109-110“. Für die Tierfabel Nr. 24

S.,CHAUVIN, Bib. ar. III, 49, Nr. 1". Die Anschauung, dass Schlangen um so giftiger werden, je länger sie kein Wasser trinken (Nr. 28), wird auch sonst vorgetragen; z. B. MALTZAN, Reise in die Regent

schaften Tunis u. Tripolis II, 134; PRYM-Socin, Der neuaramäische 25 Dialekt des Tûr-Abdin II, 386; Socin, Diwan aus Centralarabien Nr. 69, 42 (deutsche Übersetzung). In Nr. 29 wird die Midassage sehr geschickt auf Alexander den Grossen übertragen. Die Hörner des Zweigehörnten spielen hier dieselbe Rolle wie dort des Midas Ohren. Sonstiges s. ZDMG 52, 383 und CHAUVIN, Bibl. ar. II, 183, Nr. 23. Für 30 die Geschichte des weisen Loqman (Nr. 30) ist auf „CHAUVIN, Bibl. ar. II, 148, Nr. 2; III, 70 und 145 und KNUST, Juan Manuel, El libro de los Enxiemplos del Conde Lucanor 299—304" zu verweisen. Nr. 14 ist eine Art arabischer Oedipusgeschichte. Das Fatum, dem man nicht entrinnen kann, spielt hier eine ähnliche, furchtbare Rolle. 35 Sehr sinnig ist hieran Mohammeds Weinverbot angeknüpft. „Die

Weinlegende ist auch sonst bekannt; vgl. z. B. WILHELM VON TRIPOLIS (PRUTZ, Kulturgeschichte der Kreussüge, 1883, p. 577); Revue des trad. populares XI,417.“ Die Antargeschichte (Nr.31) wird wohl dem grossen

Sagenkreise des Helden entstammen, doch kann ich sie darin bislang 40 nicht nachweisen. Sein Ausspruch: Das Eisen ist verdorben u. s. w., ist

auf die Sage zurückzuführen, dass er an Händen und Füssen gefesselt begraben wurde, weil er noch im Grabe furchtbar war. Nach arabischer Ansicht soll er übrigens nicht in die Hölle gekommen sein,

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sondern sich in einer Art Zwischenstadium befinden, ebenso wie Hatim und Kisra, der erste wegen seiner Tapferkeit, der zweite wegen seiner Freigebigkeit, der dritte wegen seiner Gerechtigkeit.

Nach der Schnurre von Nasr-eddin (Nr. 32), die einem andern Kreise entstammt (s. S. 1; vgl. „MÜLLENDORF, Die Schwänke des 5 Nassr-ed-din Nr. 30“) folgt die lange Reihe der Märchen, in denen der Chalifa Harun al Raschid die Hauptrolle spielt. Der Parallelbericht zu Nr. 33 findet sich „CHAUVIN, MN. Nr. 269. Hier will Harun seiner ungetreuen Geliebten verzeihen, wenn ihr Geliebter wirk

dritte Freund geht nach dem Palaste des Chalifa, um ihn zu töten, weil er seinem Freunde das Geld abgenommen hatte und ihm das Leben nehmen wollte. Alles das geschah, während die anderen meinten, er bände sich den Gürtel um. Die drei Fragen Haruns an den alten Mann erzählt auch „RODA RODA, Die drei Fragen (Fliegende 15 Blätter 117. Bd., 1902, 158—159)". Die Verbindung roter Kleider mit Zorn behandelt „CHAUVIN, MN. Nr. 18 p. 47“. Die Teilung (Nr. 35) ist in der Sagengeschichte weit verbreitet. CHAUVIN giebt mir folgende Nachweise: „Zeitschr: d. Vereins f. Volkskunde in Berlin VI, 59; IX, 87–88; Halbat-al-Kumeit, 1299, 91-92; Iʻlâm-annâs, 1300, 122; 20 HAMMER, Rosenöl II, 138; GAUZI, Kitâb el-adkija, 1277, 7778;

Gesch. u. Wissensch. d. Judentums XXII, 334-336; JOLOWICZ, Polyglotte der oriental. Poesie, 1856, 310-312; POLANO, The Talmud 304 — 306; CARMOLY, Les Mille et un contes, 34–38; CLOUSTON, 25 Pop. Tales II, 493; CLOUSTON, Flowers from a persian garden, 231-235, 276–278; Revue des trad. pop. XIV, 59f.; Jahrb.f. rom. u. engl. Lit. VII, 383; SHAKESPEAR Fest-books I, 95 f., II, 62 f., III, 14 f.; PAULI (Lit. Ver. Nr. 85) 480“. Interessant ist die Anschauung, dass jeder Körperteil des Tieres eine Beziehung auf eine Person hat. Mein Lehrer Reschid be- 30 merkt dazu: eddebiủa kill lah(á)mhä asâmi u kill uusle 3ala is(e)m föred âdami. Ein Stück bekommt z. B. der Hirt, eins der Fischer, eins der Tischler u.s.w.; dieses einem andern zu geben, ist seib (ungehörig). Nr. 37 ist die arabische Fassung des deutschen Märchens von der Prinzessin

Veränderung, die mit seinem Bette vorgenommen ist, während der Sohn der Sklavin sogar durch ein untergelegtes Blatt Papier beunruhigt wird. Die Schlussnotiz geht auf eine andere Erzählung, worin Sitte Zobeide ihren Gemahl selbst auffordert, die Negerin zu heiraten. (MN. Nr. 244.) CHAUVIN bemerkt hierzu: „Schon gelesen, weiss aber 40 nicht wo“. Die Nrn. 38—40 haben als Haupthelden Abû-Nuwas, der als Spassmacher Haruns in vielen Geschichten fortlebt. Mein Lehrer Reschid erklärte seinen Namen als haiial=Schlaukopf. Über seine Person

vgl. „CHAUVIN, MN. Nr. 296“. Die merkwürdige Geschichte Nr. 39 wird auch FREYTAG, "Meidani III, 1968; TANTAVY p. 118; Socin, Sprichw. 381; JEWETT, JAOS XV, 87 erzählt. Nr. 40 ist „die Aventure de Hakem in

der Grammaire arabe vulgaire par CaussIN DE PERCEVAL, 1833, 167 ff.“ 5 Neben Abu-Nuwas ist auch der legendäre Neffe Haruns, namens Behlul

(Nrn. 41-45), als sich dumm stellender, aber in Wirklichkeit kluger Tyll Eulenspiegel eine Hauptfigur in den Märchen des Iraqs. Speziell Liebesangelegenheiten soll er in Ordnung bringen (MSOS V, 103). Sagen von

ihm hat schon NIEBUHR in Bagdad vorgefunden (Reisen II, 286). Seine 10 Gestalt ist aber viel älter. Wie mich Dr. Kern belehrt, erwähnt schon

IBN ZÜLÀQ († 387 d. H.) in seinen Ahbâr Sibaweihi el Mișri (s. d. Kairiner Cat. V, 7) den Behlul als eine altbekannte Persönlichkeit. Im 30. Kapitel seines Buches Kitâb eľadkijâ erzählt auch IBN ELĠAUZI einige Schnurren

von ihm, und JâFE'i giebt im Kitâb errejāḥîn Nr. 56 eine Lebensbeschrei15 bung von ihm. Hieraus hat auch D'HERBELOT seine Nachrichten über ihn

geschöpft (s. v. Bahalul); vgl. auch „CHAUVIN, MN. Nr. 393“. Auch als Eigenname ist er häufig; vgl. Lexicon syriacum auctore Hassano bar Buhlule ed. DUVAL, Prooem. X. Der nicht sehr feine Vergleich in Nr.42

will besagen, alle Richter seien bestechlich, und auch er würde sich nicht 20 von Ungerechtigkeiten freihalten können. Hier auf Erden würde er wohl

ein grosser Mann sein, aber am Gerichtstage wie Mist im Feuer brennen. Musa ibn Dja'far ist der bekannte, in dem Wallfahrtsorte Kadhumen bei Bagdad beerdigte, schi`itische Imam, den Harun enthaupten

liess (vgl. V. OPPENHEIM, Vom Mittelmeer II, 242). Der Erzähler der 25 Geschichte ist eben Schi'it, und Harun erfreut sich bei ihnen keiner

grossen Sympathien. Zu Nr. 43 ist zu bemerken, dass bis zum heutigen Tage der Vetter auf seine Cousine ein Recht zur Heirat hat (MSOS IV, 149), das ihm vom Bräutigam durch ein Geschenk abgekauft wird.

Hier erlaubt Behlul die Ehe mit einem andern nicht. Die Ausdrücke 30 „zwicken, schwärzen, ohrfeigen“ kommen auch sonst in obcönem Sinne

vor; vgl. z. B. LANDBERG, Prov. 383. Nr. 44 erzählt auch NIEBUHR a. a. O. II, 286) von unserm Helden; sonst vgl. „CHAUVIN, Syntipas Nr. 163; MN. in Bibl. ar. VI, 39, 201“. Nr. 45 ist das weit verbreitete

Märchen aus 1001 Nacht (IV, 170), das als Libretto zur Oper Abu 35 Hassan auch weiteren Kreisen bekannt geworden ist. Zur Literatur

vgl. „CHAUVIN, MN. Nr. 155". Zum Streit um die beiden Koranverse (Nr. 46) Sur. 51,22" und 67, 15 vgl. „Revue des traditions popul. IV, 530, Hier handelt es sich um einen Mann, der immer Pech hat: Dreimal

schenkt man ihm ein Brot, in welchem ein Goldstück versteckt ist, 40 aber er findet es niemals". Die sonderbare Geschichte der Tochter des

Arztes tritt uns bei „RADLOFF (Gött. gel. Anzeig. 1872, 1512-1514) in türkischer Fassung entgegen. Über wunderbare Schwangerschaft handelt „CHAUVIN, MN. Nr. 18 p. 43“. Zu dem Kapitel „übertriebene

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