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Deutsch - Amerikanische Dichter und Didhtungen des 17ten und

18ten Jahrhunderts.

(Eine Anthologie.)
Von H. A. Katter man n.

Vorbemerkung.

Warum diese Abhandlung in der polemischen Form erscheint, bedarf einer Erklärung: Schon vor 1870 begann ich mit der Sammlung deutsch-amerikanischer Litteratur und besonders Gedichten, und hatte schon eine große Sammlung hergestellt, als ich mit Dr. G. A. Zimmermann, damals noch in Buffalo, brieflich bekannt wurde, der zur Zeit sein kleines Wert , Deutsch-Ame: rikanische Litteratur“ verfaßte. Später wurde diese Bekanntschaft in Chicago schriftlich und mündlich fortgefeßt.

Zugleich publizirte ich im „Deutschen Pionier“ von Zeit zu Zeit, einige deutsch-amerikanische Gedichte der alten Zeit, teils in Biographien, teils unabhängig und so war schon eine bedeutende Sammlung vollendet als ich im Jahre 1887 in Milwaukee vor dem Deutsch-Amerikanischen Lehrertag einen Vortrag hielt, betitelt die „Deutsch-Amerikanische Litteratur.“ Dieser Vortrag wurde in der „N. Y. Staatszeitung“ veröffentlicht und sollte als eine Art Vorbereitung gelten für cine von mir beabsichtigte Anthologie der Deutsch-Amerikanische Dichter, was ich an Dr. Zimmermann mitteilte.

Ich erstaunte nun nicht wenig als ich 1891 von Chicago die Runde erhielt, daß Dr. Zimmermann mir zuvor kommen wollte und daß die „Germania“ eine große Summe für die Herstellung eines solchen Werkes und besonders der Redaktion derselben aus. gefeßt habe. Kurz nachher erhielt ich einen Brief von Dr. Zimmermann, in welchem er in diplomatischer Weise anfragte, was ich von der Aufnahme von den Gedichten Zinzendorff's, Seume's und Lenau's dächte, und was ich dafür gesammelt hätte. ES wurde mir nun klar, daß Dr. Zimmermann mir zuvorkommen wollte und meine beabsichtigte Arbeit schädigen würde. Ich ließ

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den Brief unbeantwortet, und so erschien denn ein Jahr später das Buch „Deutsch in Amerika" unter der Redaktion von Dr. Zimmermann. Das Buch erregte eine große Streitfrage, die später erklärt wird in dem Artikel: „War Goethe ein Plagiator?“

Dr. Zimmermann in seinem Bestreben druckte nun als Einleitung zu seinem Buch wörtlich meine Einleitung zu dem Vortrag in Milwaukee ab, teils mit Kreditgabe, teils ohne, und schädigte so mein Vorhaben. Als die sogenannte zweite Auflage von „Deutsch in Amerika“ erschien, schrieb der Herausgeber in der Nachschrift wie folgt: „Ein derartiges Werk wird überhaupt nie den Anspruch auf Vollständigkeit erheben fönnen; aber die Herausgeber glauben zu der Behauptung berechtigt zu sein, daß darin kein Name fehlt, der im deutsch-amerikanischen Dichterwald auch nur einigermaßen Bedeutung hat, haben wir doch selbst das üppig wuchernde Unterholz, soweit es überhaupt möglich war, wenigstens dem Namen nach, aufgeführt. Die Schwierigkeit, alle Lüden auszufüllen, das ganze Material ausfindig zu machen und zu erlangen, kann nur im Laufe vieler Jahre durch fortgesetztes Suchen und Ergänzen des vorliegenden Stoffes überwunden wer: den; außerdem soll nicht unerwähnt bleiben, daß unser Bemühen in manchen Fällen am Nichtentgegenkommen Solcher gescheitert ist, welche in der Lage wären, wesentliche Dienste zu leisten."

Das lebte deutet einzig auf mich, denn ich war es, von dem Dr. Zimmermann erfuhr, daß ich Vorbereitungen gemacht hätte. Es kann nun nicht geleugnet werden, daß ich unangenehm berührt wurde von diesem Vorgang, und ich begann gleich darauf die Bearbeitung der „Deutsch-Amerikanischen Dichter im 17. und 18. Fahrhundert“, als Beweisführung, daß Dr. Zimmermann in den Wind gesprochen hätte. Diese Sammlung wurde dann in der polemischen Form erhalten wie sie jeßt erscheint. Ich ließ sie längere Zeit liegen, um einige Information über die Ephrataer Dichter zu erlangen. Seitdem bin ich blind geworden und kann nicht mehr die ganze Sammlung umarbeiten und aus der polemi. schen Gestalt befreien.

Es kann doch wohl nicht behauptet werden, daß Zinzendorff, Seume, Christoph Kunze, Nicolaus Göße und G. A. von Seckendorff zu dem üppig wuchernden Unterholz" gezählt werden fönnen. Auch die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erscheinenden Dichter, wie Wilhelm Wagner, Talvi, Jacob Smith, Ludwig Bosecker, Franz Wolfram Gräter, Eduard Warrens, Gustav Körner, Nicolaus Lenau, Friedrich Liszt, F. V. G. Stahl, Friedrich Paur, B. Stallo, Ludvig Tellkampf, Alfred Schüding, Julius Weyse, Franz Ziolina, Theodore Erasmus Hilgard, Dr. Adolph Bauer, und viele Andere dürfen zu dem Zimmermann'schen „stnüppelholz“ gerechnet werden. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß der lekte Abschnitt in ,,Deutsch in Amerika" gutes Material enthält und, menn es kritisch behandelt worden wäre, auch dauernden Wert behalten würde.

Cincinnati, im Herbst 1914.

Im Jahre 1892 erschien in Chicago ein Buch unter dem Titel „Deutsch in Amerika“, das wie seine Herausgeber glaubten, eine Epoche in der deutschamerikanischen Litteratur heraufführen werde. In der Tat würde das Buch auch den Erwartungen seiner Herausgeber entsprochen haben, wenn die Redaktion nicht ermans gelt hätte, das nötige Material zu beschaffen und dieses in prat. tischer Weise zu verwerten. Aber da fehlte es. Die Redaktion teilte das Buch in Abteile ein, die etwa lauteten: ,,Die Alte Zeit"; „Die Vor-Achtundvierziger“; „Die Achtundvierziger“; und „Die Neue Zeit". Damit weďte sie den alten Streit der „Grünen und Grauen" wieder auf, ohne ihn gründlich darlegen zu können.

Weit schlimmer war es aber mit der „Alten Zeit“ bestellt. Die Redaktion hatte kein Material, uin diesen Abschnitt zu füllen, wenige kleine Gedichte von Pastorius ausgenommen, und brachte nun statt diesen, eine Anzahl unzusammenhängender Säße aus größeren Gedichten, die sie sämtlich aus den Abhandlungen Dr. Seidenstickers im „Deutschen Pionier“ entlehnte. Diese sollten nun ein Bild der deutsch-amerikanischen Dichtung des achtzehnten Jahrhunderts darbieten, lieferten aber nur ein Zerrbild jener Epoche.

Beim Erscheinen des Buches erweckte es ein Gelächter, das noch vermehrt wurde, indem der Redakteur ein Zitat aus Goethe's Faust als ein Gedicht von Johannes Relpius aufführte. Die Folge war eine Kontroverse in der deutsch-amerikanischen Presse, wobei die Anhänger des Redakteurs, Dr. G. A. Zimmermann, in ihrer Verteidigung sich auf den ,, Deutschen Bionier" stüßten, dessen Her

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