Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

wenn die Frage an fte herantritt, ob sie noch länger mit einem Charlatan tokettiren oder mich heirathen will, auch nur einen Augenblick ernstlich im Zweifel sein? Wenn sie es ist, so seid 3hr und Ihr allein schuld, die Ihr fte fo grenzenlos derzogen habt. Aber ich glaube, ich tenne Emma besser als

Ihr, und jedenfalls gebe ich Dir mein Wort darauf: der
Mensch, der leo, wird uns nicht lange mehr schaden
ich habe mir Alles überlegt, und ihm ist von mehr als einer
Seite beizukommen.

Du bist ein guter Rechner, Henri, aber ich fürchte, in diesem Bunkte möchtest Du Dich verrechnen, erwiederte der Bantier nachdenklich.

Henri molte eben lebhaft etwas entgegnen, als der Bes diente eine Karte hereinbrachte.

Deine Tante! rief der Bankier erschrođen, Henri die Karte hinreichend.

Henri sprang auf; willst Du fte annehmen?

Üm Gottesmillen! sagte der Bankier, das fehlte noch; ich habe so immer mit ihr einen schweren Stand gehabt.

Es ist auch besser, Du siehst sie nicht, sagte Henri, und dann zu dem an der Thür harrenden Bedienten: Herr von Sonnenstein ist ausgefahren, Johann! Berstehen Sie, außgefahren!

Der Bediente ging verwundert. Das gnädige Fräulein war noch immer angenommen worden. Henri sah ihm mit höhnischem Lächeln nach. Sie wird das ja hoffentlich vers stehen, murmelte er, mag sie! fie hat mir nie das Wort geredet und hat mir stets den Tropf, den Walter, ja selbst den leo vorgezogen. Ich gehe jeßt zu Emma, Onkel! Auf die Erklärung meines Vaters müssen wir mit einer Verlobs ung8 - Anzeige antworten.

Der Bankier zudte die Achseln.

Als Henri über den Flur kam, sah er eben die Equis page seiner Tante wieder davonfahren. Er ließ sich bei Emma melden.

Emma saß auf dem Balcon. Henri fand den Moment und die Situation für seine Absicht nicht eben günstig; aber er wußte, daß Emma ihren Lieblingsplaß um diese Stunde schwerlich verlassen würde. So leßte er sich denn zu ihr.

Nun, Du ungerathener Mensch, sagte Emma, ohne die Lorgnette von den Augen zu nehmen, war das nicht der Tante Equipage, die eben da vorfuhr? Seße Dich nicht auf mein Kleid! Kommst Du endlich, mich um Verzeihung zu bitten?

Endlich? Dies ist sehr schmeichelhaft für mich.
Pourquoi?

Weil es kaum vierundzwanzig Stunden her ist, daß wir uns erzürnt haben.

Gott, wie die Zeit schleicht! Vierundzwanzig Stunden! Ich glaubte, es wäre ein Monat. Ach, da fährt der Graf Rebenstein mit seiner jungen Frau. Wie reizend! Ich habe es immer gesagt, er hat den feinsten Geschmack von allen unseren jungen Cavalieren.

Hm, meinte Henri, es geht so; obgleich ich für meinen Theil nicht mit einem Sandpferd fahren möchte, das ents schieden spatlahm ist. Auch würde ich meinem Wagenfabris kanten die hellblaue Farbe, oder dann wenigstens meiner Frau die gelben Kleider verbieten.

D, Du heilloser, heilloser Mensch! rief Emma, mit dem Taschentuche nach Henri schlagend.

Henri ergriff die kleine fette Hand und drückte sie an seine Lippen.

Um Gotteswillen, Henri! Hier auf dem offenen Balkon.

Was kann ich dafür, daß Du Deine Visiten auf dem Ballon empfängst.

Emma ließ die Lorgnette fallen und blickte ihren Vetter an.

Sie hatte ihn immer hübsch gefunden; heute Morgen fand ste ihn sehr hübsch. Die kurzen, braunen Loden, das allerliebste Schnurrbärtchen – und wie elegant er sich zu kleiden verstand! Ja, er hatte Geschmad; er würde seine Frau nicht in einem gelben Kleide in einer hellblau ausges schlagenen Rutsche fahren lassen.

Nun, fragte Henri mit einem Lächeln, das die Spigen seiner weißen Zähne zeigte, warum blidst Du mich so nachdenklich an?

Ich denke darüber nach, warum Du immer so unliebensa würdig bist, während Du doch manchmal passabel liebenge würdig sein kannst.

Passabel liebenswürdig? Ich schmeichle mir, sehr lies benswürdig sein zu können, und es ist wahrhaftig nicht meine Schuld, wenn ich es nicht immer bin.

Wessen Schuld denn?

Emma hatte wieder die Lorgnette vor die Augen ges nommen. Senri beugte fich näher zu ihr und sagte: Deine Schuld, ma belle cousine!

Pah, weshalb meine Schuld ?

Weil, wenn man so reizend ist, wie Du, man die Leute nicht noch muthwillig reizen darf.

Ich finde, es zieht hier etwas, sagte Emma.
Abscheulich, fagte øenri.

Emma erhob sich und ging durch die offene Fensterthür in das Zimmer; Henri folgte ihr mit einem Lächeln, das Emma, die an ihre Goldfischrase getreten war, nicht bemerkte. Henri legte seinen Arm um ihre Taille.

Du bist heute unerträglich! rief Emma, fich losmachend und nach einer Causeuse eilend, um, sobald sie sich in dieselbe geworfen, ihr Taschentuch vor das Gesicht zu drüđen und in Thränen auszubrechen.

Henri beeilte fich, an ihrer Seite niederzuknieen, und sagte, während er ihr die Hände vom Gesicht zu ziehen versuchte: Emma, liebe Emma, was fehlt Dir? Was hast Du?

Laß mich; ich bin so unglüdlich, so grenzenlos unglüdlich! rief Emma schluchzend.

Henri rüdte sich einen Stuhl heran und sagte, indem er eine von Emma's Händen in seinen Händen festhielt:

Laß uns einmal ein vernünftiges Wort miteinander sprechen, Emma! Wir müssen endlich in's Klare kommen. Du weißt, ich liebe Dich, oder wenn Du es nicht weißt, so sage ich es Dir jeßt. Du hast mich immer gern gehabt, und ich glaube, wir wären schon lange einig, wenn unsere Familienhändel nicht immer als ein Hinderniß zwischen uns gestanden hätten. Nun ist aber seit gestern etwas Ents scheidendes geschehen. Dein Vater und ich haben mit meis nem Vater unwiderruflich gebrochen, oder vielmehr mein Vater mit uns. Er hat sich öffentlich auf die Seite der Arbeiter gestellt und ist darauf abgereist, wir wissen nicht, wohin, permuthlich auf einem Umwege nach Tuchheim, um dort mit den Arbeitern zu fraternisiren, oder Gott weiß, welche neue Thorheit zu begehen. Mein Vater hat für sich selbst zu solchen Schritten nicht den Muth. Ich brauche Dir wohl nicht zu sagen, wer hinter ihm steht.

Emma, die sehr eifrig zugehört hatte, fing don neuem an zu schluchzen; Henri kniff die Augenbrauen zusammen, aber fuhr in einem noch milderen Ton, als in welchem er bisher gesprochen hatte, fort:

Ich will Dir feine Vorwürfe machen, liebes Kind! Du bist ein geistreiches Mädchen! das Außergewöhnliche zieht Dich unwiderstehlich an, und ich lasse ihm – Du weißt, men ich meine — die Gerechtigkeit widerfahren, daß er fein gewöhnlicher Mensch ist. Aber, liebes Kind, wir leben nun einmal in sehr bestimmten Verhältnissen, in denen das Außergewöhnliche meistens eine sehr bedenkliche, und manchmal, was noch schlimmer ist, eine lächerliche Rolle spielt. Mit deni außerordentlichsten Menschen, wenn er kein ,,don“ vor dem Namen hat, kann man nicht bei Hofe erscheinen, aber man kann mit ihm sehr leicht in die Lage kommen, einen Handwerkerbau oder eine ähnliche noble Gesellschaft mit seiner Gegenwart verherrlichen zu müssen. Nun waren Tabaksrauch und Biergeruch früher wenigstens gar nicht nach Deinem Geschmad — nein, lache nicht, liebe Emma! ich rede ganz ernsthaft, denn die Sache hat auch eine sehr ernsthafte Seite.

Emina, die eben nicht abgeneigt gewesen war, in ein Gelächter auszubrechen, begann von neuem zu schluchze

diese Männer, diese Männer! hartes, grausames Ges schlecht! was habt Ihr davon, ein armes Mädchenherz zu zertreten! Was fragt die Liebe nach Rang und Stand!

Das ist ja lauter dummes Zeug, liebes Sind, sagte Henri ärgerlich; in unseren Verhältnissen fragt die Liebe allerdings sehr nach Rang und Stand.

Ja, und nach Reichthum, rief Emma spöttisch; ach, ich wollte, ich wäre ein armes Bürgerfind!

Ich wollte, Du wäreft einen Augenblict vernünftig! Ich bersichere Dich auf meine Ehre, Emma, daß fich Dein außerordentlicher Freund auf gar nicht spaßhafte Dinge eingelassen hat. Du hast mir es gestern nicht glauben wollen, aber ich wiederhole es: es ruht der dringendste Verdacht auf ihm, daß er den Doctor Lippert Du kennst ihn ja – zu dem Depeschendiebstahl, von dem jeßt so viel die Rede ist, verleitet hat. Es vergeht vielleicht keine Woche mehr, so sißt Lippert wegen des Diebstahls und der Andere wegen der moralischen Mitschuld an diesem Diebstahle. Ich war gestern beim Prinzen; der Prinz ist außer fich und wird die Sache nicht, wie wir anfänglich bermutheten, auf sich beruhen lassen. Nun bedenke, Kind, in welche Lage Du Dich bringst, wenn Du diefe gefährliche Spielerei mit dem Menschen weiter treibst. Du weißt, unsere Gesellschaft verzeiht gemisfe Dinge auch dem reichsten, hübschesten, ziers lichsten, liebenswürdigsten Mädchen nicht.

Und Henri streichelte und füßte Emma's Hand.

Emma hatte ihre Stoketterie mit Leo noch nie in einem so trüben lichte gesehen. Sie hatte mit ihm glänzen wollen, sie hatte mit ihm geglänzt; fie mußte weiter mit ihm glänzen können – das war die selbstverständliche Bedingung, auf die hin sie ihn auch geheirathet haben würde. Wenn Henri die Wahrheit sprach und er war heute Morgen so bes klemmend ernsthaft so stand die Sache natürlich anders. Aber weshalb konnte er sich diese Geschichten nicht ausges sonnen haben, um sie zu einem übereilten Entschlusse zu drängen! Und selbst, wenn auch Ades war, wie Henri sagte,

« ͹˹Թõ
 »