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German

12-16
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Vorbemerkung.

Wir erbliden von nun an den Magus in Norden gleichsam in einer ganz neuen Lebenssphäre, die er mit seiner laterna magica nach allen Seiten hin beleuchtet. Ireu seinem Lieblingsspruche auch hier, „Homo sum et nil humani a me alienum puto – Ich bin ein Mensch und jedes mensdliche Anliegen ist auch das meinige," achtet er fein neues Verhältniß und fein neues Erlebniß seiner Aufmerksamkeit und Betrachtung unwürdig. Die Dinge des alltäglichen Lebens geben diesem hohen und tiefblidenden Geist reichen Stoff zu Reflerionen, die sie uns oft in einem ganz neuen, interessanten Lichte zeigen. Er mag als Familienvater, als Vormund, als föniglicher Beamter erscheinen, überall erleuchtet die Fadel seines Geistes nicht nur seine eigne großartige Persönlichkeit, sondern verbreitet auch über die ihn umgebenden Personen und Verhältnisse ein überraschendes Licht. Durch seine Zerwürfnisse mit der Vormundschaftsbehörde über die Curatel seines Bruders gewinnen wir ein sehr lebendiges Bild der damaligen rechtlichen und socialen Zustände Preußen8 und namentlich Königsbergs. Die Erfahrungen in seiner amtlichen Stellung dagegen zeigen uns Preußens innere Politil zu jener Zeit mit nicht minder lebhaften Farben. Wir haben es daher nicht unterlassen können, uns über beide Punkte ausführlicher zu verbreiten, als dies in den Schriften geschehen ist. Es werden nämlich zus gleich dadurch manche Verunglimpfungen, welche Hamann daraus erwacha sen sind, in ihrer Blöße, dagegen sein Character und feine hochberzige Verfahrungeweise noch adhtungswerther erscheinen. Die Vormundschafts

IV

verhältniffe find in den Schriften fast gar nicht berührt, obgleich ein sehr reiches handschriftliches Material darüber vorliegt. Es sind nämlich die Concepte der Vorstellungen, die Hamann in dieser Angelegenheit bei den verschiedenen Behörden eingereicht hat, noch vorhanden. Bei ihrer Verarbeitung hat man indeß viele Schwierigkeiten zu überwinden. Da es zum Theil sehr flüchtig hingeworfene, mehr oder minder ausgeführte Entwürfe find, denen fast immer das Datum fehlt, welches Samann wahrscheinlich erst bei der Reinschrift hinzuzufügen pflegte : so hat man Mühe, die wirklich gebrauchten herauszufinden und diese dann in die gehörige dronologische Ordnung zu bringen, welches nur durch Combination der darin erwähnten Thatfachen möglich wird. Wie überhaupt über Hamann's Lebensverhältnisse und schriftstellerische Arbeiten, so finden sich auch über diese Umstände manche Zettel und abgerissene Bemerkungen, die, an und für sich betrachtet, unverständlich und unbedeutend erscheinen, die aber, an ihre rechte Stelle eingefügt, oft einen überraschenden Aufschluß geben. Sie gleichen den Stüden der zertheilten Bilder, welche die Kinder zum Zeitvertreib so lange an einander legen, bis sie ein vollständiges Ganzes geben; nur mit dem Unterschiede, daß die Eins fügung und Zusammenstellung der Şamann'schen Fragmente nicht immer ein Kinderspiel ist, denn sie tragen selten ein so entscheidendes und leitended Kriterium an sich, wie jene.

Der geistige Wirkungskreis Şamann's erlangt von nun an eine fortwährend zunehmende Ausdehnung. Von der Schaar jugendlicher aufstrebender Geister im Süden und vor allen von ihrem großen Koryphäen Goethe freudig begrüßt und genossen, üben seine Schriften jeßt einen unberechenbaren Einfluß.

Es ist anziehend und belehrend, das Bild großer Männer in dem Geistesspiegel ihrer Zeitgenossen zu betrachten, selbst dann, wenn uns die Treue desselben nicht ganz befriedigt; denn sie wird durch die Neinheit und Fehlerlosigkeit des reflectirenden Mediums bedingt. Höchst selten sind Individuen, welche es vermögen, in der Gegens wart das ganze Bild eines großen Manne8 in fich aufzunehmen. Daher müssen wir uns schon freuen, wenn sie nur einzelne Züge, zu deren Auffassung ihr Glas besonders glüdlich geschliffen ist, uns treu überliefern. 3a felbst in einem errbilde finden wir mitunter Einzelnes, das uns zur Vervollständigung des Ganzen cum grano salis dienen kann. Haben wir aber das seltene Glüd, daß uns das geliebte Bild sogar in verklärter Schönheit entgegenstrahlt, dann verschwindet fast dagegen das hehre Schauspiel, welches uns der große Dichter durch eines seiner schönsten Lieder vor die Seele führt:

Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond fich nicht im Meer ?
Rehrt wellenathmend ihr Gesicht

Nicht doppelt schöner her? Wir wollen indeß nicht vorgreifen und e8 dem Leser überlassen, zu untersuchen, in wie weit diese Worte sich auf Şamann anwenden lassen und bei ihm in Erfüllung gegangen sind.

Schließlich können wir nicht umhin, auf einige am Schluß dieses Bandes bemerkte finnentstellende Unrichtigkeiten hinzudeuten, die sich in diesem zweiten Bande vorfinden. Da der sehr rasch fortschreitende Druď manche Fehler hat übersehen lassen, so wird demnächst ein genaueres Verzeichniß über alle drei Bände dem lebten beigefügt werden.

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