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VORWORT.

Descartes

escartes hat einmal geäussert, das Das, was die Philosophen Philosophisches eigentlich wissen, auf sehr wenige allgemeine Sätze sich reduciren lasse. Wer mit mir diese Ansicht des Descartes theilt, wird die Schwierigkeit bemessen können, mit denen ich bei Erzeugung des nachfolgenden Werkes zu kämpfen gehabt habe. Ein System der Philosophie muss auf der Erkenntnisstheorie ruhen, diese fordert Selbsterkenntniss, diese letztere ist aber bekanntlich überaus schwierig und daher immer noch in den ersten Anfängen. Scheint es da nicht, als ob der Inhalt jener wenigen Sätze, von denen Descartes spricht, in diesen eben niedergeschriebenen Prämissen eines Schlusses zu bestehen habe, dessen Conclusion dahin lautet, dass man philosophisch eigentlich wenig oder nichts weiss? Hiemit scheint die ganze Arbeit gethan und man könnte auf

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den Beifall der Majorität des gelehrten Publicums rechnen, das auf Grund der Geschichte der neueren Philosophie zu jenem Schlussurtheil geführt worden zu sein behauptet. Hiemit wäre zugleich die Prätension desselben gelehrten Publicums erklärt und begründet, dass die Philosophie zunächst einen Rechtstitel ihrer Existenz aufzuweisen, oder eventuell letztere zu entschuldigen habe. Hiemit wäre auch die Erscheinung erklärt, dass sonst tüchtige Naturforscher ihrer philosophischen Ignoranz sich rühmen und dass Theologen, im Bewusstsein ihrer Omniscienz und der dieser gebührenden Omnipotenz nach alter Gewohnheit unbequeme Existen

zu bedrängen oder abzuschaffen, der Philosophie die Existenz nur um den Preis ihrer Freiheit lassen wollen. Sie soll als Magd der Theologie oder gar nicht mehr existiren. Aehnliches erfährt die Philosophie von Anderen.

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Man könnte Angesichts dieser Verhältnisse versucht werden, zu glauben, ein neues philosophisches Buch sei nur aus dem Selbsterhaltungstriebe, der allen Existenzen innewohnt, abzuleiten. Aber so steht es noch lange nicht. Die Wissenschaft, von deren Essenz alle anderen Wissenschaften borgen, um als Wissenschaften existiren zu können, die also anderen zur Existenz verhilft, hat minder nöthig, um ihre Existenz zu kämpfen als alle anderen Wissenschaften. Ich will erklärungshalber nur Eines erwähnen. Woher kommt es wohl, dass wissenschaftliche Theologen sogar auf Kosten ihrer Treue gegen die Quelle und das Organon ihrer Wissenschaft immer philosophiren? Weil sie wohl wissen, dass die Theologie ohne Gedankenentwickelungen eben so in den todten Buchstaben versinken muss, wie die Naturforschung ohne Philosophie in den Stoff. Entweder entlehnen nun die Theologen Gedankenentwickelungen von der Philosophie und

geben hiemit dieser Zeugniss, oder sie philosophiren auf eigene Faust und werden, wenn sie hiemit Ernst machen und consequent sind, zum Anfang der Philosophie, der zum Mindesten der Zweifel des Descartes ist, getrieben und verwandeln sich so aus positiven Theologen in Philosophen. Die Furcht vor dieser Metamorphose treibt ängstliehere theologische Geister zu gänzlicher Enthaltsamkeit von der Philosophie. Wird diese Enthaltsamkeit ernst und consequent durchgeführt, so muss selbstverständlich die Theologie als Wissenschaft zu existiren aufhören, denn Wissenschaft ist ohne Philosophie unmöglich. Hiemit ist wieder bezeugt, dass die Theologie als Wissenschaft ihre Existenz der Philosophie schuldet.

Nicht also aus Selbsterhaltungstrieb für die Verächter der Philosophie ist das nachfolgende Werk entstanden, sondern aus dem Bedürfnisse des Geistes nach Erweiterung der Selbsterklärung der Wurzel alles Wissens für Diejenigen, die dasselbe Bedürfniss empfinden. Reiner Rationalismus ist Grund und Ziel dieser Arbeit. Daher die schmucklose Form dieses Werkes; nicht um den Fluss der Rede, nicht um gelehrten Prunk, sondern um fruchtbare Gedanken allein kann es sich handeln. Von Anhäufung gelehrter Citate, die in selbstdenkenden Geistern gerade desshalb den Verdacht innerer Gedankendürftigkeit erregt, weil sie unfruchtbaren Geistern Bedürfniss ist, ist, so viel es thunlich gewesen, Umgang genommen worden. Die nöthigen Bezugnahmen enthalten die Beilagen.

Ist dieser philosophische Versuch wohl für alle nach Erkenntniss strebende Geister geschrieben worden, so habe ich doch dabei vorzugsweise an meine jüngeren philosophi

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