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Mädchen überläßt ihn diesen schauerlichen Eindrüđen. Die Hoffnung, mit einer geliebten Gattin wieder vereinigt zu werden, hilft ihm die grauenvolle Wohnung eine Zeit lang ertragen ; aber zwei ewig lange Tage schleichen vorüber, und seine Befreierin kehrt noch nicht zurüd. Hat sie ihn vergessen? oder ist sie selbst das Opfer ihrer Menschlichkeit geworden? Zu diesen marternden Gedanken gesellt sich der Hunger ; seine Kräfte sind erschöpft, er sinkt halb ohnmächtig auf den Sarg eines seiner Vorfahren. Ein Geräusch läßt fich vernehmen; es ist die sanfte Stimme des Mädchens. Sie ruft; Freude und Ohnmacht lähmen seine Zunge, er kann nicht antworten; sie glaubt, er sei todt, und läßt seufzend die Falthür wieder sinken; Entsegen ergreift ihn; die Angst preßt ihm einen Schrei aus. Sie hört es und eilt herzu. Während sie ihm Speise reichte, erklärte sie ihr unverschuldetes Uusbleiben, und die Maßregeln, die sie klug getroffen, um ihn solcher Ungst nicht wieder auszufeßen. Raum ist sie fort, als Waffengetős an sein Ohr schlägt. Das Mädchen steigt haftig wieder herab in das Gewölbe, und winkt dem Jüngling, sich still zu halten. Es waren wirklich Soldaten, die der Geistliche selbst herumführte, weil man ihn beschuldigt hatte, Emigrirte in der Kirche versteckt zu haben, und weil er von seiner Nichte unvorsichtigem Wagestűd nichts wußte. Sie durchkrochen jeden Winkel, gingen auch sogar über die Falthür — welch' ein Augenblick für die beiden Eingeschlossenen! – Jeder Fußtritt schlug an ihr Herz, und schien das Signal zum

Dode. Endlich entfernt sich das Geräusch nach und nach

es verschwindet. Das Mädchen schlüpft hervor, schleicht in der Kirche umber, findet sie stil und öde, bes ruhigt den jungen Mann und eilt davon. Noch lange schüßte und nährte ihre Menschenliebe den Fremdling in jenen Gräbern, bis endlich die Gefahr verschwand, er die düstere Wohnung seiner Voreltern verließ, dem guten Mädchen ein dankbares Lebewohl fagte, und glücklich in die Arme seiner harrenden Gattin zurückehrte. Mademoiselle de Sombreuil versuchte in den schrecklichen September-Massacren alles, was die kindliche Liebe ihr eingab, um ihren Vater zu retten. Einer der Mörder versprach ihr dessen Befreiung, wenn sie cin Glas voll Menschenblut austrinken wolle. Sie that es, und leidet seit jenem fürchterlichen Uugenblick an Krämpfen, die regelmäßig wiederkehren. — Ich wende mich hine weg von diesen schauerlichen Gemälden, um dasjenige Billet mitzutheilen, was allen jenen Gräueln plößlich ein Ende machte. Die reizende Madame Tallien harrte be: kanntlich im Kerker ihres nahen Todes. Sie schrieb an ihren Gatten: »Der Polizeibeamte geht so eben von mir; er hat mir angekündigt, daß ich morgen vor dem Tribunal, das heißt, auf dem Schaffot erscheinen muß. Wie wenig stimmt das mit meinen Träumen von voriger Nacht überein. Robespierre war nicht mehr, ale Gefängnisse standen offen. Ein einziger muthvoller Mann würde viel: leicht hinreichen, diesen Traum wahr zu machen; aber Dank sei es Ihrer ausgezeichneten Feigheit, es wird niemand übrig bleiben, der einer solchen Wohlthat genießen könnte. Leben Sie wohl.” — Diese weni gen Worte einer geliebten Frau belebten den Muth Tallien's und seiner Freunde. Seine Untwort war sehr kurz: »Habe," schrieb er, »ro viel Vorsicht, als ich Muth haben werde, und vor allen Dingen sei ruhig." – Der folgende Tag war der neunte Thermidor.

Die Rosen und der Pfau.

Ob wir gleich jegt über hundert Gattungen von Rosen zählen, folglich vielleicht neunundneunzig mehr als unsere Voreltern, so waren die Rosen doch bei ihnen ebenso beliebt, als bei uns. Keine Freude ohne Rosen; ja ein gewisser Graubart Helianus, den die schönen Leserinnen nicht näher zu kennen brauchen, behauptet, daß sogar die alten Gallier, um den Muth anzubeuten, mit welchem sie in die Schlacht gingen, statt der Helme Rosenkränze auf das Haupt septen.

Rosen schmű&ten jedes Fest, jede Hochzeit. Chapel hieß die Rosenkrone, welche die Damen trugen. Wenn der Ronnetabel den König bei der Tafel bediente, so hielt er in der Hand eine weiße Ruthe, und sein Haupt zierte ein Kranz von Rosen. Nonnen, die eingekleidet, Mädchen, die verheirathet wurden, wanden Rosen um die Schläfe.

Ein Vater, der seiner Tochter nichts mitgeben konnte oder wolte, mußte ihr wenigstens den sogenannten Chapel schaffen. Die Braut ging ganz weiß gekleidet, zum Sinn: bild der jungfräulichen Reinheit; die Rosenkrone im Haar war das Sinnbild der Liebe. Sie fehlte nicht einmal bei geistlichen Prozessionen, und ihr allgemeiner Gebrauch hatte sogar einer Handwerksinnung zu Paris das Dasein gegeben, deren Mitglieder man Chapeliers (Hutmacher) nannte, und die allein Rosenkronen machen und verkaufen durften. Diejenigen Weiber, die mit künstlichen Blumen handelten, hießen gleichfalls chapelières en fleurs.

Gegen das Ende des vierzehnten Jahrhunderts kam im Parlament eine seltsame Gewohnheit auf. Wenn näm= lich ein weltlicher Pair einen Prozeß hatte, und vorgerufen wurde, mußte er den Parlamentsgliedern Roren überreichen. Selbst Heinrich IV. hatte diesen Gebrauch, aber zulett, beobachtet. In den verworrenen Zeiten der Ligue, als das Parlament nach Tours flüchten mußte, wurde die Rosenceremonie vernachlässigt, und endlich vergessen. Vorher aber hatte das Parlament seinen eigenen Rosenlieferanten, der den Titel rosier de la Cour führte. Er versorgte sich mit seiner Ware hauptsächlich aus einem Dorfe, dessen Einwohner sich ausschließend mit der Rosenkultur beschäftigten. Ihr Dorf ward daher Fontenay-auxroses genannt.

In vielen Städten durfte nicht Jedermann Rosen in seinem Garten ziehen; denn das war ein Privilegium. Die,

denen es zu Sheil geworden, mußten dem Stadtrath jähr: lich am heil. drei Königsfeste drei Rosenkronen liefern, und am Himmelfahrtstage einen großen Korb vol Rosen, um Rosenwasser daraus zu machen. Hieraus erklärt sich auch, daß man oft, unter den Abgaben jener Zeit, welche die Herrenrechte genannt wurden, Rosenbüsch el findet: denn die reichen Leute verbrauchten sehr viel Rosenwasser zu ihren Ragouts, Desserts und Brühen; auch wuschen sie nach der Mahlzeit sich die Hände damit. Ein gewisser Arnaud de Villeneuve tadelt die zu seiner Zeit üblichen starken Gewürze an den Speisen (es war im dreizehnten Jahrhunderte), und räth, man folle gebratenes wildes Geflügel nur mit ein wenig Wein, Salz und Rosenwasser essen. Schwerlich wird man heut zu Tage diese Sauce pikant finden.

In den ältesten Seiten pflegte man die Tafel und den Speisesaal mit Blumen zu schmücken. Ein alter Schrift. steller erzählt: »Statt Kalk und Steine sah man nur Epheu an den Mauern. Der Fußboden war dick mit Blu: men bestreut; man glaubte auf einer blühenden Wiese zu wandeln. Die Tafel zeigte mehr Rosen als ein ganzer Garten. Kein Tischtuch bedeckte sie, nichts als Rosen. Die Speisen standen auf und zwischen Rosen. Ihr Duft und ihre glühenden Farben erlebten reichlich den Anblick eines schneeweißen Tischtuchs."

Da wir einmal in das Mittelalter hinein gerathen sind, und eben an einer schön geschmückten Tafel sigen, so wollen

XVII.

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