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nur Oberbefehlshaber des babylonischen Heeres war. Sehr wahrscheinlich hat er diese 20 Jahre eine zweideutige Rolle gespielt, um für seinen Sohn einmal die Königskrone von Babylon zu erwerben.

5. Die neubabylonischen Könige.

Nabupalusur, bei den Griechen Rabopolassar oder Nabonassar, bei Abydenus Busjalossoror, nennt sich inschriftlich „Statthalter von Babylon, König von Sumer und Akkad, der erhabene Fürst“ oder „Rabupalusur, der untertänige, demütige, der Verehrer der großen Götter", wodurch das oben ousgesprochene Urteil über seinen Charakter und mehr als diplomatische Handlungsweise urkundlich bestätigt ist. Daß er die Stadt Babel begünstigte und den Götterdienst pflegte, wird aus seiner bekannten Vorsicht und Eigennuß erklärlich. Er durfte es mit seinen Freunden und Standesgenoffen, den Magiern und Chaldäern nicht verderben. Aber er mußte auch einen festen Stand in Babylonien gewonnen haben, ehe er die Maske des demütigen Dieners abwarf und mit Medien ein offenes Bündnis gegen Assyrien schließen konnte. Das geschah aber erst kurz vor der Eroberung Minives; und mit Recht setzt man 606 v. Chr., das Jahr dieses Ereignisses, als den Anfang des neubabylonischen Reiches, neben dem Afiyrien zu einer medischen Provinz herabgesunken ist.

Die Anführung seines Heeres übergab Rabopolaffar, w a in wissen wir nicht, seinem Sohn Nebukadnezar, der den Pharao Niecho II. 605 bei Karkemisch aufs Haupt schlug. Er floh nach Aegypten und hat vielleicht erst in dieser Zeit Joahas von Juda mit sich geführt. Aber Piebukadnezar, der ihn verfolgte, konnte eine so bedeutende und feste Stadt wie Jerusalem nicht in seinem Rücken lassen, wenn er gegen Aegypten zog ). Also besetzte er diese Stadt ohne große Mühe und schickte den König Jojakim in Ketten nach Babel, dazu auch einige Bürger und Gefäße aus dem Hause des Herrn. Demnach ist 605 v. Chr. als der Anfang der babylonischen Gefangenschaft des Hauses Juda feftzuhalten.

Seine Freunde in Medien unterstükte Nabopolafiar auch im Kampf mit den Evdern. Und als am 30. Sept. 610 cine Sonnenfinsternis die Kämpfenden erschreckte, benußte er dieses Ereignis um Frieden zu stiften.

Herodot erzählt von ihm, er habe die Aegypterin Titofris zur Gemahlin gehabt, die in Babel eine Brücke bauen ließ. Er selbst unter> nahm es nach der Cylinderinschrift, Etemenanki, den Stufenturm von Ejagila, wieder aufzurichten und legte seinen Grundstein an die Brust der Unterwelt", damit die Spike ,,bis in den Himmel" ragen könne. 10 000 Arbeiter mußten Ziegelsteine verschiedener Art anfertigen. Der Sta ter selbst und sein Sohn Nebukadnezar trugen den Zieglerhut kuduru. Er verschönerte Babel und ließ Kanäle zur Bewässerung des Landes bauen, nachdem der Euphrat sich ein neues Bett gesucht, das von Sippar entfernt war. Die Uferböschungen der Kanäle wurden mit Ziegeln gemauert, die in Asphalt gelegt waren ). Ein 1901 gefundener Tert lautet:

1) 2. Chron. 36, 6–7.

„Nabupalusur, der König der Gerechtigkeit, der Hirte, den Marduk berufen hat, der Sproß der Göttin „Herrin der Krone“, der erhabenen hohen Königin der Königinnen, den Nebo und Tasmitum an der Hand fasten, der erhabene Liebling des Bottes „Herr des glänzenden Auges“ -): Als ich vor meinem Königtum Sohn eines niemandes war, aber die Heiligtümer Nabus und Marduks, meiner Herrn, beständig in Ehren hielt, auf das Bestehenbleiben ihrer Satzungen und den Vollzug ihrer Gebote im Gemüt bedacht war, mein Sinn auf Recht und Gerechtigkeit stand, jah der Gott „Herzenskündiger“ 3), der die Herzen der Götter des Himmels und der Erde kennt, der die Pfade der Völker beständig sieht, mein Herz an und stellte mich, den kleinen, der unter den Völkern nicht beachtet wurde, in dem Land, da ich geboren war, an die Spitze. Zur Herrschaft über Land und Meer berief er mich. In allem, was ich tat, ließ er mein Wert gelingen. Nergal, den allgewaltigen unter den Göttern, ließ er an meiner Seite gehn, unterjochte meine Widersacher, schlug meine feinde."

„Der Affyrer, der seit fernen Tagen alle Völker beherrscht und in sein schweres Joch die Leute des Landes gespannt hatte, ich der schwache, der demütige, der den Herrn der Herrn verehrt, durch die wuchtigen Streitkräfte Nabus und Marduks, meiner Herrn, hielt ich ihren fuß vom Land Akkad fern und ließ ihr Joch ab. werfen.“

„Damals Epatutila, der Tempel des Ninib, der in Suanna steht, den vor mir ein früherer König hatte bauen lassen, aber sein Werk nicht vollendet hatte, auf die Erneuerung dieses Tempels stand mein Sinn. Ich berief die Mannen der Götter Bel, Samas und Marduk '), ließ (sie) das Mörtelfaß tragen, legte ihnen den Ziegelkorb auf ohne abzulassen vollendete ich den Bau des Tempels. Starfe Balken ließ ich zu seiner Bedachung hinlegen, hohe Türen setzte ich in seine Tore ein. Diesen Tempel machte ich sonnengleich glänzen und für Minib, meinen Herrn, wie den Tag erstrahlen. Wer auch immer in Zukunft König sein wird, sei es Sohn, sei es Enkel, der nach mir wandelt, dessen Name Marduf zur Herrschaft des Landes beruft, was Sache der Kraft und Stärke ist, ziehe nicht in Betracht. Die Heilig. tümer Nabus und Marduks halte in Ehren, daß sie deine feinde unterjochen. Marduk, der Herr, prüft den Mund, sieht das Herz. Wer sich fromm zu Bel hält, dessen Herrschaft hat festen Bestand. Wer sich fromm zu Bels Sohn hält, der wird in Ewigkeit dauern. Wenn dieser Tempel zerfällt, und du seinen Schaden ausbesserst, dann lies meine Urkunde und lege fie neben die deine. Auf Geheiß Mardufs, des großen Herm, dessen Geheiß_unabänderlich ist, möge die Nennung deines Namens bestehen bleiben für ewige Zeiten ).“

1) K. B. III, b, S. 9.
2) Ea.
3) Marduk.
4) Die Einwohner von Babel, Sippara urd Nippur.
5) Mitteil. 1901, 10, S. 14.

Volt von Urabien ... töteten sie mit dem Schwert. Ochsen, Schafe, Ejel, Kamele und Menschen ohne Zahl führten sie hinweg."

So taten die Fürsten des Heeres oder die Oberbefehlshaber ). Eine andre Inschrift bestätigt dies:

„Alle Könige ") fündigten wider mich, sie machten eine gottlose Verschwörung. Meine Heeresführer hörten von dieser Verschwörung, ergriffen ihre Boten und Bot. schafter und sahen ihr aufrührerisches Werk. Sie nahmen diese Könige gefangen.“

Das Ende dieses Königs ist uns ebenso wenig bekannt wie das seiner Vorgänger. Noch bei seinen Lebzeiten erhoben sich die Mieder, die Phraortes zu einem Reiche vereinigt hatte. Cyarares, dessen Nach folger, fühlte sich schon 633 v. Chr. ftark genug, einen Zug gegen Ninive zu unternehmen, wo feit 648 v. Chr. ein Statthalter residierte, und schlug die Söldnerheere des Großkönigs, der sich in Babel sicherer fühlte als in der den Medern zu nahen nördlichen Hauptstadt. Da brach von neuem das wilde Reitervolk der Skythen über Medien und Assyrien herein; aber im Kampf mit den Skythen erstarkten die Meder mehr und mehr, bis sie diese Feinde über den Kaukasus zurücktrieben, woher sie gekommen waren. Hätte Asurbanipal sich dieses Kampfes angenommen und den Medern Hilfe geleistet, anstatt Assyrien sich selbst zu überlassen, so konnte die Auflösung dieses Reiches noch aufgehalten werden; aber der wollüstige Großkönig vertrieb seine Zeit im Harem oder ging auf Jagdabenteuer aus, die er als ein Münchhausen der Vorzeit einer ftaunenden Nachwelt überliefert hat, wie dieses Stüdchen:

.. Jch Ajurbanipal, König der Völker, König von Affyrien, habe in meiner Tapferkeit zu fuß einen mächtigen Wüstenlöwen bei den Ohren gepadt; unter dem Beistand Ujurs und Istars, der Herrin der Schlacht, habe ich mit dem Speer meiner hand seinen Leib durchbohrt.“

Er will auch einen Cöwen bei dem Sdywanze ergriffen und getötet haben; aber man braucit dem üppigen Haremskönig, der sich um seines Reiches Not mit dem zunehmenden Alter immer weniger kümmerte, solche Prahlereien nicht zu glauben, zumal wenn man sich dieser Art der Tapferkeit erinnert, die einem toten Feind das Haupt abschlagen konnte. Oder wir dürfen daran denken, daß in Minive, Kalah und Dursarrukin neben den Wildparken auch Cöwenzwinger angelegt waren, aus deneit auf Befehl etliche Tiere freigelassen wurden, um von dem Großkönig getötet zu werden.

Wir hörten oben bereits, wie die Schriftgelehrten von dem Segen der Regierung dieses Königs hoch zu rühmen wissen, ohne eine Ahnung davon zu haben, daß nur 20 Jahre nach seinem Ende kein Assyrien mehr sein werde. So verkündet auch der Rasjamcylinder :

„Seit Ajur, Sin, Samas, Ramman, Bel (Marduk), Nebo, Jstar von Ninive, die Königin von Kidnuru, Jstar von Urbela, Ninib, Nergal und Nusku mich in

1) 2. Chron. 33, 11.
2) Die assyrischen Statthalter in Uegypten.

Güte auf den Thron meines Vaters, meines Erzeugers, gesetzt haben, ließ Ramman seinen Regen los, öffnete Ea ') seine Wasserhöhlen; und das Getreide ward 5 Ellen hoch in seinen Uehren, die Uehre aber % Elle lang. Es gelang die Ernte, es wucherte das Korn, es schoß das Rohr beständig empor. Die Baumpflanzungen ließen üppige früchte reifen, das Vieh hatte bei dem Werfen Gelingen. Während meiner Regierungszeit kam der Ueberflus in Massen daher, während meiner Jahre ftrömte reicher Segen hernieder)."

Dieser Schilderung mag man in mehreren Stüken Glauben beimessen und wird um jo besser verstehen, wie das Volk seinem üppigen Gebieter bei der fülle der Lebensmittel in Ueppigkeit des Genusses nachfolgte und verweichlidyte. Man pflegte zu dieser Zeit auch der Musik. Zwar finden wir auf Denkmälern der ältesten eit bereits die siebenjaitige harfe abgebildet, die von dem Griechen Terpander erfunden sein foll; aber jeßt kamen noch verschiedene andre Instrumente hinzu, und bei religiösen festen und andern öffentlichen feierlichkeiten konnte eine Urt Orchester wirken, wie wir es aus der Versammlung im Tale Dura kennen lernen ).

Auch Asurbanipal starb nach langer Regierung; und auf seinen Tod folgte eine Zeit der Wirren, die von innen und außen das große Reid, bis in seine Wurzeln erschütterten und eine neue Zeit einleiteten. Uus diesen zwei Jahrzehnten 626-606 v. Chr. wissen wir recht wenig, weil uns nur wenige Inschriften erhalten sind, die Berichte der griechischen Schriftsteller aber keinen Glauben verdienen. Dem Namen nach folgte auf Ajurbanipal sein Sohn

Afuritililaninkini. 626--622 v. Chr. König von Assyrien und Babylonien, noch üppiger und noch weichlicher wie sein Vater. Sein langer Name wird in Asuritililani oder Älsuritilufini oder Asurukini, bei Ptolemäus in Sarafos abgekürzt.

Wie morgenländische fürsten noch heute nicht in des Vorgängers Haus wohnen mögen, so baute auch er sich einen neuen, aber geringeren Palast und seinen Göttern Tempel, wobei wir nicht anzunehmen brauchen, daß Tempel und Paläste von den Stythen zerstört worden seien. Eine Inschrift sagt:

„Ich Ujuritililani, König der Völfer, König von Nfiyrien, Sohn des Usurbanipal... habe lufttrockene Ziegel aus Ton anfertigen lassen und sie zur Erbauung des Tempels Ezida gestiftet, aufdaß ich leben möge."

Im Jahre 625 (chidte der kampfunfähige König von Babel aus jeinen Feldherrn, den Chaldäer Nabopolasjar, mit einem Heere aus, um die hereinbrechenden Skythen wenigstens von Babylonien abzuwehren. Dieser verständigte sich mit dem Niederkönig Cyarares, Sohn des phra.

1) Ea aber ist am Anfang der Götteraufzählung vergessen worden.
2) K. B. II, b, 153. Ein ähnlicher Bericht wurde schon früher mitgeteilt.
3) Dan. 3.

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ortes, der auch, wie schon früher erwähnt, mit den Skythen zu kämpfen hatte, so weit, daß er für seinen Sohn Nebukadnezar die Tochter des Cyarares zur frau erhielt.

Uus der Zeit dieses schwachen Königs sind einige Verträge aus der Stast Riippur erhalten. Einer ist datiert vom 20. Sebatu des 2. Jahres des Asuritililani, Königs von Assyrien, ein anderer vom 1. Arachsamna des 4. Jahres dieses Königs.

Auf Usuritililani folgte Belzikiriskun oder Sinsariskun, ein Sohn Niis, der auch der Sarakos des Ptolemäus sein kann, wie denn H. Winckler 1) ihn dem Afuritililani vorhergehn läßt. Während die Miss der, nun nicht mehr willig, dem vorher gefürchteten Großkönig Tribut zu zahlen, die afiyrische Hälfte des Reiches mehr und mehr den Skythen abgewannen, versuchte der König Babylonien zu halten und hatte nody im 7. Jahr seiner Regierung 615 v. Chr. Erech in seiner Gewalt. Die Not des Reiches war groß, aber aus den Inschriften erklingt noch der alte hochfahrende Ton, den man dem mächtigen Vorfahren verzeihen kann; er rühmt, „daß die Götter seine Feinde niedergeworfen, ihn aber zur Herrschaft über die Menschen berufen und mit der Krone bedeckt haben". Hier ist der Cylinder leider abgebrochen; aber einige Kaufurkunden sind noch aus dieser Zeit vorhanden.

Das von seinen Königen, unter denen noch ein Asurachiiddin II. genannt wird, verlassene Assyrien konnte sich der kriegstüchtigen Meder immer weniger erwehren, obwohl es jetzt die Aschkuzas zu Verbündeten hatte, die nach Herodot 28 Jahre hier herrschten. Daher sind mehrere forscher ?) der Unsicht, die Skythen hätten den Meder Cyarares nidyt nur zurückgedrängt, sondern seiner Herrschaft beraubt; und Astyages oder Istuwigu sei kein Mieder, sondern ein Skythe oder Gothe gewesen. Dagegen wurde Nabopolasjar von Erech aus so in die Enge getrieben, daß er nur durch Eingreifen des Skythenfürsten Jriba gerettet werden konnte. Es erscheinen die Skythen demnach bald als Freunde der Usiyrer, bald auf seiten der Babylonier. Jetzt strafte sich die trügerisde Niaßregel, nach der weite Gebiete mit fremden gezwungenen Ansiedlern besetzt worden waren. Diese Leute konnten, ja mußten in den Medern ihre Befreier erblicken und ihnen die Hand reichen. Dazu kam das feige Verhalten des afiyrischen Großkönigs, sowie das bald zweifelhafte, bald offen verräterische handeln des Chaldäers Nabopolasjar, der wahr: scheinlich in ftillem Vertrag ganz Assyrien seinem Freund Cyarares überlassen hatte, indem er selbst gegen Aegypten zog, um das ganje Westland für Babylonien zurückzugewinnen. Derselbe Pharao Piecho, Sohn Psammetichs, den Asurbanipal begnadigt hatte, zog mit einem großen Heere heran), den drohenden Feind von Aegyptens Grenzen fern

1) B. u. A., S. 743. 2) Vergl. E. Müller, 3. f. A. 1898, S. 326. 3) 2. Kön. 23, 29.

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