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3 weiter Teil.
Die Verehrung der Götter.

Wenn das Sprichwort „Wie der Hirte, so die Herde" wahr ist, dann sind die Babylonier und Ussyrer ein sehr religiöses Volk gewesen, wie auch Tiele urteilt; denn die Könige beider Reiche verwandten viel Zeit, Mühe und große Mittel auf die Erbauung und Erhaltung, UusIchmüdung und Wiederherstellung der asrati, d. i. der gottesdienstlichen Gebäude 1). Ebenso lag den Königen, die in Assyrien noch nach der Zeit der Datesi Oberpriester blieben, am Herzen, eine zahlreiche und gelehrte Priesterschaft zu unterhalten, die als Propheten den Ratschluß der Götter zu verkündigen hatten, während sie als Unterpriester die mannigfaltigen Opfer brachten, Beschwörungen und Reinigungen u. a. pornahmen.

Von jedem Feldzug und seiner Beute erhielten die Götter, d. h. die Priester, ihr Teil, und mit der Zeit wurden besonders in Babel große Schäße in den Tempeln aufgespeichert. So bestand das Paratfu, das

Ullerheiligste, darin die großen Götter wohnen" 2), das nämlich ihre Bildfäulen enthielt, oft aus massivem Silber. Ein andrer besonders heiliger Ort eines Tempels war der papaha, deffen Bedeutung und Gebrauch noch nicht aufgeklärt ist; während die Jiggurats, die stets in der Nähe der Tempel standen, in ihrem obersten Stockwert auch ein besonderes Heiligtum enthielten, über dessen Benußung wir so gut wie nichts wissen. Vermutlich dienten die hochgelegenen Gemache der Beobachtung des nächtlichen Himmels, ohne die Fein Orakelgeben möglich war, wie später darzulegen ist.

In den Tempeln befanden sich außer den erwähnten parallus und papahas tostbare Teppiche, Zelte, Boote und Bilder, vor allem die Bilder der Götter selbst, meist aus Silber oder Gold gegossen und mit edeln Steinen geschmüdt. Diese Bildsäulen wurden auch mit foftbaren Gewänder zu ihren oder andrer Götter Festtagen angetan, zu welchem Dienst besondere Priester und Priesterinnen angestellt waren.

1) Vergl. die Namen der Unatu-Jftar.
2) Jensen, Kosmol., S. 189.

Zum Teil hatten die babylonisch-assyrischen Götterbilder eine aus Menschen- und Tierleibern gemischte Gestalt. Das eine zeigte etwa einen Menschenleib mit dem Kopf eines Vogels oder den füßen eines Vogels oder mit dem Schwanz eines fisches; oder man seşte auf die Leiber von Stieren und Cöwen ein Menschenhaupt. Die höchsten Götter aber wurden meist unter Menschenbild als Könige dargestellt

, vielfach_bewaffnet, reitend oder fahrend, wie es sich für die Kinder dieser Erde schiden will ).

Ein Symbol der Gottheit haben die alten Sumero-Akkadier vielleicht aus Aegypten mitgebracht. Das ist die mit Flügeln versehene Sonnenscheibe, _in der bei den Affyrern eine menschliche Gestalt steht, deren unterer Teil in ein federkleid gehüllt ist

. Häufig zeigen die Hüte der Götter Hörner, ja diese gelten geradezu als ein Götterzeichen. In ihrer Hand halten sie eine Wasserkanne oder einen Fichtenzapfen, was eine Mahnung an die Unsterblichkeit und an den Blik sein foll. Aber wie ist das zu verstehn?

Wer einen Tempel erbaute oder beschenkte, der erwarb für sich und sein Haus die Gunst der Gottheit, die ihm zum Dank und Lohn Leben und Glück bescherte. Aberglauben jeder Art und das Vertrauen auf eigne Kraft und eignes Verdienft und Würdigkeit gingen schon in dieser alten Zeit ruhig nebeneinander her.

Um meisten und unmittelbarsten wurden die Könige selbst von der Religion und ihren Dienern beeinflußt. Alle ihre Häuser und Hausgeräte, Decken und Wände ihrer Paläste, ihr Essen und Trinken, ihr Wachen und Schlafen, ihre Handlungen in Krieg und frieden waren unter das religiöse Besek gestellt. Doch wäre die Ännahme gänzlich verfehlt, als handelte es fich hierbei um die fittliche Haltung des Volksoberhauptes. Da don sittlicher Haltung die Götter selbst nichts wissen, können sie so etwas auch nicht von den Menschen verlangen. Vielmehr wurde die Religion mit all ihrem Jeremoniell und Aberglauben befonders dazu benußt, den König mit all seinen Untertanen in unsichtbaren feffeln, aber in voller Abhängigkeit zu halten -- von den Priestern.

Der König von Affyrien hatte als Oberpriester den Göttern tägliche Opfer darzubringen, aber im Monat Ululu fünfzehnmal am Tage und einmal am frühen Morgen.

Nach dem allgemeinen Glauben der Babylonier und Ufiyrer kommt alles, was auf Erden geschieht, aus Einwirkung der Götter, von denen die guten Menschen mit Glüd belohnt, die bösen mit Unglüd gestraft werden. Dieser Mißverstand höherer fügungen führte im Privatleben zu falschem Selbstgefühl und Eitelkeit, im öffentlichen Leben aber zu Verwirrung und politischen Fehlern und mußte dahin führen, wie wir in der Geschichte einige Male beobachteten. Die Könige, die schon im Miutterleib von den Göttern berufen sind, müssen sehr gut sein, wenn sie einen Sieg nach dem andern aus der Hand der Götter empfangen, was sie wohl rühmend anerkennen, während sie in ihren Castern um jo fester verharren. Auch fehlt es nicht an Erklärungen, daß die Götter folche Hilfe für empfangene Wohltaten von Seiten des Königs schuldig waren!

1) Jensen, Kosmol., S. 189.

Wurde dann einmal ein Götterbild geraubt oder zerstört, so war damit der betroffenen Stadt der größte Schaden und die schwerste Bes leidigung zugefügt. Der entführte Gott erklärte nachträglich durch seine Priester, er müsse die Stadt verlassen. Kein Krieg wurde gescheut, den Schaden wieder gut zu machen, den Gott wieder hereinzuholen; aber niemals famen diese frommen Ceute auf den naheliegenden Gedanken, daß diese Bilder feine wahren Götter sein könnten, schon darum, weil sie unvermögend waren sich selbst zu schüßen; und daß die sich selbst nicht sdüşen konnten, nodweniger imstande sein würden, andern in Rot und Gefahr zu helfen.

Aber Könige und Priester und Untertanen hielten an dem Glauben steif und fest, daß die Ratschlüsse der Götter für die Mensden zugänglich seien, und die Priester, die den Vorteil davon hatten, taten das ihre, jolchen Aberglauben zu nähren und zu befestigen. Im übrigen standen fie auf dem Standpunkt des Rational smus, der eine unmittelbare Offenbarung der Gottheit zu den unmöglichen Dingen rechnet. Aber der Himmel, in dem die Gottheit bisweilen wohnt, gibt nach ihrer Meinung durch Wind und Wetter, durch Blit und Donner, durch den Cauf der Sonne und des Mondes, sowie durch den Stand der Gestirne, insbesondere der Planeten und einige andre Wege den Willen der Götter kund, foweit sich dieser auf die Zukunft der einzelnen Menschen und auf das Geschid der Könige und Völker bezieht. Hiervon werden wir noch mehr bei der Darstellung der babylonisch-assyrischen Astrologie hören.

Der Dienst dieser Götter erforderte von den Gläubigen mannigfache Opfer von Räucherwerk kutrinnu hebr. Ketoreth, auch rikke, d. i. Kräuter genannt, von Speise und Trank, von Tier- und Menschenblut. Das Opfer im allgemeinen heißt niku, ursprünglid) wohl eine Ausgießung oder Eibation. Jibu beðeutet dem Wort nach das Schlachtopfer, kutrinnu und surfinu das Räucheropfer, masjatu das Gießopfer, Fiftu ein Geschenk, sattukku und ginu die Festitehenden Darbringungen.

Das Blut wird seltener als man denken sollte als Gegenstand des Opfers genannt), während es bei den Hebräern als S t der Seele von der größten Wichtigkeit war. Alles Blut gehörte und gebührte gesetzlid ; Gott allein, der die Seele, die im Blut ist, gegeben hatte, daher der Ges nuß des Blutes den Hebräern untersagt war; mit Blut wurde dort, aber nidt in Babylonien alles Sündige gebeiligt und gereinigt.

1) H. Zimmern in K. U. T., S. 599.

Die Opfer waren vornehmlich Sühnopfer, wo das geschlachtete Tier des fündigen Menschen Stelle einnimmt, der durch seine Vergehungen den Tod verdient hat. So sagt eine Inschrift:

Das Lamm, den Ersatz für den Menschen, das Lamm gibt er für dessen Leben. Den Kopf des Lammes gibt er für den Kopf des Menschen, den Nacken des Lammes gibt er für den Nacen des Menschen, die Brust des Lammes gibt er für die Brust des Menschen.“

Eine andre Inschrift besagt dasselbe :

„Ein ferkel gib als Ersatz für den Franken Menschen, das fleisch anstatt seines fleisches, das Blut anstatt seines Blutes gib hin, und die Götter mögen es annehmen ')."

Der später mitzuteilende Vertrag des Matiilu bestätigt dieselbe Anschauung.

Die Gegenstände des Opfers waren sehr mannigfaltig: Wein oder Rauschtrank, der aus Weizen und Datteln oder aus Honig und Datteln gebraut war, Honig, Butter, OelDatteln, Salz, Brote, Lämmer, Schafe, Ziegen, Štiere, Gazellen, Tauben, Hühner, auch ein oder ein paar Dußend süße oder ungesäuerte Brote (ekal mutki) für Gula oder Anu, Bel und Ea, Cabartu und Jftar – alles fonnten die Götter oder ihre Priester brauchen. Solche Opfer wurden bald zu bestimmten Zeiten, bald bei öffentlichen festen, im Gottesdienst, bei Vertragsschließung, bei familienereignissen, vor Unternehmungen jeder Urt dargebracht und zwar häufig auf dem Dach der Tempel und bei Nachtzeit, weil da die Sterngötter sichtbar am Opfer teilnehmen konnten. In Babel war das Opfern allein Sache der Priester wie auch in den übrigen babylonischen Städten, anders in Affyrien, insbesondere in dessen Hauptstadt; denn der König von Assyrien konnte als Opferer und Oberpriester doch schwerlich von einer Stadt zur andern ziehn.

Die Gottheit, das ist die Meinung des Opfernden, soll durch seine Gabe zugunsten des Opfernden, der durch den Priester vertreten wird, bestimmt werden, sei es zur Vergebung einer Schuld, nachdem der gerechte Jorn der Gottheit versöhnt ist, sei es zur Spendung irgend einer andern Wohltat. Der Priester steht aber auch als Stellvertreter seines Gottes da und fann nach seinem Ermessen die Sache des zürnenden Gottes oder die des büßenden und bittenden Menschen steigen oder falleit lassen. Bald redet er zu Gott: „Dein Herz erheitere sich wie das einer Mutter, die geboren hat, wie ein Vater, der ein Kind gezeugt hat." Bald kann er den Büßer beruhigen und in frieden ziehn lassen. Dem. nach muß für den Laien der Grundsaß gelten: „für sein Herz begehrt großes, wer Bescheid sich selbst bescheiden will." Das will jagen: Es kann ihm niemand verwehren, sich unmittelbar an die Gottheit zu wenden; aber wer die Priester übergeht, ihre Dienste nicht in Anspruch nimmt, der hat es mit ihnen verdorben. Und was foll es dem Caien auch helfen, sich ohne Vermittlung des Priesters an die Gottheit selbst zu wenden, die er doch nicht anders kennt als nur durch den Priester ? So ist es in der Tat eine dogmatische Notwendigkeit, wie Jastrow sagt, daß der Priester den Vermittler spielt. Im übrigen ist die Gottheit oder der Gott stets der Herr (belu), der Mensch sein Knecht (ardu), fein rechtloser Sklave, der ein persönliches Verhältnis zu seinem Gott weder sucht noch versteht. Es handelt sich bei einem Verkehr zwischen Herr und Knecht stets um Sachen, um Schulden, die der Knecht seinem Herrn gegenüber auf sich geladen hat, oder um Güter des zeitlichen Les bens, die der Knecht bei seinem Herrn sucht.

1) für beide Inschriften dergl. A. Jeremias, U. T. O., S. 230 2c.

„Davon, daß dem Menschen die Gemeinschaft mit seinem Gott das hödiste und seligste ist, was ihn auch im Unglück tröstet, fann hier keine Rede sein, wo vielmehr langes Leben, Befreiung von nationalem und persönlichem Unglück und Leiden das einzige Ziel der inständigsten Bitten bilden, das Göttliche also keinen den Menschen voll befriedigenden Selbstwert hat, sondern nur als Mittel zum Zweck vom Betenden begehrt wird 1)."

Eine sakrale Gemeinschaft kennt man in Babylonien nicht. Reinigende Kraft hat nicht, wie in Israel, das Blut der Opfertiere, sondern das Wasser, der Wein, Honig, Butter, Salz, Holz von Zedern, Zypressen, Palmen und Räucherwerk. Wie für das Opfer gilt auch für die Speisen der Menschen der Gegensaß von rein und unrein; und für gewisse Tage ist Fleisch vom Schwein oder Fisch verboten. Das Reinigen (kuppuru) nimmt der Beschwörungs- oder Sühnepriester vor, ebenso das paraku und salahu oder Besprengen; und hier trifft H. Zimmern das Richtige, indem er an die Urverwandtschaft der beiden Völker erinnert ?), nämlich der Hebräer und der Babylonier.

Von Menschenopfern hat man bis jeßt nur Spuren gefunden, wie die Bestimmung, daß bei dem Bruch eines Vertrages die Verbrennung des ältesten Sohnes oder der ältesten Tochter auf dem Altar des Sin oder der Belitseri, d. i. der Herrin der Wüste oder der Hölle, gedroht und ausbedungen wird. Der betr. Vertrag wird später mitgeteilt werden. Aber bei Kriegsgefangenen kommt wie im U. C. ?), so auch in Afiyrien das Hinschlachten derselben als Totenopfer inschriftlich vor, wie Usurbanipal berichten läßt: „Ihre Knaben und Mädchen verbrannte ich in der Blut“, nachdem Pfarhaddon babylonische Kriegsgefangene an dem Stierfoloß hatte hinschlachten lassen, in deffen Nähe sein Vater Sanherib ermordet worden war, wie er in einer Inschrift berichtet:

1) Orelli bei Kaspari a. a. 0. S. 74. 2) K. u. T., S. 602. 3) 1. Sam. 15, 33.

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