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Hat sich aber nie und nirgends aus niedern Religionsformen die „höhere Religionsform des Monotheismus" entwickelt, so muß die immer wieder aufgefrischte Behauptung schwere Bedenken erregen, als habe sich das Volk Gottes aus dem bankrotten Babel seine reine monotheistische Gottesidee geholt. Waren doch schon zu Hammurabis Zeit nur noch schwache Spuren von der ursprünglichen Erkenntnis des Einen Gottes vorhanden! Aber länger als diese Erkenntnis erhielt sich in Babel die Erinnerung an die dienenden Geijter "), die in allen Gebieten der Schöpfung walten und Gottes Befehle ausführen, wie bei dem alten, viel misdeuteten Wort: ,,Casset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei." Es trägt dieses Wort nichts aus für den sehr willkommenen Beweis eines bei den Hebräern ursprünglichen oder von den Babyloniern abgelernten Dolytheismus. Diese Ueberlieferung von den dienenden Geistern reicht vielmehr wie andre auch weit über den Unterschied von Hebräern und Babyloniern hinaus, wurde aber in Babylon bald verdorben, indem aus den Geistern Götter gemacht wurden. Daß aber diese Götter in ihrem Verkehr unter einander Streit und Reid, Haß und Mißgunst beweisen, wird sich auch erklären, wenn wir auf die dienenden Geister achten, die in ihren mannigfaltigen Wirkungen dem Menschen nahe treten, ja täglich sinnlich vernehmbar werden; indem diese Wirkungen dem Menschen bald unmittelbar, bald mittelbar schädlich oder nüß. lich sind, wie Wind und Wetter, Regen und Sonnenschein, Tag und Nacht und der Wechsel der Jahreszeiten. Grade hier, sagt uns die Erfahrung, war der Abfall vom Glauben zum Aberglauben oder Unglauben besonders schnell und leicht zu vollziehen, indem über die Wirkungen der dienenden Geister der allein und allen gebietende Gott und Herr, weil sinnlich nicht wahrnehmbar, vergessen und allmählich aus der Ånbetung der Menschen hinaus gedrängt wurde, während der Mensch an seiner Stelle die erschaffenen Geistwesen als gute oder böse Götter verehrte.

Hier liegt jedenfalls eine sehr ergiebige Quelle der babylonischen Götterbildung; doch die alten Kirchenväter zielten auf etwas andres ab, wenn sie die Götter der Heiden für Dämonen erklärten; denn sie dachten dabei nicht an den Ursprung dieser Götter, sondern sie schrieben ihnen persönliche Wirklichkeit im dämonischen Wesen zu, während die Götter ohne Unterschied doch nur Gedankengebilde des menschlichen Aberglaubens sind, wie bereits oben dargelegt worden ist.

Eine andre Quelle für polytheistische Bildungen war in Babylonien sowohl bei den Sumero-Akkadiern wie bei den eingewanderten Semiten die Verehrung der Ahnen ?), die Erinnerung an bedeutende Männer, Heroen, Wohltäter des Menschengeschlechts, wie wir später des näheren darlegen werden; hierher gehört auch die göttliche Verehrung der Könige. Hingegen fällt die Verehrung der Naturkräfte und der Gestirne mit der Vergötterung der dienstbaren Geister, die in jenen walten und wirken, zusammen. Ein ander Ding ist es mit der Vergötterung der Tiere oder lebloser Geschöpfe 1).

1) Lénormant, la magie chez les Chaldéens et les origines accadiennes. 1) Röm. 1, 23. 2) K. u. T. S. 223. 3) K. Bezold, d. bab.-af. K. S., S. 40. 4) Jensen, 3. f. 2. 1902, S. 11. 411.

Wenn aber einigen Gelehrten die Götter der Heiden und die Männer der biblischen Geschichte ein Spielzeug ihrer Erfindungsgabe oder ein Uebungsplaß für ihren Wit und Verstand sind, dann muß es bald zu Torheiten und Abgesdymadtheiten kommen; so, wenn H. Windler ?) der Gesdyichte von Saul und Jonathan, David und Salomo ein Götterschema zugrunde legt, wobei der Mond den Vater, die Sonne den Sohn, der Morgenstern die Tochter darstellen soll. Jede der drei Gottheiten erhält ihr geschlechtliches Gegenstück, sodaß neben den männlichen auch weibliche Mond- und Sonnengottheiten und neben den weiblichen auch männlichen Istargottheiten stehen; und sollen sich die fiderischen Erscheinungen der drei Gottheiten in den Naturerscheinungen wie Sommer und Winter wiederspiegeln. In unserm Falle, heißt es dort weiter, erscheinen die beiden ersten als Einzelgottheiten, die besondere Bedeutung der dritten als eine, wie es scheint, der kananäischen Volksgruppe (eigene), läßt die zweiteilung des Naturlebens bei der dritten erscheinen, deren Berührung mit der Natur der Sonnengottheit sich dabei besonders geltend macht. Das Schema stellt sich also dar als Mond, Sonne und zwei Hälften der Natur, Sommer und Winter, wobei der Beginn der Sommerhälfte im frühlingspunkt, der der Winterhälfte im Herbstpunkt liegt." . So fabuliert ein gelehrter Mann und merkt nicht, wie er aus biblischen Geschichten und babylonischer Weisheit ein unverdauliches Gericht kochte. Mit Recht erklärt ein anderer Forscher 3) solche Behandlung der älteren biblischen Geschichte für ein Spiel der Phantasie. Das trifft auch den andern Gelehrten, der die biblischen Erzählungen von

Jesus von Nazareth als die Geschichte eines israelitischen Gilgamis erfennt und als ein System der Propheten und Erlöserlegende in der evangelischen Geschichte nachwirken läßt; dem sogar der Name Jesus verdächtig ist, als fäme er aus der Legende 4).

. Was das alte Testament an Schimpf und Schande getragen hat, soll auch dem neuen Testament nicht erspart bleiben, indem ein moderner Celsus nach dem andern auftritt, aber jeßt mitten aus der christlichen Gemeinde. Und das alles nennt man heute „wissenschaftliche Forschung" und staunt es an, wenn es gegen Gottes heiliges Wort angeht, daß es als ein Märchenbuch zur Seite gelegt werde. Doch zurück zu Babel.

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Hat sich aber nie und nirgends aus niedern Religionsformen die „höhere Religionsform des Monotheismus“ entwickelt, so muß die immer wieder aufgefrischte Behauptung schwere Bedenken erregen, als habe sich das Volf Gottes aus dem bankrotten Babel seine reine monotheistische Gottesidee geholt. Waren doch schon zu Hammurabis Zeit nur noch schwache Spuren von der ursprünglichen Erkenntnis des Einen Gottes vorhanden! Uber länger als diese Erkenntnis erhielt sich in Babel die Erinnerung an die dienenden Geijter ?), die in allen Gebieten der Schöpfung walten und Gottes Befehle ausführen, wie bei dem alten, viel mißdeuteten Wort: „Lasset uns Plenschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.“ Es trägt dieses Wort nichts aus für den sehr willkommenen Beweis eines bei den Hebräern ursprünglichen oder von den Babyloniern ubgelernten Polytheismus. Diese Ueberlieferung von den dienenden Geistern reicht vielmehr wie andre auch weit über den Unterschied von Hebräern und Babyloniern hinaus, wurde aber in Babylon bald verdorben, indem aus den Geistern Götter gemacht wurden. Daß aber diese Götter in ihrem Verkehr unter einander Streit und Neid, Haß und Mißgunft beweisen, wird sich auch erklären, wenn wir auf die dienenden Geister achten, die in ihren mannigfaltigen Wirkungen dem Menschen nahe treten, ja täglich sinnlich vernehmbar werden; indem diese Wirkungen dem Menschen bald unmittelbar, bald mittelbar schädlich oder nüßlich sind, wie Wind und Wetter, Regen und Sonnenschein, Tag und Nacht und der Wechsel der Jahreszeiten. Grade hier, sagt uns die Erfahrung, war der Abfall vom Glauben zum Aberglauben oder Unglauben besonders schnell und leicht zu vollziehen, indem über die Wirkungen der dienenden Geister der allein und allen gebietende Gott und Herr, weil sinnlich nicht wahrnehmbar, vergessen und allmählich aus der Anbetung der Menschen hinaus gedrängt wurde, während der Mensch an seiner Stelle die erschaffenen Geistwesen als gute oder böse Götter verehrte.

Hier liegt jedenfalls eine sehr ergiebige Quelle der babylonischen Götterbildung; doch die alten Kirchenväter zielten auf etwas andres ab, wenn sie die Götter der Heiden für Dämonen erklärten; denn sie dachten dabei nicht an den Ursprung dieser Götter, sondern sie schrieben ihnen persönliche Wirklichkeit im dämonischen Wesen zu, während die Götter ohne Unterschied doch nur Gedankengebilde des menschlichen Überglaubens sind, wie bereits oben dargelegt worden ist.

Eine andre Quelle für polytheistische Bildungen war in Babylonien sowohl bei den Sumero-Akkadiern wie bei den eingewanderten Semiten die Verehrung der Ahnen ?), die Erinnerung an bedeutende Männer,

1) Lénormant, la magie chez les Chaldéens et les origines accadiennes.

Heroen, Wohltäter des Menschengeschlechts, wie wir später des näheren darlegen werden; hierher gehört auch die göttliche Verehrung der Könige. Hingegen fällt die Verehrung der Naturkräfte und der Gestirne mit der Vergötterung der dienstbaren Geister, die in jenen walten und wirken, zusammen. Ein ander Ding ist es mit der Vergötterung der Tiere oder lebloser Geschöpfe ?).

Wenn aber einigen Gelehrten die Götter der Heiden und die Männer der biblischen Geschichte ein Spielzeug ihrer Erfindungsgabe oder ein Uebungsplaß für ihren Wit und Verstand sind, dann muß es bald zu Torheiten und Abgeschmacktheiten kommen; so, wenn H. Winkler ?) der Gesdhichte von Saul und Jonathan, David und Salomo ein Götterschema zugrunde legt, wobei der Mond den Vater, die Sonne den Sohn, der Morgenstern die Tochter darstellen soll. Jede der drei Gottheiten erhält ihr geschlechtliches Gegenstüd, sodaß neben den männlichen auch weibliche Mond- und Sonnengottheiten und neben den weiblichen auch männlichen Jstargottheiten stehen; und sollen sich die siderischen Erscheinungen der drei Gottheiten in den Naturerscheinungen wie Sommer und Winter wiederspiegeln. „In unserm falle, heißt es dort weiter, erscheinen die beiden ersten als Einzelgottheiten, die besondere Bedeutung der dritten als eine, wie es scheint, der kananäischen Volksgruppe (eigene), läßt die zweiteilung des Naturlebens bei der dritten erscheinen, deren Berührung mit der Natur der Sonnengottheit sich dabei besonders geltend macht. Das Schema stellt sich also dar als Mond, Sonne und zwei Hälften der Natur, Sommer und Winter, wobei der Beginn der Sommerhälfte im frühlingspunkt, der der Winterhälfte im Herbstpunkt liegt." So fabuliert ein gelehrter Mann und merkt nicht, wie er aus biblischen Geschichten und babylonischer Weisheit ein unverdauliches Gericht kochte. Mit Recht erklärt ein anderer Forscher ?) solche Behandlung der älteren biblischen Geschichte für ein Spiel der Phantasie. Das trifft auch den andern Gelehrten, der die biblischen Erzählungen von

Jesus von Nazareth als die Geschichte eines israelitischen Gilgamis erPennt und als ein System der Propheten und Erlöserlegende in der evangelischen Geschichte nachwirken läßt; dem sogar der Name Jesus verdächtig ist, als käme er aus der Legende 4).

. Was das alte Testament an Schimpf und Schande getragen hat, soll auch dem neuen Testament nicht erspart bleiben, indem ein moderner Celsus nach dem andern auftritt, aber jeßt mitten aus der christlichen Gemeinde. Und das alles nennt man heute „wissenschaftliche Forschung" und staunt es an, wenn es gegen Gottes heiliges Wort angeht, daß es als ein Märchenbuch zur Seite gelegt werde. Doch zurüd zu Babel.

1) Röm. 1, 23.
2) K. u. T. S. 223.
3) K. Bezold, d. bab.-aff. K. S., S. 40.
4) Jensen, 3. f. U. 1902, S. 11, 411.

Fällen ein Sabel von ger ähnlich finder mes find;

Sehr gut sagt A. Jeremias 1): „Jedenfalls liegt auch hier das religiös Wertvolle nicht in dem, was Bibel und Babel gemeinsam haben, sondern in dem, worin sich beide unterscheiden. An Stelle der mythologischen Götterwelt, die sich gegenseitig belügt und überlistet, ... finden wir in der Bibel den zürnenden Gott, der die Welt richtet und der sich des Ger rechten erbarmt.“

Aber was ist das Ergebnis feiner gelehrten Untersuchungen? Er meint, das alte Testament gebrauche viele babylonische formen, aber sülle sie mit einem ganz neuen Inhalt. Damit aber hat der gläubige Gelehrte schon zu viel nachgegeben. "Wir halten daran fest, daß Hebräer und semitische Babylonier eines Stammes sind; und was man bei beiden Völkern gleich oder ähnlich findet, hat darum nicht Israel von Babel oder Babel von Israel entlehnt, sondern es ist in den meisten fällen ein von alters her beiden Völkern gemeinsames Eigentum, was Religion und Sitte und Sprache betrifft, ich meine die Ausdrudsweise der hl. Schrift alten Testaments. Sie ist orientalisch gefärbt und konnte gar nicht anders sein. Was würden die Herren Kritiker für einen Lärm ichlagen, wenn die Propheten etwa in der Sprache eines Homer, im Stil eines Cicero geredet hätten? Nun aber die Männer Gottes im alten Bund, auch unser Herr und seine Apostel im neuen Bunde nach ihres Volkes Weise reden, so ist es den Kritikern wieder nicht recht; und derselbe gläubige Gelehrte schreibt von „Babylonischem im N. T.", als ob damit etwas fremdes ausgemerzt werden müßte. Man lasie doch den Juden jüdisch reden!

Schon früher haben wir darauf geachtet, daß auch in Israel fast zu allen Zeiten heidnischer Aberglaube und Götterdienst sich einnistete, ja so verbreitete, daß der Glaube an den lebendigen Gott nur bei einer Minderheit zu finden war, wie zu Elias Zeit. Auch Abraham, Moseh, David und andre Gottesmänner stehen einsam da, aber doch gleichen sie den (chüßenden und Segen spendenden Riesenbäumen, die ihre weitragenden Zweige über das mitlebende und nachfolgende Geschlecht ausbreiten, um aus ihm zu retten, was sich retten läßt. Wo aber ein Schriftsteller des alten Testaments mit heidnischen Begriffen oder Redeweisen umgeht, tut er nichts anderes, als wenn heute ein christlicher Prediger etwa von Asen, Miren und Kobolden redete, um seinen Zuhörern, denen diese Sachen vielleicht nahe liegen, etwas ferner Liegendes verständlich zu machen.

Doch für dieses Mal sei es mit „für“ und „wider“ genug. Zur weiteren Beurteilung und Entscheidung der noch nicht gelösten Zeitfrage wird die folgende Geschichte, insbesondere die Darstellung der babylonisch-assyrischen Götterwelt und Göttersagen, sowie der bis heute bekannten Kultur beider Völker weitere Mittel an die Hand geben; und bin

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