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ich mit Bezold !) der festen Ueberzeugung, daß die immer weiter gehende Enträtselung der Keilinschriften der heiligen Schrift alten und neuen Testaments nur zu gute kommen wird, und daß sich diese beiden Quellen der Altertumskunde gegenseitig stüßen, aber nicht stürzen, aufbauen und erleuchten, aber nicht niederreißen und verdunkeln werden.

1) Bab.-aff. K. S., S. 43.

3 weiter Abschnitt.
Die Länder und ihre Bewohner.

Die beiden Länder, die man gewöhnlich unter den Namen Babylonien und Assyrien begreift, empfingen diese Namen schon in alten Zeiten nach den beiden Hauptstädten, die dort früh gebaut waren, Babylon und Assur. Noch E. Schrader 1) meinte, der Umstand, daß der Name mat Assur d. i. Land Assur in den Briefen aus dem Tell el Umarna nicht erwähnt werde, stimme ganz mit unserm bisherigen Wiffen von dem Aufkommen und der Entwidelung des assyrischen Staates; aber das „bisherige Wissen" ist in den beiden lekten Jahrzehnten grade betreff Assurs sehr erweitert worden, wie wir bald fehn werden.

Das Gebiet von Babylonien umfaßte hauptsächlich die ebenen Gefilde am mittleren und unteren Durattu oder Euphrat imd am Jdignu oder Dignat, dem Tigris. Die Griechen nannten einen Teil des Gebietes Mesopotamien oder Mittelstromland. Das assyrische Reich breitete sich im Gegensaß zu Babylonien über die im Nordwesten gelegenen Gebirge aus 2).

Die ältesten Namen von Babylonien sind Kadingira oder Dingirrati d. i. Gottesland, Amnanu, Kingi oder Kiengi, Kiurra, Urdu ). Diese Ramen erinnern schon durch ihre Sprachform an die ersten Bewohner des Landes, die uns bekannt sind. Es waren Nachkommen Hams, die man nach den beiden im alten Testament 4) gebrauchten Namen SumeroAfkadier genannt hat. Nach fr. Deliksch, der als Sprachforscher große Verdienste sich erworben hat, aber auch viel Widerspruch erfährt, ist Sumer gleich Sinear, hebr. Singar, weil im akkadischen für das semitische ng ein m gesekt wird. Andere vergleichen für Sinear das alkadische Tintir. Sumer oder Kingi, Imgida bezeichnet das babylonische „Meerland" oder das alte Weideland Chaldäa, ein Name, der bisweilen auch ganz Babylonien zugeteilt wurde. Układ, Burbur, Urtu sind Namen für Nordbabylonien oder Babylonien schlechthin. Die Grenze zwischen Nord- und Südbabylonien bildete meist der Euphrat. Ein späterer Rame für Babylonien ist Kardunias, der der kaffitischen Sprache entstammt und bei den Kassiten gebräuchlich war. Berosus erzählt:

1) A. S. W. 1888. 2) Dergl. Duncker, Gefch. d. Ultert. I, S. 227 2c. 3) Hommel, Grundriß I, S. 241.

„Es war eine große Menge von Menschen verschiedenen Stammes, die Chaldäa bewohnten; aber sie lebten ohne Ordnung wie die Tiere. Da erschien ihnen, aus dem Meer aufsteigend, am Ufer Babyloniens ein weises Wesen mit Namen O an. Sein Körper war der eines fisches, und unter dem Kopf des fisches war ein andrer Kopf angehängt, und an dem Schweife waren füße wie die eines Menschen, und es hatte die Stimme eines Menschen. Sein Bild wird noch jetzt aufbewahrt. Um Morgen kam dieses Wesen an das Land und verkehrte am Tag mit den Menschen; aber es nahm feine Nahrung zu sich und tauchte mit dem Untergang der Sonne wieder in das Meer und brachte die Nacht im Meere zu. Dieses Wesen lehrte die Menschen die Sprache und das Wissen, das Einsammeln der Samen und früchte, die Regeln der Grenzen, die Erbauung von Städten und Tempeln, die Künste und die Schrift und alles, was zur Sittigung des menschlichen Lebens gehört.“

So weit Berosus und seine rätselhafte Erzählung, die verschiedene Deutungen erfahren hat. M. Dunder erkennt in Oan den Gott Anu; und wenn sieben solcher Fischmenschen erwähnt werden, die den Namen Odaton oder Dagon tragen, so will er in ihnen die sieben heiligen Bücher der Priester erkennen, von denen die sechs lebten die im ersten Buch enthaltenen Lehren ausgelegt hätten; aber die heiligen Bücher der Babylonier wurden nach ihrer eignen Sage vor der großen Flut in Sippara vergraben, und niemand weiß, wo sie geblieben sind.

Andere erkennen in Oan die Sonne, die für Küstenbewohner an jedem Morgen aus dem Mieer emporsteigt und jeden Abend wieder im Meer untertaucht. Wieder andere meinen, in Berosus werde mit poetischer freiheit die Tatsache vorgestellt, daß feefahrende Leute, die an der babylonischen Küste mit ihren Schiffen lagen, am Tage die Einwohner des Landes mit ihrem Wissen bekannt machteni, am Abend aber wieder auf ihre Schiffe gingen, um da zu übernachten. Dieser Auslegung dürfte wohl mancher Beifall spenden, und vielleicht auch der Vermutung, daß diese Seefahrer aus Aegypten gekommen seien; nur fr. Hommel 1) urteilt anders. Aber es ist und bleibt eine Sage. Verbürgt ist dagegen, daß um das Jahr 3000 v. Chr. Nordsemiten aus Urabien in das blühende und hoch kultivierte Babylonien einwanderten. Von den Semiten rühmt Yöldeke im „zuen Reiche" die religiöse Begeisterung und Yleigung zum Monotheismus, daneben angeborne Ritterlichkeit, aristofratische Gesinnung, hohe Begabung für die Erzählung, edlen formensinn in der Sprache, wonach diesen Einwanderern eine der höchsten Stellen unter den Völkern gesichert scheint. Daneben erklärt derselbe G2lehrte die Semiten für fanatisch, grausam und wenig leistungsfähig in Kunst und Wissenschaft. Wie weit dieses Urteilt zutrifft, wird sich später zeigen.

1) Grundriß I, S. 109, Unm.

Sind aber die Semiten in Babylonien eingewandert, so können auch die Hebräer, die nur ein Teil von diesen Einwanderern darstellen, Babylonien nicht ihre Urheimat nennen ?). Wird andrerseits den Babyloniern die Ehre zuerkannt, „die Wiege der Mienschheits- und Völkerkultur“ zu sein ?), so fällt diese Ehre nicht den Semiten, sondern den Sumero-Altadiern zu. Sie wurden die Lehrer der kriegerischen Semiten in allen Künsten des Friedens, wie sie selbst die wilden Westindogermanen den Ukerbau lehrten 3). Aber wie ein Teil der eingewanderten Semiten Balylonien wieder verließen, um ihre Zelte in andern Gefilden aufzuschlagen, so steht zu vermuten, daß nicht alle Sumero-Akkadier den semitischen Siegern untertan wurden, sondern in das öftliche Zentralasien weiter zogen, wohin sie ihre Kultur trugen 4). Die übrigen aber lebten, soviel wir wissen, mit den eingewanderten Semiten und andern Völkern friedlich in dem fruchtbaren Cand, das sie alle reichlich nährte, wenn es mit Sorgfalt bebaut wurde.

Schon hierin trägt das Land Babylonien eine auffallende AehnlichPeit mit Hegypten. Weiter sehen wir hier wie dort schon bei oberflächlicher Betrachtung eine Talebene, die durch viele Kanäle aus einem großen Strom bewässert wird. Hier wie dort herrscht subtropisches Klima, das sowohl vor frost wie allzu großer Hike bewahrt ist, gesegnet mit allen günstigen Bedingungen für die gedeihliche Entwickelung eines Volfes, das durch Mischung aus verschiedenen Rassen vor Einseitigkeit geschüßt war. Nur in Sachen der Religion wurden die Semiten den Sumero-Akkkadiern bald so weit untertan, daß sie sich gleich diesen mit Vorliebe das „Volk Bels" nannten. Ihre Sprache aber hielten sie feft, fodaß Jahrtausende hindurch zwei Sprachen, mit einer Schrift geschrieben, neben einander bestanden, zwar nicht so lange gesprochen, aber doch geschrieben und verstanden wurden. Schon der König Dungi um 2850 v. Chr. ließ Inschriften in beiden Sprachen abfassen, und über 2000 Jahre später gab Nebukadnezar II. seinen Tempeln noch sumero. altadische Namen.

Was den Namen des vornehmsten Volkes angeht, das dieses gesegnete Land für sich gewonnen, so heißt derselbe in Keilschriften Kardu, Kaldu oder Kasdu, im A. T. Kasdim, bei den Griechen Chaldäer; aber nach fr. Delißsch sollen diese erst 900 v. Chr. auf den Schauplaß getreten fein. In Gen. 22, 22 heißt Chajad ein Sohn Nahors. Als gefährliche Nachbarn sind sie schon in alter Zeit bekannt 5). . Aus Chaldæa oder dem nordwestlichen Arabien famen Tharah, Abram und Nahor und wurden Hebräer genannt, weil sie hanahar d. i. den Euphrat über

1) Gegen A. Jeremias A. U. O., S. 103.
2) Daselbst S. 170.
3) E. Hoyd, Deutsche Gesch.. I, 19.
4) Die Zeitrechnung der Chinesen reicht bis zum Jahr 3000 vor Chr. zurüd.

schritenn hatten (ibri). Mit ihrer Wohnschaft im babylonischen Ur gaben sie der Stadt den neuen Namen Ur Kasdim ). Danad) sind die Chaldäer Semiten und haben mit den pontischen Chalden, die sich nach ihrem Gott Chaldis nennen, gar nichts gemein; denn diese sind weder Semiten nach Japhetiten, sondern hamiten wie die ersten Bewohner von Babylon und verstehn auch die Kunst, mit Keilschriften zu schreiben, wie die Weiheschilde vom Van-See beweisen.

Andere vergleichen den nördlichen Teil von Assyrien, Karduchien, dessen kriegerische Einwohner nach Babylonien verpflanzt wurden ?); aber der vieldeutige Name „Chaldaer" bezeichnete bald die femitischen Einwohner von Babylonien zur Unterscheidung von Arabern und andern stammverwandten Völkern, bald die kastenartig gegliederten Sterndeuter, Priester, Zauberer und Beschwörer, die als Magier einen Staat im Staate bildeten und namentlich in Babylon den allergrößten Einfluß auf die Staatsleitung hatten. Sie besaßen wie der Stamm Cevi in palästina ihre eignen Städte und Gaue wie Bitadini, Bitammukani, Bitdakuri, Bitsilani und Bitjakin. Aus ihren Reihen gingen mehrere fürsten und Könige des babylonischen Reiches hervor wie Ulinzir, Merodochbaladan, Saosduchinos und dessen Nachfolger, auch Muschisibmarduł oder Schusub, unter dessen Herrschaft Babylon zerstört wurde. Doch war die Zugehörigkeit zu dieser Kaste nicht an ein besonderes Volkstum geknüpft, wie auch Herodot medische Magier kennt; und die hl. Schrift *) nennt Daniel, einen Sohn Israels, einen Obersten unter ihnen.

Die Assyrer waren nach Maspero eins der begabtesten Völfer von Asien. Sie hatten weniger Originalität als die Chaldäer, deren Bildung sie als gelehrige Schüler annahmen; aber sie besaßen mehr Kraft und Ausdauer wie jene, dazu die Eigenschaften eines echten Kriegers, förperliche Kräfte, schnellen Entschluß, kühle und unerschütterliche Tapferkeit. Sie trieben den wilden Stier und den Cöwen, die sich häufig in ihren Waldbergen fanden, aus ihren Schlupfwinkeln heraus und traten ihnen fühn zum offenen Zweikampf entgegen.

Als die Heimat dieses Volkes, das nach der hl. Schrift ^) wie auch Elam semitischen Ursprungs ist, aber wie feine Stammverwandten in Babel bereits semitische Kultur in seiner späteren Heimat vorfand "), gilt bei den einen Gelehrten das Becken des Tigris bis dahin, wo dieser Strom in die nordbabylonische Ebene eintritt. Seine Berge waren wie geschaffen zur Heimat eines ftarfen Kriegsvolfes, das an dem weicheren babylonischen Nachbar und andern umwohnenden Völkern sich vielfachen Antrieb zur Wachsamkeit, zur Uebung in den Waffen und zu

1) Gen. 11, 28. 31. 2) Jef. 23. 13. 3) Dan. 1, 4. 17 u. a. 41 Gen 10, 22. 5) Gen. 10, 8–12.

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