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Seiten; und in Kujundschit entdeckte er die Paläste Sanheribs und Usurbanipals mit dessen Bibliothek.

Die späteren Ausgrabungen leiteten Rawlinson, Hormuzd Rassam, Loftus, Taylor, fresnel, Oppert und andere Gelehrte und Forscher, meist in dem Gebiet des alten Affyriens, während in neuer und neuester Seit auch Babylonien, vor allem die Stadt Babel selbst untersucht wird.

Uußer den Königspalästen mit ihrem mannigfachen Inhalt, den Stierkolosjen, Cheruben und andern Bildwerken, die ebenso wie die aus Alabastertafeln bestehenden Wände mit Schriften bedeckt sind, bieten die Altäre und Bildsäulen der Götter, die auch meist beschrieben sind, und die neben den Tempeln stehenden Stufentürme oder Ziggurats ein reiches feld der Ultertums-Forschung_dar. Unzählige Tontafeln lieferten die Bibliotheken; und auch die Ziegelsteine, aus denen die Mauern der gewaltigen Bauten errichtet waren, tragen viele Inschriften oder Stempelabdrüde, die auf den gebrannten Steinen besonders gut erhalten sind. Am meisten Schreibfläche gaben die Prismen und Cylinder her. So haben auf ihnen besonders die ruhmredigen Könige von Ufiyrien ihre Großtaten der Nachwelt kundgetan.

Doch auch Privatleute waren bestrebt, namentlich ihre Besikesurkunden möglichst lange zu erhalten, wie die schrecklichen Flüche beweisen, die sie im voraus, also zur Abschreckung gegen die Zerstörer solcher Denkmäler schleudern. Da heißt es etwa:

„Wer immer in späterer Zeit, sei er ein König, ein Prinz, Statthalter oder Richter, dessen Name der große Herr Marduk genannt hat und der in Ukkad die herrschaft übt, diese Tafel zu zerschlagen beliebt oder irgend jemand anstiftet, einen feind, einen bösen unverständigen unweisen Toren, der die großen Götter nicht fürchtet, ihre Standorte verändert, in's Wasser wirft, in die Erde verbirgt, mit feuer verbrennt, mit Steinen zerschlägt oder verstedt, wo man sie nicht finden kann; die Schrift auslöscht, um das Grundstück, das Lehen an sich zu reißen, das Mardukapluiddin, König von Babylon, dem Balachiirba, dem ninku von Babel, verliehen hat; jenen Menschen werden Unu, Ea und Bel, die großen Götter, mit einem un. lösbaren fluch, Blindheit, Taubheit, Lähmung der Glieder belegen, und er möge Elend erleiden. Marduk und Erua, die Herrn, die das Schicksal bestimmen, sollen die Wassersucht auf ihn legen! Mit dem Schwinden des Fleisches soll seine Haut verderben!" Die großen Götter, so weit deren Namen auf dieser Tafel genannt sind, mögen seinem Namen, Samen und Nachkommenschaft im Mund der Leute vernichten und sein ferneres Leben abschneiden ")."

Uehnliche Urkunden folgen später.

Außer den Chroniken, Königslisten und Urkunden aller Art, allerlei Befäßen, Waffen und Schmudgegenständen, Kameen, Siegeln, Abbildungen von Jagden und Belagerungen der Städte, von denen bei Beu sprechung der Künste später noch die Rede sein wird, fand man auch Säulen und Monolithe, Türflügel und Schwellen, aus Erz gegossen und vielfach beschrieben, dazu Bildfäulen, Stierkolosse, Cherube, Sphinge. Besonders zahlreich sind die aufgefundenen Grenzsteine, bededt mit Bildern und Schriften.

1) Nac K. B. III, S. 193.

Alle diese Denkmäler haben eine doppelte Bedeutung für uns, indem sie zunächst über den Stand der Kunst in jener alten Zeit Kunde geben ; vor allem aber führen sie uns durch die Inschriften, mit denen die meisten von ihnen bedeckt sind, in die Geschichte, Religion und Wissenschaft ein, die bei beiden Völkern, Babyloniern und Affyrern, eine hohe Stufe erreicht hatte.

rioch ist zu erwähnen, daß viele der kürzeren Inschriften oder Bilder nicht mit dem kantigen Schreibegriffel oder Stift in den noch weichen Ton eingedrückt oder ausgestoßen sind, sondern mit einem Stempel, Petschaft oder Siegelcylinder, die im allgemeinen Gebrauch sich befanden. Auch sie sind uns als Denkmäler willkommen, wenn sie von hartem Stein angefertigt sind; aber die meisten waren aus Holz gefertigt und sind im Lauf der Jahrtausende selbstverständlich zu Staub und Asche geworden.

Siebenter a bichnitt. Das geistige und religiöse Leben der Babylonier

und Affyrer.

Es war nicht leicht zu vermeiden, daß schon im zweiten Teil des vierten Abschnitts, da wo von Verehrung der Götter gehandelt wurde, manches vorgetragen wurde, das ebensogut auch in diesem Abschnitt stehn konnte. Dort sollte mehr die objektive, hier die subjektive Seite des religiösen Eebens hervortreten.

Die Priester, die als die ersten Rationalisten dem gläubigen Volk an der Stelle des Einen unsichtbaren Gottes, der in seiner Wundermadit himmel und Erde erschaffen hatte, die vielen sichtbaren Götter verkündigten und die frisch erfundenen Mythen oder fabeln über deren angeb. liche Großtaten erzählten, lehrten das Voll auch den Dienst und die Unbetung dieser Götter.

Wenn ein deutscher Gelehrte diese Götter für „lebendige, allwissende und allgegenwärtige" Wesen erkennt, der überträgt offenbar das Licht der Erkenntnis aus den heiligen Schriften der Christen in die finsternis der Heiden. Diese Götter sind nach allgemeiner Vorstellung der Babylonier und Affyrer nicht ewig lebend; denn sie können getötet werden und sind auch getötet worden. Sie sind nicht allwissend; denn sie können getäuscht werden und sind getäuscht worden. Sie sind nicht allgegenwärtig; denn entweder sino sie in ihren Tempeln oder auf dem Götterberg, aber nicht zu gleicher Zeit an beiden Orten. Das ist der Babylonier und Assyrer Meinung, und eine andere soll man ihnen nicht unter. schieben.

Da den Priestern von seiten ihrer Völker schon in alter Zeit der Ubfall von dem lebendigen Gott und das Verlangen nach neuen Dingen entgegenkam wie in dem Volk Israel noch viel später geschah ?), so fanden sie in allen Schichten der Bevölkerung zu allen Zeiten schnellen Glauben. Und wie das angedichtete verkehrte Tun und Casjen dieser fichtbaren Götter einen Deckmantel für gleiche Torheiten und verkehrte Wege der Menschen hergab, so muß ihre fortgeseßte Anbetung und Verehrung als ein gefährliches Reizmittel zu fortschreitender Entsittlichung der Völker gewirkt haben. Daneben steigerte sich mit der Sündenlust und dem Sündenschmuß auch die finsternis des Aberglaubens, der alle Leibes- und Seelennöte durch Zauberei mit Heilwurz und anderem Kraut zu ftillen sich rühmt; der dabei überall Gespenster sieht; der in jeder Nacht voll Ungst ist, den vor dem Tode graut, der den Menschen ohne Hoffnung dahinsinken läßt!

1) Exod. 32, 1.

Nebukadnezar, der hohe mächtige König von Babylon, war trok aller seiner Macht und Hoheit doch in den Händen seiner Priesterschaft. Er läßt sie schreiben 1):

„Seit Marduk, der große Herr, mich zur Herrschaft des Landes erhoben, beuge ich mich ehrfurchtsvoll vor dem Gott, der mich geschaffen hat. Seine reichen Einkünfte vermehrte ich gegen früher und gab für jeden Tag einen fetten Ochsen, fische, Vögel, sumu oder Knoblauch, pilu, den Schmuck der Wiesen, Honig, Rahm, Milc, gutes Vel, Kurunnu-Wein, Wein von den Gebirgen Szalla, Trimmu, Simmini, Hilbuni, Uranabani, Suhi, Bitkubati, Bitati spendete ich wie flußwasser ohne Zahl auf den Tisch Marduks und der Zirbanit.“

Wie im ganzen Morgenland wurde der Wein auch in Babylonien und Affyrien aufbewahrt. Daher heißt es einmal: 4 nakrimanu ana kirinu silkata u sifari d. i. vier Cederschläuche zum Einfassen von Rüben (?) und Wein. Davon spendete der fromme König seiner Priesterschar mit vollen Händen, daß sie wie der reiche Mann im Evangelium herrlich und in freuden leben konnten, und namentlich der Keller gut gefüllt war.

Uuch Nabuaplaiddin, König von Babylon, opferte dem Samas fette Stiere, Schafe, Korn, Honig, Wein, Niop und bestimmte, was den Prieftern an Upferteilen und Gewändern zufallen sollte. Und wer solche Bestimmungen verändert oder aufhebt, der wird verflucht bei Samas, Ai und Bunene, den Herrn der Entscheidungen ?).

Das Hauptopfer, mit dem die Götter verehrt und ihr Zorn gestillt wurde, war und blieb, wie wir schon oben vernommen haben, das Schlachten von reinen Tieren, vorzüglich Haustieren; doch werden aud Gazellen als Opfertiere erwähnt. Weihrauch und Trankopfer fehlten nicht. Besonders große Opfer wurden dargebracht, wenn der Rat der Götter, demütig erbeten und von den Priestern in Orakeln fundgetan, glüdlichen Erfolg gebracht hatte. Dann empfingen die Götter den ihnen gebührenden Dankeslohn nicht nur in Cob und Preis der Sieger mit zugehörigen reichen Opfern, sondern auch in Errichtung von Tempeln und Altären.

Es war aber das ganze Leben eines jeden Babyloniers oder Ufiyrers ohne Unterschied des Alters, Geschlechts oder des Standes von der Ges burt bis zum Grabe durch religiöse Sitte oder Gefeße also bestimmt, daß

1) K. B. III, b, 33.
2) K. B. III, S. 183.

diese beiden Völker nicht anders als durch Würdigung ihrer Religion und Religionsübung verstanden werden können. Jeder Tag des Jahres war einem oder mehreren Göttern geweiht; und an jedem Tag mußte, wie wir hörten, der König von Affyrien eigenhändig als Oberpriester das Opfer bringen.

Uuch ist diesen Völkern das Gefühl für recht und unrecht durchaus nicht abzusprechen. Sie wissen, was gut und böse ist; aber die Weckung und Stärkung des sittlichen Gefühles und das wirkliche Halten der Ges bote mußte in demselben Verhältnis abnehmen, wie sie sich von dem lebendigen Gott entfernten. Daher hört man noch aus einigen Sagen der Götter heraus, daß diese, wenn sonst auch ganz menschlich dargestellt, doch noch über Gottlose zürnen und Gericht halten, die Guten aber bes lohnen. Wie das gemeint ist, bleibt nicht im Dunkeln. Wer sich schwer verfehlt hat, wer etwa die Grabesruhe eines Toten gestört oder seinen Leichnam nicht beerdigt hat, der steht unter dem Fluch, er wird von Tempel und Palast ausgeschlossen ), kann also weder vor die Götter, noch vor den König ein Anliegen vorbringen.

Bisweilen scheint es, als sei das Sündenbewußtsein bei diesen Völkern ausgeprägter als bei andern Heiden gewesen, sodaß nicht nur Verfehlungen im Dienst der Götter, sondern auch innere Mängel und schlechte Handlungen gegen die Götter, den König und die Volksgenossen erkannt und gerügt wurden. Solchen Schein erweden die Beschwörungstafeln ?) aus der sog. Su r pu-serie. Surpu aber bedeutet Verbrennung. Da liest man:

„Hat er Vater und Sohn entzweit, hat er Mutter und Tochter entzweit, hat er Schwiegermutter und Schwiegertochter entzweit, hat er Bruder und Bruder entzweit, hat er freund und freund entzweit; hat er einen Gefangenen nicht freigelassen, einen Gebundenen nicht gelöst; ist's Gewalttat gegen das Oberhaupt, Haß gegen den älteren Bruder; hat er Vater und Mutter verachtet; die ältere' sowester beleidigt, der jüngeren Schwester gegeben, der älteren verweigert; zu nein ja, zu ja nein gesagt; unlauteres gesprochen, frevelhaftes gesprochen; falsche Wage gebraucht, falches Geld (?) genommen, einen rechtmäßigen Sohn enterbt, einen unrechtmäßigen eingesett, falsche Grenze gezogen, Grenze, Werke und Gebiet verrückt? Hat er seines Nächsten (tappu) Haus betreten, seines Nächsten Weib sich genaht, seines Nächsten Blut vergossen, seines Nächsten Kleid geraubt? hat er einen Mann nicht aus seiner Gewalt gelassen, einen braven Mann aus seiner familie getrieben, eine wohlvereinte Sippe gesprengt, gegen einen Vorgesetzten sich erhoben? War er mit dem Herzen aufrichtig, mit dem Munde falsch? Mit dem Mund voller ja, mit dem Herzen voller nein? Ist's wegen Ungerechtigkeit

, auf die er sann, um Gerechte zu vertreiben. zu vernichten, zu freveln, zu rauben, rauben zu lassen, mit bösen sich zu befaffen? jít sein mund unflätig, widerspenstig seine Lippen? Hat er unsauberes gelehrt, ungeziemendes unterwiesen? hat er mit Zauberei und Hererei sich befaßt? Hat er mit Herz und Mund versprochen, aber nicht gehalten? Durch ein Geschenk (etwa ein fehlerhaftes Opfertier, wie heute etwa einige Namenchriften unwerte Münzen oder Rechenpfennige opfern) den Namen feines Gottes mißachtet? Etwas

1) K. B. II, b, S. 145.
2) h. Zimmern bei u. Jeremias, U. T. O., S. 109.

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