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Priestern gestanden hätte. Selbst das Bereiten der Ziegel aus Lehm oder Ton hatte seine religiöse Ordnung. So bezeugt eine Inschrift des Königs Sargon:

„In dem Monat des ersten Sommers, dem Monat der königlichen Zwillinge, der der Monat des Ziegelmachers genannt wird nach dem Gesetz des Unu, Bel und Ea, des Gottes mit dem hellen Äuge, daß Ziegel in demselben gemacht werden sollen, um eine Stadt oder ein Haus zu bauen; am Tage der Unrufung habe ich seine Ziegel streichen lassen. Dem Laban, dem Herrn der Ziegelgrundlage (darunter kann man sich nichts rechtes denken; vielleicht Ton- oder Lehmgruben?), und dem Nergal, dem Sohn des Bel, habe ich Schafe zum Opfer gebracht. Ich habe mit flöten spielen lassen und meine Hände in Anrufung erhoben.“

Schon Gudea, der Datesi von Sirpurla, ließ den Ton zu seinen Ziegeln an einem reinen Ort entnehmen und die Steine am Eicht der Sonne bereiten).

Die mannigfaltigen Mittel, durch die ein babylonischer oder assyrischer Priester eingebildete oder wirkliche Krankheiten und menschliche Leiden aller bekämpft, haben wir kennen gelernt; aber endlich siegt doch der Tod, und wir haben noch zu vernehmen, wie des Todes Reich und Macht in Babylonien und Aliyrien verstanden wird.

Einige Forscher haben die ihon erwähnten Tafeln der Gnade, der Sünde und der guten Werke auf das Gericht über die abgeschiedenen Seelen bezogen und damit eine Gleichung für ähnliche Aussagen der hl. Schrift gewonnen. Aber die Vorstellungen der Babylonier und Asjyrer von dem Leben der Seelen nach dem Tode sind außerordentlich unsicher und wechselnd, ein Hinweis darauf, daß wir hier von keiner ursprünglichen Ueberlieferung reden dürfen. So sind denn die Alten bei dem Blid in das finstere Todestal ganz auf ihre eigene Vorstellungskraft und Dichtung angewiesen. Ist doch uns Christen sogar troß aller Offenbarungen Gottes im alten und neuen Bund das Leben der Seele nadı dem Tod oder im Todeszustand von der göttlichen Weisheit mit dichtem Schleier bedeckt worden. Wie viel weniger werden die heiden alter und neuer Zeit davon zu sagen haben.

Wenn nun neuere Gelehrte 2) meinen, das Gilgamis-Epos sei dazu gedichtet, um über Tod und leben im Jenseits zu belehren und mit Hoffnung der Auferstehung zu erfüllen, weil Gilgamis sowohl Richter in der Unterwelt ist als auch den jährlich neu erstehenden Sonnengott darstellt, jo können wir dem nicht beipflichten; denn wir haben in dem genannten Epos so gut wie gar nichts über das Leben im Jenseits gefunden, we. nigstens nicht mehr als in dem Märchen von der Höllenfahrt der Jstar.

H. Zimmern 3) aber hält die Meinung fest, die Tafeln der Gnade und der guten Werke seien dieselben, wie die Schidfalstafel, darauf Nabu am Neujahrstag das Lebensgeschic der Menschen aufschreibt. Aber was Nabu schreibt, sollen doch wohl die äußerlichen Widerfahrnifie fein, die den Menschen in dem kommenden Jahre bestimmt sind. Die Tafeln der Gnade und der guten Werke aber werden aufnehmen, was die Menschen gegenüber den Göttern versäumt oder getan haben. Sie könnten demnach eher mit den Tafeln der Sünde verglichen werden, von denen die frommen Babylonier bitten, daß sie zerbrochen werden mögen, wie man einen Schuldschein zerbricht, wenn die Schuld bezahlt ist; oder wie es in einer Beschwörung heißt:

1) K. B. III, S. 57. 2) Bczold, B. u. N., S. 110. 3) K. U. T., S. 402.

„Die Tafel seiner Sünden (des Gebannten), seiner Uebertretungen, seiner Miffetaten, seiner Bannsprüche, seiner Verwünschungen werde in's Waffer geworfen.“

Nach babylonischer Anschauung gehören die Seelen der frommen in die seligen Wohnungen, die der Gottlosen in die Hölle. Aber ein andermal heißt es von dem Reich der Toten, dort herrsche weder Leben noch Tod, alles sei dumpf und dunkel. Dort irren dann die einen Seelen ohne Ruh noch Rast umher und müssen sich von der elendesten Nahrung genügen lassen, während andre sich am frischen Wasser erquicen.

Jedenfalls erwartet diejenigen Seelen ein trauriges Geschid, deren tote Behausung oder Leichnamun bestattet auf der Erde liegen geblieben ist.

Kurnugi, der Ort der Toten, wird in Terten, deren vorliegende Abfassung semitischen Ursprungs ist, die aber nach ihrem Inhalt doch sehr alt sein können, also beschrieben: Er ist das Haus, dessen Eingang ist ohne Ausgang; die Straße, deren Hinweg ist ohne Heimweg; das Haus, dessen Bewohner vom Licht abgeschlossen sind; der Ort, da Staub ihre Nahrung und Kot ihre Speise ist

. Licht schauen sie nicht, in finsternis wohnen sie. Sie sind den Vögeln gleich in ein Federgewand mit Flügeln gekleidet und wie die Nachtvögel gleiten sie mit lautlosem flügelschlag dahin. Ueber Türe und Riegel ist Staub gebreitet. Von einer künftigen Uuferstehung wissen weder Babylonier noch Assyrer irgend etwas; und wenn sie ihrem Gott Marduk und der einen Jstar nachrühmen, sie machen Tote lebendig, fo bezieht sich diese gerühmte Kraft doch nur auf die Erwedung für dieses Leben. Doch spricht sich in mehreren Gebeten und fürbitten für Sterbende ein gewisses Erlösungsbedürfnis und Verlangen nach einem bessern Leben aus. So betet einer: „Möge die Sonne ihm Leben geben und Marduk ihm eine Wohnung der Seligkeit fchenken", oder: „Möge er emporsteigen zur Sonne, der höchsten Gottheit. Möge die Sonne, die höchste Gottheit, seine Seele aufnehmen in ihre gnädigen Hände."

Zu dem Erforschen des Willens der Götter ist noch nachzutragen, daß auch die Träume als ein Mittel der Offenbarung des Verborgenen angesehn wurden. Usurbanipal läßt aus der Zeit, da sein Bruder Samassumutin, den er zum Statthalter von Babylonien bestellt hatte, sich gegen ihn erhob, auf dem Rasamcylinder folgendes berichten:

„Zu jener Zeit legte sich ein Traumseher gegen Ende der Nacht nieder und fah einen Traum. Auf der Mondscheibe stand geschrieben: „Wer gegen Asurbani. pal, den König von Affyrien, böses plant und einen Kampf unternimmt, dem will ich bösen Tod zu teil werden lassen durch das blitzschnelle Schwert, feuerbrand, hungersnot und Berührung der gira werde ich ihrem Leben ein Ende machen“). Dies hörte ich und vertraute auf das Wort Sins, meines Herrn.“

Die Gira, die hier erwähnt wird, kann nicht gleich girra sein, womit Marduf bezeichnet wird. Entweder heißt so eine Gefährtin der Ereskigal oder ein Ort in der Unterwelt.

Usurbanipal läßt auch die Erfüllung dieses Traumes durch eine hungersnot berichten, die so schwer auf Babylonien lastete, daß die Eltern gar ihre Kinder verzehrten; und die zweite Erfüllung wird in dem Tod seines Bruders gesehn, den die Götter selbst in eine brennende feuerstelle werfen ?).

1) U. Jeremias, U. T. O., S. 34. Derselbe Traum in andrer Uebersetzung. 5. S. 124.

2) X. B. II, b, S. 191.

Achter Abschnitt. Staatsverfassung und Rechtsleben in Babylonien

und Assyrien.

1. Staatsverfassung. Ein treffendes Gleichnis hat der Prophet Ezechiel ?) von dem asiyrischen Königreich gesagt: „Äsjur war wie ein Zedernbaum auf dem Libanon, von schönen Äesten, dick von Eaub und sehr hoch.“ Babylonien aber war Assyrien wie in Sprache und Schrift, Religion und Sitte, also auch in der Regierungsform und Weise sehr ähnlich. Hier und dort bestand das unabhängige Königtum, wenigstens dem Namen nach, nur mit dem Unterschied, daß der König von Uji yrien, nicht aber der von Babylonien, zugleich Oberpriester war. Dieser Unterschied mochte seinen Ursprung in der verschiedenen Entwidlung haben, die beide Reiche durchgemacht, indem das Gebiet des späteren babylonischen Weltreiches aus einer Menge kleinerer Herrschaften bestand, die von Patesis regiert waren und später wieder mehrmals selbständig zu werden suchten. Aisyrien dagegen entwidelte sich aus einer einzigen Patesiherrschaft und breitete sich durch siegreiche Kriege aus. Daher hieß der König von Babylon sar sarrani König der Könige, nachdem die Patesi zu Statthaltern geworden waren, während derselbe Titel in Assyrien einen an: dern Sinn in sich barg. Die Statthalter des assyrischen Königs waren asi yrische Beamte, nicht aus königlichem Geschlecht, aber über fremde Völker geseßt, deren Könige gefangen oder tot waren. Babylonien war von Anfang zum Frieden bestimmt und meist auch im frieden erwachsen, Assyrien ein Reich aus Gewalt. Jenes aus verwandten Völkern zusammengesett, ähnlich wie Preußen, dieses wie Oesterreich aus ganz fremden. Daher konnte auch der Versuch, so oft und mit welchen Mitteln er auch unternommen wurde, aus Affyrien ein einheitliches Reich zu machen, nie gelingen. Die gewaltsam und künstlich hergestellte Schöpfung brach gleichsam über Žacht zusammen, wie die Propheten in Juda und Israel vorhergesagt hatten.

1) Ezech. 31, 3–14.

Der Hof eines babylonischen oder assyrischen Königs sollte ein Ub. bild des Himmels fein, nur nicht in der Götter Vielherrschaft. Sie waren Alleinherrscher und selbst Götter. So gefielen sie sich in dem Scherz, zuweilen sich als Götter zu verkleiden und mit ihren Gewaltigen Götter-Maskeraden aufzuführen ). Weil aber diese Könige sich selbst für Götter hielten und von ihren Völkern also geehrt wurden, konnte auch der Begriff des Königtums von Gottes Gnaden gar nicht im babylonisch-afi yrischen Orient entstehen, wie H. Windler 2) entdeckt haben will. Denn ein König oder fürst, der dieses christliche Bekenntnis, das Bekenntis des Upostels Paulus :), zu dem seinen macht, spricht in Demui aus, daß er seiner hohen Stellung gar nicht wert ist; und sieht man hier wieder deutlich, wie das Aergern an einer christlichen Lehre oder Sitte bisweilen aus einem gründlichen Mißverstand hervorwächst. H. Windler aber durfte auch daran denken, daß die ersten christlichen Fürsten, die fich fürsten von Gottes Gnaden nannten, vom Orient so gut wie nichts wußten! Den Königen von Babylonien und Assyrien kam es auf das grade Gegenteil als wie jenen an: Ihre Völker sollten an ihnen wie an Göttern in die Höhe schauen. Sie waren die Herren der untern Welt, Söhne der Götter, gekleidet wie die Götter. Binde, Müße und Szepter schimmerte auch bei ihnen von blauem Lasurstein 4). Die vier Eden des Königspalastes wiesen auf die vier Himmelsgegenden hin, über die der „Herr der Welt“ sein Szepter ausstrecte. So nannten sich die Könige von Babel, bald auch die von Ninive, wenn nicht aus eigner Ueberhebung, dann doch in herablassender Annahme der ausgelassenen Schmeichelreden ihrer Diener. Die hohe Sprache der afi yrischen Beamten ist auch in der hl. Schrift ") treffend dargestellt und aus vielen Inschriften uns bekannt geworden.

Obwohl des Königs Wille von vornherein als unumstößliches Recht und Gesetz galt, versammelten diese unumschränkten Herrn, wenn es ihnen nicht an Klugheit mangelte, doch von Zeit zu Zeit die Vornehmen ihres Reiches, um ihren Rat und Meinung über wichtige Staatsangelegenheiten zu hören. Von folchen Versammlungen berichtet Herodot; eine derselben beschreibt auch das Buch Esther 6). folgten die Könige nicht diesem Gebot der Klugheit, so wurde ihnen, trokdem daß sie für Götter galten, häufig sehr schnell und zwar mit blutiger Tat bedeutet, daß sie sterbliche Menschen waren und daß es Ceute gebe, die nur mit Widerstreben gehorchten und für den Thron einige Prätendenten bereit hielten.

1) Perrot und Hoffmann, 3. f. 2. 1896. 2) B. u. U., S. 106, 209 2c. 3) 1. Kor. 15, 10. 4) K. B. VI, S. 583. 5) Jes. 36, 18—20. 37, 10—13.

Esth. 1, 13—20.

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