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Aus dem Priesterstand hervorgegangen, blieb der assyrische König noch weiter der oberste Priester, der nicht nur Tempel und Ultäre der Götter baut, sondern auch unter dem Beistand der von ihm eingeseşten Priester in der Verehrung der Götter mit täglichen Opfern vorangeht. Er nennt sich Sonne des Eandes oder des Volkes, in den Inschriften steht vor seinem Namen stets das Götterzeichen, und wie später den Kaisern zu Rom wurden ihnen Tempel gebaut und Opfer gebracht ). Hilprecht hat in seiner „Erforschung der biblischen Länder“ nachzuweisen versucht, daß die babylonischen Pyramiden oder Stufentürme Göttergräber waren, während hommel mit größerer Wahrscheinlichkeit Königsgräber in ihnen vermutet. Schon den alten Königen oder Patei Dungi und Gudea wurden in ihren Tempeln von ihnen Priestern Opfer dargebracht. Um so greller war der Widerschein ihres meist gewaltsamen Todes, um jo erwiesener das Lügenwerk solcher Menschenvergötterung. Aber bis zu dem jähen Absturz stand der babylonische König wie auch der Großkönig hoch über seiner ganzen Umgebung, seinen Beamten, seinen Weibern, seinen Untertanen. Niemand durfte vor ihn treten ohne seine Aufforderung, die durch das Neigen des Szepters kundgetan wurde 2). An gewissen Tagen erteilt er Uudienzen, empfängt Bittschriften, hört die Beschwerden und entscheidet die Klagen der Untertanen. Königtum und Staat werden in beiden Reichen nicht unterschieden, Königstreue und Vaterlandsliebe finden dasselbe Cob. Die tollste Laune, der verwegenste Einfall des Königs verlangt Gehorsam: Als Kambyses feine persischen Richter fragte, ob das Gefeß erlaube, daß der Bruder die Schwester zur frau nehme, antworteten die Richter, darüber könnten sie kein Gesetz finden. Wohl aber hätten sie das Gesek gefunden, daß dem König von Persien erlaubt sei zu tun, was ihm beliebe. Also heiratete Kambyses seine Schwester. Die Perser aber hatten das Erbe der Babylonier und Asjyrer angetreten, wie uns die Geschichte gezeigt hat.

Ist der Großtönig Abbild und Stellvertreter der Götter und selbst Gott, so steht er doch unter dem Willen und Gebot der Götter, das will sagen: unter den Gefeßen seines Landes. Der König von Babylon fonnte seine Herrschaft nur am Neujahrsfest oder Jagmuk antreten, und Jahr für Jahr mußte seine Herrschaft neu und zwar an diesem Tage ber ftätigt werden. An diesem Tage mußte der König „Marduk's Hände ergreifen“, während das vor dem Tempel wogende Volk einen Sklaven oder Verbrecher in königlichen Kleidern auf den Thron erhob und ihin andre königliche Ehren erwies.

Der affyrische König wurde im zweiten Monat getrönt. Er befleidete im ersten Jahre seiner Regierung die Limmuwürde. Daß aber in Affyrien wie in Babylonien die Könige ursprünglich nur ein Jahr regiert hätten und dann getötet worden seien, ist eine unbewiesene Unnahme. Glaubhafter ist eine Entwidelung von der göttlichen Würde zum Priesterkönigtum, von diesem zur militär-politischen Diktatur. Das aber der König von Affyrien mit dem Limmu-Umt nach einem Jahre den geistlichen Teil seiner Würde niedergelegt habe, stimmt nicht mit der Tatsache, daß er auch in den folgenden Jahren seiner Regierung den Göttern Opfer brachte.

1) fr. Hommel, Grundriß, S. 126, Anm. 2) Esth. 5, 2.

Wehe dem König, der schlecht regiert, der nicht auf die Ratschläge der fürsten, Heerführer und Priester achtet, der die Schranken des Gefeßes durchbricht. Dann steht dem Land, das ist die feste Ueberzeugung jedes Untertanen, ein furchtbares Unglüt bevor. Inschriftlich heißt es:

„In seinen Tagen wird der Bruder den Bruder fressen, der Mann wird die frau, die frau den Mann verlassen, die Mutter wird der Tochter das Tor verriegeln, der Schatz von Babel wird nach Uffur wandern.“

Oder:

- „Dann wird ein Bruder seinen Bruder, seinen freund der freund mit der Waffe niederstrecken,“ d. h. es wird ein Bürgerkrieg entstehn, wie das häufig eingetreten ist, so daß diese Vorhersagung auf Erfahrung beruhte.

„Richtet sich aber ein König nach den Geboten Eas, die in dem Buche fippar oder din matsu stehn"), so werden die Götter ihn erheben, und zwar Samas in Sippar, Bel in Nippur, Marduť in Babel, sei es der Oberhirte, fei es ein Tempel. vorsteher oder ein königlicher Beamte, der in Sippar, Nippur oder Babel angestellt ift; sie werden ihnen die frondienste der Tempel der großen Götter auferlegen. Die großen Götter werden zürnen, sie werden ihre Wohnungen vergessen, sie werden nicht in ihre Heiligtümer einziehen."

Diese Inschrift muß verdorben oder lückenhaft sein. Jedenfalls will sich der Schlußlaß vom Zorn der Götter nicht zu dem Vordersak von der Götter Wohlgefallen reimen.

Die Könige von Babel und Minive hatten wie die andern Herrscher des Morgenlandes ihre Frauenhäuser oder bit riduti, d. i. Haus des Geheimnisses. Diese Einrichtung war von dem größten Einfluß nicht allein auf das königliche Haus und auf das Hofwesen und die Regierung des Landes, sondern auch auf das ganze Volk, und zwar überall von schäd. lichen Wirkungen begleitet, davon hernach noch die Rede sein wird. Diese Häuser wurden mit den schönsten Mädchen des eignen Landes beseßt; dazu kamen dann die Töchter der befreundeten oder unterworfenen Könige der Nachbarschaft. Eine unter diesen frauen nahm den höchsten Rang ein und trug Titel und Namen der Königin, tasmatum farrat, 8. i. Herrin des Palastes, genannt. So war Utossa hauptgattin des Darius, des Hystaspes Sohn, Umestris oder Esther für Xerres, Statira für Da rius Kodomanus. Als Königin trug fie Krone, Diadem oder Tiara, vor ihr beugten sich die Kebsweiber zur Erde nieder. Ein bedeutendes Jahreseinkommen gehörte ihr nicht nur nach dem Willen des Königs, sondern auch nach Recht und Gesetz. Die frauenhäuser aber übten ihren schädlichen Einfluß zunächst an der Person des Königs selbst aus, sodann wirkten sie auf das Hofwesen und die Regierung des Landes, weil mit diesen Häusern das Unwesen der Eunuchen oder Frauenwächter unzertrennlich verbunden ist. Diese Halbmänner standen dem König als erste Hof- und Hausbeamte besonders nahe, an ihrer Spitze der Rabjag oder Rabsake ), was Luther mit „Erzschenke“ wiedergegeben hat. Dieser Beamte konnte allein bei dem König einführen, er war der Hofmarschall und General-Adjutant. Von ihm sagt Rawlinson, er sei nicht nur Ratgeber des Königs gewesen, sondern er war auch zur Ausführung der königlichen Verfügungen berufen und trug die kostbarsten Gewänder wie der König. War er bei der Uudienz zugegen, so durfte niemand zwischen ihn und den König treten. Er stand also stets neben dem König. Er begleitete auch den König auf seinen feldzügen, jeder Heerführer war ihm Gehorsam schuldig, und er verfügte über tote und lebende Kriegsbeute.

1) Ciele a. a. O., S. 504.

Es scheint demnach, daß dem Stand der Eunuchen in Babylonien und Asiyrien gar nichts Ehrenrühriges anklebte, im Gegenteil war er hochgeehrt. Aber die Hebräer hatten über diesen Stand eine ganz andre Anschauung, wie die strafende oder drohende Rede des Propheten Jesaja, die er an den König Hiskia von Juda richtete, bezeugt: „Deine Söhne werden Kämmerer farisim, d. i. Eunuchen im Palast des Königs von Babel sein ?)."

Neben dem Rabat hatte der Rabsaris, den Luther Erzkämmerer nennt *), die Verwaltung des föniglichen Haushaltes als Haushofmeister zu leiten. Er war Eunuche wie auch der Träger des föniglichen Sonnenschirms und der fliegenabwehrer und viele andre Diener; denn das Bes wachen der Frauen war nicht der einzige Dienst dieser Halbmänner, sondern sie famen durch des Königs Gunft in piele hohe und niedere Beamtenstellen, sie umgaben den König selbst in der Schlacht und kämpften nicht schlecht.

Mit ihnen wetteiferten an Einfluß die Magier und Priester, Weise und Schriftgelehrte, die auch die Gefeßeskundigen waren, die auch die Omina oder Orakel über die Erscheinungen am Himmel und auf der Erde abfaßten. Sie wohnten aber nicht in des Königs Palast, sondern bei den Tempeln.

Eine andre Abteilung der höheren Beamten waren die Tartane, die in zwei Reihen standen als tartanu immu und tartanu sumilu, rechte und linke Tartane, vermutlich also genannt nach der Aufstellung, die sie

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bei besondern festlichkeiten zur Seite des Königs oder des föniglichen Thrones einzunehmen hatten. Die Bedeutung ihres Amtsnamens ist noch dunkel. Aus ihnen wurden die obersten Heerführer des Königs erwählt, sie leiteten auch die Verwaltung des ganzen Reiches.

Ihren Gehalt empfingen alle diese Beamte nicht in barem Geld, das erst unter den persern verbreitet wurde, sondern als sattukku, womit auch eine Opfergabe bezeichnet wird, also Naturalien, unter denen Datteln besonders oft genannt werden, indem sie ein vorzügliches Nahrungsmittel waren.

Die Verwaltung zerfiel in Affyrien in zwei Hauptteile, das alte Reich und die später eroberten Länder, die ihre angestammten Fürsten nur so lange behielten, als diese den festgesetzten Tribut zahlten und im Kriegsfall ihre Streitmacht dem Großkönig zu Hilfe schickten. Der Statthalter hatte dieselben Verpflichtungen. Er mußte alle Abgaben in Gold, Silber und Mietallen, in Pferden und allerlei Vieh, Räucherwerk und dergleichen durch seine Boten, amalu enzu, einfordern und an den Großkönig abliefern. Die ihm unterstehenden assyrischen Untertanen zweiten Ranges mußten frondienste aller Art leisten, zumal bei dem Bau öffentlicher Wege und Gebäude. Nur die freistädte entrichteten keine Abgaben.

Uuch bei den Statthaltern gab es verschiedene Rangstufen. Alle hatten über die Zustände in ihren Bezirken on den Großkönig zu berichten und seine Befehle einzuholen. fiel ein unterworfenes Volk wieder ab und wurde der Tribut nicht gezahlt, so wurde ein solches Volk als im Aufruhr begriffen angesehn und behandelt, der König abgeurteilt, das Land dem assyrischen Reiche einverleibt und von Statthaltern oder Sutrapen verwaltet; denn sein König hatte bei den Göttern geschworen, dem Großkönig Treue zu halten. Das Brechen aber des Eidschwures mamitu, hebr. mameh, galt als eine der schwersten Missetaten, gegen die Götter selbst gerichtet, und wurde mit ausgesuchten Martern gestraft.

Andre königliche Beamte waren der Rabbilub, Napirikali, Salat, Tukulu, der Schwertträger, der Bogenspanner, die Stadtkommandanten, hauptleute über fünfzig, Oberweingärtner, Deichvögte, Oberhirten, Zeugmeister, Oberkamelhüter, Oberziegler, Generale, Wegeaufseher, Äufseher der Bauern, der Rohrpflanzungen, der Wildparke, der könig. lichen Forste u. a. ').

Die Polizei hatte für die Sicherheit des Königs und des Staates zu sorgen; aber häufig war sie dann grade nicht am Plaße, wenn die Person des Königs wirklich bedroht war, oder sie spielte gar, wie man das heute noch im nächsten Morgenland erlebt, mit den Verschworenen unter einer Dece, und die Verschwörung wurde angezeigt, wenn der König tot war.

Es gab auch geheime Polizei, die selbst über Vorgänge im Ausland dem König Bericht erstattete. So als Hosea, der leßte König von Israel,

1) Dergl. Ciele a. a. O., S. 514.

zu sterben.

sich nach Aegypten um Hilfe gewandt hatte, war man in Affyrien alfobald von seinem Abfall unterrichtet. Er wurde zu einer Unterredung mit den Räten des Großkönigs berufen, folgte und kehrte nicht wieder in sein Reich zurüd. Er war nach der Weise der Affyrer ganz still beiseite geschafft worden.

Eine Assyrien eigentümliche und recht wichtige Staatseinrichtung war der sog. Limmu. Nach diesem Recht bezeichnete der König ein jedes Jahr mit dem Namen eines höheren Beamten, damit es in aller späteren Zeit nach ihm genannt werde, ähnlich wie in Griechenland die Archonten, in Rom die Konsuln dem Jahr seinen Namen gaben, daher in Griechenland die betr. Urchonten Eponymoi genannt wurden. In Assyrien konnte der König selbst Limmu sein, in seinem ersten Regierungsjahr mußte er es sogar sein. Diese Einrichtung war besonders für das handeltreibende Volk wichtig, da die genaue Angabe der Zeit für die Giltigkeit von Verträgen und andere Urkunden oftmals entscheidend ist. Ihr Ursprung ist dunkel. Der uralte Brauch, den die neuesten forschungen entdeckt haben wollen, der bei andrer Veranlassung schon einmal berührt wurde, soll darin bestanden haben, daß die alten Könige bereits göttliche Verehrung erfuhren, aber immer nur ein Jahr regieren durften, um dann wie ein Weisel der Bienen eines gewaltsamen Todes

Aber dieser Brauch trägt das Zeichen der Unwahrschein lichkeit offen an sich und bringt kein Licht in das Dunkel.

Die Limmu wurden in chronologischen Annalen aufgezeichnet, und für zweihundertachtundzwanzig Jahre ist folcher Eponymenkanon uns erhalten. Er gibt für diese Zeit einen im ganzen zuverlässigen Anhalt für die Berechnung und leistet also der Geschichtschreibung noch heute gute Dienste. Troßdem kommt es vor, daß die Regierungszeit eines Königs um fünf, zehn oder mehr Jahre verschieden bestimmt wird. Aber manche Gelehrte halten diesen Eponymentanon troşdem für ganz unfehlbar und bleiben, wie Oppert klagt, bei der Mode, die Aussagen der Bücher der Könige und der Chronita als ungenau zu behandeln, während grade „sie die wirkliche Grundlage unserer geschichtlichen Kenntnis über den Gegenstand sind, sodaß die vermeinte feilschriftliche Chronologie sich vor der mathematischen Genauigkeit der hl. Schrift beugen muß". Jedenfalls vergessen die Gelehrten, welche die Annalen über die hl. Schrift seben, wie vielen Einfluß in Afiyrien die Parteiung, Aufruhr, Herrschsucht, Aberglauben aller Art auf die öffentlichen Ungeiegenheiten und damit auch auf die Geschichtschreibung hatten.

Waren in Affyrien die obersten Beamten und Heerführer eine stete Gefahr für den König, so in Babylonien die Magier oder Chaldäer, aus deren Mitte häufig der König hervorging, der zum Dank für seine Erhebung sich dem Willen seiner Kastenbrüder gefügig zeigen sollte.

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