Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Dieses Zeichen findet sich besonders bei Schuldanerkennungen. Uuch ein liegendes oder stehendes Kreuz wurde wie noch heute die drei Kreuze von Schreibunkundigen zur Unerkennung einer Urkunde verwendet. Das liegende Kreuz wird nach einigen Stellen der hl. Schrift ') als das Zeichen Jahves, des Herrn, angesehn, aber mit welchem Grund, ist nicht ersichtlich.

Außerdem hatten die meisten Babylonier und Ussyrer, wie auch Herodot bezeugt, ihr eigenes Siegel, das den Namen des Besikers, den Namen eines Gottes und eine mythologische Darstellung enthielt, balo mehr, bald weniger fein ausgearbeitet.

Sowohl über Geldbeträge wie über Lebensmittel und Hausgerät tonnte, nachdem dieselben tariert waren, Sequestration verfügt werden. Uuch konnte die Ernte wegen einer forderung mit Beschlag belegt werden ?).

Eviktion oder Entwährung ist dem assyrischen Recht unbekannt. Ein Vertrag darf nicht umgestoßen werden; sonst treffen den Schuldigen schredliche Strafen und unerschwingliche Geldbußen bis zu einhundertzwanzigtausend Mark und mehr. Hier zeigt sich denn auch die niedrige Stufe heidnischer Sittlichkeit unverhüllt:

„Wer zu irgend einer Zeit in der Folge der Cage sich erhebt, sei es nun Nabudurusur oder Mannakiasur oder Litiru ... oder ihre Brüder oder ihre Erben und durch Prozeß und Klage den Ublia oder seine Söhne angreift und to spricht der ganze Wert ist nicht gezahlt, das feld, das Haus, der Hain sind nicht entäußert, nicht bezahlt und nicht gekauft', dieser Mann soll eine Mine Menschenkot fressen, einen Ummartopf voll Urin austrinken, seinen Sohn zu Ehren des Sin verbrennen, seine älteste Tochter, mit ihren Schamteilen anfangend, zu Ehren der Wüstenherrin verbrennen, den Kaufpreis und außerdem den zwölffachen Betrag den früheren Eigentümern zurüderstatten; dann kann er seinen Rechtsstreit anstrengen. Die Sache wird er nicht wieder erlangen ).“

Oder es wird festgeseßt:

„Der Kläger (der einen geschlossenen Vertrag anficht) soll zehn Minen Silber, fünf Minen Gold dem Gott Binib, der in Eridu wohnt, zahlen; zwei weiße Roffe an die füße des Gottes Nergal binden, vier Maulefel zwischen die Beine des Bottes Nergal stellen, ein Talent Blei dem Tartan geben. Dann soll er den Käu. ferri den zehnfaden Kaufpreis zahlen. Er möge seinen Rechtsstreit anstrengen, aber die Sache wird er nicht wieder erlangen *).“

Hier ist schon deutlicher zu sehen, wie es dem Schreiber des Vertrages darauf ankommt, durch unerfüllbare forderungen die Möglichkeit einer Entwährung von vornherein auszuschließen.

1) Ezech. 9, 4. Off. Joh. 14, 1.
2) K. B. ÍV, s. 251.
3) J. Oppert, 3. f. A. 1898, S. 265.
4) J. Oppert, 3. f. U. 1898, S. 265.

Neunter Abschnitt.
Die bürgerliche Gesellschaft und die Schule

in Babylonien und Assyrien.

Man hat die Behauptung aufgestellt, in Babylonien und Assyrien habe es keine streng gesonderte Klassen der Bevölkerung gegeben, keine Kasten wie in Aegypten und Indien; vielmehr habe dort eine für das Morgenland eigenartige soziale Gleichheit geherrscht. Aber dieser Bea hauptung treten mehrere Tatsachen entgegen. Wir wissen, daß die Nordsemiten bei den Sumero-Alkadiern, den ersten Bewohnern beider Reiche, cingewandert sind; ob friedlich oder mit dem Schwert in der Hand, sei auch hier dahingestellt; aber von einer Vermischung beider Völker vernehmen wir nichts. Dagegen treten neue Einwanderer den Nordsemiten zur Seite, wie Chaldäer, Koffäer und Aramäer. Später aber werden andre Völker Herden gleich in beide Reiche, besonders aber nach Affyrien, verpflanzt, die eignen Untertanen aber zur Auswanderung in die fremden entvölkerten Länder gezwungen. Das alles will uns darauf hinweisen, daß wir weder in Babylonien noch in Assyrien ein einheitliches rassereines Volk por uns haben, sondern richtige Milchvölker. Wo aber in einem Reiche mehrere Völker ihre Eigenart geltend machen in Sprache, Sitte und Religion, und wenn es nur in einem Stüd von diesen drei wäre, da finden sich Klassenunterschiede, in Rom wie in Griechenland, in Aegypten wie in Indien. Warum nicht auch in Babylonien und Affyrien? Dazu kommt der andre wichtige Umstand, daß in beiden Reichen so gut wie in den vorgenannten Ländern die Sklaverei bestand und geseßlich geschüßt war. Die Zahl der Sklaven aber muß, wie wir später sehn werden, stets viel größer sein als die Zahl der freien; und dies Verhältnis ist von der größten sozialen Bedeutung.

Einen weiteren Unterschied in den Völkern bewirkte die Besteuerung, von der bald einzelne Ortschaften, bald Güter, Häuser oder Personen durch den König befreit waren. Dann durfte weder der König noch der Statthalter, saknu oder fattanakku genannt, der Provinz diese Ortschaften betreten, auch weder Hengste noch Stuten (des Königs) durften dort auf die Weide getrieben werden, keine Abgabe an Rindern oder Schafen lag auf ihnen, ebenso wenig eine Lieferung von Holz, Spes zerei u. a. Auch durfte niemand sich in diesen Ortschaften anbauen, die also ein Einzelleben führten.

Einen weiteren Unterschied bewirkte die Bildung, die unter den vers schiedenen Völkern sehr verschieden verteilt war. Dagegen waren die Befißverhältnisse bei den freien Bürgern noch ziemlich gleichmäßig, und die Lebensweise der Mehrzahl noch einfacher und ursprünglicher als am Ende der vorchristlichen Zeit. Doch sagt Rawlinson von den wohlhabenden Babyloniern, daß sie besser lebten als die weniger bemittelten Klassen. Sie aßen Weizenbrot und Fleisch mannigfacher Urt, auch fische und Wild, Obst und föstliche Früchte wie Bananen und Melonen brachte der Nachtisch. Der Wein, der bald im Land gebaut, bald aus fremden Ländern bezogen wurde, bildete das gewöhnliche Getränk. Die Gastmähler waren üppig und prächtig, ihr Ende häufig eine allgemeine Trunkenheit, doch nicht begleitet von der medischen Roheit. .

Während Babylonier und Aisyrer bei Tische oder andern Gelegenheiten auf Stühlen und Bänken saßen, befolgten die Perser dieselbe Sitte wie die Griechen und Hebräer, die bei Tische auf niedrigen Bänken lagen, die mit Deden oder Polstern versehn waren.

für Reinlichkeit hatten die alten Sumero-Akkadier viel Sinn. Sie sangen in einer Hymne :

„Wasche deine Hand, reinige deine hand! Die Götter, deine Genossen, mögen ihre Hände waschen, ihre Hände mögen sie reinigen. Aus einer Kupferschale is reine Speise! Aus einem Becher trink reines Wasser. Hin zum Gericht des Königs, des Sohnes seines Gottes, sei dein Ohr gewendet ')."

Der größte Teil der Bevölkerung widmete sich in beiden Reichen dem Garten- und Aderbau, und seine nach mehreren Seiten hin schwierigen Bedingungen waren hier wie in Aegypten ein Haupterfordernis und Ansporn der Kultur. Das Zweistromland bestand am Anfang, als die Sumero-Akkadier dort einzogen, halb aus Sumpf, halb aus angeschwemmten Erdhügeln. Da mußten Dämme und Deiche zum Schuk der Ueder und Uuen gegen die Ueberschwemmung der flüsse auf: geschüttet, Kanäle zur Entwässerung der Sümpfe und zum Bewässern der höher gelegenen Ländereien ausgegraben werden, und das alles allein durch Hände Arbeit. Da wurden Hügel abgegraben, Untiefen ausgefüllt und mit vieler Mühe nach und nach das herrliche Aderland gewonnen, das sich zum Bau von jeder Art von Gemüse, Getreide und Futterpflanzen eignete; und der südliche Himmel, die fruchtbarkeit des jungfräulichen Bodens, die reiche Bewässerung und der Fleiß der Feldbauer bewirkten, daß Getreide und Vieh so reichlich in Babylonien vorhanden war, daß von dem Ueberfluß in die Nachbarländer ausgeführt wurde, daher das begehrliche Auge von manchen Seiten auf diese Schakkammern gelenkt wurde. Aber auch in Assyrien ernährte das gut gebaute Land

seine zahlreiche Bevölkerung. Uuch hier wurde der Uderbau wie in Babylonien von den Königen selbst auf allerlei Weise unterstüßt in der sichern Erkenntnis, daß er die feste Grundlage einer gedeihlichen Volkswirtschaft bilde. Schon die ältesten Herrscher des Candes hatten für Enteignung des Bodens u. a. gesorgt, wo Kanäle anzulegen waren; und waren sie klein, so wurden sie, ranatu genannt, gleich unsern Drainagen unterirdisch geführt. Mierodachbaladan war ein besonderer freund des Gartenbaues. Ein Verzeichnis von allerhand Gartengewächsen und Gartenwerkzeugen trägt die Ueberschrift:

„Gärten des Königs Merodachbaladan. Gemäß dem Original geschrieben und durchgesehn. Tafel des Mardutsumiddin, des Verehrers Marduks. Žicht weg. nehmen!“

Etwas anders lagen die Ukerbauverhältnisse in Assyrien, weil dieses ein Gebirgsland ist. Hier mußte das an die flüsse anstoßende Land vor allem gegen Ueberschwemmungen geschüßt werden, die das Cand bald mit Steingeröll bedeckten, bald die fruchtbare Aderkrume hinwegschwemmen. Das zu verhindern mußten beide Flußufer mit Deich:1 versehn werden. Auch legte man hier, was in Babylonien unstatthaft war, quer durch die Flüsje Wehre oder Talsperren, aus Quadern gebaut, an, um das Wasser zu sammeln und zu stauen und in künstlich angelegten und wohlgeordneten Rinnjalen auf felder und Wiesen zu leiten, die der Bewässerung bedurften. Sehr naiv äußert sich Herodot hierüber. Er meint, diese Talsperren hätten zum Zweck gehabt, das Einlaufen feindlicher Schiffe zu verhindern!

An Getreide wurden hauptsächlich Weizen und Hirse gebaut, an Oelfrüchten der Sesam; und wäre der Ertrag kaum zu vertilgen gewesen, wenn nicht arge feinde und Schädlinge das ihre dazu getan hätten. Vor andern verderblich waren die Heuschrecken; aber auch die Schnecken, sibaru genannt, konnten eine Plage werden und mußten gleich den Heuschreden gesammelt und vertilgt werden, wenn der Candmanii etwas für sich behalten wollte.

Uuch der Weinbau wurde an vielen Orten betrieben. Aber mit jedem Fortschritt der Landwirtschaft in der vorerwähnten Weise des Betriebes und mit jeder Vergrößerung der Anbaufläche durch Anrodnung jowohl in den ebenen, zum Getreidebau besonders geeigneten Gegenden als auch im Hügel- und Bergland war selbstverständlich ein Rückgang der ursprünglichen freien Weidewirtschaft verbunden, worauf wir schon in der Geschichte des Königs Hammurabi acht hatten. Doch hören wir später wieder von Nomaden; denn wenn die Bevölkerung durch endloje Kriege und Krankheiten mehr und mehr verringert oder gar vernichtet wird, find für den Åkerbau und seine vielen Hilfsmittel wie Kanäle u. a. nicht genug hände da, es verfällt ein Teil nach dem andern; und wo vorher der Pflug feine furchen gezogen hatte, weidet von neuem der Hirte seine Herde; aber damit stehen wir auch vor der Auflösung des Reiches. Wo der Ader nicht mehr bestellt werden kann, fehlen auch die starken Arme, die mit Schwert und Spieß gewaffnet das Aderland gegen die Einbrüche feindlicher Nachbarn verteidigen. Es muß ihrem Anfturm unterliegen, ein andres Volk tritt das schwere Erbe an.

Das bewäfferte Cand bot einen vorzüglichen futterertrag dar, und in beiden Reichen machte die Viehzucht den Candleuten gar keine Schwierigkeit. Als Zugvieh brauchte man neben dem Ochsen auch das Pferd, Kamel, Maultier und Esel, als Milch- und Fleischvieh wurden Kinder und Schafe, Ziegen und Kamele gehalten. Abah war für die junge Uufzucht stets vorhanden. Schon die häufigen Tieropfer verlangten regelmäßige Lieferungen von reinem Schlachtvieh an die vielen Tempel.

Neben dem Privatbesit gab es in beiden Reichen auch ilku oder Cehngüter, die unveräußerlich waren und, so lange es an Érben nicht fehlte, in derselben familie von Geschlecht zu Geschlecht besessen wurden. Starb aber ein Geschlecht aus, oder hatte sich jemand drei Jahre lang um sein Lehngut nicht gekümmert, so wurde das Gut einer andern familie übertragen ").

Die Schäßung eines Afers, wie sie die Besteuerung und jeder Besitz wechsel herbeiführte, geschah nach Haden, babyl

. marri oder ipinnu, hebr. ophen, d. i. Wafferräder; denn die fruchtbarkeit des Bodens wurde erschlossen und erhalten durch die fleißige Arbeit des Candmannes, und diese wurde vorzüglich durch die Beschaffung des nötigen Wassers in Anspruch genommen, ohne das im heißen Sommer jede fruchtart vertrodnet und verdorrt wäre. Aber die Wasserräder, durch Ochsen be wegt, hoben Tag und Nacht das Wasser aus den Kanälen auf das höher gelegene Cand, wie im ägyptischen Gosen noch heute zu sehen ist; denn: die Benukung des Windes als Kraft der Bewegung war damals noch nicht entdeckt, abgesehn von der Schiffahrt, und findet auch heute noch richt überall Eingang.

Die Bevölkerung der Städte bestand vorzüglich aus Handwerkerrr und Kaufleuten, oder es waren beide Berufsarten mit einander verbunden, indem die Verfertiger der mancherlei waren diese selbst vertrieben. Gehilfen der Handwerksmeister waren neben den Sklaven die eignen Kinder und Lehrlinge. Die Söhne wurden der Regel nach vom Vater in seinem Handwerk unterwiefen, und die Kunstgriffe dieses Handwerks vererbten sich also von Geschlecht zu Geschlecht. Alle Häuser desa: felben Handwerks bildeten einen Verein oder Gilde, die ihre Oberhäupter und Leiter hatten, dazu auch ihre eigentümlichen Ordnungen und Gewohnheiten, ihre Geheimnisse und ihr Standesbewußtsein. Sollte ein Mitglied der Bilde bezeichnet werden, so fügte man seinem Namen nicht nur den Namen des Vaters, sondern auch den der Gilde bei.

« ͹˹Թõ
 »