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lonier oder Sumero-Alkadier, aber ich denke an ein Volk, das noch vor den Sumero-Akkadiern hier wohnte. Diese konnten dyreiben und schrieben viel und hätten sicher manches geschriebene Täfelchen den geliebten Toten ins Grab mitgegeben; aber in diesen Gräbern hat man nichts Geschriebenes gefunden.

Daneben ist mir gewiß geworden, daß die Semiten hier so wenig wie in Aegypten ihre Toten verbrannt, sondern feierlich und mit fleiß zur Erde bestattet haben, sei es in Gewölben oder in Plattformen, wo die aus Ton gebildeten Gefäße, in die der Leichnam eingedrückt war, dec Kopf mit einem Ziegelstein gestüßt, reihenweis aufgestellt wurden. Die Hände der Ceiche waren an die Hüften gelegt, die füße vereinigt, die Kniee nach außen gebogen. Hier und da finden sich auch Spuren von leinenen Streifen, mit denen die Ceichen wie die ägyptischen Mumien umwidelt gewesen waren "). Diese Totentöpfe, die einen Seichnam aufnehmen mußten, waren teils von rohem Ton, teils gebrannt und glasiert, bisweilen nur von zweidrittel Meter Durchmesser, oben und unten mit Oeffnungen versehen, innen und außen mit Asphalt überzogen. Reichte ein Topf für den zu bestattenden Ceichnam nicht aus, so wurden deren zwei aneinander gekittet. Man findet auf den babylonischen Totenfeldern auch Sarkophage, fast zwei Meter lang, eindrittel Meter breit. Andere wieder sind länglich eiförmig mit gleich hohen Wänden und einem Dedel aus Terrakotta, aber ganz schmucklos hergestellt. Daneben gab es auch Massengräber, vermutlich für die Armen und Sklaven, wo die Leichen in Rohrmatten eingewickelt und in einer Grube beigesekt wurden ?).

Die Inschrift auf einem der Ceichentöpfe lautet:

für alle Zeit, für immer, für ewig, für alle Zukunft. Diesen Sarg möge der, der ihn findet, nicht behalten, sondern an seine Stelle zurückbringen. Wer dieses liest und nicht mißachten, sondern sprechen wird „diesen Sarg will ich an seine Stelle zurückbringen", dem möge die Guttat, die er getan, belohnt werden, Droben sei sein Name gesegnet, drunten mögen seine Manen klares Wasser trinken.“

In diesen Worten hat fr. Delitzsch den Anfang der späteren Vorstellung von einer heißen Hölle und einem mit Wasser reich gesegneten Garten gefunden). Älber wo ist in dieser Inschrift auch nur die leiseste Andeutung eines heißen Aufenthaltes ? Auch die andern Sagen von der Unterwelt wiffen nichts von Hiße und Glut. Das „Oben“ und „Unten" auf Himmel und Hölle zu deuten, bei einem und demselben Toten zu deuten, ist eine absonderliche Liebhaberei oder dogmatischer fehlschuß, während bei einfacher nüchterner Betrachtung „Oben“ sich als das Reich der Lebendigen auf der Erde, „Unten" fich als das Reich der

1) fr. Hommel, B. u. U., S. 216. 2) Mitteil. d. 1903, 17, S. 5. 3) Mitteil. v. 1901, 11, S. 16.

Toten, also als Oberwelt und Unterwelt darbietet. Auch 4. Jeremias hat fr. Delißich hierin widersprochen ).

Mehrere große Totenfelder sind bereits aufgedeckt worden, so bei Niugheir, Tell el Lahm und Warka. Um erstgenannten Ort fand man Grabstätten in Form von Gemachen, die zwei Meter lang, ein Meter breit und eineinhalb Meter hoch waren. Indem sich die Breite dieser Gemache von unten nach oben stets verjüngte, entstand eine tragkräftige, spikbogenähnliche Dede über der Leiche. Auf dem gepflasterten Boden lag eine Rohrmatte, darauf der Leichnam. Von diesen Grabgemachen zog sich ein breites Feld rings um die Stadtmauer.

Neben die Särge oder die Töpfe seşte man Speise und Trank in besondern Gefäßen. Die trauernden Ängehörigen hodten bei der Leichenfeier auf der Erde nieder, zerrissen ihre Kleider, schlagen sich auf Brust und Hüften, zerraufen den Bart und brechen in lautes Wehklagen aus. Ua a, na a klagen die Uffyrer, die Hebräer hoi ho. Hier und da wurden auch Rikmesser gebraucht, um sich leichte Wunden beizubringen?). Die Trauernden zogen auch einen Sad assyr. sakku an und ließen sich das haar scheren.

Von der Weise der Hoftrauer berichtet ein Steinbrief:

,,Der König ist gestorben, die Stadt uur weint. Der Statthalter hat seine frau aus dem Palaft entfernt. Opfer sind gebracht worden. Der Minister hat die Beamten in das Rathaus gerufen. Man hat dunkle Kleidung angelegt und die goldnen Spangen bei dem Stadtobersten niedergelegt. Kisai, der Musikmeister, wird mit seiner Sängerinnen vor den Leuten Trauergesänge portragen."

Häufig finden sich in den Händen der Toten Trinkgefäße und farbennäpfchen, deren Zweck noch im Dunkeln liegt. Vielleicht sollten fie zum Schminken dienen? Die Verehrung für die Entschlafenen erforderte, daß ihnen öfter Wassergüsse gespendet wurden. Aus diesem Grunde waren auf den Totenfeldern auch Brunnen gegraben, die um so tiefer sein mußten, als die Felder höher lagen. Koldewey 3) meint, jeder Tote habe seinen eignen Brunnen erhalten, soweit das Vermögen der Hinterbliebenen solche Anlage gestattete. In den ausgegrabenen Schacht wurden Trommeln von gebranntem Ton mit einhalb Meter Durchmesser eingesenkt.

1) A. T. O., S. 332. 2) Deuter. 14. 1. 31 3. f. N. 1887, S. 414.

3ehnter Abschnitt. Künste und Wissenschaften in Babylonien und

Affyrien.

1. Die Rünfte. In der Kunst, die zu allen Zeiten von den Menschen am höchsten geschäßt wurde, in der göttlichen" Dichtkunst, haben beide Völker recht wenig geleistet. Einen Ünlauf haben die Dichter der Göttersagen, der Hymnen, Klagelieder, Beschwörungen u. s. w. genommen, und wir haben mannigfache Proben dieser Kunst bereits kennen gelernt; aber bei dem Anlauf ist es geblieben und mußte es bleiben. Denn solche Dichtung trug den Richter in sich selbst, fie hatte keinen Boden im Volke unter sich. Und da sie der alten, zum Teil der ältesten Zeit angehört, trat hernach eine lange Dürre und Unfruchtbarkeit ein. Noch streiten sich die Gelehrten über den Strophenbau im sog. Weltschöpfungsepos Enuma elis, ob derselbe eine zweizeilige oder vierzeilige oder achtzeilige Strophe habe? 1) Man kann aber bei der Gleichmäßigkeit der Zeilen ebensogut auch eine dreizeilige Strophe annehmen.

Einige Bedeutung haben noch die alten Litaneien und Orakel, die sich vor den delphischen durch eine gewisse Uufrichtigkeit auszeichnen. Auch die Zauberlieder wurden, wenn nicht neu erfunden, doch immer wieder gebraucht, mit ihnen die bösen Geister zu vertreiben und die durch sie erregten Gemüter der Menschen zu beruhigen. Ebenso lebendig blieben die Hymnen, die dem großen Bruder, dem Oberpriester von Etua, porgetragen wurden.

Alle diese Dichtungen wissen weder von einem bestimmten Maß noch von einem Reim noch von Lieðstäben; doch soll Pinches einen alliterierenden Hymnus herausgegeben haben ). Sogar ein Doppelakrostichon ist entdedt, die künstliche Dichtung, in der die Anfangs- und Schlußsilben der einzelnen Zeilen gleichlauten, sodaß die Schlußsilben wie die Anfangs. silben von oben nach unten gelesen zusammenhängende Worte oder eineri Saß ergeben :).

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1) 3. f. U. 1896, S. 87. 2) Tiele a. a. O., S. 568. 3) Bezold, N. u. B., S. 106.

Die allermeisten Dichtungen aber bewegen sich in der Form, die aus der hebräischen Literatur wohlbekannt ist, in dem parallelismus membrorum oder dem Gefeß, wonach ein ausgesprochener Gedanke alsobald mit ähnlichen Worten noch ein oder mehrere Male vorgetragen wird, eine Weise der Dichtung, die nicht nur ihre Uebung oder Unwendung, sondern auch ihren Ursprung in dem gottesdienstlichen Wechselgesang zweier Chöre haben wird. Neben diesem Rhythmus der Gedanken kann sehr wohl ein Rhythmus des Worttons einhergehn, aber auch hierin find die Gelehrten noch bei dem forschen und Suchen.

Alle diese vorgenannten literarischen Erzeugnisse der Babylonier und Asjyrer können weder mit der griechisch-römischen, noch mit den hebräischen Dichtungen verglichen werden. Am nächsten stehen ihnen die ägyptischen ?).

Noch mögen einige kleine Volkslieder und Sprichwörter erwähnt werden, die ebenfalls der ältesten Zeit angehören sollen. Eines lautet:

"Es eilen meine Kniee, meine füße lassen nicht nach. Nichts hindert mich in meinem Lauf; verfolge mich nur immer.“ oder:

„Weil ich sterben muß, will ich essen. Und weil ich leben will, muß icy arbeiten.“

Einige Sprichwörter teilt Hommel ?) mit:

„Im fluß bist du nun, und dein Wasser ist trüb. Uuch da du im Garten warst, schmeckte deine Dattel wie Galle.“ oder:

„Du gingst, du nahmest das feld des Feindes. Da ging der Feind und nahnı dein feld." oder:

„Wie ein alter Ofen zischt er dich an“, „in einer andern Stadt ist der Arbeiter der Herr“ „Das Leben von gestern ist alltäglich“ oder:

„Er soll die Rache nehmen; er möge ihm wiedergeben, wie er ihm getan." oder:

,,Ein Kalbin bin ich, mit der Kuh unter ein Joch gespannt. Der Pflugbalken ift fort, hebt ihn auf." oder:

„Die frucht des Todes kann man essen, und die frucht des Lebens kann man fich erwerben.“ „Welche frau wird schwanger ohne Beischlaf, wer wird dick ohne essen?

Es soll auch babylonische fabeln geben; aber die wenigen, die bisher veröffentlicht wurden, sind dem Verfasser noch nicht zu Gesicht gekommen.

1) Tiele a. a. O., S. 573. 2) Sem. V. u. S. I, S. 314.

Sowohl die Babylonier wie die Afiyrer, in diesem Stüd einander ähnlich, hatten im allgemeinen mehr Sinn und Gaben für das materielle, Leben. Beide Völker zeichneten sich durch Nüchternheit, fühlen Verstand und Berecymung aus, die sie in andern Künsten hervorragendes leisten machten. Dichtkunst aber und Musik waren nicht ihr Feld.

Es gab an den Höfen der Könige Mufiler, deren führer der Kabsaris gewesen sein mag, der auf den Reliefbildern an der Spiße derselben erscheint. Aber schon von den Instrumenten, die da gebraucht wurden, wissen wir recht wenig, von den gespielten Weisen gar nichts. Manche Instrumente wie die harfe sind sehr alt. Eine achtseitige Harfe ist schon auf einem Denkmal aus Gudeas Zeit abgebildet. Andre Instrumente gelten für Erfindungen der Griechen, deren Einfluß fich besonders seit der Zeit des neubabylonischen Reiches geltend machte. Sie tragen griechische Namen, wie die Cither und die Sambyke, auch eine Art Harfe, das Saiteninstrument Psalterion und die Synfonie. Auch die Doppelpfeife oder Dudelsad war bekannt. Wenn dazu noch Horn, Flöte und Pauke kamen, so war eine Art von Orchester fertig, das zur Einweihung der Tempel und ihrer Götterbilder, bei öffentlichen festen und zur Ergößung der Könige spielte. Aus Daniel ) kennen wir Posaunen, Trompeten, Harfen, Geigen, Psalter, Laute und anderes Saitenspiel. Curtius Rufus erzählt von den babylonischen Magiern, bei ihnen sei der Gesang gepflegt worden. Sie sangen vaterländische Lieder, Coblieder auf ihre Könige und begleiteten den Gesang mit Saitenspiel.

Mehr als in Dichtkunst und Musik leisteten Babylonier und Affyrer in der B a ufunft, die hier auch eine Entwicelung gehabt hat. Auf der ersten Stufe standen die Sumero-Akkadier, die zweite Stufe nehmen ihre Schüler, die semitischen Babylonier, die dritte Stufe die Affyrer ein. Die Sumero-Akkadier verstanden beides, aus Ton oder Lehm Ziegeln und Backsteine zu bilden, wie auch Schreibtafeln zu streichen, und zwar so meisterlich, daß ihre Ziegeln, Baksteine und Tafeln bis heute gedauert haben. Nur die Lehmsteine, die nicht gebrannt, sondern an der Sonne getrocknet waren und zur füllung ihrer starken Mauern verwandt wurden, konnten der Witterung nicht lange widerstehn, wenn einmal die schüßende Decke der gebrannten Steine verleşt war. Das Material zum Brennen der Steine ist uns nicht sicher bekannt. Holz war ein sehr koftbarer Stoff; aber Rohr und Raphtha gab es genug, wie wir bereits gehört haben, daß Rohr als Nußpflanze behandelt wurde.

Der gewöhnliche Mauerstein war vierundzwanzig bis dreiund: dreißig Zentimeter lang und breit, also quadratisch und vier bis sieben Gentimeter did. für die Eden der Gebäude wurden dreieckige, für die Gewölbe keilförmige Steine geformt. Das Wölben verstand man schon in sehr alter Zeit und wandte es bei Kanalbauten an).

1) Kap. 3. 2) Mitteil. v. 1903, 17, S. 9.

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