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und Göttergeschichten, die Arbeiten im Haus und im Garten, die großen königlichen Bauten mit der fortbewegung der folossalen Steinbilder von Löwen und Stieren; dann wieder ganze Landschaften mit Bergen, Felsen, flüssen und Seen, dazu Tiere aller Årt, Hirsche, Eber, Antilopen, fliegende und ruhende Vögel, das Futtern der Pferde, das Schlachten der Schafe, auch das Uebersetzen über einen Fluß auf einem floß von Schläuchen, wie sie noch heute in Klein-Asien und am Euphrat gebraucht werden. So wird uns durch die Kunst des Grabstichels die gesamte Kultur Asiyriens, so weit das im Bilde möglich ist, vorgeführt.

Diese Kunst hatte zur Zeit Sargons II. und Sanheribs, also an der Scheide des achten und siebten vorchristlichen Jahrhunderts, ihre höchsle Stufe erreicht. In den Reliefs aus dieser Zeit gibt ein reicher Hintergrund dem Bild mehr Leben, nun werden die Gestalten der Menschen, Tiere und Pflanzen getreu der Natur nachgebildet, alles im rechten Maße und mit Sorgfalt ausgearbeitet.

Die Gemmen und Siegelcylinder wurden auch in hartem Stein aus: geführt, wie in Serpentin, Jaspis, Chalcedon, Uchat, Quarz oder Lapis lazuli. Uuf ihnen wurden neben dem Namen des Inhabers religiöse Szenen oder Jagdbilder und dergleichen, alles sehr fein eingeschnitten. Lehnliche Sorgfalt widmeten die Steinschneider der Herstellung von Amuletten.

Die Malere i lehnte sich an die Bildhauerkunst an, indem zunächst einzelne Teile, dann ganze Bilder bemalt wurden, bald rot und blau, schwarz oder weiß wie Haare und Bärte der Männer, der Kopfpuß der Pferde, die Waffen, Vögel und Blumen.

Auch die glasierten Ziegel zeigen stets mehrere Farben und zwar drei bis fünf, hellgrün, hellgelb, dunkelbraun und weiß oder dunkelblau und rot, oder rot, weiß, gelb und schwarz, oder dunkelgelb, dunkelbraun, weiß und hellgelb oder gelb, blau und weiß. Die Glasur wurde wie noch heute aus Soda und metallischen Oryden wie Bleioryd u. a. hergestellt

. Diodor 1) bezeugt darüber: „Man suchte die Natur nachzuahmen. So sah man an den Türmen und Mauern Bilder von allerlei Tieren, die in Farbe und Gestalt wohl getroffen waren. Das Ganze flellte eine Jagd dar, wo alles voll von Tieren jeder Urt war in der Größe von mehr als vier Ellen. Dort war auch Semiramis zu Pferd dargestellt, wie sie den Spieß nach einem Panther wirft, und nicht weit von ihr Ninus, ihr Gemahi, wie er mit der Lanze einen Löwen durch bohrt."

Uuch Nebukadnezar II. ließ Bilder von Wildochsen und riesigen Schlangen in farbigen Ziegelreliefs von glasiertem Ton zum Schmuck der Tore anbringen?). Im Kafr oder in der Burg von Babel wurden

1) II, 8. 2) Mitt. o. 1902, Nr. 13. Ezech. 23, 14 2c.

friese gefunden, die nur aus glasierten Ziegeln zusammengesekt waren. Sie zeigten auf blauem Grund weißgelbe oder gelbgrüne Löwen, bald rechts, bald links laufend. Außerdem fand man dort Kapitälle mit freier Architekturmalerei, wo aus einem Schaft hellblaue Voluten hervorwachsen, die kleine gelbe Uugen tragen. Uuf ihren Wurzeln liegen dunkelblaue Dedblätter mit gelbem Kern und weißem Rand, oben eine Rosette mit gelbem Spiegel und sechs weißen Blättern. Dazu kommen biaue Ranken und Lotosblüten, ganze Ranken- und Blütenfriese.

Auch die Töpferarbeiten für den häuslichen Gebrauch waren meist mit Sorgfalt ausgeführt und mit glänzenden Farben bemalt. Die aus Ton gefertigten Siegelcylinder waren bald glasiert, bald unglasiert, im ersten fall mit weißem, gelbem oder rotem Ueberzug, alle inwendig hohl.

Die Bereitung des Glases war schon den Sumero-Akkadiern wie auch den Wegyptern bekannt, und verfertigten Babylonier und Affyrer allerlei Gefäße und Schmudsachen aus diesem Stoff, den die Phönikier nicht erfunden, sondern nur als Händler weiter verbreitet haben. Man will in Birs Nimrud auch eine konvere Glaslinse gefunden haben, die wahrscheinlich bei dem Schreiben und Cesen der feinsten Keilschriften gebraucht wurde.

Die Kunst, aus farbig glasierten Ziegeln Reliefbilder herzustellen, wurde von den Babyloniern auf die Perser vererbt, oder man möchte annehmen, babylonische Künstler hätten die Königsgräber von Susa geschmückt.

Im Kunsthandwerk taten sich neben den Ton- und Glasarbeitern auch die Tischler hervor. Sie fertigten Stühle und Tische an, stilvoll angelegt und mit allerlei Bildwerk geschmückt. Wie es sich versteht, waren die Thronsefiel der Könige besonders kunstvoll ausgeführt.

Ueber das Spinnen der verschiedenen Stoffe wie Flachs, Wolle, Seide und Baumwolle, die sämtlich den Babyloniern und Affyrern bereits bekannt waren, ist aus den Bildern und ihren Inschriften zu ersehen, daß diese Kunst selbst von den Königinnen geübt wurde. Man 30g den faden aus der Kunkel, wie das bei uns bis in das 16. Jahrhundert geschah ?).

Die Weberei und Sticerei erreichte mit der Zeit eine hohe Stufe der Vollkommenheit. freilich konnten folche kostbare Gewebe und Teppiche, wie sie auch von griechischen und römischen Schriftstellern gerühmt werden, nicht bis heute erhalten werden. Wir sind hier nur auf Abbildungen und Berichte angewiesen. Auch die hl. Schrift erwähnt einen kostbaren babylonischen Mantel 2)

Während die für den täglichen Gebrauch bestimmten Stoffe ihre natürliche Farbe behielten, wurden die Stoffe der festgewänder mit leb

1, Nach A. Jeremias, A. T. O., S. 275. 2) Jol. 7, 21.

haften Farben bedacht. Besonders beliebt waren blaue Muster auf rotem Grund oder rote Muster auf blauem Grund. Die Kleider der Könige waren über und über mit Sticereien geschmüct, durch die Jagds szenen mit Menschen, Tieren, Bäumen und andern Gegenständen dargestellt wurden.

Die Metallbereitung und Bearbeitung wurde bei beiden Völkern und zwar schon in der ältesten Zeit gepflegt, sodaß wir nur geringe Unzeichen davon haben, daß auch hier einmal eine „Steinzeit“ war. Schon aus der Zeit des Königs Gudea sind uns drei Bronzestatuen in knieender Stellung erhalten. Später goß man aus Bronze auch gewaltige kunstgeschmückte Türflügel und Schwellen, wie die des Tempels Ezida und zu Borsippa.

Nicht selten sind die aus Kupfer gegossenen Cö wenge wichte, d. h. kleine Cöwen in liegender Stellung, von bestimmtem Gewicht, auf dem Rücken zu leichterer handhabung mit einem Ring versehen. Daß diese Löwen zur Befestigung der 3eltseile gedient hätten, ist ganz unwahrscheinlich, da die Anwendung von Zeltpflöden und Nägeln zu ‘diesem Gwecke auch für Babylonien und Assyrien uns sicher bezeugt, auch ebenso einfach wie zweckmäßig ist. Diese Löwengewichte wurden in verschiedener Größe gegossen, ein sicherer Beweis, daß wir es nicht mit Geltpflöden zu tun haben. Die Inschrift auf folch einem Löwen ist früher mitgeteilt.

Arbeiten in getriebenem Kupfer und Elfenbein wurden vermutlich von fremden Arbeitern angefertigt, die König Sargon II. aus Phönikien und Aegypten als Kriegsgefangene heimgebracht hatte.

Die verschiedenen Kunstgegenstände wurden nicht allein für das Be. dürfnis des eigenen Candes, sondern auch für die Ausfuhr nach andern Ländern angefertigt. Sie gingen von Babylonien nach Armenien, von Asjyrien nach Griechenland und weiter. Eine Handelsstraße führte von Ciphsach, d. i. Uebergang, nach Tadmor, Damaskus und Phönikien. Eine andere ging über Haran und Bir nach Kleinasien. Wieder andre führten nach Norden und Osten. Neben den Webereien, Mänteln und Teppichen wurden viele Spezereien, wie Narde, Gewürze und Wohlgerüche ausgeführt. Die Einfuhr aber bestand aus edlen und unedlen Metallen, Steinen, Bauholz u. a.

Bemerkenswert ist noch die Kunst der Mechanit, die besonders in Afiyrien ausgebildet war. Auf Reliefbildern, die in Kujundschit gefunden wurden, kann man deutlich sehen, wie die Kraft vieler Menschenhände die folossalen geflügelten Stiere an ihre Stelle beförderte. Man stellte sie auf hölzerne Schlitten und stüßte sie auf beiden Seiten durch starke Balken. Dann wurde ein solcher Schlitten von tausend oder mehr Menschen auf schräger Ebene in die Höhe gezogen, während mit Hebeln nachgeholfen wurde, damit der Schlitten auf untergelegten Walzen vor

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wärts komme. So wurden in Uegypten auf ansteigendem Damm die schweren Werkstücke der Pyramiden in die Höhe gebracht, während der Bau der hohen Ziggurats durch das leichtere Material der gebrannten Siegel weniger Mühe machte.

2. Die Wissenschaften. Was man heute unter A r z ne i wissenschaft versteht, war im ganzen Altertum, also auch in Babylonien und Assyrien, gänzlich unbekannt; denn noch hatte man von Chemie, die uns die Arzneistoffe zerlegen und wieder zusammenseßen lehrt, keine Ahnung. Doch verstand man sich auf eine von alter Zeit her vererbte heilkunde und brauchte, wo diese nicht ausreichte, oder auch an erster Stelle und neben ihr Saubermittel, Beschwörungen, Amulette und ähnliche Mittel, worüber in anderem Zusammenhang bereits berichtet worden ist.

Schon im Gefeßeskoder Hammurabis ) werden A er zte für Mienfchen und Tiere erwähnt, aber mit geringer Achtung für ihren Stand; und mit wahrhaft entsetzlichen Drohungen werden sie für den Erfolg ihrer Operationen verantwortlich gemacht. Wenn Tiele in seiner Geschichte von Babylonien und Assyrien nur von der Magie redet, so ist das zu entschuldigen; denn zu seiner Zeit kannte man weder hammurabis Gefeße noch die babylonischen Rezepte und andere Steintafeln dieses Inhalts.

Herodot erzählt die Anekdote, daß die Kranken auf dem Markt zu Babel ausgestellt wurden, und meint, die babylonischen Aerzte hätten fich keines Weltrufes zu rühmen. Aegyptische und griechische Aerzte seien ihnen überlegen. Ob dieses Urteil ein gerechtes ist, können wir dahin gestellt sein lassen; doch wissen wir, daß die babylonischen Aerzte die Kranken sorgfältig untersuchten und ihre Beobachtungen auch aufzeichneten, um die Diagnose zu unterstüßen. Der babylonische Urzt untersuchte die Stirne, das rechte und das linke Auge, das rechte und das linke Ohr, den Naden und die ausgestredte rechte Hand, Länge und farbe des haupthaares, die füße, die Handflächen, das Herz und andre edle Eingeweide im Zustand der Ruhe und in der Bewegung, Blut und fett, Urin und Milch ?).

Die Arzneistoffe wurden teilweise dem Mineralreich entnommen, teilweise waren sie vegetabilischen oder animalischen Ursprungs. Aber ihre Kraft wird nicht immer als eine dem Stoff innewohnende betrachtet, sondern auf den Einfluß gegründet, den gewisse Gestirne durch ihre Konstellation auf den Ausbruch und fortgang der Krankheit ausgeübt haben. Durch diese Annahme schafften sich die Magier-Uerzte ein

1) $ 215 u. 223. 2) Bezold, N. u. B., S. 86.

haften Farben bedacht. Besonders beliebt waren blaue Muster auf rotem Grund oder rote Muster auf blauem Grund. Die Kleider der Könige waren über und über mit Stickereien geschmüdt, durch die Jagds szenen mit Mienschen, Tieren, Bäumen und andern Gegenständen dargestellt wurden.

Die Metallbereitung und Bearbeitung wurde bei beiden Völkern und zwar schon in der ältesten Zeit gepflegt, sodaß wir nur ges ringe Anzeichen davon haben, daß auch hier einmal eine „Steinzeit“ war. Schon aus der Zeit des Königs Gudea sind uns drei Bronzestatuen in knieender Stellung erhalten. Später goß man aus Bronze auch gewaltige kunstgeschmüfte Türflügel und Schwellen, wie die des Tempels Ezida und zu Borsippa.

Nicht selten sind die aus Kupfer gegossenen € ö w e ng e w i chte, d. h. kleine Cöwen in liegender Stellung, von bestimmtem Gewicht, auf dem Rücken zu leichterer Handhabung mit einem Ring versehen. Daß diese Löwen zur Befestigung der Zeltseile gedient hätten, ist ganz unwahrscheinlich, da die Anwendung von Geltpflöcken und Nägeln zu diesem 5wecke auch für Babylonien und Asiyrien uns sicher bezeugt, auch ebenso einfach wie zweckmäßig ist. Diese Löwengewichte wurden in verschiedener Größe gegossen, ein sicherer Beweis, daß wir es nicht mit Zeltpflöden zu tun haben. Die Inschrift auf folch einem Cöwen ist früher mitgeteilt.

Arbeiten in getriebenem Kupfer und Elfenbein wurden vermutlich von fremden Arbeitern angefertigt, die König Sargon II. aus Phönikien und Aegypten als Kriegsgefangene heimgebracht hatte.

Die verschiedenen Kunstgegenstände wurden nicht allein für das Bedürfnis des eigenen Candes, sondern auch für die Ausfuhr nach andern Ländern angefertigt. Sie gingen von Babylonien nach Ärmenien, von Aliyrien nach Griechenland und weiter. Eine Handelsstraße führte von Tiphsach, d. i. Uebergang, nach Tadmor, Damaskus und Phönikien. Eine andere ging über Haran und Bir nach Kleinasien. Wieder andre führten nach Norden und Osten. Neben den Webereien, Mänteln und Teppichen wurden viele Spezereien, wie Narde, Gewürze und Wohlgerüche ausgeführt. Die Einfuhr aber bestand aus edlen und unedlen Metallen, Steinen, Bauholz u. a.

Bemerkenswert ist noch die Kunst der Mechanit, die besonders in Afiyrien ausgebildet war. Auf Reliefbildern, die in Kujundschit gefunden wurden, kann man deutlich sehen, wie die Kraft vieler Menschenhände die kolossalen geflügelten Stiere an ihre Stelle beförderte. Man stellte sie auf hölzerne Schlitten und stüßte sie auf beiden Seiten durch ftarfe Balken. Dann wurde ein folcher Schlitten von tausend oder mehr Menschen auf schräger Ebene in die Höhe gezogen, während mit Hebeln nachgeholfen wurde, damit der Schlitten auf untergelegten Walzen vor

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