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wärts komme. So wurden in Aegypten auf ansteigendem Damm die schweren Werkstücke der Pyramiden in die Höhe gebracht, während der Bau der hohen Ziggurats durch das leichtere Material der gebrannten Ziegel weniger Mühe machte.

2. Die Wisensdaften. Was man heute unter A r z ne i wissenschaft versteht, war im ganzen Altertum, also auch in Babylonien und Assyrien, gänzlich unbekannt; denn noch hatte man von Chemie, die uns die Arzneistoffe zerlegen und wieder zusammenseßen lehrt, keine Ahnung. Doch verstand man sich auf eine von alter Zeit her vererbte Heilkunde und brauchte, wo diese nicht ausreichte, oder auch an erster Stelle und neben ihr Saubermittel, Beschwörungen, Amulette und ähnliche Mittel, worüber in anderem Zusammenhang bereits berichtet worden ist.

Schon im Gefeßeskoder Hammurabis 1) werden Aerzte für Mienschen und Tiere erwähnt, aber mit geringer Achtung für ihren Stand; und mit wahrhaft entseklichen Drohungen werden sie für den Erfolg ihrer Operationen verantwortlich gemacht. Wenn Tiele in seiner Geschichte von Babylonien und Asyrien nur von der Magie redet, so ist das zu entschuldigen; denn zu seiner Zeit kannte man weder Hammurabis Gefeße noch die babylonischen Rezepte und andere Steintafeln dieses Inhalts.

Herodot erzählt die Anekdote, daß die Kranken auf dem Markt zu Babel ausgestellt wurden, und meint, die babylonischen Aerzte hätten sich keines Weltrufes zu rühmen. Uegyptische und griechische Äerzte seien ihnen überlegen. Ob dieses Urteil ein gerechtes ist, können wir dahin gestellt sein lassen; doch wissen wir, daß die babylonischen Verzte die Kranken sorgfältig untersuchten und ihre Beobachtungen auch aufzeichneten, um die Diagnose zu unterstützen. Der babylonische Urzt untersuchte die Stirne, das rechte und das linke Auge, das rechte und das linke Ohr, den Nacken und die ausgestredte rechte Hand, Länge und farbe des Haupthaares, die füße, die Handflächen, das Herz und andre edle Eingeweide im Zustand der Ruhe und in der Bewegung, Blut und fett, Urin und Milch ?).

Die Arzneistoffe wurden teilweise dem Mineralreich entnommen, teilweise waren sie vegetabilischen oder animalischen Ursprungs. Aber ihre Kraft wird nicht immer als eine dem Stoff innewohnende betrachtet, fondern auf den Einfluß gegründet, den gewisse Gestirne durch ihre Konstellation auf den Ausbruch und fortgang der Krankheit ausgeübt haben. Durch diese Annahme schafften sich die Magier-Aerzte ein

1) $ 215 u. 223. 2) Bezold, N. u. B., S. 86.

ein

Mittel, die Wirkung ihrer Arzneien zu erklären, auch wenn sie in der ursprünglichen Absicht ganz entgegengeseßt ausfiel. Die Beschwörungen, die dem Gebrauch der Arznei zur Seite gingen, wurden ganz besonders bei Geisteskranken angewendet. Häufig sind Verordnungen gegen vergiftete Glieder, gegen Skorpionstich und Schlangenbiß, gegen Geisterfehen, gegen den ,,bösen fuß“, gegen den Einfluß böser Träume u. a.

Ein altes babylonisches Rezept lautet):

„Gegen Hautausschlag und Geschwulst, die den Körper plagen. fülle ein Gefäß, darin Urznei gewesen ist, mit Wasser aus einer unerschöpflichen Quelle, tue in dasselbe eine Wurzel von

etwas Dattelzucker, etwas Wein und etwas bittern Meth; füge noch hinzu etwas ...., sättige es mit reinem Wasser, gieße auf dasselbe das Wasser des franken Menschen, schneide Ried auf einer etwas erhöhten Wiese, schlage ein wenig Dattelzucer mit etwas reinem Honig, füge ein wenig süßes Oel hinzu, das von den Bergen kommt, und reibe den Körper des franken Menschen siebenmal damit ein.“

Daß hier das Wasser des Kranken in eine äußerlich zu brauchende Salbe gemischt wird, kann den nicht wunder nehmen, der da weiß, daß noch heute in der volkstümlichen Heilkunde dasselbe häßliche Mittel nicht nur äußerlich, sondern sogar innerlich angewendet wird. Es gibt mit weißem Zucker vermischt ein unfehlbares Brechmittel ab.

Ein andres Rezept findet man bei fr. Küchler ?):
„Wenn einem Menschen sein Inneres krank ist

, sollst du weißen Zweig von irru zerreiben, durchseihen, in Honig, Wein und lauterem Vel schlagen, es ihn ohne zu kosten trinken lassen, (auch Wasser) in seinen Ufter leiten, so wird er genesen."

Anstatt des ergänzten Wassers kann auch die Mistur selbst verstanden werden.

„Wenn einem Menschen sein Inneres krant ist, so sollst du fifi zerreiben, in Wein schlagen und es bei dem Nahen des Sternbildes ohne zu kosten trinken lassen. Du sollst einen Zweig von sinu zermahlen, mit gemahlenem Mehle mengen, mit Saft von kasu anrühren, auf Tücher streichen, ihm damit Bauch und Weichen ver. binden."

„Wenn einem Menschen sein Inneres krank ist, soll er Zypressenzapfen in Rauschtrant trinken, so wird er Oeffnung haben. Wurzel vom männlichen namtar soll er in Rauschtrank trinken, so wird er Oeffnung haben."

Hier sind zwei Rezepte vereinigt, vermutlich daß dem Kranken die Wahl frei steht, welchem er den Vorzug gibt. Gewiß ist es nicht die Mieinung, daß der Kranke beide durchschlagende Tränkchen zu gleicher Zeit brauchen soll.

„Wenn bei einem Menschen die inneren Teile entzündet sind, und es zum Erbrechen kommt, sollst du zu seiner Genesung Zwiebel und Schwarzkümmel in eins zerreiben. Das soll er in Wein ohne zu kosten trinken, so wird er genesen.“

„Wenn bei einem Menschen der Magen keine Speise annimmt, sollst du Samen von Tamariske zerreiben, mit Honig und Butter mengen. Dos soll er ohne zu foften trinken, so wird er genesen.“

1) Sayce bei Urquhart a. a. 0.
2) Seinem vorgenannten Buch sind die folgenden Rezepte entnommen.

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Vermutlich ist statt Tamariske vielmehr Tamarinde zu lesen, die noch heute Arzneimittel liefert.

„Wenn einem Menschen sein Leib schmerzt, und sein Magen keinen Wein an. nimmt, seine Weichen ihn beißen, fein Haupt chwer ist, so soll er ... Zwiebel noch Lauch essen, sich mit Saft von sinu abspülen. Samen von Stinkgurte und Samen von haldapanu in Rauschtrank trinken, so wird er genesen.“

Wie lange sich der Kranke des Genuffes von Zwiebel und Cauch enthalten soll, ist der Bestimmung des behandelnden Arztes anheimgegeben.

„Wenn ein Mensch keine Speise annimmt. sollst du zu seiner Benefung eine Wurzel von Hundszunge, die du vor Sonnenaufgang ausgezogen hast, zerreiben, und er soll es ohne zu kosten trinken, so wird er genesen.“

Wurzel und Blätter der Hundszunge waren auch bei uns offiziell. Die Zeit des Ausziehens von Wurzel und des Sammelns von Kräutern gilt noch heute für bedeutungsvoll. Bevorzugt sind die Osterzeit und der Walpurgistag und zwar aus verständlicher Ursache, weil in der frühlingszeit Wurzeln und Blätter in vollem Saft ftehn.

„Wenn eines Menschen Brust frank ist, und er bei dem Sprechen Husten be. kommt, jo sollst du ihn zu seiner Genesung Hundszunge in Rauschtrank ohne zu kosten trinken lassen. In tasu-Saft soll er sich abspülen, Saft von sinu sollst du auf seinen After gießen, tigtur-Mehl und uznu soll er durch ein fattar-Rohr in seinen Mund ziehen. Du sollst Diru, Hammeltalg, Datteln, Zypressen und fuknu in eins vermengen, auf ein Leder streichen und ihn damit verbinden.“

Vermutlich soll dieser Teig dem Kranken auf die Brust gelegt werden.

„Wenn ein Mensch mit seinem Auswurf fein Wasser los wird, selbiger Mensch also an den Nieren krant ist, sollst du zu seiner Genesung ein drittel Ka Hammel. talg, ein drittel Ka Datteln, ein drittel Ka ein Drittel Ka kukme, ein drittel Ka Zypresse, ein drittel Ka hal, ein drittel Ka Sesamschrot, ein drittel Ka Tama. riskensamen (oder Tamarinden ?), diese acht Pflanzenstoffe in eins mengen, in Butter werfen, auf eine Haut streichen, Bauch und Weichen bis zu seinem Gut. werden drei Monate damit verbinden, den Verband nicht ablun, so wird er genesen.“

„Wenn ein Mensch an Gelbsucht der Uugen leidet, und seine Krankheit ins Innere der Augen aufsteigt, und das Wasser aus dem Innern des Zuges grün wie Kupfer ist, und die Krankheit dem Menschen den ganzen Leib ausdörrt, so wird er sterben."

So wußten die babylonischen Aerzte sehr wohl, daß ihre Kunst begrenzt, und gegen den Tod fein Kraut gewachsen ist.

„Wenn einem Menschen der Leib und das Untlitz gelb ist, so ist Gelbsucht der Name der Krankheit. Du sollst Zypressen reiben und in Rauschtrank trinken. Du follft Wurzel vom männlichen namtar des Nordens, der feine frucht bringt, zer. reiben und in Rauschtrant Irinken. Du follft kurkanu zerreiben und in Rauschtrant trinken."

Auf diese drei Rezepte folgen noch mehrere zur Auswahl, daß wenn das eine nicht hilft, man zu dem andern greift; davon wir auch zu sagen wissen.

„Wenn ein Mensch an einem ahharu krankt, sein Untlitz, sein ganzer Leib und die Wurzel seiner Zunge ergriffen ist, an selbigen Menschen soll der Ärzt nicht die Hand legen, selbiger Mensch wird sterben."

Aus diesem Rezept ist deutlich zu sehen, daß dieselben nicht für Laien, sondern für Uerzte geschrieben sind, wie auch diese allein die Kenntnis von den vielen angewendeten Arzneistoffen haben konnten. Aber es gibt auch Verordnungen, die an die sympathetische Heilweise erinnern.

„Wenn ein Mensch an Leibschneiden leidet, sollst du seinen Scheitel nach unten legen, seine füße nach oben heben, fein Gefäß gelind schlagen und darüber spreden „es werde gut“, auch vierzehnmal mit dem Daumen seinen Scheitel beklopfen und den Erdboden beklopfen.“

Es ist auffällig, daß in keinem dieser und vieler andern Rezepte des Schröpfens und des Werkzeuges, das bei diesem Verfahren gebraucht wird, zukakipu genannt, gedacht ist. Wie dasselbe beschaffen war, läßt sich nur mutmaßen.

An die schon früher mitgeteilten Zaubersprüche und Beschwörungen lelint sich die folgende Verordnung an, die fr. Hommel mitgeteilt hat:

„Die Krankheit des Hauptes fliege davon, wie eine Taube zu ihrem Schlag, wie ein Rabe in die Wolken des Himmels, wie ein Vogel an einen weiten Ort. In die gnädigen Hände seines Gottes fehre er zurück.“

Der leßte Saß ist dunkel. Da es sich um Heilung von Kopfkrankheit handelt, kann das „Jurückehren in die gnädigen Hände seines Gottes" nicht auf ein seliges Abscheiden bezogen werden; das wäre ein oyriftlicher Gedanke, den wir hier nicht unterschieben dürfen. Vielmehr ist nur von diesem Leben die Rede, und das „Zurükkehren“ u. s. w. ist die Genesung von der Krankheit, die man als die „gnädigen Händer bezeichnen kann. Daß aber jeder Babylonier oder Affyrer, jede Stadt oder Ort unter den vielen Göttern, die man verehrte, doch einen gewissen Gott als seinen Gott erkannte und sonderlich verehrte, ist schon früher berührt worden. Eine Vorschrift ähnlicher Art lautet:

„Wer vom Skorpion gestochen ist, soll zum fluß hinabgehn, siebenmal untertauchen "), bei dem siebenten Untertauchen in den fluß ausspeien, was in seinem Nunde ist.“

Diese Vorschrift zur Heilung vom giftigen Skorpionstich muß sehr alt sein; denn später wurde jede Verunreinigung des Wassers streng verboten, und wer dagegen sich verfehlte, fiel in den Bann.

Bei all diesen medizinischen Vorschriften müssen wir bedauern, das Sie Kenntnis der fumero-akkadischen Sprache noch nicht so weit vorgeschritten ist, daß wir verstehen könnten, was für Mittel man zu der

Zeit den armen Kranken zu schluđen oder zum einreiben verordnete; vielmehr sind wir auf die bloße Namenkenntnis beschränkt, die ihren Plak in der babylonisch assyrischen Pharmokopöe am Schluß finden wird.

In der Naturwissenschaft waren Babylonier und Afiyrer nicht ganz fremd. Wir haben vernommen, daß sie unter den einjährigen Bewächsen männlichen und weiblichen namtar unterschieden, was an

1) 2. Kön. 5, 10.

unsern Hanf erinnert; daß sie denselben Unterschied auch bei den Dattelpalmen kannten und die weibliche Blüte künstlich befruchteten. Auch finden sich in den Keilschriften Verzeichnisse von Tieren, Pflanzen und. Gesteinen, die im Anhang berücksichtigt werden sollen.

Die Spr a ch wissenschaft wurde schon in alter Zeit angeregt durch die semitische Einwanderung und die daraus entstehende Notwendigkeit, sich mit diesem Volk zu verständigen, wenn die eigne Sprache nicht in der des Eroberers ganz und gar untergehn sollte. So hatten die babylonisch-afi yrischen Sprachkundigen mit der Grammatik, Wortbedeutung und Wortbildung zweier Sprachen zu tun, die ursprünglich, so viel wir bis heute sehn, gar nichts mit einander gemein hatten. Aber wie die Semiten die Schrift der Sumero-Akkadier annahmen, so gelangte auch manches sumerische Wort zur Aufnahme in die Sprache der Einwanderer. Wenn dann im Caufe der Jahrhunderte die sumeroakkadische Sprache aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurde, jo blieb fie doch bis an das Ende des Reiches die Sprache der Gelehrten, der Priester, der Sternkundgen und mancher Geschäftsleute. Den Semiten wurde sie verständlich durch die Wörterbücher, in denen die sumeroakkadische Wörter durch babylonisch - assyrische erklärt waren. Auch fertigten die Sprachkundigen Verzeichnisse der Ideogramme an und sammelten Beispiele der Deklination und Konjungation und stellten auf Tafeln die aus einer Wurzel stammenden Wörter zusammen. Man vergleidie auch den Abschnitt, der über Schrift und Sprache handelt.

Von einer Rechtswissenschaft kann in Babylonien und Ufjyrien noch keine Rede sein. Die Gesetsammlung Hammurabis enthielt sowohl Bestimmungen des Strafrechts wie des Privatrechts. Beide Gebiete wurden noch nicht reinlich geschieden, so wenig wie in den vorangchenden sumero-alfadischen Hausgesetzen. Diese beiden Sammlungen konnten aber zu Vergleichungen und Erklärungen anleiten; denn wenn auch der eine große Stein, auf dem die Gefeße geschrieben waren, geraubt und nach Susa gebracht war, so blieben doch Abschriften dieser Geseke und die mündliche Ueberlieferung. Aber wir wissen nichts gewisses über inren Gebrauch, nur daß sie auch in Assyrien Geltung erlangt haben.

Eine Theologie oder Gotteswissenschaft kann da nicht ers wachsen, wo die Herrlichkeit des unsichtbaren Gottes verkehrt ist in das Bild der vergänglichen Menschen, Vögel und andrer Geschöpfe ). Hier wird aus der dichtenden Phantasie der Menschen eine Mythologie oder aus der Naturbetrachtung der Naturmythus geboren, die wir beide in den Göttersagen kennen lernten.

Die Geschichtsschreibung und Erdbeschreibung ist bei Babyloniern und Affyrern in den Kinderschuhen stecken geblieben. Ruhmesinschriften mit Kriegsberichten haben wir schon aus den ältesten

1) Röm. 1, 22 2.

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