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lichen Geschlechtes am Opfertier. Jedenfalls war die Haruspicie in Affyrien wie in Babylonien viel geübt und tam von da auch in das Abendland. Die Beschaffenheit der Eingeweide, äußerer und innerer Körperteile gab den Beschauern nicht etwa Anlaß, ihre anatomischen Kenntnisse zu vermehren, sondern sie bot den geübten Beschauern nur die Unterlage für ihre Antworten und gab ihnen alle nur zu wünschende freiheit für ihre Deutung oder Dichtung. Es blieb ein weiter Spielraum für die mannigfaltigen Unterschleife, deren sich die Priester bedienen mußten, besonders wenn die Gottheit einmal scheinbar ihnen nicht zu willen war. Wenn aber die Priester ganz naiv bei der Gottheit anfragen, ob eine Auflehnung gegen den König Meinung oder Befehl der Gottheit sei; so liegt es auf der Hand, daß solch eine Frage nur Vorwand ist. Die Priester stellen die frage und geben die Antwort, sie machen die Revolution oder sie treten ihr entgegen, beides im Piamen der Gottheit, aber in Wirklichkeit nach dem Kompaß ihres Urteils. Von ciner politischen Ueberzeugung muß man bei dem Volk absehn, das auf Töten, Plündern, Rauben die meiste Mühe und Arbeit verwandte.

Doch kehren wir zu den Sonnenfinsternissen zurüd:

„Wenn im Monat Siwan vom ersten bis dreißigsten Tag eine Verfinsterung cintritt, so wird das Wachstum im Lande zurüdbleiben. „Wenn im Monat Elul vom ersten bis dreißigsten Tag Winde wehen, so wird Regenflut und hochwasser eintreten.“

Ueberall tritt uns eine merkwürdige Mischung von Wissenschaft und Aberglauben, von Herrschsucht und Betrug entgegen. Selten ist das ,,Licht des Bel“ wirklich hell, bisweilen aber ganz naiv, wie in den folgenden Orakeln:

,,Steht Mars den fischen gegenüber, so werden die fischer einen guten fang tun." Steht Mars dem Marduk (Planet Jupiter) gegenüber, so sieht der König einer Niederlage entgegen."

Wenn freilich auch Mißgeburten sorgfältig aufgezeichnet und als ernste Vorzeichen eines bevorstehenden Unheils verwendet werden, so hört damit alle Wissenschaft auf. Nach Umständen werden sie auch günstig gedeutet. Man achtete auf Gestalt und farbe der Augen und Ohren, die Haare, Nase und Zunge des Neugeborenen, ob es einem Ochsen, Kalb oder Vogel ähnlich sei; ob seine Lippen den Lippen eines Schweines oder einer Gazelle glichen; ob die rechte Hälfte des Schädels unbehaart fei oder Hörneransäke jich finden wie bei einem Kalb oder jungen Gazelle. Besonders wurde auf die Zwillingsgeburten geachtet. Den Tiergeburten wurde nicht weniger Aufmerksamkeit geschenkt, Löwen mit Schweinsaugen, Mißgeburten mit Hundekopf und Löwenfüßen, mit zwei Köpfen oder zwei Schwänzen werden genau verzeichnet “).

1) Vergl. Bezold, N. 1. 8., S. 86.

Die Deutung sagt: „Wenn das Kind an Stelle der Ohren rechts und links Hörner hat, dann wird der König viele Länder beherrschen ")."

Neben dem Himmel und seinen Gestirnen, neben der Erde und allen ihren Ereignissen beobachteten die Priester oder Magier auch das Steigen und fallen des Wassers im Euphrat und seinen Kanälen. Ein Bericht darüber liegt in akkadischer Sprache mit semitischer Ueberseßung dor. Er lautet:

„Im Monat Nisan am 2. Tag, ein faspu in der Nacht das ist so viel als 8 Uhr abends, da der Tag der Babylonier mit 6 Uhr abends begann tommt der Amilsisgal näher und beobachtet das Wasser des flusses. Er tritt vor das Angesicht Vels und mißt und vor dem Ungesicht Bels macht er sein Zeichen (wie hoch, oder tief das Wasser stand) und spricht im Gebet zu Bel also: 0 Herr, der in seiner Macht seines gleichen nicht hat, o Herr, guter fürst

, Herr der Welt, der den frieden der großen Götter hält, der in seiner Herrschermacht die Gewaltigen niederwirft; dein Wohnsitz ist Babel, Borsippa ist deine Krone, ist die Ruhe deiner Seele.“

Sodann folgt die rein semitische Fortseßung:

„Herr der Länder, Glanz der sieben Götter, Verkünder der Gnade, wer ist wie du? Kein Gott faßt deine Macht. Gib Gunst denen, die sich niederbeugen. Untworte dem Menschen, der deine Nacht preift. Ergreife die Hände, die zu dir sich heben. Schenke Babel, deiner Stadt, Gunft. Ju deinem Tempel Efagila neige dein Angesicht und schenke Segen den Söhnen Babels und Borsippas 1).“

In seinem Werk über den Einfluß und Charakter der Gestirne gibt Ptolemäus eine Anweisung zur Beobachtung der Gestirne, die seine Bes kanntschaft mit der Weise und Lehre der Magier verrät. Er sagt *): „Zuerst beobachte man den Ort des Tierkreises, der dem vorgelegten Gegenstand angehörig oder verwandt ist. Dann beobachte man die Ge stirne, die an seiner Stelle eine Macht oder Herrschaft besißen. Ferner achte man auf das Wesen jener Gestirne, auf ihre Stellung gegen den Horizont und gegen den Tierkreis. Endlich schließe man auf die Zeit im allgemeinen aus ihrer Morgen- und Abendstellung gegen die Sonne und gegen den Horizont.“

Die Babylonier aber und Afiyrer hätten Sterne und Opfer und Träume und anderes entbehren können; denn Onima fanden sie überall. Wie der König in seinem Wagen ausgefahren ist, wie er seinen Bogen gehalten hat, was einem Mann bei dem Schlachten des Opfertieres zusestoßen ist

, alles hat seine Bedeutung. Ja der Schatten eines Menschen, das fladern eines Lichtes, das Zittern der Flamme, das Feuer im Ofen, das Wachsen des Getreides u. a. geben dem Kundigen Bilder der Zukunft, dazu unglückliche Ereignisse, wie die Zerstörung eines Gebäudes, der Tod des Königs oder eines hohen Beamten, die Verwüstung von feld und Uu, Hungersnot, Ueberschwemmung, Trockenheit, Sklaverei *).

1) 3. f. 4. IV, S. 439. 2) Nach fr. Hommel, Sem V. u. Spr. I, 476. 3) Nach å. Jeremias, a. T. O., S. 7. 4 Bezöld, N. u. B., S. 89.

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Arithmetik. Die Babylonier und Affyrer verstanden das Dezimalsystem und Duodezimalsystem in der Zahl 60 zu verbinden, sodaß bei ihnen 1, 10, 60, 600, 3600 eine Einheit bildeten. Vielleicht beruht diese Rechnung ouf einer alten Teilung des Jahres in 6 X 60 oder 12 x 30 Tage, wie die Ekliptif in 360 Grade geteilt war. Als Zeichen für Uddieren brauchte man zwei wagerechte Keile - naphoru „ganz" oder isipu „hinzufügen", hebr. asaph. Das Subtrahieren wurde durch zwei verschieden gestellte Keile angezeigt ').

Die Elle, akkadisch u, babyl. amatu, hebr. amma, wurde in sechzig Linien eingeteilt. Die große Elle hieß amatu rabitu. Während die ägyptische Elle zweiundfünfzig Zentimeter groß war, rechnet man die babylonische bald zu fünfzig, bald zu vierundfünfzig Zentimeter. Sechs Ellen machen ein Rohr oder Kan, hebr. faneh; sechzig Ellen ergeben das Plethron, dreihundertsechzig Ellen die Stadie der Griechen, dreißig Stadien die Parafanges der Perser, d. i. eine Wegstunde oder dreiviertel deutsche Meile.

Der fuß betrug sechszehntel Elle oder sechsunddreißig Linien oder einunddreißigeinhalb Zentimeter. Alle kleinen Flächen wurden nach Quadratfuß berechnet, größere Flächen aber nach einem Maß, das bald gur, bald pi, imir, ka, gan, si oder sar genannt wird 2).

J. Oppert rechnet den gur = 180 ta = 1800 fahia, ein pi 36 fa

360 sahia, also ein gur = 5 pi 3 imeru = 30 bar. Eine Rechnung nach oben: 7 Ellen machen ein fan aus, 60 Ellen ein (oß, 600 Ellen ein ner, 3600 Ellen ein far.

Mit dem maris oder Kubikfuß, der 31172 Liter faßte, wurden fowohl trođene als flüssige Erzeugnisse gemessen. Der sechzigste Teil eines maris hieß log, das ein wenig mehr als unser Pfund oder 72 Kilogramm war.

Das Korn oder Betreide wurde nach gur oder ta berechnet.. Das Maß des Samas galt als das richtige oder geaichte.

Das Oel wurde mit imir, fa und nisippi gemessen :) oder nach appa, bar oder fa“). Edelsteine maß man nach maneh und cebi, wie wir aus dem Testament Sanheribs sahen. Maneh, hebr. ebenso, kehrt sogleich als Gewicht, später als Münze wieder, wie sie von den Phönifiern und Babyloniern nach Aegypten und Griechenland gebracht wurde.

Mit Wasser gefüllt wog der maris genau 30,65 Kilogramm 61,30 Pfund. Das ist im Münzwesen ein Talent. Es wird eingeteilt in 60 mana oder minen, eine mine 0,511 Kilo oder 1,02 Pfund. Eine mine zerfällt in 60 sekel, paras ist eine halbe mine oder 30 sekel, der sekel wiegt 8772 gramm, zerfällt in 120 oder 180 schi. Uuch das griechische Talent hatte 60 Minen, die Mine aber 100 Drachmen. Das babylonische Talent hatte ursprünglich 60 X 60, also 3600 Sefel. Erft später nahmen Babylonier und Assyrer das hebräische Talent an, das 3000 Sekel hatte. Doch wurde mit diesem Gewicht nur das Gold gewogen. Das schwere Gewicht hieß mana sa sarru, d. i. eine Mine des Königs ). Während die alten Hebräer die Mine zu 50 sekel rechneten, hatte sie später 100 Sekel oder Drachmen.

1) Vergl. Jensen, Kosmol., S. 106. 2) K. B. III, 191 und IV an mehreren Siellen. 3) K. B. IV, S. 281. 4) Balser, Kurn.-Jnichr., s. 19.

Eine Ente, aus Basalt gearbeitet, kam als Beutestüc aus Babel nach Ninive, wo sie gefunden wurde. Sie trägt die Inschrift: „30 minen justierten Gewichts. Dalast Jrbamarduts, des Königs von Babylon."

Aufwärts gerechnet ergaben 60 Talente ein foß, 600 ein ner, 3600 ein far, wie auch in andern Rechnungen.

In Senkereh fand Loftus 1854 eine Tafel mit folgenden Rech nungen: 43 foß +21=51?. 45 foß +4= 52. 46 foß + 49 =

= 53? 48 foß + 36 = 54. 50 foß + 25 = 552 52 10B + 16 =

. 562 54 soß +9= 57. 56 foß + 4 = 582 58 foß + 1 =

4 592. 60 poß 602.

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Geometrie.

Gewiß haben die Babylonier und Uffyrer auch in dieser Wissenschaft Ansehnliches geleistet, aber es ist uns so gut wie nichts davon bekannt geworden. In Senkereh fand man Tontafeln mit geometrijden Zeichnungen. Sie teilten den Himmelskreis in 360 Grade ein. Sie wußten auch, daß der halbe Durchmesser des Kreises fich sechsmal in dessen Peripherie eintragen läßt, wodurch das regelmäßige Sechseck entsteht. Sie konnten Erech als ein Siebeneck aufbauen.

1) 2. Sam. 14, 26.

Eifter Abschnitt.
Die Städte beider Reiche.

Es ist selbstverständlich, daß wir von den babylonischen und assyrischen Städten und ihren Bewohnern bei weitem mehr wissen, als von dem flachen Land und den Candleuten; denn in den Städten wohnte die Kultur vornehmlich. Dort schuf sie auch die steinernen Zeugen, die noch nach tausenden von Jahren zu uns reden. Wie in andern Ländern und zu andern Zeiten entstanden auch hier die Großstädte von Babylonien und Affyrien nicht mit einemmale, sondern nach und nach, vorzugsweise durch Zusammenwachsen benachbarter Ortschaften. Nur wenige Städte wurden von vornherein nach einheitlichem Plan angelegt und ausgebaut. Die Großstädte aber hatten vor den heutigen vieles voraus, wie den überaus wichtigen Vorteil, daß fruchttragende felder und Milch- und Schlachtvieh nährende Wiesen oder Weiden zwischen den einzelnen Stadtteilen oder, wie in Babylon, zwischen den beiden Mauern und den eingeschloffenen Häuservierteln lagen. Sodann findet sich in ihnen nicht das Unwesen himmelhoher Wohnhäuser und zusammengedrängter Mietsfasernen, wodurch den Einwohnern Licht und Euft entzogen wird. Aber bei diesem Vorteil der einbezogenen Felder und Wiesen ist doch noch nicht erklärt, wie diese Städte mit Millionen von Einwohnern ohne die heutigen Verkehrsmittel ernährt wurden und sogar längere Belagerungen aushalten konnten? Man kann ja zur Erklärung dieser Tatsache die Einfachheit in der Lebensweise besonders betr. der Nahrungsmittel heranziehn, wie wir sie noch heute bei den Chinesen finden, die ihre großen Städte Peking, Nanking und Kanton bis in unsere Zeit ohne Eisenbahn und Dampfschiffe ernährt haben. Doch mag noch daran erinnert werden, daß Babylon durch einen großen Strom in zwei Teile geteilt wurde, der imerhin einige Zufuhr gestattete, die Belagerung der alten Zeit auch so enge Kreise kaum um diese großen Städte schließen konnte, daß dadurch aller Verkehr mit der Außenwelt verhindert worden wäre.

Abnunna f. Umlias.
Uchizu chin a war eine assyrische Stadt jenseit des untern Zab.

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