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Dies ist offenbar ein sehr bedenkliche Bestimmung, wodurch nicht wenige zum Vorwurf der Zauberei verleitet werden mußten, weil ein großer Vorteil in Aussicht gestellt war, wenn der fluß so wollte.

Der 3., 4. und 5. Sak handeln von dem Zeugnis vor Gericht und bestimmen die Strafe für ein fehlerhaftes Urteil des Prozeßrichters. Es wurde aber das Amt des Richters von dem Priesteramt eingeschlossen, oder es traten die Weltesten (fibu gen. hebr. sekenim) in diese Tätigkeit ein, die für gewöhnlich nur als Jeugen oder Sachverständige beteiligt waren ). Der 6. Sak lautet:

„Wenn jemand Besitz von Gott oder Hof stiehlt, so soll er getötet werden.“

Wenn hier kein einzelner Göße oder Gößentempel als Eigentümer genannt, sondern oon Gottesbesit d. h. von heiligem, für den Gottes. dienst abgesonderten Besik im allgemeinen geredet wird, so läßt sich hier sehr wohl eine Spur des Monotheismus erbliden, der auch bei den Sumero-Akkadiern die ursprüngliche Religion war. Schwört man doch in dieser Zeit nicht bei einer der vielen Gottheiten, sondern bei Gott allein oder früher bei Gott und dem König 2). Man vergleiche die Säße 20. 103. 107. 121. Hier liegt ein zweiter Beweis des ursprüng. lichen Monotheismus vor.

Zu bemerken ist noch, daß zunächst hier nicht der Diebstahl im allgemeinen mit Strafe bedroht wird, sondern nur der qualifizierte, der den Besitz der Tempel oder des Königs angreift. Erst die folgenden Säßc bis 41 handeln von dem Diebstahl andrer Art und feben die Strafen dafür fest; dann von verlorenem Gut, von Kauf und Verkauf der Sklaven, von Raub u. a. m.

Einen Einblich in den babylonischen Gerechtigkeitssinn gewährt der 25. Sak:

„Wenn im Hause jemandes feuer ausbricht, und jemand, der zu löschen kommt, auf das Eigentum des Herrn sein Auge wirft und das Eigentum des Haus. hernn nimmt, so soll er in dasselbe feuer geworfen werden.“

Es ist gemeint, daß der Dieb in flagranti ertappt wird. Aber er hatte immer die Ausrede, daß er das ergriffene Gut ,,retten" wollte.

Der 26. Saß bedroht den Untertan .der sich dem Kriegsdienst entzieht, mit Todesstrafe. Ein folcher beschädigt durch seine Fahnenflucht das Reich, den König. Demnach war der Kriegsdienst eine Pflicht sämtlicher freier Männer, wie auch sonst im alten Orient und Occident, während die Sklaven von dieser Leistung befreit waren. Die Alten waren klug genug, nicht nur die Gefahr zu erkennen, die in der Bewaffnung und Waffenübung der Sklaven lag, sondern sie sorgten auch mit dieser Maßregel für Aderbau, Handwerk, Gewerbe und Handel, daß diese im Kriegsfall ohne Unterbrechung von den Stlaven weitergeführt

1) Vergl. J. Jeremias, m. u. H., S. 32.

werden konnten. Genau genommen ist aber hier bis Sak 41 nicht von jedem freien Untertan überhaupt die Rede, sondern von dem rid sabe, einer Art königlichen Hauswirts, der für seine Dienste mit feld, Garten und Haus belehnt wurde. Vergl. ridute.

Der 27. Saß bestimmt: Jedem Krieger, der im Unglüc des Königs gefangen wird, soll sein Eigentum bis zur Rückehr aus der Gefangenschaft bewahrt werden., Die Babylonischen Herrscher hatten oft das Mißgeschid, daß sie und ihre Heere geschlagen wurden; auch war es wohl vorgekommen, daß Eigentum von gefangenen Kriegern ohne Rücksicht auf die Angehörigen als gute Beute angesehen wurde. Solcher Uebergriff mußte manchen vom Kriegsdienst zurüxschrecken.

Die Säße 42—126 enthalten Bestimmungen über Pachtung, Bes mußung und Beschädigung von Grundstüđen, über Borgen, Zurück. zahlen und Verzinsen eines Kapitals, über hinterlegung und Schuldhaft.

Die Strafe des Verkaufens, die in Saß 54 dem säumigen Schuldner angedroht wird, finden wir noch in einem Gleichnis des Herrn . Sağ 112 erinnert an das andre Gleichnis, das von anvertrautem Gut handelt ?).

In Nr. 63 und 64 wird das Schaffen neuer Werte durch Anroden von Wüstungen oder Pfropfen von Wildlingen belobt, wie andrerseits in Saß 61, 62, 65 faulheit und Rachlässigkeit getadelt werden.

Wer ein freund der Entwidelungslehre ist, der fann an diesen BeTeßen Hammurabis erkennen, daß die Entwicelung der Rechtsbildung keineswegs immer vorwärts geht. Und wer da meint, die Beschichte der Menschheit habe einen dunkeln Anfang ohne Sinn und Verstand gehabt, der beachte diese Gefeße, die bis zu den sintflutlichen Menschen, also über die Steinzeit hinausreichen. Bereits vor über 4000 Jahren war in Babylonien für die Arbeiter gesorgt, was bei uns erst vor zwanzig Jahren zu stande gekommen ist.

Besonders auffällig ist Saß 108: „Wenn eine Schänkwirtin als Preis für Getränke nicht Getreide nach großem Gewicht, sondern Gold 8) annimmt, und der Preis des Getränkes im Verhältnis zu dem des Getreides geringer ist, so soll man sie dessen überführen und ins Wasser werfen."

Saß 127—177 beziehen sich auf Eheschluß und Ehebruch, auf das Erbrecht und was mit dem Familienleben zusammenhängt.

Nach 128. Saß besteht eine Ehe nur dann zu recht, wenn ein Vertrag und Urkunde über den Eheschluß schriftlich aufgelegt worden ist. Also hat in diesem Stüd die franzöfische Geseßgebung unter Napoleon I. und das gegenwärtige deutsche Eherecht seinen Vorgänger in Babylon. Dies ist offenbar ein sehr bedentliche Bestimmung, wodurch nicht wenige zum Vorwurf der Zauberei verleitet werden mußten, weil ein großer Vorteil in Aussicht gestellt war, wenn der fluß so wollte.

1) Matth. 18, 26. 2) Lut. 19, 12 x. 3) früher hatte H. Windler „Silber“ übersetzt.

Der 3., 4. und 5. Saß handeln von dem Zeugnis vor Gericht und bestimmen die Strafe für ein fehlerhaftes Urteil des Prozeßrichters. Es wurde aber das Amt des Richters von dem Priesteramt eingeschlossen, oder es traten die Heltesten (fibu gen. hebr. sekenim) in diese Tätigkeit ein, die für gewöhnlich nur als Zeugen oder Sachverständige beteiligt waren "). Der 6. Saß lautet:

„Wenn jemand Besitz von Gott oder Hof stiehlt, so soll er getötet werden.“

Wenn hier kein einzelner Göße oder Gößentempel als Eigentümer genannt, sondern oon Gottesbesitz d. h. von heiligem, für den Gottes: dienst abgesonderten Besik im allgemeinen geredet wird, so läßt sich hier sehr wohl eine Spur des Monotheismus erbliden, der auch bei den Sumero-Artadiern die ursprüngliche Religion war. Schwört man doch in dieser Zeit nicht bei einer der vielen Gottheiten, sondern bei Gott allein oder früher bei Gott und dem König ?). Man vergleiche die Sätze 20. 103. 107. 121. Hier liegt ein zweiter Beweis des ursprüng. lichen Monotheismus vor.

Zu bemerken ist noch, daß zunächst hier nicht der Diebstahl im allgemeinen mit Strafe bedroht wird, sondern nur der qualifizierte, der den Besik der Tempel oder des Königs angreift. Erst die folgenden Säße bis 41 handeln von dem Diebstahl andrer Art und setzen die Strafen dafür fest; dann von verlorenem Gut, von Kauf und Verkauf der Sklapen, von Raub u. a. M.

Einen Einblic in den babylonischen Gerechtigkeitssinn gewährt der 25. Sak:

„Wenn im Hause jemandes feuer ausbricht, und jemand, der zu löschen kommt, auf das Eigentum des Herrn sein Auge wirft und das Eigentum des Haus. hernn nimmt, so soll er in dasselbe feuer geworfen werden.“

Es ist gemeint, daß der Dieb in flagranti ertappt wird. Aber er hatte immer die Ausrede, daß er das ergriffene Gut „retten“ wollte.

Der 26. Saß bedroht den Untertan .der sich dem Kriegsdienst entzieht, mit Todesstrafe. Ein folder beschädigt durch seine Fahnenflucht das Reich, den König. Demnach war der Kriegsdienst eine Pflicht sämtlicher freier Männer, wie auch sonst im alten Orient und Occident, während die Sklaven von dieser Leistung befreit waren. Die Alten waren klug genug, nicht nur die Gefahr zu erkennen, die in der Bewaffnung und Waffenübung der Sklaven lag, sondern sie sorgten auch mit dieser Maßregel für A&erbau, Handwerk, Gewerbe und Handel, daß diese im Kriegsfall ohne Unterbrechung von den Sklaven weitergeführt

1) Vergl. J. Jeremias, M. u. H., S. 32.

werden konnten. Genau genommen ist aber hier bis Sak 41 nicht von jedem freien Untertan überhaupt die Rede, sondern von dem rid sabe, einer Art königlichen Hauswirts, der für seine Dienste mit feld, Garten und Haus belehnt wurde. Vergl. ridute.

Der 27. Saß bestimmt: Jedem Krieger, der im Unglüc des Königs gefangen wird, soll sein Eigentum bis zur Rückehr aus der Gefangenschaft bewahrt werden., Die Babylonischen Herrscher hatten oft das Mißgeschid, daß fie und ihre Heere geschlagen wurden; auch war es wohl vorgekommen, daß Eigentum von gefangenen Kriegern ohne Rüdsicht auf die Ungehörigen als gute Beute angesehen wurde. Solcher Uebergriff mußte manchen vom Kriegsdienst zurüdschrecken.

Die Säße 42—126 enthalten Bestimmungen über Pachtung, Bes nußung und Beschädigung von Grundstücken, über Borgen, Zurück. zahlen und Verzinsen eines Kapitals, über Hinterlegung und Schuldhaft.

Die Strafe des Verkaufens, die in Sak 54 dem fäumigen Schuldner angedroht wird, finden wir noch in einem Gleichnis des Herrn "). Saß 112 erinnert an das andre Gleichnis, das von anvertrautem Gut handelt).

In Nr. 63 und 64 wird das Schaffen neuer Werte durch Unroden von Wüstungen oder Pfropfen von Wildlingen belobt, wie andrerseits in Sak 61, 62, 65 faulheit und Nachlässigkeit getadelt werden.

Wer ein freund der Entwicelungslehre ist, der tann an diesen Geseßen Hammurabis erkennen, daß die Entwidelung der Rechtsbildung feineswegs immer vorwärts geht. Und wer da meint, die Geschichte der Menschheit habe einen dunkeln Anfang ohne Sinn und Verstand gehabt, der beachte diese Gefeße, die bis zu den fintflutlichen Menschen, also über die Steinzeit hinausreichen. Bereits vor über 4000 Jahren war in Babylonien für die Arbeiter gesorgt, was bei uns erst vor zwanzig Jahren zu stande gekommen ist.

Besonders auffällig ist Sat 108: „Wenn eine Schänkwirtin als Preis für Getränke nicht Getreide nach großem Gewicht, sondern Gold 8) annimmt, und der Preis des Getränkes im Verhältnis zu dem des Getreides geringer ist, so soll man sie dessen überführen und ins Wasser werfen."

Saß 127—177 beziehen fich auf Eheschluß und Ehebruch, auf das Erbrecht und was mit dem familienleben zusammenhängt.

Kach 128. Sak besteht eine Ehe nur dann zu recht, wenn ein Vertrag und Urkunde über den Eheschluß schriftlich aufgeseßt worden ist. Also hat in diesem Stüd die franzöfische Gesekgebung unter Napoleon 1. und das gegenwärtige deutsche Eherecht seinen Vorgänger in Babylon. Das ist sehr bezeichnend für Ursprung und Wert solcher und ähnlicher Rechtsbestimmungen.

1) Matth. 18, 26. 2) Lut. 19, 12 uc. 3) früher hatte h. Windler „Silber“ übersetzt.

Sak 145—6 scheinen aus der Geschichte von Abraham, Sarah und Hagar ausgeschrieben zu sein, davon sogleich mehr zu sagen ist.

Sak 146 lautet:

„Wenn jemand eine frau nimmt und diese ihrem Mann eine Magd zur Gattin gibt und sie (die Magd) ihm Kinder gebiert, dann aber diese Magd sich ihrer Herrin gleichstellt, weil sie Kinder geboren hat, so soll ihr Herr (oder ihre Herrin) sie nicht für Geld verkaufen. Die Sklavenmarte (Mal) soll sie ihr einritzen, sie unter die Mägde rechnen.“

Die hl. Schrift ") berichtet uns, daß Abraham fest und sicher in der hier zum Gesek ausgeprägten Rechtsgewohnheit stand, als er betr. der Hagar seiner Beschwerde erhebenden Ehefrau antwortete: „Deine Magd ist in deiner Hand." Yun verstehen wir auch das „Demütigen“, dem Hagar fich durch die Flucht entzog. Es ist das Einrißen des Sklavenzeichens gemeint, das die Strafe der Hagar für die Beleidigung ihrer Herrin sein sollte. Zu gleicher Zeit haben wir hier einen augenscheinlichen Beweis für die Mitwirkung semitischer Rechtsgewohnheit bei Aufstellung dieser babylonischen Geseke. Nur eins ist in der Erzählung felbst dunkel: Hagar war schon vorher Magd oder Sklavin; aber vielleicht trug sie noch nicht das Sklavenzeichen?

Sak 153 lautet:

„Wenn jemandes Ehefrau wegen eines andern ihren Gatten hat ermorden lassen, so soll man sie auf den Pfahl steden."

Dieser Saß zeigt an, daß man zur Zeit Hammurabis von Vielmännerei nichts wußte.

Nach Saß 165 erben die Söhne der Hauptfrau, die rabitu oder asjatu heißt, zu gleichen Teilen, was das bewegliche Vermögen betrifft, während das unbewegliche Vermögen durch Schenkung dem Lieblingssohn mar sa ensu, d. i. dem Augapfel, zufallen kann.

Saß 178–182 geben Bestimmungen über die erbrechtlichen Verhältnisse der Tempel- und Buhldirnen. Von ihnen war schon in Nr. 110 und 127 als „Geweihten", babyl. „Gottesschwestern“, gehandelt worden. Daß ein so unsauberes und volksvergiftendes Gewerbe in den Dienst der Götter gestellt und das allergemeinste mit einer Art von Heiligenschein geschmüdt werden konnte, wie hier neben der Draris geschieht, das zeigt nach einer Seite die tiefe finsternis und Schande an, die Gößendienst und Priestertrug über ein Volk bringen kann. Aber es wird auch glaublich, was Herodot I, 199 von den Babyloniern berichtet, daß jedes weibliche Wesen sich wenigstens ein Mal in seinem Leben den Tempelbesuchern preisgeben mußte. Also wurden noch in späteren Jahrhunderten alle frauen und Mädchen den Gottesschwestern gleich erniedrigt.

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