Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

aber erst nach seiner Rüdehr aus der babylonischen Gefangenschaft derschloß sich in Juda ein jedes Tor für fremden Einfluß. So ist es bis heute nicht erwiesen, daß die Hebräer ihren Sabbat, ihr Priestertum, ihre Opfer, ihr Geset, ihre heiligen Geschichten von der Schöpfung, pom Sündenfall, von der Sintflut, ihre Vorstellungen vom Paradies, von Engeln und Teufeln aus Babel überkommen haben, wenn auch H. Zimmern hierüber fein Wort mehr verlieren will, als wäre jede Ver. mutung und jede Annahme gleich einer bewiesenen Tatsache. Wo nur eine Aehnlichkeit oder Uebereinstimmung auf seiten beider Völker entdeckt worden ist, läßt sich fast in jedem einzelnen falle die berechtigte frage aufwerfen, ob nicht die sämtlichen Einwanderer dies oder jenes nach Babel mitgebracht, also ebenso lange als die Babylonier selbst gehabt haben? Jedenfalls aber haben sie die Vorstellung vom Paradies nidit aus Babel, wo sie überhaupt weder früher noch später gefunden wird. Vielmehr nannten die Perser also die königlichen Gärten, die in dem weiten persischen Reiche, später auch in Palästina, angelegt wurden. Die Vorstellung vom Paradies im biblischen Sinn ist ebenso alt, wie die von den himmlischen Geistern. Sie geht bis an den Anfang der Menschheit zurüd.

hat nun E. Schrader mit seiner Behauptung recht, der Sabbat sei weder eine hebräische Einrichtung noch eine aramäische Sitte, so haben Abraham und seine Ceute auch den Sabbat nicht aus Südbabylonien mitgebracht; denn dort war er nicht bekannt. Aber Sayce meint"), sieben sei eine heilige Jahl, deren magische Tugenden die Semiten von ihren akkadischen Vorfahren übernahmen. Er sagt: „Als der chaldäische Noah aus der Sintflut errettet wurde, da war das erste, das er tat, daß er einen Altar baute und je sieben Gefäße, von denen jedes den dritten Teil eines Epha enthielt, über eine Schicht von Schilf, Fichtenholz und Dornen setzte." Aber abgesehn von der Erfindung der alfadijchen Vorfahren der Semiten, was geht das Opfer des chaldäischen Noah den Sabbat an?

Das göttliche Gebot felbft) weist einen unbefangenen Hörer auf die Tatsache hin, daß wir in dem Sabbat weder etwas babylonisches noch etwas hebräisches noch etwas aramäisches erkennen dürfen. Das Gebot felbst stellt den Sabbat als eine schöpfungsmäßige, alle Mienschen angehende Ordnung hin, die jo alt wie das Menschengeschlecht selbst ist, wenn sie auch nicht bei allen Völkern gefunden wird, weil sie mit dem lebendigen Gott auch seine Ordnungen verloren hatten.

Wenn dann bei Wiederholung des Gesetes) das Sabbatgebot mit der Errettung des Volkes Israel aus Aegypten in Verbindung gebracht wird, so begründet sich diese Aenderung in mehrfacher Weise. Einmal wirkt das Erfordernis, daß dem neuen, in vierzigjähriger Wüstenwanderung herangewachsenen Volk Sabbat für Sabbat die große Bottestat seiner Errettung aus der schweren ägyptischen Dienstbarkeit in das Gedächtnis eingeprägt werden mußte, weil Israel hierdurch ein freies Volt und ein Volk Gottes geworden war ), während seine Väter, die den Uuszug aus Uegypten erlebt hatten, eines solchen Hinweises nicht bedurften. Zum andern entspricht es ganz der Sachlage, wenn vom Sinai herab das Gebot über alle Länder und Völker ergeht; aber in der täg. lichen Anwendung auf das nationale Israel insonderheit gerichtet wird.

1) Urquhart I, S. 155. 2) Ex. 20. 8—11. Gen. 2, 3. Jerem. A. T. V. S. 86. 3) Deut. 5, 15.

Uebrigens sind die Babylonier selbst ganz verschiedener Meinung über Wert und Bedeutung des Sabbats. Dem einen ist er ein jum nukh libbi, „ein Tag der Ruhe des Herzens in Gott“, wie Loß schön übersetzt hat. fr. Delißsch ?) aber denkt an das unruhige Herz der Götter, das der Bejänftigung am Sabbat bedarf. Sayce übersetzt: „ein Tag der Ruhe für das Herz“, auch nicht übel. Andern Babyloniern aber ist der Sabbat ein Unglütstag, eine Äuffassung, die Sayee in die akkadische Zeit weist. Er liest udu khilgal, „ein ungiltiger Tag“, fr. Delißich aber ud chul gal, „ein böser Tag". Wieder andern Uuslegern gilt der Sabbat als ein Tag der Vollendung, wozu Gen. 2, 2 verglichen werden kann. Nach Dindes endlich, der ein Keilschriftfragment mit der sumero-aktadischen Bezeichnung der Tage und daneben die assyrische Ueberseßung veröffentlicht hat, gibt es für die Babylonier einen Tag der Reinigung, einen Tag der Waschung und mehrere andere festtage im Monat. Der 15. Tag wird in der aji yrischen Uebersekung sabattu genannt. Es war aber dieser Tag nach Pinches Pein Tag der Ruhe im gemeinen Sinn, sondern der Tag des Vollmonds, indem der erste eines jeden Monats Neumond war, ein Tag der Ruhe nur als der „Tag der Beschwichtigung der erzürnten Götter“, also ein Tag besonderer Opfer und Gebete, womit Pinches die Ansicht von Delißsch und Bezold näher bestimmt, während die afsyrischen Hemerologien wieder den Sabbat umu lemnu „einent bösen Tag" nennen. Auch die Redeweise ,,6 Tage und 7 Nächte“, die im Gilgamis-Epos mehrere Male vorkommt, kann auf den Sabbat gedeutet werden.

Dieje Darlegung zu schließen, müssen wir sagen: Die SumeroAtkadier hatten zur Zeit, da die Semiten bei ihnen einwanderten, die Herkunft und die ursprüngliche Bedeutung des Sabbats bereits vergessen; die zugewanderten Semiten aber waren fast ebenso arm, weil der überhandnehmende Götterdienst den Ruhe- und Festtag des lebendigen Bottes schon durch die vielen Festtage der sichtbaren Götter mehr und mehr verdrängt hatte, wie das in der Natur der Sache liegt. Deshalb aber können wir gar nicht, wie fr. Delişích „die in unsrer Sabbats- bez. Sonntagsruhe beschlossene Segensfülle den alten Kulturvölkern am Euphrat und Tigris“ verdanken; denn was sie selbst nicht hatten, fonnten sie auch andern nicht geben.

1) Exod. 19, 4-6. 21 1. Vortrag S. 62. So auch K. Bezold N. u. 3. S. 108.

Daneben aber steht es feft, daß der assyrische König, der „Hirte der großen Völker“, am 7., 14., 21. und 28. Tag des Monats kein gebratenes fleisch und kein gesalzenes Brot essen durfte; denn als Oberpriester mußte er den hemerologien oder Kulturgeseßen der Priester gehorsam sein. Auch durfte er an diesen Tagen seinen Leibrod nicht wechseln noch weiße Gewänder anlegen, feinen Wagen besteigen, fein Opfer bringen, keine Entscheidung fällen. Beachtet man dieses Verbot, so kann in Alipa rien sicher der Sabbat nicht als ein Tag zur Beschwichtigung der großer Götter aufgefaßt worden sein; denn auch der Magier durfte an verborgenen Orten nicht wahrsagen, der Arzt die Kranken nicht besuchen noch Arzneien verordnen. Eine Verfluchung am Sabbat vorzunehmen, wurde nicht passend gefunden; denn es war ja ein böser Tag. Nur Zahlung zu leisten war nicht verboten ?). Mit allen diesen Bestimmungen gelangen wir nicht zu einem Tag religiöser freude und geistlichen Segens, wie der Sabbat in Israel tatsächlich auftritt, vielmehr entsprechen namentlich die asiyrischen Bestimmungen der Auffassung des Sabbats als eines bösen Tages, wo jeder sich hüten muß, den Zorn der Götter nod) mehr zu reizen statt ihn ju bej chwichtigen. Solchen Bestimmungen sieht der Talmud viel ähnlicher als die Bibel; sie machen aus dem Sabbat einen fastens, Buß- und Trauertag, während das Volk Israel an diesem Tage der großen Taten seines Gottes fröhlich gedachte, sodaß dieser Tag ein ewiges Bundeszeichen zwischen Gott und seinem Volk sein sollte und geworden ist?). So wird es dabei bleiben, daß die ursprüngliche Bedeutung des Sabbats nur bei den Hebräern erhalten blieb und, soweit nötig, später wieder hergestellt wurde, während die Sumero-Akkadier und die bei ihnen wohnenden Semiten den Segen und die Freude des Sabbats durch Einwirkung ihres Gößendienstes volle ständig verloren hatten.

Doch die Schwärmer für Babylon gehen weiter und meinen, nicht nur der Sabbat, sondern das ganze Gesek Israels sei von den Babyloniern entlehnt, denn kaum waren die Gesetze Hammurabis bekannt geworden, so wurde das sog. Bundesbuch 3) mit diesen neu entdeckten Beseben verglichen. Unmittelbar vor dem Bundesbuch stehen aber die heiligen zehn Gebote, die fr. Delitsch 4) als „des heiligen Gottes ureigenste Offenbarung" anerkennt. Sie sind gewiß die Grundlage aller menschlichen Gesete, der Richter aller Sittlichkeit und Religion. So hebt denn das Bundesbuch im Anschluß an das erste Gebot mit dem Verbot jedes Gößendienstes an und fährt fort mit Bestimmungen über den Bau der Altäre des unsichtbaren Gottes. Dann wird das Recht der Stlaven und Sklavinnen verkündet, während die folgenden Bestimmungen als Uusführung des sechsten Gebotes 1) Leib und Leben des Menschen schüßen. Sodann wird das achte Gebot bestätigt und das Eigentum gegen Diebstahl, Raub und Veruntreuung gesichert. Betr. des siebenten Gebotes wird die Ehre der Jungfrau geschüßt und die widernatürliche Unzucht mit Strafe bedroht. Dann wird die Strafe für die Zauberinnen und für alle Gößendiener feitgejeßt. Es folgen Gesetze zu gunsten der fremdlinge, der Witwen, Wajen und Armen, Verordnungen über Behandlung falscher Anklagen, über Verhütung von Sachbeschädigung, Sorge für gerechtes Urteil, Schuß der fremdlinge, Jahresfabbath, Passahfeier und doppeltes Erntefest. Endlich wird dem Volk Israel Sieg über die Kanaaniter verheißen und wiederholt vor dem Gößendienst gewarnt.

1) K. B. IV, S. 271. 2) Er. 31, 17. 3) Er. 20, 22-23, 33. 4) II. Vortrag, S. 18.

Wenn diese Geseke, die das Volk Israel durch Moseh erhielt, sich in einzelnen Stücken mit den Gefeßen Hammurabis nicht nur berühren, fondern hier und da fast wörtlich übereinstimmen; und wenn daraufhin eilfertig die Behauptung aufstellt, die Hebräer hätten ihre Gefeße aus Babel erhalten, so ist mit solcher Behauptung die wirkliche Sachlage nicht erhellt, die Frage nach dem beiderseitigen Verhältnis nicht gelöst und abgetan. Davon abgesehn, daß dem Geseheskoder hammurabis sumero-akkadische Gefeße) vorausgehen und zugrunde liegen, müssen wir daran festhalten, daß viele Gesehe Israels, vor allen die heiligen zehn Gebote, viel älter sind als Moseh und Hammurabi, jo alt wie die Menschheit selbst 3). Aber wie der König Hammurabi die Gesete, die in seinem Volke galtenn, zu ihrer Sicherung auf eine feljensäule schreiben ließ, so wurden dem Volke Israel Gottes Gebote, auf steinerne Tafeln geschrieben, neu und unverfälscht übergeben. Ob nun Nioseh fich, wie H. Windler und A. Jeremias 4) annahmen, dabei der babylonisdien Keilschrift bedient hat, oder ob, wie mir wahrscheinlicher dünkt, die GeTeke Israels in der hieratischen Schrift der Regypter, in deren Weisheit Moseh unterrichtet war"), geschrieben wurden; darauf kommt hier nichts an. Die Zeit, in der die Geseke Hammurabis aufgezeichnet wurden, wird damals ihren Anfang genommen haben, als der Nordfemite Tharah mit seinem Hirtenstamme Babylonien bereits wieder verlassen hatte; denn diese Gesetze sind fast ohne Ausnahme aus einem fejše haften und a&erbautreibenden Volke hervorgegangen und für ein feßhaftes Volk bestimmt. Jene Uuswanderer aber verschlossen sich wie gegen den Aderbau und gegen die Schreibekunst der alten Sumero-Altadier, so auch gegen die Sitten oder Unsitten dieses Voltes, teilweise auch gegen seinen Göşendienst. Demnach muß die Uebereinstimmung einzelner Geseke bei Hammurabi und Moseh auf eine Zeit zurüdgeführt werden, wo die Semiten noch nicht in Babylonien eingedrungen waren. So auch Grimme und ähnlich J. Jeremias am Schluß seines trefflichen Bühleins ?), wo er Arabien als Vermittler zwischen hebräischem und babylonischem Recht annimmt.

1) Nach biblischer Zählung.
2) Veröffentlicht von H. Winckler, 6. H. 4. Aufl.
3) Vergl. das zum 4. Gebot Gesagte.
4) A. T. O. S. 263.

Er. 2. 10. 24, 4. 34, 28. Deut. 31, 9. Upostelg. 7, 22.

Vergleicht man aber das Bundesbuch Jsraels mit den Geseken Hammurabis nicht nur auf den Wortlaut, sondern auf den inneren des halt

, jo läßt sich mit A. Jeremias behaupten, daß in Hammurabis Gefeßen nicht ein einziger religiöser Gedanke zu finden ist, daß sie alle rein weltlicher Art nach Ursprung und Absicht sind, während sich das Geset Israels vor allem auf den Dienst des Einen unsichtbaren Gottes bezieht, der in den Gefeßen Hammurabis nur wie ein Märchen aus alten Zeiten auftritt. Von Gott ist mehrere Male darin die Rede, aber niemals von seiner Verehrung. Gott ist ein Wort ohne Inhalt geworden. Aber auch von dem Dienst der Gößen ist dort selten die Rede. Abgesehn von der Einleitung und dem Schluß wird nur im Saß 182 eines Gößen namentlich gedacht. Wo bleibt da der von Hommel erfundene Monotheismus der Hammurabidynastie 2) ?

Un andere Mängel erinnert A. Jeremias ), durch die Hammurabis Gesetze weit hinter die Geseke Israels zu stehn kommen, nämlich daß nirgends die böse Begierde bekämpft, nirgends die Selbstsucht durch Altruismus lautet auf deutsch tausendmal schöner: Liebe deinen Nächsten als dich selbst -- eingeschränkt wird; daß nirgends das religiöse Motiv fich findet, wodurch die Sünde als der Leute Verderben erkannt wird, weil sie der furcht Gottes widerspricht. Dazu kommt noch manches andre Gebrechen. Beide Gesetsammlungen enthalten Straibestimmungen für allerlei Vergehen, aber Israels Gesetz ist in Abmessung der Strafen viel gelinder, viel menschenfreundlicher als die Gefeße Hammurabis. ferner ist das siebente Gebot in Babel so gut wie vergessen. Nur die allerschwersten Uebertretungen desselben werden noch mit Strafen bedroht. Während in Israels Gesetz die Ehre der Jungfrau beschüßt wird, beschäftigt sich bereits 800 Jahre vorher Hammurabi mit den Rechtsverhältnissen der Tempeldirnen!

Daß die Sitten der semitischen Babylonier und der Hebräer vielfach übereinstimmen, ist nach den oben angeführten Gründen ganz felbftverständlidi; denn beide sind ursprünglich ein Volk. Hier wie dort nahnı ein Mann, dem seine frau feinen Erben geboren, eine Nebenfrau, meist die Dienerin der Hauptfrau, wie die hl. Schrift von Abraham und Jakob

1) M. u. H. S. 35 u. 62. 2) Die altifr. Ueberlieferung S. 117. 3) 4. C. 0. S. 266.

« ͹˹Թõ
 »